Unfassbare Fehlentscheidung der EU

loeweDas war eine herbe Enttäuschung für alle Tierschützer in dieser Woche: Die EU hat am 15. September entschieden, die Einfuhr von Löwentrophäen aus Tansania trotz massiver Bestandsrückgänge in dem afrikanischen Land zu genehmigen. Die NABU International Naturschutzstiftung und Pro Wildlife kritisieren diese Entscheidung und fordern ein umgehendes Importverbot. Sie halten die EU-Entscheidung für inkonsequent und unverantwortlich, darüber hinaus stehe sie im klaren Widerspruch zu den EU-Vorschriften für Nachhaltigkeit. Ich kann mich dieser Meinung nur anschließen.

Es ist, wie man so schön sagt, fünf vor zwölf: Der „König der Tiere“ verschwindet langsam, aber sicher aus Afrika. In mindestens zwölf afrikanischen Ländern sind diese wunderbaren Raubkatzen bereits ausgestorben. Laut der Roten Liste bedrohter Tierarten der Weltnaturschutzunion ist der Löwenbestand seit 1993 um 42 Prozent zurückgegangen. Das Verbreitungsgebiet der Löwen schrumpfte auf weniger als 20 Prozent.  Dafür gibt es mehrere Ursachen, u.a. den Verlust von Lebensraum, Konflikte mit Viehbesitzern und eben auch die Großwildjagd.

Tansania ist eine der letzten Hochburgen für Löwen, lockt dadurch aber natürlich auch besonders viele Löwenjäger an. Studien haben nachgewiesen, welche negativen Auswirkungen die Großwildjagd in Tansania innerhalb von 30 Jahren hatte. Trotz dieser Bedrohung dürfen Jäger die Trophäen in die EU importieren, sofern die zuständige Behörde des Einfuhrstaates das genehmigt. Und es gibt eine Reihe von Befürwortern der Jagd: Sie bringe Devisen ins Land, mit denen bedrohte Arten geschützt werden könnten. Doch verschiedene Studien widerlegen dies. In Tansania wird zudem die Landbevölkerung kaum an den Jagderlösen beteiligt.In dem Land ist die Korruption gerade bei der Jagd und beim Naturschutz besonders verbreitet.  Die Großwildjäger sind vor allem auf erwachsene Löwenmännchen im besten Fortpflanzungsalter scharf. Mit deren Abschuss vernichten sie die für den Erhalt der Löwenpopulation wichtigsten Tiere und betreiben eine unnatürliche Selektion, die folgenschwere Auswirkungen für den Bestand hat: Wird der Anführer eines Löwenrudels getötet, übernimmt ein neues Männchen das Rudel. Dann tötet er den Nachwuchs seines Vorgängers, um seine eigenen Fortpflanzungschancen zu erhöhen.

Delfinjagd ist rückläufig

Der August hat in meinem Blog mit einem traurigen Beitrag über ausgesetzte Tiere begonnen. Nun kann ich diesen Monat halbwegs versöhnlich ausklingen lassen: Die Jagd auf Delfine in Japan ist rückläufig. Das gibt die Tierschutz-Organisation Pro Wildlife bekannt, allerdings aus einem weniger erfreulichen Anlass: Im September beginnt die traditionelle Jagd auf die Meeressäuger im Land der aufgehenden Sonne.

In den vergangenen zehn Jahren ist laut Angaben von Pro Wildlife die Zahl der gejagten Delfine und Kleinwale um 83 Prozent zurückgegangen: von 18 369 Tiere auf 3104. Die japanische Regierung bestätigt diesen Trend. Grund für die positive Entwicklung ist aber nicht nur die Einsicht der Jäger. Es gibt einige andere Ursachen. So sind bei der Tsunami-Katstrophe im März 2011 auch viele Fischerboote zerstört worden. Die jungen Leute in Japan wissen außerdem, dass Delfin-Fleisch mit Giftstoffen belastet ist – unter anderem auch durch die Atomkatastrophe von Fukushima, die ja infolge des Tsunami über Japan hereinbrach.

In der wegen der Delfinjagd berühmt-berüchtigten Bucht von Taji wählen die Treiber die schönsten Delfine und Kleinwale aus. Diese Tiere verscherbeln sie dann für Tausende von Dollar an Delfinarien – hauptsächlich an Einrichtungen in Japan, China, Thailand, Mexiko und in der Türkei. Die restlichen Tümmler zerren sie in eine Nachbarbucht, die nicht so gut einsehbar ist, und stechen sie brutal ab. Pro Wildlife fordert, dass diese Massaker endlich beendet werden.

