Sogar Kinder können Pate werden

Nach meinem letzten Beitrag über ein trauriges Ereignis im Nürnberger Tiergarten nun wieder eine erfreuliche Nachricht von dort: Vor 25 Jahren begann für den Zoo am Schmausenbuck die Geschichte der Tierpatenschaften; die hießen damals noch „Futterpatenschaften“. Der Aufruf in verschiedenen Medien – auch in der Nürnberger Zeitung – löste schnell eine große Resonanz bei Zootierfreunden aus. Und die Zahl der Menschen, die ihre Lieblinge auf diesem Weg unterstützen, steigt seit einem Vierteljahrhundert stetig (Foto: Manuel Mederer).

Inzwischen sind es mehr als 770 Paten, die sich auf diese Art und Weise engagieren. Sie haben dafür gesorgt, dass bisher über 1,7 Millionen Euro zusammenkamen. Mit dem Geld, das dadurch für Tierfutter eingespart wurde, konnten zum Beispiel das Mediterraneum sowie die Anlagen für Buntmarder, Erdmännchen und Fischkatzen teilfinanziert werden. Tierpatenschaften werden übrigens gern verschenkt, und zwar zu allen möglichen Anlässen wie etwa Geburtstag, Weihnachten, Taufe, Schulanfang oder Hochzeit. Rund um das Thema Tierpatenschaften kann man sich bei Zoo-Mitarbeiterin Monika Prell informieren, die diesen Bereich betreut. Entweder telefonisch unter 09 11/5 45 48 38, per Mail unter monika.prell@stadt.nuernberg.de oder man klickt einfach hier. weiter lesen

Neuer Lebensabschnitt für Arnie und Naomi

arnieinportugalWahnsinn! Niemals hätte ich geglaubt, dass mein letzter Blog-Beitrag auf so großes Interesse stoßen und so gegensätzliche Meinungsäußerungen auslösen würde. Das Thema Gewalt gegen Zootiere ist schließlich – wie einer der Kommentarschreiber richtig bemerkt – nicht so ganz neu. Ich habe es trotzdem aufgegriffen, weil sich die Situation in Nordrhein-Westfalen in dieser Hinsicht anscheinend zuspitzt. Allerdings muss man auch sehen, dass es dort die größte Zoodichte innerhalb Deutschlands gibt und das Phänomen deshalb wohl stärker in den Blickpunkt rückt.

Gestern war ich zu sehr mit meiner beruflichen Hauptaufgabe beschäftigt (nämlich mit der Arbeit für die Lokalredaktion der „Nürnberger Zeitung“, für dieses Blog schreibe ich ja eher nebenbei) , als dass ich über diese wichtige Zootier-Nachricht hätte bloggen können, die den Tiergarten Nürnberg betrifft: den Umzug des 16 Jahre alten Großen Tümmlers Arnie aus der Lagune im Tiergarten nach Portugal an die Algarve. Das hole ich jetzt nach – gestern blieb mir nur Zeit für eine kurze Meldung via facebook.

Also: Im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms EEP wurde für das Delfinmännchen, das seit acht Jahren in Nürnberg lebte und ursprünglich aus dem Heidepark Soltau stammte, endlich ein neues Zuhause gefunden. Über das EEP arbeiten die wissenschaftlich geführten Delfinarien Europas zusammen. Arnie ist ein sehr starker Bulle, er ließ sich nur schwer in die Nürnberger Delfingruppe integrieren. Dort ist immer noch Moby mit seinen weit über 50 Jahren der Boss. Dem Delfin-Senior ist ein harter Konkurrent wie Arnie – der mittlerweile geschlechtsreif ist – aber nicht zuzumuten, selbst wenn Moby sonst noch fit ist und von den übrigen Großen Tümmlern in der Lagune respektiert wird. Die Zooleitung suchte deshalb seit längerem eine andere Unterbringungsmöglichkeit für Arnie – doch lange Zeit ohne Erfolg. Ist ja auch gar nicht so einfach, nachdem immer wieder Delfinarien schließen.

Nun ist es aber geschafft: Arnie gewöhnt sich (wie auf obigem Foto zu sehen) bereits in der Zoo-Wasserwelt „Zoomarine – Mundo Aquatico“ in Guia ein. Dieser Themenpark liegt nördlich von Albufeira an der Algarveküste. Arnie soll dort in eine Junggesellengruppe integriert werden. Er war übrigens nicht der einzige Delfin, der Anfang der Woche in einem Flugzeug die Reise nach Portugal antrat. Mit an Bord war das in Nürnberg geborene Delfinweibchen Naomi, das zuletzt im Delfinarium Harderwijk (Niederlande) gelebt hat. Sie wird an der Algarve – wenn alles klappt wie geplant – in einen anderen sozialen Verband eingegliedert als Arnie, nämlich in eine Zuchtgruppe.

