Rettet die Haselmaus!

In einigen Ländern steht sie schon auf der Roten Liste, weil sie vom Aussterben bedroht ist. In Deutschland gibt es auf einem Hektar Land auch nur noch drei bis vier Exemplare. Die Rede ist von der Haselmaus, die jetzt von der Deutschen Wildtierstiftung zum Tier des Jahres 2017 gekürt wurde. Ich finde es schade, dass man die niedlichen Nager so gut wie nie zu Gesicht bekommt. Das liegt nicht nur daran, dass sie mittlerweile so selten geworden sind, sondern auch daran, dass sie über die Hälfte des Jahres verschlafen. Die ersten Vertreter der Art kommen in diesen Tagen aus ihren Nestern, in denen sie sich seit Oktober verkrochen hatten.

Die Haselmaus ist hauptsächlich aus Mangel an Lebensraum so sehr bedroht. Sie lebt vor allem im Wald und am Waldrand oder in Baumkronen. Weil durch die intensive Landwirtschaft die Übergangsbereiche zwischen Feld und Wald kaum noch stehen bleiben, hat die Haselmaus ein Problem. Diese Tiere halten sich nämlich meist in Sträuchern oder Hecken auf. Dort zeigen sie sich als wahre Akrobaten: Mit ihrem Schwanz halten sie sich an Zweigen fest und hangeln sich daran weiter. In Hecken und Sträuchern gibt es auch genügend Futter und kaum Fressfeinde. Die kleinen Tiere haben ihren natürlichen Feinden keine Schutzmechanismen entgegenzusetzen und können sich auf freien Flächen nicht verstecken. Ihnen fehlen zunehmend auch Baumhöhlen für den Winterschlaf. Auf die Haselmaus wirkt sich außerdem der Klimawandel negativ aus: Es wird immer früher im Jahr warm, so dass die Tiere zu früh aus dem Winterschlaf aufwachen – ein fast sicheres Todesurteil, denn bei zu niedrigen Temperaturen finden sie nichts zu fressen.

Haselmäuse gehören in Europa zu den geschützten Arten. Die nachtaktiven Tiere sind ungefähr so groß wie ein Daumen. Es wird in der nächsten Zeit entscheidend sein, dass die Haselmaus genügend Nahrung findet und ihr Lebensraum geschützt wird – sonst gibt es keine Zukunft für die possierlichen Tiere. Immerhin tun manche Organisationen etwas für das bedrohte Wildtier. So hat zum Beispiel die Stiftung Naturschutz in Schleswig-Holstein Grünbrücken gebaut, die den Mäusen über stark befahrene Straßen helfen. Auch die Übergangszonen zwischen Wald und Feld versucht man stärker zu schützen.  Wer der Haselmaus beim Überleben helfen will, kann selbst etwas tun, beispielsweise als freiwilliger Helfer beim Aufhängen von Nistkästen. Oder man richtet seinen eigenen Garten extra für die Haselmaus ein: mit Hecken und Sträuchern, die man möglichst wild wuchern lässt.

Nachwuchs bei den Kleinen Pandas

KatzenbarenNach der Prügel, die der Tiergarten Nürnberg kürzlich – meiner Meinung nach zu Unrecht – wegen der notwendigen Sanierung der Delfinlagune von verschiedenen Seiten einstecken musste, kommen jetzt mal wieder richtig gute Nachrichten aus dem Tiergarten: Bei den Kleinen Pandas gibt es wieder Nachwuchs – bereits zum zweiten Mal vom derzeitigen Zuchtpaar Patna und Rex junior. Die beiden Babys kamen schon Ende Juni zur Welt. Dem Muttertier Patna hatten die Tierpfleger für den Wurf mehrere Boxen zur Verfügung gestellt. Zum Glück hat Patna sich für die einzige Box mit Einblick durch eine Scheibe entschieden, so dass die Zoomitarbeiter die Entwicklung der Jungen mitverfolgen können und ihnen auch obiges Foto möglich war.

Mittlerweile trägt Patna ihre Kleinen von einem Unterschlupf zum anderen, so dass die Zoobesucher mit etwas Glück die Babys zu Gesicht bekommen. Patna ist sieben Jahre alt und kam aus dem Zoo von Aalborg (Dänemark) an den Schmausenbuck. Ihr elf Jahre alter Partner Rex junior stammt ursprünglich aus dem italienischen La Torbiera und lebte eine Zeitlang in Rotterdam, ehe er in den Nürnberger Tiergarten umzog.

