Kurztrip nach Südostasien

Am Wochenende soll es ja endlich wieder wärmer werden. Für alle, die noch überlegen, was sie unternehmen könnten, habe ich einen Tipp: Der Tiergarten Nürnberg veranstaltet am Sonntag, 17. März, seinen diesjährigen Thementag. Er steht unter dem Motto „Tierwelt Südostasiens“. Der Tiergarten schließt sich damit der Südostasienkampagne des Europäischen Zooverbands EAZA an.

Im Tiergarten am Schmausenbuck sind die wichtigsten Vertreter von Tieren aus Südostasien Weißhandgibbons, Schabrackentapire, Przewalskipferde, Panzernashörner, Sibirische Tiger und Prinz-Alfred-Hirsche.

Am Thementag stellen Tierpfleger die Tapire als seltene Relikte aus der Urzeit vor. (Das Foto zeigt das inzwischen ausgewachsene Schabrackentapir-Baby Pinola mit seiner Mutter Indah.) Es werden außerdem die typischen „Gesänge“ der Gibbons zu hören sein. Im Raubtierhaus kann man sich darüber informieren, wie der Lebensraum der Sibirischen Tiger immer knapper wird. Präsentiert wird auch das Przewalski-Urwildpferd-Projekt in Tennenlohe, über das ich hier auch schon geschrieben habe. Im Naturkundehaus informieren Zollbeamte die Besucher, welche Souvenirs aus Südostasien nicht erlaubt sind und welche Strafen man kassiert, wenn man das Verbot nicht beachtet und erwischt wird. Für Kinder gibt es eine Möglichkeit, direkt mit Tieren in Kontakt zu kommen: Sie dürfen von 14 bis 15 Uhr im Kinderzoo Ponys striegeln.

Um Nashörner dreht sich alles im Untergeschoss des Naturkundehauses. Der stellvertretende Tiergartendirektor Helmut Mägdefrau erläutert, wie stark Nashörner in freier Wildbahn durch Wilderei bedroht sind (10 bis 12 Uhr und 13 bis 15 Uhr im Untergeschoss des Naturkundehauses). In natura kann man die Panzernashörner des Tiergartens im Dickhäuterhaus um 11 Uhr und 15 Uhr bei Fütterungen beobachten. Der Bestand der freilebenden Panzernashörner in Asien liegt derzeit bei rund 2600 Tieren. Vom Aussterben unmittelbar bedroht sind das Sumatranashorn (250 Tiere) und das Javanashorn (65 Tiere).

Ich denke, an diesem Sonntag findet jeder etwas im Veranstaltungsprogramm, das ihn besonders interessiert. Ein Plan mit den einzelnen Aktionen des Thementags ist an der Tiergartenkasse erhältlich.

 

Glück und Pech im Jahr 2011

Weihnachtsgans gut verdaut, unpassende Geschenke umgetauscht? Gut, dann können wir ja wieder zum Alltag übergehen. Das heißt, so ganz alltäglich ist diese Zeit zwischen den Jahren ja nicht. Man macht sich Gedanken über Vergangenes und Zukünftiges, zieht Bilanz, blickt nach vorne. Das habe ich in den Vorjahren in meinem Blog ebenfalls getan und möchte auch zu diesem Jahreswechsel nicht darauf verzichten.

Für einige Tierarten ist das zu Ende gehende Jahr alles andere als ein gutes gewesen. Ganz besonders schlecht verlief es zum Beispiel für Grauwale: Die werden sowieso schon immer weniger, und die letzten 130 Exemplare vor der russischen Insel Sachalin sind auch noch durch Ölförderprojekte bedroht.  Wie schlimm es um Nashörner steht, habe ich erst im November geschrieben. Übel ist auch der Irawadi-Delfin in Südostasien dran: 85 Tiere gibt es nach Angaben des WWF noch im Mekong. Die Jungtier-Sterblichkeit ist ungewöhnlich hoch, und die Fischerei tut ein Übriges, um die lächerliche Bestandszahl weiter zu dezimieren.

