Stare sammeln sich vor dem Abflug

StareWer derzeit in Norddeutschland unterwegs ist, dem bietet sich vielerorts ein eindrucksvolles Naturschauspiel: In riesigen Schwärmen sammeln sich jetzt die Stare zum Vogelzug in den Süden. Viele Ornithologen lassen sich dieses Spektakel nicht entgehen. Die großen Schilfgebiete an den Küsten und Seen in Mecklenburg-Vorpommern sind Sammelplatz für Hunderttausende dieser Vögel. Dort treffen sich die heimischen Stare mit ihren Artgenossen aus Russland, Polen und anderen osteuropäischen Ländern, bevor sie im Oktober in ihre Winterquartiere weiterfliegen: an den Atlantik, nach Nordafrika sowie in den Mittelmeerraum.

Bevorzugte Sammelgebiete sind das Peenetal und andere Flüsse im Küstengebiet, Boddengewässer wie vor Zingst und die Seenlandschaften. Touristen in der Region Fischland-Darß-Zingst etwa haben beste Gelegenheit, die riesige Staren-Schwärme zu beobachten, aber auch an der Mecklenburgischen Seenplatte kann man das Schauspiel gut verfolgen. Die Stare, die aus Osteuropa eingetroffen sind, kommen auch, weil sie in Norddeutschland einen reich gedeckten Tisch vorfinden. Die Vögel bevorzugen vor allem Beeren von der Eberesche und Holundersträuchern.

Die Rückkehr der Kegelrobben

Na, wenn das nicht eine höchst erfreuliche Nachricht ist: Der Bestand der Kegelrobben an der deutschen Ostseeküste stabilisiert sich wieder. Vor der Küste von Mecklenburg-Vorpommern, vor Rügen, dem Darß und Zingst, hat sich die Population auf 30 bis 40 Exemplare eingependelt. Nun fehlt nur noch eines: die erste Geburt eines  Robbenbabys in diesen Gebieten. Das wäre für Fachleute der Durchbruch in Sachen Rückkehr der Kegelrobben an die deutsche Ostseeküste. Denn Robben kommen später immer wieder an ihren Geburtsort zurück. Durch die Geburt eines oder mehrerer Robbenbabys könnte sich deshalb ein Besiedlungskern herausbilden. Darauf hoffen Forscher jetzt.

Lange Zeit galten Kegelrobben an der deutschen Ostseeküste als ausgestorben. Dabei gab es Ende des 19. Jahrhunderts noch rund 100 000 von diesesn Meeressäugern in der Ostsee. Aber sie wurden in der südlichen Ostsee durch erbarmungslose Jagd bis in die 1920er Jahre ausgerottet. Katastrophal wirkte sich auch die Belastung der Ostsee durch PCB aus: Die meisten weiblichen Tiere wurden dadurch unfruchtbar. Anfang der 1980er Jahre wurde der Kegelrobben-Bestand in der Ostsee mit 2500 angegeben. Mittlerweile geht man in der gesamten Ostsee wieder von 10 000 bis 25 000 Tieren aus, wobei der größte Teil in der nördlichen und zentralen Ostsee lebt.

Vor der deutschen Ostseeküste dauerte es länger, bis sich die Anzahl der Kegelrobben wieder auf einem stabilen Niveau hielt. Das ist nach Meinung von Fachleuten des Deutschen Meeresmuseums, des Bundesamts für Naturschutz und des WWF nun zumindest gesichert. Als nächstes wollen Fachleute die Bevölkerung – sowohl Einheimische als auch Touristen – über die Rückkehr der Kegelrobben informieren. Dazu werden an den Stränden Infotafeln aufgestellt, mit Hinweisen über Biologie, einstige Ausrottung und Wiederansiedlung der Tiere. Damit die auch weiterhin gelingt, bitten Forscher und Tierschützer, einen gebührenden Abstand zu den Tieren zu halten. Vor allem in den ersten Lebenswochen brauchen die Robbenmütter und die Heuler abgeschiedene Liegeplätze.

