Kuh „Madel“ und ihr Star-Auftritt

Heute mal wieder – nach den letzten beiden Schreckensmeldungen hier im Blog – etwas zum Schmunzeln: Eine Geschichte, die ich beim Stöbern in Agenturmeldungen gefunden habe. Dass Kühe von Hindus als heilig Tiere verehrt werden, dürfte bekannt sein. Das kann unter bestimmten Umständen zu recht absurden Situationen führen. So ließ jetzt in Bremen eine hinduistische Gemeinde eine Baustelle, die für einen neuen Tempel in Frage kommt, erst einmal von einer Kuh begehen: Großer Bahnhof für Milchkuh „Madel“ vor Fernsehkameras und Medienauftrieb (Foto: dpa).

Für Madels Besitzer war es auch ein ungewohnter Auftritt. Sein Schützling hatte eine Blumengirlande um den Hals, und auf Madels Rücken lagen ein Tuch, Blüten und buntes Pulver. Dazu der Duft von Räucherstäbchen, der über die matschige Wiese zog. Der Hindu-Priester aus Indien betete und sang mit nacktem Oberkörper. Als „Madel“ auf die Wiese pinkelte, freute sich der Gemeindesprecher: Das gilt nämlich als gutes Zeichen. Schlecht wäre es der Tradition zufolge gewesen, wenn die Kuh weggelaufen wäre: Dann wäre der Ort als Bausplatz nicht geeignet. Der neue Tempel soll auf einem Grundstück der Bremer Heimstiftung gebaut werden und einen zwölf Meter hohen Turm bekommen. Wenn der Bau fertig ist, wird Madel höchstwahrscheinlich wieder ihren großen Auftritt haben. Denn auch bei der Einweihung eines Tempels muss eine Kuh dabei sein.

Gläubige und ungläubige Zoo-Menschen

Dag Encke, seit 2005 Nürnberger Tiergartendirektor, hat es mit den Medien nicht immer leicht – vor allem mit denen, die nicht in Nürnberg beheimatet sind. Immer wieder muss er zu denselben Vorwürfen in Sachen Delfinhaltung/Lagune Stellung nehmen. Die Fragen ähneln sich, die Artikel oder Sendungen ebenso. Einige Journalisten-Kollegen „recherchieren“ schon vor dem Hintergrund einer vorgefassten Meinung, die sie dann auch nicht mehr aufgegeben angesichts dessen, was sie vor Ort vorfinden. Die Artikel oder Berichte, die dabei herauskommen, lassen oft jede Neutralität vermissen, wie es zum Beispiel in der „Zeit“ vor einigen Wochen der Fall war. Delfine in Zoos oder Delfinarien – dass dieses Thema die Menschheit spaltet, haben wir ja immer wieder auch hier im Blog gesehen.

Ludwig Schick und Dan Encke im GesprächEs geht mittlerweile aber auch um die Frage, ob Zoos heutzutage überhaupt noch zeitgemäß sind. Ob Tierhaltung dort womöglich gegen ethische Grundsätze verstößt. Oder gegen die von Gott gewollte Ordnung. Derart dürften wohl die Hintergedanken für ein Gespräch gewesen sein, das vom Bildungszentrum Nürnberg veranstaltet wurde: Dag Encke und Erzbischof Ludwig Schick saßen sich gegenüber und unterhielten sich – wie immer in der Reihe „Starke Köpfe“ – in persönlicher Atmosphäre und ohne Moderator. Ludwig Schick ist seit 2002 Erzbischof von Bamberg. Bevor er sich für die Theologie entschied, hatte er Medizin studiert und kann von daher wissenschaftliche Gedankengänge besser nachvollziehen als so mancher reine Theologe. Schick hat außerdem alle Kontinente bereist und immer wieder Tiere in freier Wildbahn erlebt, die in unseren Breiten nur in Zoos zu sehen sind.

