Wem sollen diese Tests nützen?

Man könnte sich bei den Nachrichten dieser Tage angesichts der „Abgastests“ der Automobilindustrie mit Affen schier die Haare raufen. Doch diese unsäglichen Versuche sind ja nur ein Teil dessen, was an toxikologischen Versuchen mit Affen sonst noch so läuft. Darauf hat jetzt auch die Tierschutzorganisation „Ärzte gegen Tierversuche“ wieder hingewiesen. So gibt es zum Beispiel eine Statistik, nach der im Jahr 2016 in Deutschland 1789 Affen für Versuche mit giftigen Substanzen genutzt wurden. Und im vergangenen Jahr hat man 1328 Affen mit dem Futter oder über Inhalation 28 Tage lang schädliche Substanzen verabreicht. Solche Tiere werden im Anschluss daran in den meisten Fällen getötet, um ihre Organe auf Schädigungen hin untersuchen zu können.

„Ärzte gegen Tierversuche“ fordert nun eine Gesetzesänderung, um solche unethischen Versuche an allen Tieren zu verbieten. Im Hinblick auf die Abgas-Versuche mit Affen, die der Autokonzern Volkswagen durchgeführt hat, hat die Organisation klargestellt, dass solche Versuche auch aus wissenschaftlicher Sicht unsinnig seien: Es könnten nämlich keinerlei Rückschlüsse auf den Menschen gezogen werden.

Ich frage mich, was noch alles passieren muss, bevor derartige Versuche endlich gesetzlich unterbunden werden. Darf sich die Autoindustrie denn bei uns wirklich alles erlauben?

Was ist schlimmer: Schweinepest oder Jagd?

Von wegen Weihnachtsfrieden! Nur wenige Tage vor dem sogenannten Fest der Liebe soll es bayerischen Wildscheinen an den Kragen gehen. Das bayerische Kabinett hat offenbar Angst vor der Afrikanischen Schweinepest, deshalb sollen in Bayern mehr Wildschweine abgeschossen werden. Ja, geht´s noch?

Mit dieser Maßnahme wollen Umweltministerin Ulrike Scharf und Agrarminister Helmut Brunner (beide CSU) dafür sorgen, dass heimische Tiere vor der Schweinepest geschützt werden. Die Politiker nennen so etwas konsequente Vorbeugung. Die hochansteckende Krankheit war vor einigen Monaten bei Wildschweinen in Südosttschechien ausgebrochen (Foto: dpa). Nun hat man bei uns wohl Angst vor einer „Grenzüberschreitung“ der Viren, die zu der Erkrankung führen. Infizierte Tiere sterben in der Regel daran. Bayern ist bisher allerdings verschont geblieben. Für Menschen stellt die Krankheit gar keine Gefahr dar. Nun wird Panik gemacht vor der Einschleppung in Nutztier-Zuchtbetriebe, woraus wirtschaftliche Schäden resultieren könnten.

Da fällt den bayerischen Politikern nichts Besseres ein, als für den Abschuss von bestimmten Wildschweinen Jägern eine Prämie von 20 Euro zu versprechen. Na bravo! So etwas nennt man dann „entschlossenes Vorgehen“ gegen eine mögliche Einschleppung der Afrikanischen Schweinepest. Da wird die Jäger-Lobby mal wieder prompt bedient. Wetten, dass andere Maßnahmen wie das Testen toter Wildschweine auf Schweinepest-Viren, zweisprachige Aufklärungskampagnen in den bayerisch-tschechischen Grenzgebieten, gezielte Kontrollen der Veterinärbehörden und strengere Hygienemaßnahmen weit weniger konsequent umgesetzt werden als das Losballern auf unschuldige Tiere?

Wen würden (Zoo-)Tiere wählen?

In zehn Tagen ist Bundestagswahl. Ich muss zugeben, dass ich noch nie so unsicher war wie diesmal, welcher Partei ich meine Stimme geben soll. Diverse Diskussionsrunden und Interviews mit deutschen Spitzenpolitikern im Fernsehen haben mir bisher auch nur bedingt weitergeholfen; zumindest weiß ich aber schon mal, wen ich nicht wähle. Mit dieser Eingrenzung auf bestimmte verbleibende Parteien habe ich den Wahl-O-Mat als Entscheidungshilfe herangezogen und bin wieder ein Stück vorangekommen: Nun sind nur noch zwei Parteien übrig, zwischen denen ich immer noch schwanke.

