Bald bessere Zeiten für Hundewelpen?

Manchmal sind gute persönliche Beziehungen unter Politikern durchaus segensreich: Die Nürnberger CSU-Bundestagsabgeordnete Dagmar Wöhrl und ihr früherer Kollege Christian Schmidt aus Fürth, der jetzt Bundesagrarminister ist, kennen sich seit Jahren gut. Dieses Verhältnis könnte nun Tieren zugutekommen – darüber berichte ich in meinem Blog natürlich gern. Schmidt hat heute das Tierheim Nürnberg und Dagmar Wöhrl in ihrer Funktion als Präsidentin des Tierschutzvereins Nürnberg-Fürth und Umgebung besucht. Sein Ziel ist es, etwas gegen die illegalen Welpentransporte zu unternehmen, die sich in letzter Zeit derart häufen, dass allein in der „Nürnberger Zeitung“ fast täglich etwas darüber zu lesen ist. Die Umstände bei den Fuhren sind so unglaublich tierquälerisch, dass manche Hunde sie nicht überleben. Erst vor kurzem hat der Zoll in Nürnberg einen Transport mit 76 Welpen entdeckt; drei von ihnen sind inzwischen eingegangen. Die Tierheime wissen schon gar nicht mehr, wie sie all die geschwächten Tiere wieder aufpäppeln sollen – von den immensen Kosten mal ganz abgesehen.

Tierschützer wünschen sich schon seit langem mehr Kontrollen und höhere Strafen gegen diese Transporte. Schmidt will sich nun dafür bei den Länderregierungen und beim Finanzministerium einsetzen. Die Dunkelziffer bei diesen Transporten ist sehr hoch. Bei den bisherigen Kontrollen werden die wenigsten entdeckt. Und weil solche Transporte lediglich als Ordnungswidrigkeiten gelten, liegen die Strafen nur zwischen 5000 und 25 000 Euro.

Vom 1. August an treten in Deutschland strengere Regeln auch für Welpentransporte in Kraft. Voraussetzung für den Verkauf von Tieren ist dann, dass sie mindestens drei Monate alt und gegen Tollwut geimpft sind, außerdem müssen sie einen Impfpass besitzen. Die Gewinne für die Händler sind im Vergleich zu den Strafen noch immer hoch: An einem einzigen Transport verdienen Tierhändler mehrere Zehntausend Euro, schätzen Tierschützer. Schmidt fordert nun, dass auch das Tierschutzgesetz verschärft werden muss, wenn die bestehenden Maßnahmen gegen illegale Transporte nicht genügen. – Vielleicht hat ja das Leiden von unzähligen Hundebabys tatsächlich bald ein Ende!

Putin, der Leopardenflüsterer

Bleiben wir beim traurigen Thema Sotschi, auch wenn der folgende Beitrag darüber ebenfalls nicht sehr erfreulich ist.

Er stellt sich gern als toller Hecht dar, mal mit freiem Oberkörper, damit die Muckis auch gut zu sehen sind, mal mit wilden Tieren wie Tigern und jetzt – im Vorfeld der Olympischen Winterspiele – mit Leoparden: der russische Präsident Wladimir Putin. Als wahrer Leopardenflüsterer ist er jetzt aufgetreten. Vor laufenden Kameras hielt er eine dieser Wildkatzen auf dem Schoß. Das Tier hatte kurz vorher immerhin zwei Journalisten angegriffen, wohl aus Panik oder Ärger angesichts der zahlreich erschienenen Pressevertreter. Russische Medien berichten, der Leopard mit dem schönen Namen Grom (auf Deutsch: Donner) habe zwei Journalisten in seinem Käfig angegriffen. Wie und warum die dort überhaupt hineinkamen, geht aus den Meldungen leider nicht hervor. Jedenfalls soll der eine an der Hand, der andere am Knie verletzt worden sein. Da kam der große Putin und zeigte den Schlaffis von der Presse, wie man mit so einem Tier richtig umgeht: Er begab sich angeblich auch in den Käfig, um den Leoparden zu beruhigen. Und siehe da: Grom verwandelte sich zum Kuscheltier und ließ sich von Putin auf den Knien halten. Der bescheidene Kommentar des Präsidenten dazu:  „Ich mag Tiere, es scheint, ich habe ein Gefühl für sie. Wir mochten einander.“

Anlass für diesen tollen Auftritt war folgender: Putin präsentierte ein Programm zur Auswilderung von Leoparden in der Nähe der Sportanlagen für die Winterspiele bei Sotschi. Dabei behauptete er, die Umweltsituation habe sich durch die Bauarbeiten für Olympia nicht verschlechtert, sondern im Gegenteil sogar verbessert. Für diesen „Beweis“ hatte er Mitglieder des Olympischen Komitees mit seinem eigenen Geländewagen zu einer Aufzuchtstation für Leoparden in einem Naturreservat oberhalb der Stadt am Schwarzen Meer gekarrt. Umweltschützer dagegen sind der Auffassung, durch die Bauarbeiten würden Schäden verursacht, die sich nicht wieder beheben ließen. Das Auswilderungsprogramm für persische Leoparden sieht ihre Wiederansiedlung in den Bergen der Olympiaregion vor. Die Tiere gelten dort seit den 1950er Jahren als ausgestorben. Die an dem Projekt beteiligten Raubkatzen hat Russland aus Turkmenistan, dem Iran und Portugal als Geschenk erhalten.