Ich wünsche den beiden wunderbaren Tieren alles Gute in ihrer neuen Heimat! Hoffentlich kann man dort möglichst bald  Babys von Naomi bewundern!

 

Auch das noch: Gewalt gegen Zootiere

Gerade habe ich für die „Nürnberger Zeitung“ einen Kommentar über die zunehmende Gewalt gegen Lehrer geschrieben. Nun wollte ich mich an einen neuen Beitrag für mein Tier-Blog machen, und da stoße ich bei der Suche nach einem interssanten Thema auf folgende Meldung in einem der Zoo-Foren: Immer häufiger werden Zootiere in Nordrhein-Westfalen von Besuchern geschlagen, verletzt oder mit gefährlichen Gegenständen beworfen. Von der Gewalt gegen Lehrer also jetzt zur Gewalt gegen Zootiere.

viertigerNach der Beobachtung von Mitarbeitern verschiedener Zoos in Nordreihn-Westfalen gibt es immer öfter Attacken auf ihre Tiere. Da bekommt in Duisburg ein Elefant von einem Besucher mit einem Regenschirm eins auf den Rüssel, nur weil der Dickhäuter diesen in Richtung Gitterstäbe gestreckt hat. Und die Tiger werden mit Steinen beworfen, wenn sie schlafen oder sich nicht bewegen. Da werden im Kölner Zoo Kürbisse, die eigentlich als Dekoration dienen sollen, als Wurfgeschosse zweckentfremdet. Dort hat man außerdem beobachtet, dass vor allem Jugendliche und Schüler so etwas tun. Bemerkenswert finde ich auch die Aussagen des Duisburger Zoodirektors, der folgendermaßen zitiert wird:  „Manche (gemeint ist: Manche Besucher, uwo) kommen nur, um die Tiere zu quälen“ und: „Das ist mittlerweile leider traurige Realität.“

Natürlich habe ich gleich im Nürnberger Tiergarten (in dem das Foto von Michael Matejka entstanden ist) nachgefragt, ob es am Schmausenbuck auch zu Gewalt gegen Zootiere kommt. Direktor Dag Encke hat mir darauf geantwortet: „Zum Glück haben wir das bei uns nicht.“ Bitte sage mir jetzt niemand: „Was nicht ist, kann ja noch werden!“ Das möchte ich mir nämlich nicht mal vorstellen.

Schon wieder haltlose Vorwürfe

gorillafbZugegeben: Dieses Foto vom verletzten Fuß der Gorilladame Habibu im Tiergarten Nürnberg sieht schrecklich aus. Es wurde von der Tierrechtsorganisation Great Ape Project im Internet verbreitet, die dem Zoo eine mangelnde medizinische Versorgung des achtjährigen Gorillaweibchens vorwirft. Auf Facebook erschienen dazu die üblichen Kommentare, etwa „Dieser Zoo gehört angezeigt!“. In einem Beitrag wird behauptet, die Tierärzte seien untätig und würden wohl lieber in den Biergarten sitzen, statt etwas zu unternehmen.

Und das ist das, was mich genauso aufregt wie die Verantwortlichen im Tiergarten oder in anderen Zoos: Irgendwelche Behauptungen oder Unwahrheiten lassen sich kinderleicht über das Netz verbreiten. Die Zoos geraten jedesmal in Zugzwang und müssen sich verteidigen. Am Ende bleibt immer der Eindruck, dass wohl schon was dran sein wird an den Vorwürfen.

Dabei könnte man vieles durch einfaches Nachfragen klären. Das hat in diesem Fall eine Kommentatorin auf Facebook auch getan. Sie hat Antwort vom Tiergarten bekommen und diese ebenfalls gepostet. Doch manche interessiert die Antwort gar nicht. Sie werfen dieser Kommentatorin lieber Naivität und was weiß ich noch alles vor.

Ich habe für die „Nürnberger Zeitung“ bei Zootierärztin Katrin Baumgartner nachgefragt, was mit Habibu los ist. Die Veterinärin hat mir erzählt, dass die Fußverletzung schon einige Zeit her ist und ganz gut verheilt war, aber Habibu kratzt sie sich immer wieder auf. Weil das Tier auch immer wieder Magen- und Darmprobleme hat, wurde es vor kurzem für eine umfangreiche Untersuchung, bei der ein Humanmediziner und ein Zahnarzt hinzugezogen wurden, in Narkose gelegt. Es wurde eine Gastroskopie gemacht, außerdem Ultraschall, und Habibu wurde Blut abgenommen. Bisher konnte aber noch keine Ursache für die instabile Gesundheit des Gorillas gefunden werden. Derzeit wird Habibu mit Antibiotika behandelt.