 

Hoffnungsschimmer für Schweinswale

Auch wenn sich der Bestand der Schweinswale in der Ostsee noch nicht stabilisiert hat, gibt es doch eine positive Entwicklung: In diesem Jahr wurden in der Ostsee vor Mecklenburg-Vorpommern so viele Schweinswale beobachtet wie noch nie zuvor. Wissenschaftler des Bundesamtes für Naturschutz führen das darauf zurück, dass Bootsbesatzungen und Wassersportler diesen Tieren mehr Aufmerksamkeit als bisher widmen und ihre Sichtungen sofort dem Meeresmuseum in Stralsund (von dem auch dieses Foto stammt) oder an das Bundesamt für Naturschutz melden. Auch das ist schon ein Fortschritt, denn je aufgeschlossener Menschen bestimmten Tierarten gegenüber sind, desto eher sind sie auch bereit, für deren Schutz einzutreten.

Auch in Sachen Walforschung sind neue Projekte am Laufen. So gibt es jetzt eine länderübergreifende Überwachung der Ostsee-Schweinswale, an der sich außer Deutschland auch Schweden, Finnland, Estland, Polen und Lettland beteiligen. Sie haben vor ihren Küsten spezielle Messstellen verankert, die Schweinswale registrieren und entsprechende Daten speichern. Die akustischen Signale, die Schweinswale über ihre Echo-Ortung aussenden, wollen Forscher erfassen und auswerten, um mehr über die Wanderbewegungen und die Bestandsgrößen dieser Tiere in der Ostsee herauszufinden.

Exakte Zahlen über Schweinswalbestände in der Ostsee liegen nämlich bisher nicht vor. Es soll einmal über 20 000 von diesen Tieren, die auch als Kleine Tümmler bezeichnet werden, im Skagerrak, in der Dänischen Ostsee und in der Kieler Bucht gegeben haben. Diese Population ist bis zum Jahr 2005 auf knapp 11 000 Exemplare geschrumpft. Der Bestand der Schweinswale ist vor allem durch Stell- und Treibnetze gefährdet, außerdem finden die Kleinen Tümmler aufgrund der Überfischung immer weniger Nahrung. Auch der rege Schiffsverkehr und der Lärm unter Wasser, der beim Bau der Fundamente für Offshore-Windparks entsteht, bedrohen die Tiere.

Großes Kranichtreffen an der Ostsee

Es ist jedes Jahr wieder ein beeindruckendes Naturereignis: die Herbstrast der Kraniche, die auf ihrem Flug nach Süden an der Ostseeküste eine Pause einlegen und Energie für ihre weite Reise tanken. Heuer haben sich die majestätischen Vögel früher als sonst im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft versammelt. Und es sind mit 7000 Tieren nach Auskunft des Kranich-Informationszentrums in Groß Mohrdorf auch fast 25 Prozent mehr Vögel als im Durchschnitt der letzten zehn Jahre.

Die an der Ostseeküste lebenden Vögel haben schon vor einigen Wochen angefangen sich zu sammeln. Inzwischen haben sich noch rund 6000 Kraniche aus Skandinavien dazugesellt. Ein wirklich eindrucksvolles Bild wird sich den Vogelbeobachtern Anfang Oktober bieten: Man geht davon aus, dass die Zahl der Kraniche in der Rügen-Bock-Region dann bis zu 70 000 Tiere beträgt. Tausende von Tierfreunden und Fotografen wird es wieder zu diesem wunderbaren Naturschauspiel dort hinziehen.

In letzter Zeit beobachtet man allerdings einen neuen Trend: Nicht mehr alle Kraniche ziehen für die Winterzeit in wärmere Gefielde. Einige bleiben jetzt auch in Deutschland – die milderen bzw. kürzeren Winter machen es möglich.