Eine gute Basis also für ein anregendes Gespräch – das dann wesentlich philosophischer geriet, als viele es wohl erwartet hatten. Eher nebenbei erfuhren die Zuhörer interessante persönliche Geschichten. Etwa, dass Encke als Zehnjähriger tief gläubig war, später aber „abschwor“ und einem naturwissenschaftlichen Weltbild für seine Lebensauffassung und -führung den Vorzug gab. Heute bezeichnet er sich selbst als „ungläubigen Zoo-Menschen“. Oder dass Schick früher zur Jagd ging und durchaus nachvollziehen kann, wenn jemand auf eine Trophäe wie zum Beispiel ein Geweih stolz ist. Die beiden Männer auf dem Podium vertraten – zu ihrem eigenen Erstaunen – oft gemeinsame Standpunkte, wenn auch vor einem unterschiedlichen weltanschaulichen Hintergrund.

Dag Encke merkte man an, dass er froh war, einmal losgelöst von Vorwürfen angeblich nicht artgerechter Tierhaltung über ethische und philosphische Fragen plaudern zu können. Dabei glänzte er mit einem breiten Wissen, mit dem er selbst den Erzbischof beeindruckte. Encke sprach aber auch von sich aus seine Haltung an, dass er kein Problem damit hat, Tiere zu töten und anschließend Zootieren zum Fressen vorzuwerfen – womit er in der Öffentlichkeit schon aneckte. Beim Erzbischof stieß er damit auf (Ein-)Verständnis. Schick seinerseits nahm Tierrechtlern den Wind aus den Segeln, die etwa Menschenrechte für Tiere fordern; er lehnt es auch strikt ab, „Tiere zu verherrlichen“. Aber er betonte auch: Tierrechte gibt es, und die sind einzuhalten – gerade von Zoos. Da waren die beiden Männer einer Meinung. Encke will im Tiergarten Tiere so zeigen, dass er sich nicht dafür schämen muss und misst sich selbst an diesem Anspruch. Zu Recht, wie der Applaus im Publikum nach eineinhalb spannenden Stunden unterstrich.

Angst vor dem Islamischen Opferfest

Das Islamische Opferfest steht wieder einmal bevor. Was für Muslime ein wichtiger Feiertag ist, bedeutet für viele Tiere die reinste Qual. Denn gläubige Muslime bringen dieses „Opfer“ auf eine wirklich unmenschliche Art und Weise dar: Sie schächten Rinder und Schafe – und vor dem Durchtrennen von Halsschlagader, Luft- und Speiseröhre werden die Opfertiere nicht einmal betäubt. Das bedeutet Höllenqualen vor dem Tod, mit Schmerzen, wie man sie sich überhaupt nicht vorstellen kann – und das minutenlang, denn die Tiere sterben bei dieser Schlacht-Methode beileibe nicht sofort.

Auch dieses Jahr haben Tierschützer Muslime dazu aufgefordret, die Opfertiere vor dem Schächten wenigstens zu betäuben, um ihnen das Schlimmste zu ersparen. Zwar ist in Deutschland rituelles Schlachten sowieso verboten – doch Traditionalisten in den Religionsgemeinschaften halten sich nicht daran; vielleicht wissen sie nicht einmal etwas von diesem Verbot. Es gibt außerdem die Möglichkeit, Ausnahmegenehmigungen zu beantragen.

Das Opferfest, das in diesem Jahr zwischen dem 15. und 18. Oktober stattfindet, sollte für Muslime auch Anlass sein, den Tieren gegenüber Barmherzigkeit walten zu lassen. Wenn das Schächten aus religiösen Gründen schon sein muss – was spricht dann bitteschön gegen das Betäuben (außer, dass das natürlich etwas kostet)? Die Tierschützer führen als Argument für eine Betäubung auch an, dass weder im Koran noch in der Sunna des Propheten das Schlachten von Tieren ohne Betäubung verlangt wird.

Trotz des Appells von Tierschutzorganisationen werden sicherlich in Hinterhöfen, Garagen oder Lagerräumen auch in diesem Jahr wieder unzählige Tiere am Opferfest dran glauben müssen. Wer so etwas mitbekommt, sollte sich allerdings nicht einfach nur abwende und sich in Mitleid für die Tiere ergehen – und das war´s dann. Vielmehr ist jeder Tierfreund aufgefordert, etwas dagegen zu unternehmen. Es gibt immerhin die Möglichkeit, die Polizei zu informieren – denn das Schächten ohne Betäubung ist in Deutschland ganz klar ein Verstoß gegen geltende Gesetze. Und an die hat sich jeder zu halten, der bei uns lebt – egal, welcher Religion er angehört!