Was ETT so alles behauptet…

LaguneNormalerweise stelle ich Artikel, die ich für die NZ geschrieben habe, nicht eins zu eins in mein Blog. Heute tue ich das ausnahmsweise, weil bei einer verknappten Darstellung die Argumente nicht genau genug wiedergegeben werden können. Also, es folgt – abgesehen von kleinen Änderungen – nun ein Artikel, der am Samstag im Lokalteil der NZ erscheint:

Sie möchte für ein Ende der letzten beiden Delfinarien in Deutschland eintreten: die Bewegung „Empty the Tanks“ (ETT). Sie hat für Samstag, 7. Juni, vor dem Tiergarten eine Demonstration gegen die Delfinlagune organisiert. Die Idee zur Bewegung „Empty the Tanks worldwide“ stammt von Rachel Carbary aus Seattle, einer „Sea Shepherd“-Aktivistin. „Sea Shepherd“ („Meereshirte“) ist eine Umweltschutz-Organisation, die für den Schutz der Meere, den Kampf gegen Walfang und Robbenjagd sowie gegen unverhältnismäßige Fischerei eintritt.
ETT fordert, Deutschland solle seine Gesetze ändern und „delfinariumfrei“ werden – so wie andere europäische Länder: die Schweiz, Kroatien, Estland, Irland, Lettland, Luxemburg, Österreich, Polen, Slowakei, Slowenien, Tschechien, Ungarn, Vereinigtes Königreich und Zypern. Ich habe die Fragen oder Vorwürfe von ETT gegen den Tiergarten und die Antworten von Tiergartendirektor Dag Encke gesammelt und gegenübergestellt.

ETT:
Man stand in Nürnberg vor der Entscheidung, sich von den Delfinen zu trennen, das vorhandene Delfinarium abzureißen oder zu investieren und den Zoo durch geplante Mehreinnahmen zu retten, denn die Besucherzahlen waren/sind rückläufig.
Encke:
Die Besucherstatistik widerlegt diese Behauptung. Die Besucherzahlen hatten 2010 und 2013 Einbrüche aufgrund schlechter Witterung, sind ansonsten seit dem Jahr 2000 stabil mit einem Mittelwert von 1 070 000 Besuchern pro Jahr.

ETT:
Der größte Anteil der bisher bekannten Gesamtkosten von 30 Millionen Euro wird scheinbar über Kredite finanziert, welche die Stadt Nürnberg vorgestreckt hat und vom Tiergarten zurückgezahlt werden sollen. Klappt dies nicht, muss die Stadt dafür aufkommen, da der Tiergarten eine städtische Institution ist. Bisher funktionierte die Rückzahlung des Kredits jedoch offenbar nur unter Zuhilfenahme von Rücklagen, die inzwischen laut aktuellen Presseberichten auf 600 000 Euro abgeschmolzen wurden. Gelingt es dem Tiergarten nicht, seine Einnahmen exorbitant zu erhöhen, sind auch die verbliebenen Rücklagen in ein bis zwei Jahren aufgebraucht, und das Finanzierungsmodell droht zusammenzubrechen.
Encke:
Der Tiergarten hat mit einer Direktzahlung aus seinen Rücklagen die Hälfte der Mehrkosten von 7 Millionen Euro bezahlt. Aus dem gesamtstädtischen Haushalt wurden die verbliebenen 3,5 Millionen Euro finanziert, da der Tiergarten selbst im Bauvorhaben keinerlei Mehrkosten verursacht hatte. Beim Bau von Lagune und Manatihaus handelt es sich um eine gesamtstädtische Entscheidung, die von der Stadt Nürnberg beschlossen und umgesetzt wurde. Die Rückzahlung des vom Stadtrat beschlossenen Kredits in Höhe von 19,5 Millionen Euro durch den Tiergarten läuft seit 2012 regulär ab, und zwar ohne Rückgriff auf die wieder steigenden Rücklagen.

ETT:
Bei der Finanzierung der Lagune im Nürnberger Tiergarten unterstützt der Steuerzahler Tierquälerei.
Encke:
Es wurde noch nie Tierquälerei bei den Delfinen in Nürnberg festgestellt. Tierquälerei ist ein justitiabler Begriff, der vorsätzliches und dauerhaftes oder wiederholtes Verursachen von Leiden für die Tiere voraussetzt. Die Unterstellung von Tierquälerei ist eine Verleumdung.

ETT:
Im Tiergarten Nürnberg leben acht Delfine. (Es werden aber in einem Dokument, das mir vorliegt, neun aufgezählt.)
Encke:
Falsch: Im Tiergarten gibt es aktuell zehn Große Tümmler! Es wurden Dolly und Donna vergessen, Nachzuchten von 2007 aus Duisburg, die seit Mai 2014 in Nürnberg leben. Dafür wird noch Rocco aufgelistet, der gar nicht mehr in Nürnberg lebt, sondern in Malaga.

