Und hier ist Tiergartenzeitung Nummer 14!

Sie ist da, die neue – mittlerweile 14. Nummer der – Tiergartenzeitung. Zweimal im Jahr erscheint sie und wird vom Tiergarten Nürnberg zusammen mit Nürnberger Journalisten erstellt (auch ich bin Mitglied der Redaktion). Klar, dass es bei der neusten Ausgabe der kleine Panzernashorn-Junge Sanjai mit seiner Mutter Sofie auf die Titelseite geschafft hat. Auf einer Doppelseite in der Mitte wird übersichtlich dargestellt, wie der Tiergarten Nürnberg weltweit vernetzt ist, in welche Zoos Tiere von Nürnberg abgegeben werden, woher Tiere nach Nürnberg kommen, wie Forschung im Tiergarten mit internationalen Partnern funktioniert usw.

Um Vernetzung geht es auch, wenn ein Tierarzt aus Kasachstan in Nürnberg den Umgang mit Kulanen trainiert, die wieder in der zentralkasachischen Steppe heimisch werden sollen. Wie im Tiergarten Grundlagenforschung betrieben wird, zeigt ein Beispiel mit Berberaffen, die lernen, die richtigen Wege zum Futter zu finden. Natürlich kommen auch Geschichten über Tiere nicht zu kurz, im Porträt wird diesmal der Riesenseeadler vorgestellt. Viele Zoobesucher fragen immer wieder, wie Zootiere zu ihrem Namen kommen – in der Tiergartenzeitung gibt es die Antwort darauf. Das 12 Seiten starke Blatt schließt mit einem Artikel über ein Inklusionsangebot im Tiergarten: Von Künstlern gestaltete Tierfiguren vermitteln Blinden und sehbehinderten Besuchern Erkenntnisse über Zootiere.

Im Verbreitungsgebiet der „Nürnberger Zeitung“ und der „Nürnberger Nachrichten“ lag die Tiergartenzeitung heute der Tageszeitung bei. Für alle Leser meines Blogs, die weiter weg wohnen: Hier findet man sie im Internet.

Ein echter Siegertyp

Über das vor gut vier Wochen im Tiergarten Nürnberg geborene Panzernashorn-Baby habe ich hier ja schon ausführlich geschrieben. Heute mal ein kurzer Zwischenstand: Der kleine Bulle namens Sanjai wächst und gedeiht prächtig. Mittlerweile bringt er schon 99 Kilogramm auf die Waage und hat damit über die Hälfte seines Geburtsgewichts (60 Kilogramm) zugelegt. Der Kleine macht seinem Namen, den die Tierpfleger ihm gegeben haben,  alle Ehre: Sanjai ist ein in Indien beliebter männlicher Name und bedeutet so viel wie „Der Siegreiche“. Wie ein echter Siegertyp erobert er bei den milden Frühlingstemperaturen derzeit sein Freigehege. Mama Sofie lässt ihn natürlich trotzdem nicht aus den Augen. Für den Zoo am Schmausenbuck ist Sanjai ein Glücksfall: Gerade in dieser Jahreszeit, in der es die Menschen ins Grüne hinauszieht, kann er mit dem Nashorn-Racker eine echte Sensation bieten. Auch bei den Mähnenwölfen hat sich bekanntlich Nachwuchs eingestellt, den man als Besucher keinesfalls versäumen sollte. Na dann: Ich wünsche allseits einen schönen Tag im Tiergarten!

Nashörner ohne Horn – ist das die Zukunft?

So weit ist es jetzt schon gekommen: Nach dem grauenhaften Anschlag auf ein Nashorn im Zoo von Thoiry bei Paris reagiert nun der tschechische Zoo Dvur Kralove  und schneidet aus Angst vor Wilderern seinen Nashörnern die Hörner zurück. Der Zoo hält insgesamt 21 Nashörner. Bei Paris hatten Unbekannte – für mich sind es Wahnsinnige! – vor einer Woche ein seltenes Breitmaulnashorn in seinem Gehege erschossen, um an sein Horn heranzukommen, es abzusägen und zu stehlen. Damit hofften sie, auf dem asiatischen Schwarzmarkt einen guten Preis für aus Nashorn hergestellte vermeintliche Wundermittel zu erzielen.