 

Artenschutzkonferenz in der Kritik

Noch letzte Woche waren optimistische Hoffnungen mit der Artenschutzkonferenz in Bangkok verknüpft gewesen – auch ich habe hier darüber geschrieben. Doch nun haben erste Entscheidungen zu Enttäuschung geführt.

Als erste Verlierer werden die Eisbären bezeichnet. Die USA hatten den Antrag auf ein Verbot der kommerziellen Eisbärenjagd gestellt und wurden dabei von Russland unterstützt. Doch der Antrag fiel durch, er fand nicht die notwendige Mehrheit bei der Abstimmung. Dänemark war größter Gegner des Verbots, weil es die Interessen des Eisbärenlands Grönland vertritt. Deshalb stimmte die EU nicht für den Antrag, sondern enthielt sich der Stimme.

Manche Tierschutzorganisationen wie Pro Wildlife sprechen von einem schwarzen Tag für den Artenschutz. Sie verweisen darauf, dass es in freier Wildbahn nur noch 25 000 Eisbären in fünf Ländern gibt. Die Tiere sind aber nicht nur durch kommerzielle Jäger bedroht, sondern auch durch die Klimaerwärmung, die zur Eisschmelze im Polarmeer führt und dadurch immer mehr Lebensräume der Tiere vernichtet. Man befürchtet, dass in den nächsten Jahrzehnten zwei Drittel der Eisbären von unserem Planeten verschwinden könnten. Deshalb geht die Umweltorganisation WWF davon aus, dass der Klimawandel eine wesentliche stärkere Gefahr für Eisbären darstellt als die kommerzielle Jagd auf die Tiere. Ein Handelsverbot bringe den Polarbären also kaum etwas. Man sieht: Nicht einmal Umweltschutz-Institutionen sind sich in diesem Punkt einig. Außerdem scheint es auch darum zu gehen, dass sich einige Länder mit der Ablehnung des US-Antrags für die unzureichende Klimaschutz-Politik der USA revanchieren wollen.

Nach und nach wird es bei der Konferenz deutlich, dass politische Absprachen und wirtschaftliche Interessen einzelner Länder manche strengere Artenschutzbestimmungen unterlaufen. Auch von Bestechung ist die Rede. So haben Konferenzteilnehmer hinter vorgehaltener Hand vom Vertreter einer großen Fischereination berichtet, der Geldumschläge verteilen soll und so Stimmen gegen den weiteren Schutz einzelner Fischarten erkauft. Doch offiziell gibt es dafür keine Bestätigung, melden die Nachrichtenagenturen.

Um Abstimmungen transparenter zu machen, hatte die EU vorgeschlagen, sie sollten öffentlich stattfinden. Doch hauptsächlich die asiatischen Teilnehmer blockten dieses Ansinnen. Und so wird einem außenstehenden Betrachter wie mir wohl noch so manches Abstimmungsergebnis bei der Konferenz spanisch vorkommen.

Das Bayerische Fernsehen und die Lagune

Die neue Delfinlagune im Tiergarten Nürnberg ist ab Samstag, 30. Juli,  endlich auch für die Zoobesucher zugänglich. „Endlich“ deshalb, weil sich nun jeder selbst ein Bild von der Anlage machen kann, die im Vorfeld deutschlandweit für einen Medienwirbel ohnegleichen gesorgt hat. Die Informationen, die über das Projekt gestreut wurden, waren tendenziös bis einseitig. Tierrechtler und Tierschutzaktivisten haben es geschafft, einen Großteil der Medien für sich zu vereinnahmen.

Eine ganze Reihe von Journalisten, die sich mit dem Thema Delfine bisher kaum beschäftigt haben, interviewten blauäugig Vertreter von PETA oder Pro Wildlife und ließen sich von denen alles Mögliche einreden, was vordergründig dagegen spricht, dass diese Tiere in Zoos gehalten werden können. Wobei offenbar weder die meisten Journalisten noch die Tierrechtler imstande sind,  zwischen „artgerecht“ und „naturgerecht“ zu unterscheiden.  Naturgerechte Haltung gibt es bei keinem Zootier, aber die Bestimmungen der Artenschutzgesetze werden in Zoos erfüllt; so auch in der Nürnberger Lagune.

In vielen Medien scheint es inzwischen Hauptsache zu sein,  sich als kritisch-engagiert zu geben – ob die Inhalte stimmen, ist dabei ganz egal. So macht man heutzutage Quote. Immer schön mit dem Mainstream schwimmen, sonst könnte man ja anecken und ein par Follower oder Freunde in den alles bestimmenden Internet-Foren verlieren.

