Schweig, Pfau!

PfauneuUnglaublich, aber wahr: Ein Gericht muss sich mit der Frage beschäftigen, ob die Pfauen im Tiergarten Mönchengladbach während der Balzzeit nachts zu laut schreien. Die bösen Vögel haben vielleicht sogar eine Ehe zerstört: Die geschiedene Frau des Klägers behauptet, sie sei wegen des Vogelgeschreis manche Nacht bis zu fünfmal aufgewacht, und ihr Mann habe am nächsten Morgen völlig übermüdet und  schlechtgelaunt am Frühstückstisch gesessen. Das mag auch noch andere Ursachen gehabt haben – jedenfalls zog die Frau die Konsequenz und aus dem Haus aus.

Eine Nachbarin der Beiden will hingegen nicht von Pfauen, sondern von irgendeinem anderen lauten Vogel aus dem Tierpark um den Schlaf gebracht worden sein. Erst soll dieses unverschämte Tier immer nachts um drei seinen Schnabel zu weit aufgerissen und daraufhin auch noch Antwort von einem anderen Schreihals bekommen haben. Inzwischen sei dieses geheimnisvolle Vogelwesen allerdings verstummt – aus welchem Grund auch immer. Die  Gerichtsverhandlung ähnelte immer mehr einem absurden Theaterstück. Der Kläger-Anwalt sprach den Verdacht aus, jemand aus dem Tierpark habe den vogeligen Störenfried wohl um die Ecke gebracht. Das stritt natürlich der Anwalt des Tierparks ab: Dort würden weder seltsame Vögel noch andere Tiere getötet.

Menschliche Nachtruhe, die durch Tiergeräusche gestört wird – eine schwierige Frage. Zumindest bisher gibt es keine Grenzwerte, wie laut solche Geräusche sein dürfen. Das Gericht will deshalb möglicherweise ein Gutachten zur Lautstärke erstellen lassen. Insgesamt muss geklärt werden, ob der
Nachbar durch die Tiergeräusche wesentlich beeinträchtigt wird.

Stolz wie ein Pfau

pfau.jpg„Stolz wie ein Pfau“ sagt man ja üblicherweise. Wie es zu dieser Redensart kommt, konnte ich kürzlich bei meinem Besuch im Karlsruher Zoo  richtig nachvollziehen. Als ich dort gemeinsam mit vielen Besuchern zuschaute, wie die beiden alten Elefantendamen auf der Freianlage von ihrem Pfleger mit Wasser abgespritzt wurden, fühlte sich ein anderer Zoobewohner offensichtlich nicht genügend beachtet: ein Pfau. Kurzerhand marschierte er an die Stelle des Geheges, wo das Publikum beste Sicht auf ihn hatte und legte los. Er entfaltete die ganze Pracht seiner Schwanzfedern und schlug mit ihnen das berühmte fächerförmige Rad, bei dem man die schillernden Federn mit den blau irisierenden „Augen“ so gut bewundern kann.

In dieser Macho-Pose stolzierte er ein paar kleine Tippelschrittchen hin und her und drehte sich mal ein wenig nach der einen, mal nach der anderen Seite – gerade so, als wollte er den Besuchern, die sofort Fotoapparate, Handys und Kameraus zückten, ideale Bedingungen bieten. Das Schauspiel hielt so lange an, wie die Elefanten von ihrem Pfleger betreut wurden. Offenbar konnte es der Pfau nicht ertragen, dass andere Tiere als er im Mittelpunkt des Interesses standen und produzierte sich dementsprechend.

Übrigens dienen die Pfauen-„Augen“ eigentlich dazu, Feinde abzuschrecken: Die sollen denken, die Augen gehörten zu großen Säugetieren. Ein Pfauen-Hahn kann die Schwanzfedern außerdem in laut rasselnde Bewegung versetzen,  um Feinde in die Flucht zu schlagen. Und dann sollen sie auch noch die „Angebetete“ beeindrucken. Es gibt sogar die Theorie, dass Pfauen-Hennen umso mehr Nachwuchs kriegen, je mehr Augen das Männchen auf seinen Schwanzfedern vorweisen kann.

Ja, so geht es zu auf dem tierischen Jahrmarkt der Eitelkeit. Vorsicht ist dabei allerdings geboten: Sonst ergeht es einem schnell wie dem Frosch in der römischen Fabel, der sich vor lauter Stolz so weit aufblies, bis er schließlich platzte.