„Ein Nashorn ohne Horn ist immer noch besser als ein totes Nashorn“, sagte eine Sprecherin des Tierparks Dvur Kralove laut dpa-Bericht. Die Hornkürzung werde unter Narkose vorgenommen und sei für die Tiere völlig schmerzlos, außerdem sei das Horn nicht lebensnotwendig. Es soll sogar in der Natur hin und wieder vorkommen, dass ein Horn abbricht, ohne dass es den Tieren schadet. Mit dem Zoo Dvur Kralove tauscht übrigens der Nürnberger Tiergarten immer wieder Tiere aus. Auf obigem Foto ist allerdings nicht ein Nashorn zu sehen, bei dem das Horn zurückgeschnitten wurde, auch kein Breitmaulnashorn, sondern der Panzernashornbulle Albrecht, als er im  Januar 2001 anlässlich der Tiergarten-Inventur in Nürnberg für die Medien vermessen wurde. Albrecht rieb sich sein Horn immer an den Sandsteinfelsen an seinem Gehege ab – so wie auch andere Nashörner in Nürnberg (früher waren es noch Breitmaulnashörner, die am Schmausenbuck inzwischen nicht mehr gehalten werden). Übrigens: Auch Natal, der älteste Nashornbulle von Dvur Kralove, wetzt sein Horn selbst ab.

Ich halte von der Maßnahme in dem tschechischen Zoo überhaupt nichts. Erstens, weil man damit Verbrechern nachgibt, statt Verbrechen zu bekämpfen. Zweitens, weil man die Nashörner nicht nur verunstaltet, sondern auch in ihrer Unversehrtheit verletzt. Wenn sich ein Nashorn sein Horn selbst abwetzt, ist das doch etwas ganz anderes!

Und das Tiergarten-Jahr geht gut weiter!

In einem Kommentar von „heidi_z“ ist die freudige Botschaft ja schon zu lesen, und ich widme ihr selbstverständlich einen eigenen Blog-Beitrag: Im Nürnberger Tiergarten wurde ein männliches Panzernashornbaby geboren. Diese Tierart ist in freier Wildbahn bedroht – umso wichtiger ist dieser Nachzucht-Erfolg in einem Zoo.

In diesem Fall kann man wirklich sagen, was lange währt, wird endlich gut. Denn die Tragzeit hat immerhin 481 Tage lang gedauert. Dafür ging bei der Geburt alles sehr schnell, und das, obwohl die Mutter Sofie zum ersten Mal ein Jungtier zur Welt brachte. Schon 20 Minuten nach dem Platzen der Fruchtblase war das 60 Kilogramm schwere Kalb geboren, und nach fünf Stunden hat es zum ersten Mal getrunken. Die Mutter kümmert sich vorbildlich um ihren Nachwuchs. Der Kleine wurde auf den Namen Sanjai getauft, weil das Hauptverbreitungsgebiet der Panzernashörner in Indien liegt. „Sanjai“ bedeutet „Der Siegreiche“ – ein Name, der in Indien sehr beliebt ist.

Zwischen Sofie (elf Jahre alt), die im September 2015 im Tausch mit Seto Paitala aus dem britischen West Midland Safari Park nach Nürnberg kam, und dem jetzt 28-jährigen Nashornbullen Ropen ging es nach einer kurzen Kennenlern-Phase schnell zur Sache. Gleich die erste Paarung war offenbar erfolgreich. Weil Sofie für eine Erstgebärende erstaunlich ruhig und entspannt ist, können Tiergartenbesucher mit ein wenig Glück Mutter und Kind im Dickhäuterhaus oder, wenn es draußen warm genug ist, auch in der Außenanlage bewundern.

Geschenktipp für den Valentinstag

Der Valentinstag steht wieder einmal bevor. Für alle, die am 14. Februar keine Blumen oder Süßigkeiten verschenken wollen, aber auch noch keine andere Idee haben, hätte ich einen Buchtipp: „Das letzte Nashorn“, ein Tier-Roman von Lodewijk van Oord.

Dazu ein kleiner Abstecher in die Kunstgeschichte: Das „Rhinocerus“ von Albrecht Dürer war ein echter Genie­streich. Denn der Meister hatte noch nie ein Nashorn zu Gesicht bekom­men, als er 1515 einen Holzschnitt mit diesem Titel anfertigte. Ein solches aus Indien stammendes Tier war im selben Jahr per Schiff in Lissabon gelandet, als Geschenk eines Sultans an den portugiesischen Gouverneur.