Den Vogel abgeschossen hat für mich dabei das Bayerische Fernsehen. Am Donnerstag, als die Lagune offiziell eingeweiht wurde, brachte der Sender in der „Rundschau“ um 21 Uhr einen Beitrag über das Ereignis. Der Zuschauer erfuhr darin nicht sehr viel Neues über die Lagune und gar nichts über das Manatihaus, das immerhin ein Viertel der gesamten Investitionssumme des gemeinsamen Bauprojekts Lagune/Manatihaus ausmacht. In den Medien wurde das neue Zuhause für Seekühe allgemein sträflich vernachlässigt – leider, denn ich finde diese Tropenhalle als tiergärtnerische Anlage ehrlich gesagt wesentlich beeindruckender als die Lagune – ein echter Gewinn für den Tiergarten und die Stadt Nürnberg! Deshalb zeige ich einen Teil der Tropenhalle hier gern im Bild.

Aber zurück zum BR. Nachdem schon ein Großteil des aktuellen Beitrags über die Einweihung der Lagune aus Interviews mit Delfinariumsgegnern bestand, durfte hinterher im Studio auch noch eine Vertreterin von Pro Wildlife ihre Halbwahrheiten über die Biologie von Delfinen vom Stapel lassen. Sie behauptete zum Beispiel, die Delfine könnten in Becken wie der Lagune ihr Echolot-System nicht einsetzen. Das ist – mit Verlaub – Schwachsinn hoch drei! Delfine setzen dieses hochsensible Sonarsystem nämlich nur ein, wenn sie ihre Umgebung erkunden müssen. In Becken wie dem bisherigen Delfinarium, die sich über Jahre hinweg nicht verändern, können die Tiere auf das Echolot verzichten, weil sie es nicht brauchen; die Abmessungen des Beckens, Betonwände oder andere Hindernisse haben die Großen Tümmler längst sozusagen in ihrem Gedächtnis eingescannt. Erst wenn die Tiere die Umgebung wechseln (wie vor ein paar Wochen beim Umzug in die Lagune), aktivieren sie die Echolot-Peilung wieder. Sonst würden die schnellen Schwimmer brutal gegen die Beckenwände prallen. Haben sie die Formen, Wassertiefe und Maße der neuen Becken erst einmal neu im Gehirn programmiert, deaktivieren die Delfine das Sonarsystem.

Das ist nur ein Beispiel, wie diese Debatte seit Jahren geführt wird, und ein Grund, warum sie mir gelinde gesagt zum Hals heraushängt. Ich habe deshalb in meinem Blog lange Zeit nicht über Delfinhaltung in Zoos und Delfinarien geschrieben. In den letzten Wochen blieb mir als Redakteurin der „Nürnberger Zeitung“ aus aktuellem Anlass aber nicht anderes übrig – die Delfinlagune ist halt nun mal ein Topthema für Nürnberg und die Region, das ich als Journalistin nicht ignorieren kann.

Soll man Tierbörsen verbieten?

An diesem Wochenende findet wieder die weltweit größte Reptilienmesse statt: die Terraristika im nordrheinwestfälischen Hamm. Im Vorfeld ist erneut ein Streit darüber entbrannt, ob man Tierbörsen nicht lieber verbieten sollte. Das fordern jedenfalls Tierschützer wie der Deutsche Tierschutzbund und Pro Wildlife.

Die Tierschützer kritisieren, dass bisher geltende Verordnungen für solche Tiermärkte nicht streng genug seien. Weil es fast nur Soll-Bestimmungen gebe, hätten die Veterinärbehörden im Ernstfall kaum eine Handhabe einzugreifen. Auf derartigen Börsen werden oft Tiere wie beispielsweise Giftschlangen angeboten. Die Tierschützer verlangen, dass zumindest das verboten werden sollte. Denn die Käufer könnten oft nicht richtig mit solchen Tieren umgehen. Im vergangenen Jahr ist zum Beispiel eine giftige Monokelkobra einem jungen Mann ausgebüxt, der das Tier auf der Terraristika gekauft hatte. Eine aufwändige Suchaktion musste deshalb eingeleitet werden.

Außerdem monieren die Tierschützer, dass auf Tierbörsen immer wieder Wildfänge zum Verkauf angeboten werden, ebenso wie Tiere, die unter Artenschutz stehen. Auch den Vorwurf der Tierquälerei erheben sie: Die Tiere würden meist in viel zu kleinen Boxen aufbewahrt und oft auch nicht artgerecht versorgt – und das nicht selten über Wochen hinweg, weil die Tierhändler von einem Tiermarkt zum nächsten reisen. Der Deutsche Tierschutzbund hat seit langem solche Veranstaltungen im Blick und stellt dabei immer wieder fest, dass der Tierschutz nicht eingehalten wird. Solange es kein Verbot von Tierbörsen gibt, raten die Tierschützer von deren Besuch ab, um diese Form des Tierhandels nicht zu unterstützen.