ETT:
Weiß der Zoobesucher, dass in der Delfinlagune auch teilweise kranke Tiere täglich Vorführungen mitmachen müssen? Moby und Jenny sind nierenkrank und werden  künstlich mit Süßwasser ernährt.
Encke:
Kranke Tiere nehmen nicht teil. Die bei Moby angeführte Süßwassergabe aufgrund schwacher Nieren führt dazu, dass das Tier sich vollkommen normal verhält und eben wegen der Wassergaben ein gesundes Leben führen kann. Deswegen nimmt er natürlich auch genauso an den Vorführungen teil wie die anderen Tiere.

ETT:
Wenn der Tiergarten Nürnberg, wie er behauptet, alle Delfine in einer Gruppe hält, verstößt er gegen das Säugetiergutachten („Gutachten über Mindestanforderungen an die Haltung von Säugetieren des Bundeslandwirtschaftsministeriums vom 7. Mai 2014“). Dieses besagt: „In einer Zuchtgruppe soll nur ein zuchtfähiges Männchen leben.“
Encke:
Die Haltung der Tümmler in Nürnberg wurde nach den Vorgaben des Säugetiergutachtens von 2014 genehmigt – ohne irgendwelche Beanstandungen. Es wurde sogar festgestellt, dass die Lagune für die Haltung von 18 erwachsenen Tümmlern zuzüglich Jungtiere geeignet wäre.

ETT:
Wissen Zoobesucher, dass es vor Nami keinerlei nennenswerten Delfin-Zuchterfolg im Tiergarten Nürnberg gab? Von 21 Geburten gelangen nur fünf Aufzuchten. Den aktuellsten Zuchterfolg gab es 2014, davor 1998! Große Tümmler unterliegen nicht dem Artenschutz, da sie nicht hoch bedroht sind. Deshalb gibt es hier keine Begründung für eine Zucht.
Encke:
Nach der EU-Zoorichtlinie ist der Einsatz von unbedrohten Tierarten bei entsprechendem Einsatz in der Zoopädagogik und Forschung als Beitrag zum Artenschutz klar definiert. Sonst dürften Zoos keine Tiere ohne Bedrohungsstatus mehr halten. Für alle Tierarten ist eine nachhaltige, also sich selbst erhaltende Population anzustreben. Dies ist bei Delfinen, die dem Europäischen Erhaltungszuchtprogramm EEP angehören, der Fall. – In der ETT-Bilanz nicht berücksichtigt ist die Tatsache, dass in Nürnberg zwischen 2007 und 2012 die Delfinzucht unterbrochen wurde. Bei Sunny wurde erst im Herbst 2011 die Pille abgesetzt, Jenny und Anke bekommen sie nach wie vor. Auch von 1998 bis 2004 gab es keine Zuchtversuche.

ETT:
Delfintherapie – das ist eine höchst umstrittene Therapie ohne nachweislichen Erfolg. Eltern kranker Kinder sind verzweifelt. Es ist unseriös, ihnen für viel Geld Hoffnung zu machen.
Encke:
Es gibt nicht die Delfintherapie, sondern viele höchst unterschiedliche Ansätze von tiergestützten Therapien. Der Begriff ist nicht geschützt. In Nürnberg wird der Begriff „dolphin assisted therapy“ nur für die Methode, die Behinderungen und die Altersklassen von Kindern verwendet, für die signifikante Therapieeffekte nachgewiesen wurden. Diese publizierte Form der Therapie ist bis heute wissenschaftlich unumstritten. – Ein Geschäft wurde mit Therapien noch nie gemacht.

Ich denke, eine Organisation, die so schwere Vorwürfe gegen einen Zoo bzw. ein Delfinarium erhebt, und nicht einmal weiß, wie viele Delfine dort leben, disqualifiziert sich für jede ernsthafte Diskussion selbst. Aber immer schön Wirbel machen – wer die Lagune oder den Tiergarten nicht mag, wird´s schon glauben!

Ich bin dann mal in Bolsena!

Ich bin dann mal in Italien: In meiner Arbeit bei der „Nürnberger Zeitung“ lege ich für ein Jahr eine Pause ein und verbringe Frühjahr, Sommer und Herbst in Bolsena. Und so sieht meine Wahlheimat aus: die kleine Stadt Bolsena, 110 Kilometer nördlich von Rom am wunderschönen Lago di Bolsena gelegen. Der mittelalterliche Ort hat ungefähr 4000 Einwohner, eine Burg, mehrere Kirchen – und immerhin 60 Bars, Cafés und Restaurants. Das ist selbst für jemanden wie mich, der sonst in Fürth lebt und an die Vorzüge der dortigen legendären Kneipendichte gewöhnt ist, ziemlich beeindruckend!