Da erreichte mich in diesen Tagen der Newsletter des WWF (siehe obiges Foto). Mitarbeiter der Umweltorganisation haben Interviews mit Spitzenpolitikern von CDU, SPD, DIE LINKE und den GRÜNEN geführt und herausgearbeitet, inwieweit umweltrelevante Themen Eingang in die Wahlprogramme gefunden haben. Außerdem wurden die Politiker befragt, welche Maßnahmen und Vorhaben für Natur- und Umweltschutz ihre jeweilige Partei konkret nach der Wahl angehen will. weiter lesen

Skandal in Kanada

Ich bin eigentlich ein großer Fan von Kanada und der liberalen, toleranten Politik in diesem Land – gerade im Vergleich zu den USA. Zu den Dingen, die ich in Kanada ablehne, gehört allerdings die kommerzielle Robbenjagd, die nur die Interessen der Industrie befriedigt. In diesem Jahr ist es besonders schlimm: Die Jagdsaison wurde mit Erlaubnis der Regierung Trudeau statt – wie vorgesehen – am 7. April schon vergangene Woche eröffnet. Dabei wäre auch der 7. April schon ein sehr früher Beginn der Jagdsaison gewesen – eigentlich gilt nämlich bis Mitte April ein Jagdverbot. Das Einknicken der Regierung vor dem Kommerz bedeutet also, dass die Jäger wesentlich länger als sonst Jagd auf ausgewachsene Sattelrobben machen.

Der Zeitpunkt Mitte April war bislang so gewählt, damit die Robbenmüter ihre Babys in Ruhe zur Welt bringen und säugen können. Es war eine der ohnehin wenigen Schutzmaßnahmen, die es in Kanada für die Robben gibt. Der vorverlegte Zeitpunkt hat grausame Folgen für die Robbenbabys: Werden ihre Mütter während der Gebär- und Stillphase getötet, verhungern sie jämmerlich. Sie haben allein keinerlei Chance zu überleben. Was da in diesen Tagen passiert, ist also nur als Skandal zu bezeichnen, der unbedingt gestoppt werden muss.

Der International Fund for Animal Welfare (IFAW), von dem ich auch obiges Foto verwendet habe, hat einen internationalen Aufruf gestartet, um die kanadische Regierung zum Umdenken aufzufordern. Ich möchte mich in meinem Blog gerne dieser Aktion anschließen und dafür werben, die Petition zu unterzeichnen.

Pro oder kontra Katzensteuer?

Dieses dpa-Foto ist schon über fünf Jahre alt. Aufgenommen wurde es 2011 in Brandenburg. Die Kinder, die das selbstgemalte Schild damals an einer Futterstelle für Vögel aufgestellt haben, haben schon damals auf ein Problem aufmerksam gemacht, was nun in der Diskussion hochkocht: Sind Katzen daran schuld, dass es in öffentlichen Grünanlagen und Gärten immer weniger Singvögel gibt? Jagen Katzen, die als Freigänger draußen unterwegs sind, inzwischen so viele Vögel, dass man von staatlicher Seite einschreiten und eine Katzensteuer erheben sollte? Quasi als Wiedergutmachung für den entstandenen Schaden in der natürlichen Umgebung, zu der eben auch Wildvögel in bestimmter Anzahl gehören?

Natürlich war schon der erste Aufschrei von Katzenbesitzern zu vernehmen, die den Befürwortern einer Katzensteuer wiederum unterstellen, so etwas hätten sich nur Hundebesitzer ausdenken können. Weil die für ihre Vierbeiner auch vom Fiskus zur Kasse gebeten werden und schon lange finden, dass – nach dem Gleichheitsgrundsatz – auch Katzenbesitzer zahlen müssten. Eine Art Neid-Debatte, wie gerade wir in Deutschland sie gern führen. Immerhin gibt es hierzulande nach Schätzungen rund 13 Millionen Katzen. Der Deutsche Tierschutzbund geht davon aus, dass mindestens zwei Millionen davon auf der Straße leben; dazu zählen auch Parks oder Industriebrachen.