Es gab damals nur vage Beschrei­bungen und Skizzen des seltsamen Lebewesens mit dem spitzen Horn auf der Nase. Dürer setzte die Schilderun­gen so gelungen um, dass das Ergeb­nis der Wirklichkeit verblüffend nahe kam. Das echte Panzernashorn sollte unterdessen von Portugal weiter nach Rom reisen. Auf dem Seeweg versank es mitsamt dem Schiff, und so hatten die Menschen in Europa lange Zeit auch gar keine Gelegenheit, den Holz­schnitt und eine Tuschezeichnung von Dürer mit dem wahren Erscheinungs­bild zu vergleichen.

Für Lodewijk van Oords Roman „Das letzte Nashorn“ lieferte dieser kunstgeschichtliche Hintergrund so etwas wie ein Leitmotiv. Der holländi­sche Autor, der in Madrid zur Welt kam und bisher länger im Ausland gelebt hat als in den Niederlanden, landete dort mit seinem Erstlings­werk einen großen Erfolg. Bei uns ist das Buch zwei Jahre später erschie­nen. Eigentlich ist van Oord Lehrer und unterrichtete eine Zeitlang in Afrika. Das hat ihn – neben Dürer – wohl auch zu dem Buch inspiriert.

Die Geschichte spielt im Zoo von Amsterdam, wo ein neuer, jung-dyna­mischer Direktor die Rettung einer vom Aussterben be­drohten Nashorn­art beschließt. Da­für kreiert er auf dem Zoogelände „Afrika an der Am­stel“ und engagiert eine Nashorn-Fach­frau aus Südafrika. Mit dem aus dem Berliner Zoo einge­flogenen Nashorn­ Bullen Albrecht (!) und einer Medien-Offensive, wie sie die (Zoo-)Welt noch nicht erlebt hat, beginnt nun ein Wett­laufmit der Zeit, um die Tierart durch gezielte Zucht zu erhalten.

Der Autor erweist sich als profun­der Kenner der Aufgaben, aber auch der Probleme von modernen zoologi­schen Einrichtungen. Er weiß, wie Tierschutzaktivisten ticken, die mal mehr, mal weniger erfolgreich versu­chen, Zoos das Leben schwer zu machen. Und er baut philosophische und ethische Fragen – etwa die nach unserem Umgang mit (Zoo-)Tieren – sehr unterhaltsam in die Handlung ein. Der Leser wird genau wie die Romanfiguren bis zur letzten Seite auf die Folter gespannt.

Wer Tiere und Zoos liebt, wird die­ses Buch verschlingen. 

Hoffentlich wird es was mit dem Nashörnchen!

NASHORN-PaarungNa also! Wie von mir hier schon angedeutet, haben wir im Tiergarten Nürnberg ein neues Zuchtpaar, und das bei einer in der Natur äußerst bedrohten Tierart: den Panzernashörnern. Der erfahrene Zuchtbulle Ropen hat Sofie gedeckt, die im vergangenen Herbst aus England an den Schmausenbuck kam. Mit höchster Wahrscheinlichkeit ist Sofie trächtig. (Das Foto, das mir der Tiergarten zur Verfügung gestellt hat, zeigt allerdings nicht Sofie und Ropen, sondern stammt von einer früheren  Paarung.)

Weil ein Panzernashornbaby noch immer etwas ganz  Besonderes für Zoologische Gärten ist, dürfen wir uns jetzt schon auf das Frühjahr 2017 freuen. Wegen der langen Tragzeit von 16 Monaten bei diesen Dickhäutern ist vorher nicht  mit der Geburt des Mini-Rhinozeros zu rechnen. Im vergangenen November hat Ropen seine neue Partnerin gedeckt. Für ihren Artgenossen Rap in Bewdley hat sie sich hingegen nie interessiert. Für den reifen Gentleman Ropen dagegen schon. Das lässt sich biologisch belegen: Nashorndamen bekommen nur dann einen Eisprung, wenn sie wirklich zur Paarung bereit sind. Ihre „Hochzeitsnacht“ haben Sofie und Ropen am 6. November 2015 verbracht.