Der Ort ist von sanften Hügeln umgeben, Olivenhaine und dichte Eichenwälder prägen das Landschaftsbild. Ich hoffe, dass ich in den nächsten Wochen, bevor es zu warm wird, viele Wanderungen in dieser Gegend unternehmen kann. Der See selbst ist fast um ein Drittel größer als der Chiemsee, nur wesentlich tiefer. Er ist vulkanischen Ursprungs und gilt als der sauberste Binnensee Europas. Deshalb schwimmen jede Menge Fische darin herum, die in den Restaurants auf die köstlichste Art und Weise zubereitet werden, zum Beispiel der „Coregone“.

Natürlich gibt es in diesem „Dreiländereck“  – Toskana, Umbrien und Latium treffen am Lago di Bolsena aufeinander – auch herrliche Weine wie Merlot, den weißen „Est! Est! Est!“ und den süßen Dessertwein „Aleatico di Gradoli“. Manche Einwohner von Bolsena, die ich bei meinen früheren Besuchen dort kennengelernt habe, stellen, obwohl sie keine Weinbauern sind, auch ihren eigenen Wein her, füllen ihn in Mineralwasserflaschen ab und verschließen sie dann mit Kronkorken. Ich habe schon das eine oder andere Glas „aqua rossa“ genießen dürfen.

So – genug geschwärmt für den Anfang! Jetzt muss ich mich erst mal in den nächsten Tagen in der gleich unterhalb der Burg gelegenen Ferienwohnung einrichten, die ich bis in den Herbst hinein gemietet habe. Ich hoffe, dass ich im Laufe der kommenden Monate am Leben der Einwohner von Bolsena teilhaben kann, weniger als Touristin, sondern als eine von ihnen, an ihrem Alltag und ihren Festen – und davon gibt es hier am See jede Menge, so viel kann ich schon mal verraten!

In Nürnberg leben keine Delfine aus Taiji

Ich habe es befürchtet und deshalb letzte Woche keinen Blog-Beitrag über Taiji geschrieben, wo wieder das alljährliche grausame Delfin-Abschlachten stattfand. In der Online-Ausgabe der NZ wurden in Kommentaren zum dort veröffentlichen Artikel über Taji die irrwitzigsten Beziehungen zu den Delfinen im Nürnberger Tiergarten hergestellt. Das ist  eine der großen Gefahren des Internets: Jeder kann jeden Mist veröffentlichen.

Einer der Kommentatoren (@Redaktion), der nicht diesen unsäglichen Schreibern zuzuordnen ist, hat angeregt, dass Journalisten der Frage nachgehen sollten, woher die Delfine in Nürnberg stammen. Ich habe zwar immer wieder in Artikeln in der Printausgabe der NZ und auch hier im Blog geschrieben, woher die Tiergarten-Delfine kommen. Daraus müsste man eigentlich schließen können, dass der Nürnberger Tiergarten und Taiji nichts, aber auch gar nichts, miteinander zu tun haben. Es stimmt: Die schönsten der in Taiji gefangenen Tümmler werden an Delfinarien verkauft, jedoch ausschließlich in Japan, China und vereinzelt an die Türkei. In keinem einzigen europäischen Zoo, der mit Großen Tümmlern am Erhaltungszuchtprogramm EEP beteiligt ist, werden Tiere aus Taiji gekauft, und kein Zoo der Welt wird in den Zoo-Weltverband aufgenommen, wenn er ein Tier von dort halten würde.

Mir liegt die Liste aller Großen Tümmler vor, die in der Delfinlagune des Nürnberger Tiergartens leben und lebten. Für jedes einzelne Tier ist die Herkunft genau nachgewiesen (das ist auch in jedem anderen Zoo so). Die Großen Tümmler, die direkt nach der Eröffnung des alten Delfinariums im Tiergarten und in den folgenden 1970er Jahren hier gehalten wurden, waren noch Wildfänge. Das hat auch noch nie jemand abzustreiten versucht. Diese Tiere stammten aber nie aus Taji, sondern aus den Küstengewässern Floridas und kamen über andere Delfinarien (vor allem Duisburg und Nerja/Spanien) hierher. Darunter waren auch Tiere, die krank gefangen und im Dinnes Memorial Tier-Hospital (Texas) wieder aufgepäppelt worden waren. Und – ganz wichtig: Auch Moby, der Senior der Nürnberger Delfine, ein Wildfang aus Florida, der mittlerweile über 50 Jahre alt ist, lebt seit 1971 in Nürnberg und ist nach wie vor putzmunter.