Ist also eine Katzensteuer berechtigt? Politiker trauen sich in Wahljahren naturgemäß nicht an ein solch emotionsgeladenes Thema heran. Es könnte sie schließlich eine Menge Wählerstimmen kosten. Andere Interessenvertreter haben solche Ängste nicht. So spricht sich etwa der Deutsche Jagdverband für eine Katzensteuer aus. Mit dem Argument, die zweieinhalb Millionen besitzerlosen und unterernährten Katzen würden die Artenvielfalt gefährden. Katzenbesitzer müssten einfach mehr Verantwortung übernehmen. Wenn eine Kastrations- und Meldepflicht für Katzen – wie sie zum Beispiel die Stadt Paderborn 2008 eingeführt hat und weitere 430 Kommunen in Deutschland so oder ähnlich inzwischen haben – nicht den gewünschten Erfolg bringe, dann müsste eben die Politik mit der Katzensteuer eingreifen.

Der Tierschutzbund fordert wegen der zunehmenden Zahl von Katzen in Tierheimen und auf der Straße längst die bundesweite Kastrationspflicht für Freigängerkatzen aus Privathaushalten. Diese Tiere sind für die explosionsartige Fortpflanzung der Straßenkatzen schließlich mit verantwortlich. Der Tierschutzbund setzt sich deshalb für ein Kastrations-, Kennzeichnungs- und Registrierungsgebot für Freigängerkatzen ein. Der Naturschutzbund Deutschland, Nabu, setzt auf Kastrationspflicht, erteilt aber der Katzensteuer eine Absage. Eine der Hundesteuer ähnliche Katzensteuer hält man dort für politisch und gesellschaftlich nicht durchsetzbar. Dass Katzen besonders junge Vögel jagen, liege in ihrer Natur als Raubtier begründet.

Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ hat das Thema vor kurzem erneut aufs Tapet gebracht – und Katzenfreunde auf die Palme. Klar: Die Sache polarisiert wie wenige andere. In den sozialen Netzwerken schlägt die Diskussion natürlich auch hohe Wellen. – Und wie ist die Meiung der Leser dieses Blogs? Sind Sie für oder gegen die Katzensteuer?

Ende der Küken-Qualen in Sicht?

männliche KükenUnd hier noch die gute Nachricht zum Wochenende: Unter eine Form der Tierquälerei, die eher nebenbei geschieht – das Schreddern oder Vergasen von männlichen Küken – wollen Forscher in Dresden nun endlich einen Schlusstrich ziehen. Ihre neue Technik soll es möglich machen, das Geschlecht der Küken in einem frühen Entwicklungsstadium festzustellen und die männlichen Tiere schon im Ei und zu einem Zeitpunkt zu töten, an dem sie noch keinen Schmerz empfinden.

Im Labor untersuchen die Wissenschaftler Eier, die drei Tage lang bebrütet wurden, so dass sich schon Blutgefäße und das winzige Herz entwickelt haben, aber noch keine Nervenzellen und kein Schmerzempfinden. Zur Untersuchung wird das Ei vorsichtig angebohrt und mit einem Spektrometer durchleuchtet. Mit einem speziellen Computerprogramm können dann Unterschiede in der Biochemie des Blutes von männlichen und weiblichen Küken festgestellt werden – angeblich mit einer Trefferquote von 95 Prozent. Wächst im Ei ein männliches Küken heran, wird es entsorgt. Bei weiblichen Küken wird das Ei in den Brutkasten gelegt. Wenige Tage später schlüpft dann eine kleine Henne.

An dieser Forschung sind Tiermediziner, Chemiker, Ingenieure und Physiker beteiligt. Aus dem Experiment könnten später einmal Maschinen entwickelt werden, die bei allen Geflügelhaltern stehen. Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt ist daran gelegen, die Sache voranzutreiben, weil er sich ständig mit Protesten von Tierschützern gegen den massenhaften Kükentod konfrontiert sieht. Ein Verbot des Massentötens lehnt Schmidt allerdings ab: Seiner Meinung nach würden die Brütereien dann nämlich nur ins Ausland abwandern – den Tieren wäre damit nicht gedient. Schmidts Ministerium unterstützt die Forscher in Dresden auch finanziell.

Rückt ein Verbot für Tiere im Zirkus näher?

ZirkustiereIch habe hier im Blog ja schon öfter über das von verschiedenen Seiten geforderte Verbot von Wildtieren im Zirkus geschrieben. Jetzt startet wieder ein neuer Anlauf: Das Bundesland Hessen bringt morgen (Freitag, 26. Februar) eine Initiative in den Bundesrat ein, die sich auch auf Affen, Giraffen, Nashörner und Flusspferde bezieht. Zur Begründung wird argumentiert, eine art- und verhaltensgerechte Unterbringung sei unter den Bedingungen reisender Zirkusunternehmen unmöglich. Zirkustiere seien bis zu 20 Stunden lang in engen Transportfahrzeugen eingequetscht.