Kleine Pandas, auch Katzenbären genannt, sind seit 2008 auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN als „gefährdet“ eingestuft. Der Tiergarten Nürnberg beteiligt sich am „Red Panda EEP Forest Guardians Programme“, dem Programm des Europäischen Zooverbands zum Schutz des Lebensraums dieser Tiere in Nepal: Mit jährlich 1000 Euro kann einer der dortigen Naturschutzwächter ausgebildet und finanziert werden. So hilft der Tiergarten mit, den Schutz des Lebensraums der Kleinen Pandas zu unterstützen und die örtliche Bevölkerung aufzuklären, warum der Schutz dieser Tierart und ihres Lebensraums notwendig ist.

Locken Fischkatzen Zoobesucher hinterm Ofen vor?

fischkatzeLange haben die Tiergarten-Besucher darauf warten müssen und in ein leeres Gehege geschaut, in dem früher einmal die Brillenbären gelebt haben. Nun ist es endlich gelungen, die angekündigten Fischkatzen dort unterzubringen – beziehungsweise einen „Fischkater“. Das Tier stammt aus dem Tierpark Berlin und wird am 19. Mai vier Jahre alt. In Berlin werden jetzt keine Fischkatzen mehr gehalten. Die aus Südostasien stammende Katzenart ist damit in Deutschland nur noch in den Zoos von Nürnberg, München, Duisburg und Leipzig zu sehen. Im Tiergarten Nürnberg sollen sich Fischkatzen, die in der Nähe von Gewässern leben und Fische jagen, künftig im Rahmen des Europäischen Erhaltungszucht-Programms EEP vermehren. Auf die Katze, die dazu nötig ist, wartet man am Schmausenbuck aber noch.

In freier Wildbahn ist der Lebensraum der Fischkatzen inzwischen sehr zersplittert und größtenteils zerstört, die kleinen Raubkatzen stehen deshalb seit 2008 als „stark gefährdet“ auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN. Nur noch 10.000 erwachsene Tiere sollen in der Natur vorkommen. So ist es durchaus sinnvoll, sie in Zoos zu halten und zu züchten. Und die ehemalige Brillenbären-Anlage am Schmausenbuck eignet sich für diese Art, die ihre Beute zum Teil schwimmend und tauchend fängt, bestimmt sehr gut. Nach dem Umbau gibt es dort für die Zoobesucher auch einen einsehbaren Stall; der Verein der Tiergartenfreunde hat mit über 50.000 Euro die Neugestaltung des Geheges finanziert.

Trotzdem: Mit rund 75 Zentimetern, die erwachsene Fischkatzen „vom Scheitel bis zur Sohle“ messen, werden sie nur ungefähr doppelt so groß wie Hauskatzen. Ist das ein echter Ersatz für die Brillenbären? Sind Fischkatzen Tiere, die für einen Zoo wie den Nürnberger attraktiv genug sind, um möglichst hohe Besucherzahlen zu erreichen? Noch dazu gibt es am Schmausenbuck ja keine Braunbären mehr. Und die Luchse, die den Wölfen nachfolgten, sieht man auch nur mit viel Glück und Geduld in ihrem weitläufigen Gehege. Natürlich haben sich die Haltungsbedingungen für die Zoos verändert, aber die einzige Bärenart, die man in Nürnberg noch beobachten kann, sind jetzt Eisbären. Reicht das wirklich aus, wenn man den erklärten Bildungs-Anspruch erfüllen will? – Ich bin da sehr unschlüssig und würde gerne von meinen Lesern erfahren, was sie darüber denken.

Blick auf das „Barometer des Lebens“

Es ist kein Jubiläum, das Anlass zum Feiern gibt, aber eines, das für die Tierwelt und den Naturschutz äußerst wichtig ist: Die „Rote Liste“, auf der die gefährdeten und vom Aussterben bedrohten Tierarten geführt werden, gibt es seit 50 Jahren. Auf der Liste, die als absolute Richtschnur für den internationalen Naturschutz gilt, steht zum Beispiel auch das WM-Maskottchen Fuleco, über das ich hier auch geschrieben habe.