Bereits in den 80er Jahren gab es Nachzuchten der ehemaligen Wildfänge (darunter Moby), die im Tiergarten geboren wurden. Einige davon starben innerhalb weniger Wochen, andere leben noch heute. Bei Anke und Nynke handelt es sich um Wildfänge aus dem Jahr 1985, die später vom Zoo Münster nach Nürnberg abgegeben wurden. Noah ist 1993 in Nürnberg als Sohn von Eva (Wildfang) und Moby (Wildfang) geboren und lebt noch hier. Naomi (geb. 1998), eine Schwester von Noah, lebt in Harderwijk. Die aus dem Heidepark Soltau stammenden und nach Nürnberg abgegebenen Delfine Sunny, Joker und Arni waren bereits Delfinariums-Geburten und leben teils hier, teils in der Meeres-Delfinlagune Harderwijk. Rocco und Kai sind beide in Harderwijk geboren.

Es gab in Nürnberg – wie in anderen Delfinarien auch – Tot- und Fehlgeburten sowie Jungtiere, die kurze Zeit nach der Geburt gestorben sind. Das passiert aber auch bei anderen Zootieren und wurde nie verheimlicht, sondern immer in der örtlichen Presse veröffentlicht. Es wäre schön, wenn die unsägliche Legendenbildung um die Delfine endlich mal abgeschlossen würde – aber ich fürchte, das werde ich nicht mehr erleben.

 

Giraffe auf der Speisekarte – na und?

Also, manchmal muss ich mich schon wundern, wie Agenturmeldungen kritiklos von den Medien übernommen werden.  „Giraffenbaby an Löwe verfüttert – Kinder entsetzt“, lautete eine solche Meldung vor ein paar Tagen.

Statt so etwas in den (virtuellen) Papierkorb zu werfen oder zu ignorieren, hat es leider auch die NZ gebracht – immerhin aber grammatikalisch richtig („an Löwen verfüttert“, hieß es dort). Doch inhaltlich wurde das Ganze dadurch auch nicht besser.

Um was ging es genau? Zoowärter in Kaliningrad haben ein bereits totes Giraffenbaby mit Haut und Haaren einem Löwen zum Fraß vorgeworfen. –  Ja und? Was soll schlimm daran sein? Etwa, dass zufällig gerade Kinder vor dem Gehege standen und zuschauten, wie sich der Löwe das Giraffenkind einverleibte? Dem Löwen hat diese Mahlzeit sicher besser geschmeckt als die faden Fleischbrocken, die er sonst serviert bekommt. Erwiesenermaßen stecken gerade im Fell und in den Knochen lebenswichtige Nährstoffe, die in Zoos sonst durch Futterzusatz verabreicht werden müssen. Und dass die Giraffe vorher nicht zerteilt wurde, dürfte ein guter Test für die Qualität des Löwen-Gebisses gewesen sein.

Aus diesen Gründen werden auch im Nürnberger Tiergarten immer wieder mal tote Zootiere an die Raubkatzen verfüttert (siehe Foto). Meist handelt es sich um Rinder, Hirsche oder Antilopen – ein totes Giraffenbaby kommt hierzulande nicht so häufig vor. Im Tiergarten bemüht man sich auch, die Besucher über den Sinn und Zweck der Ganzkörperverfütterung aufzuklären – und stößt dabei auf erstaunlich viel Verständnis. Raubkatzen sind nun mal keine Schmusetiere – davon müssten selbst Kinder schon einmal etwas gehört haben. Dass Fleisch aus ganzen Tieren herausgeschnitten wird – auch zur Verwendung durch den Menschen – wissen heute zwar viele Kinder nicht mehr; umso besser, dass sie es jetzt in dem Zoo einmal mitbekommen haben.

Dass die jungen Zoobesucher in Kaliningrad nun gar „traumatisiert“ sein sollen, halte ich für eine starke Übertreibung russischer Medien. Schließlich hat der Löwe die Giraffe ja nicht vor ihren Augen gerissen. Und was schauen sich die lieben Kleinen denn tagtäglich im Internet an? Da dürfte durchaus stärkerer Tobak dabei sein! Ganz abgesehen von dem, was russische Kinder immer wieder in ihrem Lebensumfeld mitbekommen und mit dem sie fertig werden müssen. Da gibt es eindeutig Schlimmeres als ein totes Giraffenbaby!