Aber wir brauchen gar nicht so weit weg zu gehen: Auch in unseren Breiten sind Tiere beinahe ausgerottet, weil der Mensch nur an sich denkt. In der Donau waren zum Beispiel einmal sechs verschiedene Störarten vertreten – jetzt ist es nur noch eine. Das kommt mir irgendwie vor wie bei den „Zehn kleinen Negerlein“. Schuld an der Entwicklung ist vor allem der illegale Handel mit Kaviar. Mittlerweile gibt es in der EU nur noch in Rumänien und Bulgarien wildlebende Störe.

Damit das Jahr in meinem Blog nicht nur mit solch traurigen Tier-Meldungen zu Ende geht, hier auch noch die eine oder andere positive Nachricht:

Es geht aufwärts mit den Berggorillas, die schon einmal kurz vorm Aussterben standen. Der WWF kommt bei seiner neuesten Zählung auf  insgesamt 780 Exemplare in teils grenzüberschreitenden afrikanischen Nationalparks in Uganda, in Ruanda und im Kongo. Aufatmen dürfen wir auch beim Europäischen Luchs: Man geht davon aus, dass im Bayerischen Wald und im angrenzenden Böhmerwald heute wieder etwa 25 Exemplare leben.

Beenden möchte ich die erfreulichen Entwicklungen mit den Przewalski-Wildpferden, die vor 15 Jahren als ausgestorben galten. Seit sie in der Monoglei ausgewildert werden, gibt es nun in freier Natur wieder rund 300 dieser Urwildpferde. Der Tiergarten Nürnberg hat mit seiner erfolgreichen Zucht einen nicht unwesentlichen Anteil an diesem Erfolg. Im Tiergarten kann man nach wie vor eine Przewalski-Herde beobachten, ebenso wie im Naturschutzgebiet Tennenloher Forst. Obwohl – ich kenne Leute, die dort schon öfter waren und die Tiere noch nie zu Gesicht bekommen haben. Denen kann ich versichern: Die Urwildpferde sind dort, man muss aber schon ein wenig Glück und Geduld haben, sie zwischen Bäumen und Sträuchern in der weitläufigen Anlage zu entdecken.

 

Wie leben die "vierbeinigen Landschaftspfleger"?

UrwildpferdPrzewalski-Urwildpferde gehören zu den Tierarten, die ohne Zoologische Gärten schon ausgestorben wären. Nur durch gezielte Zuchtprogramme ist es gelungen, diese Tierart zu retten. Auch der Tiergarten Nürnberg hat dabei seit Jahrzehnten mitgeholfen.

Vor sieben Jahren wurde im Naturschutzgebiet Tennenloher Forst das Przewalski-Urwildperd-Projekt gestartet. Mittlerweile besteht die Gruppe von Urwildpferden, die den wertvollen Sandlebensraum im Naturschutzgebiet beweidet, aus acht Hengsten. Sie stammen aus dem Tiergarten Nürnberg und dem Münchner Tierpark Hellabrunn. Das Naturschutzgebiet ist ein beliebtes Ausflugsziel für Spaziergänger und auch im Winter sehr reizvoll.

Wer sich für das Urwildpferd-Projekt interessiert, dem möchte ich einen Vortrag zu diesem Thema ans Herz legen: Am Donnerstag, 9. Dezmber, berichtet Diplombiologin Verena Fröhlich, die Gebietsbetreuerin für den Tennenloher Forst, über die bisherigen Erfahrungen, die man mit dem Projekt gemacht hat. Sie gibt mit vielen Fotos Einblicke in das Leben der „vierbeinigen Landschaftspfleger“. Der Vortrag beginnt um 19.30 Uhr im Naturkundehaus des Tiergartens (der Eintritt ist frei).