Die Weltnaturschutzorganisation IUCN hat die Liste 1964 ins Leben gerufen; die Organisation hat ihr Hauptquartier in Gland in der Schweiz. Am Anfang wurden nur Säugetiere und Vögel erfasst, inzwischen enthält die Liste alle Tierarten und zusätzlich Pflanzen. Nach dem neuesten Stand sind 22 000 Tier- und Pflanzenarten in ihrer Existenz bedroht. Dazu gehört das Dreibindengürteltier Fuleco ebenso wie die Feuchtnasenaffen in Madagaskar, die Japanischen Aale oder mehrere Nashornarten in Afrika.

Rote ListeDie Liste wird an Tausende von Fachleuten verschickt. Es handelt sich mittlerweile um die umfangreichste – und leider ständig wachsende – Datensammlung, die den aktuellsten Zustand der Tier- und Pflanzenwelt wiedergibt und zusätzlich dokumentiert, was die einzelnen Arten für das Leben auf der Erde insgesamt bedeuten. In Fachkreisen wird die Liste auch als „Barometer des Lebens“ bezeichnet.

Auf der Liste gibt es neun verschiedene Stufen. Ganz unten steht „LC“ für Least Concern, was so viel wie „nicht gefährdet“ bedeutet. „VU“ ist die Abkürzung für „Vulnerable“ und kennzeichnet die als „verletzlich“ einzustufenden Arten, die einem hohen Risiko ausgesetzt sind, schon in naher Zukunft auszusterben – wie etwa das WM-Maskottchen. „CR“ heißt „Critically Endangered“: Diese Arten sind in unmittelbarer Gefahr, auszusterben, und mit „EX“ („Extinct“) werden bereits ausgestorbene Arten markiert.

So alarmierend die Berichte sind, so haben sie immerhin schon dazu beigetragen, dass in verschiedenen Teilen der Welt Naturschutzmaßnahmen ergriffen wurden, die ohne sie wohl niemals zustandegekommen wären. Trotzdem sterben Fachleuten zufolge jedes Jahr einige Tausend Tier- und Pflanzenarten aus. Das klingt erst einmal niederschmetternd, muss jedoch mit folgender Zahl in Zusammenhang gebracht werden: Nach Schätzungen existieren auf der Erde bis zu 100 Millionen Arten. Dazu zählen winzige Pilzkulturen ebenso wie riesige Meeressäugetiere. Auf der Roten Liste sind bisher „nur“ 74 000 Arten erfasst – es bleibt für die Mitarbeiter der IUCN also noch unendlich viel zu tun: Die Organisation hat sich vorgenommen, bis zum Jahr 2020 die Zahl der aufgeführten Arten auf 160 000 zu bringen. Eine wahre Mammutaufgabe – und eine teure dazu, denn pro Jahr kosten Dokumentation und Aktualisierung der Roten Liste immerhin fünf Millionen Dollar.

Diese Liste macht Angst

Immer wieder mal behandle ich hier in meinem Blog das Thema bedrohte Tierarten. Das sind höchst unerfreuliche Meldungen, aber leider kann man das Thema nicht ausblenden, wenn man heutzutage über Tiere schreibt.

Nun hat die IUCN, die International Union for the Conservation of Nature, zum ersten Mal eine Liste öffentlich gemacht, auf der die 100 am stärksten vom Aussterben bedrohten Tier- und Pflanzenarten der Erde zusammengestellt sind. Sie enthält Arten aus 48 Ländern, darunter das Java- und das Sumatra-Nashorn, das Zwergfaultier, das nur noch auf einer Insel vor Panama existiert, der Hainan-Gibbon in China, von dem es nicht einmal mehr 20 Exemplare gibt, die asiatische Saola-Antilope, die Baumratte in den Bergen Kolumbiens (hier auf einem Foto der Lizzie Noble Foundation/dapd zu sehen), dazu eine Reihe von Fröschen, Kröten, Reptilien, Fischen und Vögeln wie etwa die Indische Riesentrappe. Bei manchen Arten weiß man nicht einmal, wie viele Individuen von ihnen noch existieren.

Die 8000 Forscher der IUCN, die an der Liste mitgearbeitet haben, betonen, dass bei fast allen bedrohten Arten der Mensch daran Schuld hat, dass die Gefährdung ein so großes Ausmaß angenommen hat. Er zerstört wider besseres Wissen die Lebensräume der Tiere, indem er Wälder rodet, Flüsse staut, Feuchtgebiete trockenlegt. Einige Arten werden als Opfer des Klimawandels bezeichnet, zum Beispiel der Galapagos-Riffbarsch, der möglicherweise schon ausgestorben ist. Aber auch der Klimawandel ist ja auf den Menschen zurückzuführen.