Falsche Behauptungen über die Lagune

Ich habe in meinem Blog schon mehrfach über Kritik an der Delfinlagune im Nürnberger Tiergarten geschrieben – was wiederum die eine oder andere Kritik provoziert hat. In der „Nürnberger Zeitung“ erscheint am Mittwoch wieder ein Artikel von mir zum Thema Lagune und Delfinhaltung. Ich zeige an mehreren Beispielen, wie das Wal- und Delfinschutzforum (WDSF) und das Projekt Walschutzaktionen (ProWal) die Medien mit Pressemitteilungen zu manipulieren versuchen, die unrichtige Behauptungen enthalten. Und manchmal schaffen solche Tierschutzaktivisten das auch! Die Lagune ist – für alle, die es bisher nicht wussten – das einzige Freiluft-Delfinarium Deutschlands. Jürgen Ortmüller, Geschäftsführer des WDSF,  bezeichnet sie gern als „Steinbruch-Delfingefängnis“.
Im Folgenden übernehme ich den Hauptteil meines  NZ-Artikels ausnahmsweise für mein Blog – auch wenn der Text sehr lang ist. Aber nur so lässt sich nachweisen, wie viele Unwahrheiten von den beiden Organisationen verbreitet werden, die widerlegbar sind. Übrigens: Meine Blog-Leser bekommen den Beitrag jetzt schon vor dem Erscheinen in der Zeitung – als kleines Dankeschön für ihre Treue!

Behauptung: „Der angeblich über 50 Jahre alte Delfin Moby … musste vor den Augen der Besucher mit Flüssigkeit zwangsernährt werden, indem der Trainer ihn einen Gartenschlauch schlucken ließ, weil er nach Angaben der Delfintrainer einen schweren Nierenschaden hat.“
Tatsache: Alle Großen Tümmler, die je im Tiergarten gelebt haben, sind genau dokumentiert. Der aus dem Küstengewässer vor Florida stammende Moby kam im August 1971 vom Duisburger Zoo zur Eröffnung des Delfinariums in den Tiergarten. Da er wie alle Tiere in der Anfangszeit der deutschen Delfinarien ein Wildfang ist, lässt sich sein Geburtsjahr nicht genau bestimmen; Fachleute haben Moby damals auf zehn Jahre geschätzt. Moby hat trotz seines hohen Alters keinen Nierenschaden. Seine Nieren funktionieren aber – ähnlich wie bei alten Menschen – nicht mehr so gut. Deshalb bekommt der Delfin-Senior über Gelatine und Eiswürfel zusätzlich Flüssigkeit. Moby hat außerdem im Training gelernt, freiwillig einen Schlauch zu schlucken. Über den werden täglich mehrere Liter Wasser eingefüllt, damit Mobys Nieren weiter gut arbeiten.

Behauptung: „Moby musste mit den anderen drei Delfinen im Außengehege des Delfinariums an der Show teilnehmen und hohe Sprünge über einen Wasserstrahl absolvieren, um überhaupt seine zusätzlichen Futterrationen zu bekommen.“
Tatsache: Kein einziger Tümmler wird in Nürnberg gezwungen, Kunststücke vorzuführen. Hat ein Delfin keine Lust mitzumachen, kann er in ein anderes Becken schwimmen. Dort kümmert sich ein Mitarbeiter der Lagune um ihn, während die übrigen Tiere ihr Beschäftigungsprogramm absolvieren. Das alles können die Besucher mit eigenen Augen verfolgen. Das Training funktioniert ausschließlich über das Belohnungsprinzip: Ein Delfin, der eine Übung richtig gemacht hat, kriegt einen oder mehrere Fische zugeworfen. Der Trainer lobt ihn auch mit Worten und gibt dem Tier ein akustisches Signal zur Bestätigung. Beteiligt sich ein Tümmler nicht am Programm, erhält er trotzdem seine notwendige Futtermenge.

Behauptung: Delfinschützer ermittelten am 25. August dieses Jahres in der Lagune „Hitzetemperaturen von knapp 30 Grad Celsius während der Delfin-Show direkt an der Wasseroberfläche“. Erlaubt seien für die Delfine nach den Rechtsgrundlagen aber nur 24 Grad, so die Tierschützer.
Tatsache: Das vom Bundesministerium für Verbraucherschutz, Landwirtschaft und Ernährung herausgegebene „Gutachten über Mindestanforderungen an die Haltung von Säugetieren“ lässt einen Toleranzbereich der Wassertemperatur von zehn bis 28 Grad zu. Und weiter heißt es dort: „Die Luft über der Wasseroberfläche muss staubarm sein, eine relative Luftfeuchte von mindestens 60 Prozent und eine Temperatur von 10 bis 24 Grad Celsius aufweisen.“ In der Lagune wird die Wassertemperatur regelmäßig kontrolliert – das Messen der Luft über dem Wasser ist praktisch jedoch kaum durchzuführen. Das Gutachten stammt aus dem Jahr 1996 und wird derzeit überarbeitet.