Schon mehrmals gab es ähnliche Vorstöße des Bundesrates. Der jetzige Antrag soll erst mal zur Beratung die Ausschüsse des Bundesrates durchlaufen – mit dem Ziel, dass die Bundesregierung über eine Entschließung zu einem Verbot aufgefordert wird.

Bisher sieht es so aus, dass das für diese Frage zuständige Bundeslandwirtschaftsministerium da noch nicht recht mitzieht. Dort will man  zunächst die Situation von Wildtieren im Zirkus weiter beobachten und erst dann aktiv werden, wenn man neue Erkenntnissen gewonnen hat. Seit einer Änderung des Tierschutzgesetzes im Jahr 2013 kann dieses Ministerium unter bestimmten Voraussetzungen Verbote oder Beschränkungen verordnen – allerdings sind die Hürden wegen möglicher Eingriffe in Grundrechte doch ziemlich hoch gelegt. Im Fall des Verbots von Zirkustieren ist hauptsächlich die Berufsfreiheit der Zirkusbetreiber ein Hindernis bei jeder Änderung.

Ich selbst bin mir nach wie vor nicht sicher, wie ich in dieser Frage entscheiden würde. Es gibt meiner Meinung nach sehr gute Tierhaltung in Zirkusssen – vor allem in den großen Unternehmen. Ob kleinere da (schon aus finanziellen Gründen) mithalten können – ich weiß es nicht. Was ich aber weiß, ist: Ich mag Zirkus.

Da kann man doch nicht länger zuschauen!

Heute ist Tag des Ostseeschweinswals. Am 17. Mai wird auf die Bedrohung dieser Tiere aufmerksam gemacht. In den vergangenen Jahrzehnten ist der Bestand der Schweinswal-Population in der Ostsee alarmierend zurückgegangen, auf nur noch 450 Tiere!!! Umweltorganisationen werfen Bund und Ländern vor, sie würden beim Schutz der letzten Ostseeschweinswale versagen. Sie verlangen deren Schutz durch bessere Regulierung von Fischerei und Unterwasserlärm.

Der Schweinswal ist der einzige Wal, der in Deutschland vorkommt. Er ist mit dem Delfin verwandt und steht unter dem strengen Schutz der Habitat-Richtlinie der EU. In den letzten Jahren werden immer wieder Schweinswale tot an der Küste angeschwemmt, viele verenden jämmerlich in Stellnetzen. Zahlreiche Tiere erleiden schlimme Gehörschäden durch den sogenannten Rammschall, der etwa beim Bau von Offshore-Windkraftanlagen entsteht, aber auch bei der Sprengung von Alt-Munition oder bei seismischen Untersuchungen mit Schallkanonen.

Seit acht Jahren gibt es zwar offiziell Offshore-Meeresschutzgebiete in der Ostsee, die Fischerei ist aber nicht eingeschränkt. So finden unzählige Tiere als Beifang in Stellnetzen den Tod. Außerdem wird kritisiert, dass die verschiedenen Bundesländer an der Ostseeküste keine einheitlichen Schutzmaßnahmen ergreifen. In Schleswig-Holstein existieren nur freiwillige Vereinbarungen in einer Wischiwaschi-Fischereiverordnung. Mecklenburg-Vorpommern schiebt die Verantwortung dem Bundeslandwirtschaftsministerium zu. Und die geplante Ausweitung der Offshore-Windkraft in sensiblen Naturräumen macht Schutzmaßnahmen für Schweinswale völlig zunichte. Das Schallschutzkonzept des Bundesumweltministeriums zum Schutz von Schweinswalen bei der Errichtung von Offshore-Windkraft-Anlagen bezieht sich nämlich bisher nur auf die Nordsee.

Verschiedene Umweltorganisationen haben Ende Januar den Bund verklagt: wegen der Nicht-Umsetzung von Fischereiregelungen in
den deutschen Meeresschutzgebieten. Sie kritisieren außerdem den Entwurf des deutschen Maßnahmenprogramms der Europäischen Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie. Denn darin fehlen vor allem nutzungsfreie Zonen in den Schuutzgebieten, die bedrohten Arten wie dem Schweinswal als Rückzugsgebiete dienen. Die Umweltverbände haben eine „Schattenliste“ aufgestellt, mit den wichtigsten Herausforderungen zum Schutz der Nord- und Ostsee auf deutschem Gebiet. Die Liste kann man hier herunterladen. Wer sich für das Maßnahmenprogramm der Bundesregierung interessiert, kann sich hier informieren.