 

Der es mit Tigern aufnimmt

Dass es bei der Parlamentswahl in Russland vor knapp zwei Wochen zu deutlichen Verstößen und Unregelmäßigleiten gekommen ist, darin sind sich internationale Wahlbeobachter einig. Der Sieg der Putin-Partei gilt als manipuliert. Dass Wladimir Putin ein Mann ist, dem zur Durchsetzung bzw. zum Erhalt der Macht jedes Mittel recht ist, zeigt auch ein Vorfall, der schon einige Jahre zurückliegt. Er hat natürlich etwas mit Tieren zu tun – das sei all jenen gesagt, die beim Lesen der letzten Zeilen schon gemutmaßt haben, im falschen Blog gelandet zu sein.

Also, die Sache ist die: Im Herbst 2008 hat Putin eine Reise in einen Nationalpark in der Nähe von Wladiwostok angetreten. Dort wollte er sich höchstpersönlich über das Artenschutzprogramm der Regierung für Sibirische Tiger informieren, die bekanntlich vom Aussterben bedroht sind. Bei dieser Expedition ließ sich Putin – wie so oft – vom staatlichen Fernsehen begleiten. Und er nutzte die Tour offenbar, um sich als wahren Helden zu präsentieren: als Mann, der es sogar mit Tigern aufnimmt. Zunächst sah es so aus, als habe Putin durch einen gezielten Schuss mit dem Betäubungsgewehr das Kamerateam des Fernsehsenders vor dem gefährlichen Angriff eines Tigerweibchens gerettet.

Nun erheben russische Tierschützer und Blogger schwere Vorwürfe, für die sie, wie sie betonen, auch Beweise liefern könnten: Der damalige Tigerangriff sei manipuliert gewesen, haben sie der britischen Zeitung „Guardian“ berichtet. Die Tigerin habe gar nicht frei in dem Nationalpark gelebt, man habe sie vielmehr eigens aus einem russischen Zoo angeliefert und es so eingerichtet, dass sie Putin und seinem Fernsehteam praktisch über den Weg laufen musste und Putin heldenhaft zum Betäubungsgewehr greifen konnte. Anschließend hat er dem betäubten Tier noch ein elektronisches Halsband mit Peilsender umgelegt und sich mit einer rührenden Geste von der majestätischen Raubkatze verabschiedet.

Für die Tigerin verlief die Sache weniger erfolgreich: Sie starb, so die Tierschützer, an den Folgen der dreimaligen Betäubung, die für die Inszenierung dieses Abenteuers nötig war. Angeblich konnte das Tier die dreimalige hohe Dosis an Betäubungsmittel nicht verkraften.

Das war eine Fehlentscheidung, Herr Söder!

Es ist schon komisch: Irgendwann kommt jeder Politiker mal auf den Hund. Also, ich meine das jetzt im wörtlichen Sinne und beziehe mich nicht etwa auf aktuelle Ereignisse in Deutschland. Nein, ich meine es, wie ich es sage: Viele Politiker mögen Hunde – vielleicht weil die sich so gut herumkommandieren lassen, vielleicht weil sie treu sind und man sie nicht erst im Wahlkampf von sich überzeugen muss, vielleicht weil (fast) jedes Tier (fast) jeden Politiker sympathischer macht.

Ein solcher Hundeliebhaber ist auch Markus Söder, der sich vor seiner Berufung zum bayerischen Finanzminister selbst gern als „Lebensminister“ bezeichnet hat.  Zum Leben gehören Tiere ja irgendwie dazu, und wohl deshalb hält Söder sich privat einen Labrador. Doch damit nicht genug: Rechtzeitig vor Weihnachten hat er dieser Tage im Nürnberger Tierheim die Patenschaft für einen Cocker-Spaniel-Mischlingswelpen namens Wendy übernommen – kohlpechrabenschwarz, eben passend zur CSU. Künftig zahlt der Finanzminister 75 Euro pro Jahr für dieses sein Patentier, und spätestens wenn Wahlkampfzeiten ins Haus stehen, wird er wohl auch mal mit ihm Gassigehen, in öffentlichen Parks, dort, wo viele potenzielle Wähler ihn mit dem netten Hund sehen.