Behauptung: WDSF- und ProWal-Vertreter „deckten jetzt auf, dass seit fast drei Jahren zwei Große Tümmler aus dem geschlossenen Vergnügungspark-Delfinarium des Heideparks Soltau in einem Nebenbecken der alten Delfinhalle des Tiergartens gehalten werden“.
Tatsache: Als Arni und Joker im November 2008 aus Soltau nach Nürnberg kamen, hat der Tiergarten das in einer Pressekonferenz bekanntgegeben. Die beiden Delfinmännchen sollten nur vorübergehend im Tiergarten bleiben, weil nach der Schließung des Delfinariums im Heidepark kein anderes Ausweichquartier zur Verfügung stand. Dass beide im nicht öffentlichen Delfinarium II untergebracht sind, ist kein Geheimnis. Es gibt einen ganz einfachen Grund dafür: Der große und starke Joker würde den alten Moby als Anführer der Nürnberger Delfingruppe entmachten. „Das wäre das Todesurteil für ihn“, sagt Tiergartendirektor Dag Encke. Auch zwischen Joker und dem elfjährigen Arni komme es immer wieder zu Rangeleien. Nun soll Joker Zuchtbulle in einem anderen Delfinarium werden; der Transfer wird laut Encke derzeit vorbereitet. Danach will man Arni in die übrige Truppe integrieren.

Behauptung: Joker und Arni würden „ohne Tageslichtdach“ gehalten. Angeblich hat eine – namentlich nicht genannte – ehemalige Tiergarten-Mitarbeiterin Fotos zur Verfügung gestellt, die belegen sollen, dass Joker und Arni „in einem dunklen Mini-Pool seit drei Jahren vor sich hinvegetieren“.
Tatsache: Laut dem Gutachten des Bundesverbraucherschutzministeriums ist nur „für ausreichendes Naturlicht“ zu sorgen. „Bei zusätzlicher künstlicher Beleuchtung ist diese einem dem natürlichen Licht entsprechenden Spektrum anzupassen.“ Von einem Tageslichtdach ist nirgends die Rede. Das Becken im Delfinarium II entspricht von der Größe her den Vorschriften.

 

Salomon macht Kunstalgen den Garaus

„Seelöwen fraßen Delfinen die Algen weg“, meldete die in ihrer heutigen Online-Ausgabe. Daraufhin haben gleich einige Leser beim Tiergarten Nürnberg angerufen und sich erkundigt, ob sie helfen könnten. Ein Mann hat sogar Algen aus seinem Swimmingpool angeboten. Doch so einfach ist die Sache nicht – und zwar aus mehreren Gründen.
Die Kelpalgen, um die es sich handelt, sind nämlich künstliche Wasserpflanzen. Der Tiergarten hat sie von einer dänischen Spezialfirma bezogen, die auch den Zoo von Bristol in Südengland beliefert. Dort ist die 1999 eröffnete Anlage für Seelöwen und Pinguine eine der Hauptattraktionen. Nach den guten Erfahrungen mit diesem Kelp in Bristol hat sich die Leitung des Tiergartens entschieden, ihn  auch für die Lagune in Nürnberg zu bestellten. Er wurde im Frühjahr von Tauchern im Boden der Lagune befestigt (wie auf diesem Foto von Mathias Orgeldinger zu sehen). Echter Kelp, der nur in Salzwasser und nur in Uferzonen von Meeren in gemäßigten Breiten gedeiht, ist unter künstlichen Bedingungen schwierig zu halten. Und kaum jemand dürfte in der Lage sein, die synthetischen Gewächse von natürlichen zu unterscheiden.
Die Unterwasserdekoration aus Kelpwald und Felsen in der Lagune soll den Großen Tümmlern und Seelöwen eine optische Abwechslung bieten, aber auch den Zoobesuchern, die durch die große Panoramascheibe in die Becken schauen. Eine Zeitlang gab es kein Problem damit, doch dann entdeckte vor etwa einer Woche Seelöwe Salomon seinen Spieltrieb. Er ist mit zwei Jahren ein echter Flegel und – obwohl noch nicht einmal in der Pubertät – ziemlich rabiat. Der Kelp war nicht mehr sicher vor Salomon, der nicht etwa nur ein bisschen daran herumspielte. Nein, er leistete ganze Arbeit, beutelte die mit viel Aufwand installierten Pflanzen und riss sie teilweise ganz heraus. Wer weiß – vielleicht lehnt er Plastikpflanzen ab oder findet sie kitschig?
Salomon war offenbar nicht der alleinige Übeltäter. Er dürfte zumindest einen Komplizen gehabt haben. Sollten die beiden beim Anknabbern etwas vom Kunst-Kelp verschluckt haben, scheint es ihnen jedenfalls nicht geschadet zu haben: Die achtköpfige Seelöwen-Truppe in der Lagune ist wohlauf. Trotzdem wurde der gesamte Kelp entfernt – „vorsichtshalber“, wie es seitens der Zooleitung heißt. Salomons Verbiss hatte also (den gewünschten?) Erfolg.