Gegen 1.30 Uhr kam es zur Deckung. Das weiß man deshalb so genau, weil Tierpfleger Oliver Pürkel die Nacht über im Dickhäuterhaus blieb, um im Notfall einschreiten und seine beiden Schützlinge umsperren zu können. Denn die Paarung bei diesen Kolossen – Ropen bringt immerhin rund zweieinhalb Tonnen auf die Waage, Sofie an die 2000 Kilo – ist nicht gerade ein Spaziergang, beim Vorspiel kann es üble Verletzungen geben. Oft fließt dabei Blut. Oberflächliche kleinere Wunden bemerken die Tiere im Eifer des Gefechts aber kaum. Bei Sofie und Ropen verlief die Nacht zwar stürmisch, aber nicht zu brutal.

Zootierärztin Katrin Baumgartner hat einige Zeit später eine Blutprobe von Sofie genommen und ins Labor geschickt. Dort konnte das Schwangerschaftshormon Progesteron nachgewiesen werden. Beim früheren – inzwischen toten – Nürnberger Nashornweibchen Purana wurde der Kot auf das Hormon getestet. Ein insofern (zeit-)aufwendiges Verfahren, als diese spezielle Untersuchung nur in Wien möglich war. Doch damals blieb keine andere Möglichkeit: Die Veterinäre kamen bei Purana nicht an eine Blutprobe heran.

SofieWeil Sofie erstgebärend ist, besteht ein etwas höheres Risiko, dass etwas schiefgehen könnte. Aber meist läuft die Geburt bei dieser Tierart reibungslos. Panzernashörner bringen ein Jungtier zur Welt, das ungefähr 50 Kilogramm wiegt. Selbst wenn die Mutter noch keine Erfahrung hat, wie im Fall von Sofie, ist das nicht so schlimm: Die Kleinen sind in der Regel kräftig und halten es notfalls aus, in den ersten Stunden nicht gesäugt zu werden. Besondere Sicherheitsvorkehrungen wird es also nicht geben, bis auf eine: Die Mutter sollte bei der Geburt allein sein, deshalb wird sie prophylaktisch von Ropen getrennt. Bedingt durch die Figur von Panzernashörnern, wird man Sofie die Trächtigkeit wahrscheinlich kaum vor dem letzten Monat ansehen.

Ob es zwischen Sofie und Ropen funkt?

SofieDer Tiergarten Nürnberg hat seit einiger Zeit eine neue Panzernashorn-Dame. Die neunjährige Sofie kommt aus dem britischen Bewdley. Sofie wurde im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms EEP als Nachfolgerin für Seto Paitala bestimmt, die im August 2009 in Nürnberg das Licht der Welt erblickt hatte. Sie musste den Schmausenbuck verlassen, weil sie mittlerweile geschlechtsreif ist und die Gefahr bestehen würde, dass sie von ihrem eigenen Vater Ropen gedeckt wird. So kam es zu einem Tausch der Nashorn-Kühe zwischen dem Tiergarten Nürnberg und dem West Midland Safari Park in Bewdley. Ein paar Tage vor Sofies Ankunft am Schmausenbuck trat Seto Paitala die Reise nach England an, wo sie wohlbehalten angekommen ist.

Sofie ist etwas älter als unser „Weißfuß“: Sie kam im Dezember 2005 im Zoo Rotterdam auf die Welt und lebte seit Januar 2010 in Bewdley. Dort wollte man eigentlich mit ihr und dem dortigen Bullen Rap züchten – doch das klappte nicht. Nun hofft man, dass den Zuchtplänen mit Sofie in Nürnberg mehr Erfolg beschieden ist. Der 27-jährige Ropen ist ja ein erfahrener Zuchtbulle – ob es zwischen ihm und Sofie funkt, wird man sehen. Schön wäre es natürlich schon, wenn wir in Nürnberg wieder ein Nashörnlein bekämen.

Kurztrip nach Südostasien

Am Wochenende soll es ja endlich wieder wärmer werden. Für alle, die noch überlegen, was sie unternehmen könnten, habe ich einen Tipp: Der Tiergarten Nürnberg veranstaltet am Sonntag, 17. März, seinen diesjährigen Thementag. Er steht unter dem Motto „Tierwelt Südostasiens“. Der Tiergarten schließt sich damit der Südostasienkampagne des Europäischen Zooverbands EAZA an.