Die Forscher sehen noch nicht ganz schwarz für alle Arten auf ihrer Liste. Aber sie warnen: Es müssen sofort gezielte Maßnahmen ergriffen werden, um bestimmte Arten vor dem Aussterben zu retten. Das hat in der Vergangenheit ja schon einige Male funktioniert, etwa bei den Przewalski-Pferden oder auch beim Buckelwal.

Ob der Alarmruf der IUCN und anderer Organisationen von denen erhört wird, die in der Position sind, etwas gegen das Artensterben zu unternehmen? Man kann es nur hoffen. Für einige Arten, fürchte ich, dürfte es aber schon zu spät sein.

Noch mehr Arten auf der Roten Liste

So nett Geschichten über feige Zuchtbullen oder ungebetene Hausgäste auch sein mögen – heute heißt es erst mal, zum Ernst des Lebens zurückzukehren. Und der dreht sich im Vorfeld des UN-Gipfels für Nachhaltigkeit in Rio de Janeiro um gefährdete Tiere und Pflanzen. Die Weltnaturschutzunion IUCN, das weltweit größte Netzwerk staatlicher und nichtstaatlicher Umweltorganisationen, hat ihre aktualisierte Rote Liste vorgelegt. Die zeigt leider einen negativen Trend: Die Zahl der bedrohten Tiere und Pflanzen ist trotz aller Schutzbemühungen weiter angestiegen.

Laut IUCN sind von den 64 000 untersuchten Tier- und Pflanzenarten derzeit fast 20 000 vom Aussterben bedroht. Die aktuellen Zahlen sehen folgendermaßen aus: Die Liste der bedrohten Arten führen die Amphibien an, von denen 41 Prozent betroffen sind. Bei den Korallen sind es 33 Prozent, bei den Säugetieren 25 Prozent, bei den Vögeln 13 Prozent. Neu in die Liste aufgenommen wurden unter anderen der Caqueta-Springaffe, der Tintenfisch Sepia apama, der Netz-Peitschenschwanz-Rochen, der Große Feuerfalter, der Rotkehl-Brilliantkolibri, der Rote Fruchtvampir (oben im Bild zu sehen) und der Python bivittatus.

Die Wiederkehr des Einhorns

Vor über einem Jahr habe ich hier schon einmal über das letzte Einhorn geschrieben – respektive über das Tier, das der Legende nach dieses Fabelwesen sein soll: die Oryx-Antilope. Im Profil sehen ihre Hörner nämlich aus wie ein einziges Horn. Schon damals gab es Erfreuliches über diese Tiere zu berichten, die in freier Wildbahn bereits ausgestorben waren und durch Nachzuchten in menschlicher Obhut doch noch als Art erhalten werden konnten. Ein neues Auswilderungsprojekt für diese Tiere in einem Naturpark in Abu Dhabi lief damals gut an.

Jetzt hat sich der Bestand der einst von unserer Erde fast schon verschwundenen Antilopenart weiter erholt. Sie hat sich auf der Roten Liste gefährdeter Arten von der Kategorie „Vom Aussterben bedroht“ erst bis zu „Stark gefährdet“ und nun noch weiter bis zu „Gefährdet“ verbessert. Nachdem Oryx-Antilopen fast 40 Jahre lang von Menschen gezüchtet wurden, ist ihre Zahl wieder auf weltweit 1000 Exemplare gestiegen. Erste Auswilderungsprojekte gab es 1982 in Oman, später in Israel, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Jordanien.

Das klingt wie ein Wunder, denn noch nie hat sich bisher eine Tierart auf der Roten Liste um drei Kategorien hocharbeiten können. Man könnte beinahe meinen, es gibt sie doch, die Zauberkraft der Einhörner.

Wildesel-Nachwuchs im Tiergarten Nürnberg

Somali-WildeselIm Nürnberger Tiergarten gibt es wieder einmal ein nettes Tierbaby zu sehen: Die Somali-Wildesel-Dame Sissi hat am 30. Juli einen Sohn zur Welt gebracht. Der kleine Hengst wurde Sabu genannt und jetzt den Medien vorgestellt.