Norwegen setzt Tierschutz-Polizei ein

FOTO: Torbjørn Tandberg / PR; 2013. MOTIV: Sylvi Listhaug, Landwirtschaftsministerin Norwegen.

Skandinavien geht in verschiedensten Lebensbereichen immer wieder mit gutem Beispiel voran, ebenso wie die Niederlande. So gibt es in Schweden und Holland etwa Tierschutz-Polizisten, und nun zieht Norwegen nach. Auch dort kommen künftig solche Ordungshüter speziell für Tierschutz-Delikte zum Einsatz. Sie sollen alle möglichen Fälle von Tierquälerei aufdecken, beziehungsweise – wenn möglich – verhindern. Drei Ermittler werden in der Provinz Sör-Tröndelag in West-Norwegen ihren Dienst antreten. Die Tierpolizei soll erst mal einen dreijährigen Testlauf absolvieren, bevor sie, davon gehe ich aus, zur Dauereinrichtung wird.

Zwar verfolgt die norwegische Landwirtschaftsministerin Sylvi Listhaug (im Bild) mit der neuen Polizei in erster Linie den Schutz von Tieren – aber nicht ausschließlich. Ihrer Meinung nach lassen sich auf diese Weise auch einige Verbrechen und Angriffe gegen Menschen vermeiden. Studien haben nämlich gezeigt, dass Menschen, die Straftaten und Ordnungswidrigkeiten gegen Tiere begehen, dazu neigen, auch Verbrechen an Menschen zu verüben. Für Tierquälerei kann man in Norwegen übrigens bis zu drei Jahre ins Gefängnis wandern. 2014 haben die norwegischen Behörden 38 Fälle von Tierquälerei gemeldet bekommen.

Grundrechte für Menschenaffen?

Das Thema kehrt in regelmäßigen Abständen immer wieder auf die Tagesordnung zurück. Es geht um die Frage, ob Menschenaffen – also Schimpansen, Gorillas, Orang-Utans und Bonobos – Grundrechte zugestanden werden sollten. Nun hat eine Initiative beim zuständigen Ausschuss des Deutschen Bundestages eine Petition eingereicht, weil sie für diese Rechte eintritt. Die Menschenaffen seien, so argumentiert die Gruppe, ähnlich empfindungs- und leidensfähig wie Menschen. Daher müsse ihnen ein Rechtsstatus zustehen, der der Menschenwürde gleichkomme. Diese Tiere müssten auch durch Gesetze mit Verfassungsrang geschützt werden. Der Petitionsausschuss hat das Anliegen nun zu prüfen – was aber ziemlich lange dauern dürfte, denn in dieser Frage gehen die Meinungen naturgemäß weit auseinander.

Bisher unterliegen Menschenaffen, wie andere Tiere auch, im deutschen Grundgesetz dem Tierschutz. Deutschland ist damit im Vergleich zu anderen Ländern sehr fortschrittlich, es hat im Jahr 2002 in der Europäischen Union die Vorreiterrolle übernommen, als es dem Tierschutz Verfassungsrang eingeräumt hat. Der Staat muss demnach laut Artikel 20a im Grundgesetz die natürlichen Lebensgrundlagen der Tiere im Rahmen der verfassungsmäßigen Ordnung schützen. Weitere Regelungen laufen über das Tierschutzgesetz, in dem es Ordnungswidrigkeiten gibt, aber auch Tatbestände, die als Straftat geahndet werden. Das gilt zum Beispiel in Fällen, in denen Wirbeltiere „ohne vernünftigen Grund“ getötet werden oder ihnen „aus Rohheit erhebliche Schmerzen“ zugefügt werden. Bei solchen Delikten können saftige Strafen die Folge sein oder sogar eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren.

Reicht das deutsche Tierschutzgesetz damit aus, oder brauchen manche Tiere tatsächlich Grundrechte, die an die der Menschenwürde heranreichen? – Ich bezweifle, dass der Petitionsausschuss überhaupt zu einer klaren Entscheidung kommen wird. Aber die Begründungen dürften interessant werden.