Im Tiergarten am Schmausenbuck sind die wichtigsten Vertreter von Tieren aus Südostasien Weißhandgibbons, Schabrackentapire, Przewalskipferde, Panzernashörner, Sibirische Tiger und Prinz-Alfred-Hirsche.

Am Thementag stellen Tierpfleger die Tapire als seltene Relikte aus der Urzeit vor. (Das Foto zeigt das inzwischen ausgewachsene Schabrackentapir-Baby Pinola mit seiner Mutter Indah.) Es werden außerdem die typischen „Gesänge“ der Gibbons zu hören sein. Im Raubtierhaus kann man sich darüber informieren, wie der Lebensraum der Sibirischen Tiger immer knapper wird. Präsentiert wird auch das Przewalski-Urwildpferd-Projekt in Tennenlohe, über das ich hier auch schon geschrieben habe. Im Naturkundehaus informieren Zollbeamte die Besucher, welche Souvenirs aus Südostasien nicht erlaubt sind und welche Strafen man kassiert, wenn man das Verbot nicht beachtet und erwischt wird. Für Kinder gibt es eine Möglichkeit, direkt mit Tieren in Kontakt zu kommen: Sie dürfen von 14 bis 15 Uhr im Kinderzoo Ponys striegeln.

Um Nashörner dreht sich alles im Untergeschoss des Naturkundehauses. Der stellvertretende Tiergartendirektor Helmut Mägdefrau erläutert, wie stark Nashörner in freier Wildbahn durch Wilderei bedroht sind (10 bis 12 Uhr und 13 bis 15 Uhr im Untergeschoss des Naturkundehauses). In natura kann man die Panzernashörner des Tiergartens im Dickhäuterhaus um 11 Uhr und 15 Uhr bei Fütterungen beobachten. Der Bestand der freilebenden Panzernashörner in Asien liegt derzeit bei rund 2600 Tieren. Vom Aussterben unmittelbar bedroht sind das Sumatranashorn (250 Tiere) und das Javanashorn (65 Tiere).

Ich denke, an diesem Sonntag findet jeder etwas im Veranstaltungsprogramm, das ihn besonders interessiert. Ein Plan mit den einzelnen Aktionen des Thementags ist an der Tiergartenkasse erhältlich.

 

Das war das Tiergarten-Jahr 2012

Einen tierischen Rückblick aufs Jahr 2012 gab es in meinem Blog ja hier schon zu lesen. Zum Jahreswechsel möchte ich aber auch noch einmal die wichtigsten Ereignisse im Tiergarten Nürnberg Revue passieren lassen.

Wir erinnern uns: Der Tiergarten hat im Mai sein 100-jähriges Bestehen gefeiert. Der Alte Nürnberger Tiergarten war am 11. Mai 1912 im Luitpoldhain eröffnet worden. Er musste 1939 an den Schmausenbuck umziehen, als die NS-Machthaber Platz für das Reichsparteitagsgelände brauchten.

Vor allem die Geparden sorgten dafür, dass das Jubiläumsjahr recht stürmisch verlief. Gepard Turbo brach im Januar aus seinem Gehege aus und sprang auf ein Shetlandpony los, das mit seiner Pflegerin am Gehege vorbeispazierte. Doch das Pony – die vier Jahre alte Graciella – wehrte sich, versetzte der geschmeidigen Raubkatze Tritte mit den Hufen und schlug sie in die Flucht. Nach zwei Stunden wurde Turbo mit leichten Verletzungen wieder eingefangen. (Mehr dazu hier)

Im März durfte Turbo dann Vaterfreuden genießen. Seine Partnerin Kelly brachte Fünflinge zur Welt, drei Kater und zwei Katzen. (Mehr dazu hier) Teilweise scheinen die Jungen den Freiheitsdrang von Turbo geerbt zu haben: Im Juni gelang es einem von ihnen, die Mauer, die das Gehege umgibt, und die Stromsicherung zu überwinden. Eineinhalb Tage dauerte der Ausflug des kleinen Ausreißers, dann ging er seinen Fängern ins Netz. Zum Glück, denn sonst wäre er wohl verhungert. (Mehr dazu hier)