Sind Eisbären wirklich die Verlierer?

Es sei ein „schwarzer Tag für die weißen Bären“, sie seien die Verlierer der Artenschutzkonferenz in Doha im Emirat Katar: So lauten die Meldungen der Presseagenturen, die damit die Position von Tierschützern wiedergeben.

urn:newsml:dpa.com:20090101:100318-99-01178Was ist passiert? Die Mehrheit der 175 Vertragsstaaten des Washingtoner Artenschutzabkommens haben sich dagegen ausgesprochen,  den internationalen Handel mit Eisbären, Eisbär-Fellen und anderen Trophäen zu verbieten. Einen entsprechenden Antrag der USA, wo die Eisbärenjagd generell verboten ist, lehnten vor allem die Europäer ab: Ihnen genügen die derzeitigen Handelsbeschränkungen für Eisbären. Auch die Klimaerwärmung sei noch nicht so akut, dass sie den Bestand der Eisbären tatsächlich gefährde.

Außerdem stimmten die Kanadier und Grönländer gegen ein allgemeines Eisbären-Handelsverbot. Die finden an diesen Tieren nichts Besonderes – für Menschen am Polarkreis gehören die weißen Riesen sozusagen zum Alltag.
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Konferenz für den Artenschutz

Die nächste Artenschutzkonferenz  findet vom 13. bis 25. März in Doha (Emirat Katar) statt. 175 Staaten nehmen daran teil. Im Mittelpunkt stehen diesmal Haie, Korallen, Eisbären und Elefanten. Ich habe hier kürzlich schon über das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) geschrieben, das den Handel mit bedrohtenTieren und Pflanzen begrenzt.

Besonders viele Anträge gibt es bei der diesjährigen Konferenz zum Thema gefährdete Meerestiere. Immerhin sind 75 Prozent der Fischbestände weltweit bedroht. Bereits die letzte Artenschutzkonferenz vor drei Jahren in Den Haag hatte für ein stärkeres CITES-Engangement beim Schutz von
Meeresfischen plädiert. In deutschen Gewässern sind der Dorn- und der Heringshai besonders schützenswert. Noch nie gehört? Kein Wunder: Sie dürften eher als Schillerlocke, Fish and Chips oder Hai-Steak bekannt sein. Unter diesen Namen landen sie nämlich auf dem Tisch. Auch die Jagd auf die begehrten Haiflossen führt dazu, dass viele Haiarten stark dezimiert wurden.

Um Elefanten bzw. um Elfenbein und Elfenbeinhandel streiten bei der Konferenz vor allem die Afrikaner. Kenia, Ghana, Ruanda und vier weitere Länder prophezeien, dass die Wilderei wieder zum Problem wird, wenn weiteres Elfenbein verkauft werden darf. Sie wollen den Handel deshalb für weitere 20 Jahre verbieten. Aber Tansania und Sambia möchten ihre Lager leer bekommen. Deutschland ist gegen den Elfenbeinhandel, die EU noch gespalten.
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Arten-Wirrwarr bei Gorillas?

Es sind schwere Vorwürfe, die „Pro Wildlife“ da erhebt: Der Verein, der sich für den Schutz von Wildtieren einsetzt und Missstände im Umgang mit Wildtieren aufdeckt, hat Stammbäume von in Zoos lebenden Gorillas durchforstet. Und kam zu einem alarmierenden Ergebnis: In vielen Zoologischen Gärten wurden anscheinend jahrzehntelang verschiedene Gorilla-Arten durcheinander gezüchtet – und zwar Westliche Flachlandgorillas (so einen zeigt dieses Foto)  mit Cross-River-Gorillas. Deshalb seien viele der 850 weltweit in Tierparks lebenden Gorillas Mischlinge dieser beiden Unterarten und damit nutzlos für den Artenschutz. Auswildern kann man solche Tiere natürlich auch nicht.

Und so soll das Ganze passiert sein: Bis in die 1980-er Jahre gelangten Gorilla-Wildfänge vor allem aus Kamerun in Zoos. Manche landeten auch nur mit dem Vermerk „Herkunftsland: Afrika“ in einem Tierpark. Um welche der beiden Unterarten es sich handelte, wurde oft nicht dokumentiert. Und so züchteten manche Zoos offenbar aus Unwissenheit die verschiedenen Gorillas-Unterarten durcheinander. Das Ziel, durch organisierte Nachzucht in Zoologischen Gärten eine Gorilla-Population zur Arterhaltung aufzubauen, weil die Tiere in freier Natur besonders stark bedroht sind, wäre in Frage gestellt, wenn sich die Vorwürfe von „Pro Wildlife“ als richtig erweisen.