Im Tierheim posierte auch Söders Parteigenosse Marcus König – in Personalunion geschäftsführender Vorsitzender des Tierschutzvereins – mit einem Hundebaby vor den Kameras: mit der Französischen Bulldogge Pünktchen. Vorher hatte auch Söder das Hündchen mal halten dürfen (siehe Foto), aber es war für den Minister wohl nicht schwarz genug.

Mir persönlich gefällt Pünktchen aber viel besser als Wendy, weil ich Französische Bulldoggen einfach liebe – es sind meine zweitliebsten Hunde nach Jack-Russell-Terriern. Hätte sich Söder für Pünktchen als Patenkind entschieden – na ja, wer weiß, ob er damit künftig eine Stimme mehr bekommen hätte. So aber bleibt alles beim Alten.

In diesem Sinne: Frohe Weihnachten, liebe Blogleser!

Wie die ÖDP die Delfin-Lagune schlechtredet

Vielleicht erinnert sich der eine oder andere Leser an den Juli dieses Jahres, als kurz vor Eröffnung der Delfin-Lagune im Nürnberger Tiergarten ÖDP-Stadtrat Thomas Schrollinger ankündigte, er werde zu dieser Veranstaltung nicht hingehen. Ich habe hier im Blog darüber geschrieben. Nun beglückte Herr Schrollinger die Nürnberger Journalisten erneut mit einer Pressemitteilung. Dazu folgendes:

„Thomas Schrollinger lässt in Sachen Delfin-Lagune im Tiergarten nicht locker.“ So beginnt der Stadtrat der Ökologisch-Demokratischen Partei (ÖDP) eine Pressemitteilung, die er diese Woche verschickt hat. Überschrift: „ÖDP-Stadtrat hakt nach.“
Nun ist es nichts Neues, dass Schrollinger die Lagune ablehnt. Neu ist allerdings, dass er mit falschen Zahlen operiert – genau das aber dem Tiergarten vorwirft. Der Zoo habe Ende September niemals den millionsten Besucher dieses Jahres begrüßen können, weil da noch 126 500 Besucher zu dieser Summe gefehlt hätten, behauptet Schrollinger. Dumm gelaufen: Der ÖDP-Stadtrat hat bei seiner Rechnung den Monat Juli vergessen. Das sagt jedenfalls der stellvertretende Tiergartendirektor Helmut Mägdefrau. Zum Stichtag am 29. September waren es sogar über eine Million – nämlich 1 022 000 Besucher.
Dass die ursprünglich für die Lagune auf 24 Millionen Euro festgelegten Baukosten überschritten werden, wird durch Schrollingers Wiederholung ebenfalls nicht neuer. Und auch wenn der ÖDP-Stadtrat es bezweifelt: Der Tiergarten könne die Mehrausgaben durch Mehreinnahmen schultern, versichert der Zoo.  Entstanden ist die für ein Bauprojekt dieser Größenordnung durchaus übliche Überschreitung beispielsweise durch die Beschleunigung der Baumaßnahmen (damit die Lagune rechtzeitig eröffnet werden konnte), den Einbau einer Hebebühne im Rundbau des Delfinariums und durch die Beckenrandsicherung.
„Die eigentliche Frage ist, mit welchen Mitteln gearbeitet wird, um einen ‚Erfolg‘ des Prestigeobjekts ‚Lagune‘ herbeizureden.“ So beendet Schrollinger seine Pressemitteilung. Gegenfrage: Mit welchen Mitteln arbeitet eigentlich Herr Schrollinger, um das Projekt wieder einmal in Verruf zu bringen?

Rollentausch mit Dagmar Wöhrl

Als Bloggerin erlebt man Dinge, die man sonst im normalen Redaktionsalltag nie erleben würde. So hat sich die Tierfreundin und Nürnberger Bundestagsabgeordnete Dagmar Wöhrl, die auch Vorsitzende des Tierschutzvereins Nürnberg-Fürth und Umgebung ist, kürzlich via Twitter mit einem originellen Wunsch an mich gewandt: Sie wollte einen Interview-Termin mit mir ausmachen, um mich über mein Blog auszufragen. Das Interview wird in der nächsten Ausgabe der Zeitung des Tierschutzvereins abgedruckt, die Ende Juni erscheint.

Tja, hab´ ich mir gedacht, warum nicht? Ist doch mal interessant, so ein Rollentausch. Normalerweise muss ich mir Fragen ausdenken, nun muss das mal eine tun, die sonst oft selbst mehrere Interviews am Tag gibt – ob für Zeitungen oder fürs Fernsehen.

Und ich muss sagen: Es hat tatsächlich Spaß gemacht. Wir haben uns beide bestens amüsiert, und unser NZ-Fotograf Roland Fengler hat den denkwürdigen Termin gleich noch zum Video gemacht.

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