Zu den traurigen Nachrichten dieses Tiergarten-Jahres gehörte der Tod von Tiger Cornelius im Oktober. Der Sibirische Tiger und sein Bruder Claudius sind eigentlich in Straubing zu Hause und nur vorübergehend in Nürnberg untergebracht, während in ihrem Heimatzoo eine moderne Raubtieranlage gebaut wird. Obwohl die sechs Jahre alten Zwillinge seit ihrer Geburt zusammenlebten und sich gut verstanden, kam es zwischen ihnen zu einer Rauferei, die nicht wie sonst spielerisch ablief. Vielmehr trug Cornelius schwere Verletzungen davon, die er nicht überlebte. (Mehr dazu hier)

Abschied nehmen hieß es im November auch von Purana, der 20-jährigen Panzernashorndame. Sie erholte sich nicht mehr von einer Fehlgeburt, die zu einer schweren Infektion führte. Während ihrer 19 Jahre am Schmausenbuck hatte sich Purana zu einem der beliebtesten Zootiere entwickelt – vor allem, weil sie drei gesunde Babys zur Welt brachte und liebevoll großzog: Die beiden Söhne Albrecht und Hans sowie eine Tochter, die wegen ihres heller gefärbten linken Vorderbeins Seto Paitala heißt. Das bedeutet auf Nepalesisch so viel wie „Weißer Fuß“. (Mehr dazu hier)

Panzernashorndame nach Fehlgeburt tot

Traurige Nachricht aus dem Tiergarten Nürnberg: Die 20-jährige Panzernashorndame Purana , die seit Juli 1993 am Schmausenbuck lebte, ist tot. Sie war bei den Zoobesuchern äußerst beliebt und hat im Tiergarten drei Jungtiere großgezogen. Der Vater der ersten beiden Jungtiere Albrecht (geboren am 8. Oktober 1999) und Hans (geboren am 29. Januar 2004) war Noel. Der Vater von Seto Paitala (geboren am 27. August 2009) ist Ropen, der noch im Tiergarten Nürnberg lebt. Auf diesem Foto ist Purana mit ihrer Tochter Seto Paitala im Januar 2010 zu sehen.

Purana war eine erfahrene Mutter. Sie hat sich vorbildlich um ihre Jungtiere gekümmert. Auch jetzt war Purana wieder trächtig; ihr Nachwuchs hätte im Frühsommer 2013 zur Welt kommen sollen. Doch am 3. November hatte sie eine Fehlgeburt. Der tote Fötus war sieben bis acht Monate alt. Ursache für den Abgang des Fötus war eine eitrige Gebärmutterentzündung. Purana wurde gegen die Infektion behandelt, und die Behandlung schlug erst einmal gut an – die Nashorndame erholte sich zunächst. Doch plötzlich zeigte sie Störungen im zentralen Nervensystem und hielt den Kopf ungewöhnlich schief. Die Zootierärzte zogen Fachärzte für Augenerkrankungen hinzu, und die diagnostizierten eine starke Entzündung in einem Auge von Purana. Man versuchte, die Infektion gezielt antibiotisch zu bekämpfen, aber der Krankheitsverlauf  war nicht mehr aufzuhalten.

Am Abend des 14. November war Purana so schwach, dass sich die Tierärzte schweren Herzens entschlossen, sie einzuschläfern. Das tote Tier wird nun im Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in Erlangen untersucht. Ob die Obduktion Klarheit über den Krankheitsverlauf und die Fehlgeburt bringt, weiß im Augenblick noch niemand.
Puranas  Tochter Seto Paitala hat bisher die meiste Zeit mit ihrer Mutter zusammengelebt, war aber auch schon zeitweise von ihr getrennt. Da Seto auch schon lange nicht mehr gestillt wird, hofft die Tiergartenleitung, dass sie Puranas Tod verkraftet. Bisher haben sich sowohl Seto Paitala als auch Ropen ruhig verhalten.

Wie es mit der Panzernashorn-Haltung im Tiergarten nun weitergeht, ist derzeit noch unklar. Die Zooleitung möchte Ropen auf jeden Fall hier behalten. Ob er eine neue Partnerin aus einem anderen Zoo bekommt und mit ihr weiterzüchten soll, oder ob für Seto ein Jungbulle nach Nürnberg geholt wird, mit dem sie in einigen Jahren selbst Nachwuchs haben könnte, muss von der Koordinatorin des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms entschieden werden, die im Zoo Basel sitzt.