Somali-Wildesel sind eine besonders stark bedrohte Tierart, die auf der Roten Liste steht: Weltweit gibt es nur noch 400 von ihnen, fast die Hälfte davon lebt in Zoos. Der Bestand in freier Wildbahn geht so rasant zurück, dass die Zoos alles daransetzen, diese Wildeselart durch Nachzuchten zu erhalten. Auch der Nürnberger Tiergarten, der regelmäßig Nachwuchs für das Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP) beisteuern kann. Das Zuchtbuch wird im Zoo Basel geführt, von dort aus wird koordiniert, welche Tiere in den Zoos verpaart werden.
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Jägern droht die Hölle

Was ist nur los mit unserer Welt? In Australien gibt es Kamel-Plagen, in Russland eine Antilopen-Invasion: In der ostsibirschen Baikal-Region wurde, nachdem dort rund 40 000 ausgehungerte Tiere aus der benachbarten Mongolei eingefallen waren, der Notstand ausgerufen. In der Nähe der Grenze drängen sich über 60 000 weitere Mongolei-Gazellen, weil sie wegen des harten Winters kein Futter mehr finden. Die Jagd auf die Tiere bleibt – zumindest in Russland – trotzdem verboten, denn Mongolei-Gazellen stehen dort auf der Roten Liste bedrohter Tierarten. Sie sind so selten, dass es in unserem Archiv kein Foto gibt – ich hätte sie gerne hier abgebildet. Selbst bei „Wikipedia“ ist kein Foto, sondern nur eine Zeichnung zu finden.

Polizei und Umweltbehörden informieren die Bevölkerung in Sibirien jetzt eigens auf Flugblättern über das Jagdverbot. Wie wirksam das ist, bleibt abzuwarten. Denn wer will in einer solchen Region, noch dazu bei strengstem Frost, schon kontrollieren, ob das Verbot eingehalten wird? Und wer meldet da schon Wilderer? Aus der Kamel-Belagerung in Australien haben wir jedenfalls gelernt, dass derartige Geschichten für Tiere schnell ganz schlecht ausgehen können.

Immerhin: Einigen der wilden Kamele in Down Under winkt inzwischen Rettung – und zwar von anderswo auf der Welt. Eine Gruppe saudischer Tierfreunde hat im Internet eine Kampagne für die Wüstenschiffe gestartet. Die frommen muslimischen Tierschützer beziehen sich auf den Koran. Darin heißt es im 17. Vers der 88. Sure:

Sehen die Ungläubigen denn nicht die Kamele, wie sie geschaffen worden sind.

Menschen, die Kamelen Leid antun, wird im Koran außerdem schwere Strafe – sprich:  die Hölle – angedroht. Die Saudis wollen deshalb die wilden australischen Kamele dorthin bringen, wo sie geliebt und respektiert werden. – Über die Tierliebe der Moslems habe ich mich kürzlich erst in einem Kommentar zu meinem Beitrag über die Wolfsjagd in Schweden freuen können. Eine Muslima hatte dort deutlich gemacht, welcher Respekt in ihrer Religion nicht nur Menschen, sondern auch Tieren entgegengebracht wird.

Wer kennt heute noch den Dachs?

Es sind keine spektakulären Tiere, die von der Schutzgemeinschaft Deutsches Wild jedes Jahr zum „Wildtier des Jahres“ gewählt werden. Doch aus genau diesem Grund hat die Organisation dieses Prädikat im Jahr 1992 erstmals vergeben:  Sie will auf Tiere aufmerksam machen, die sonst von der Öffentlichkeit kaum beachtet werden und in Zeiten von „lila Kühen“ vielleicht ganz in Vergessenheit geraten würden.

DachsDas gilt mit Sicherheit auch für den Dachs, der jetzt zum Wildtier des Jahres 2010 gekürt worden ist. Kaum jemand bekommt ihn in freier Natur zu Gesicht. Denn er ist nachtaktiv, sehr scheu und hält meist eine Winterruhe in seinem Bau. Vielen Kindern dürfte er nur noch aus der Welt der Märchen und Fabeln bekannt sein, wo er den Namen „Meister Grimbart“ trägt.

Der Dachs gehört bei uns zum Glück nicht mehr zu den besonders bedrohten Tieren, steht aber unter Naturschutz. Bis in die 90er Jahre stand er noch auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Tierarten. Mittlerweile haben sich seine Bestände wieder erholt. In manchen Gegenden ist zu bestimmten Zeiten sogar wieder die Jagd auf ihn freigegeben.

Der Dachs ist das größte Tier in der Familie der Marder, er kommt in den Wäldern Europas und Asiens vor. In längst vergangenen Zeiten war bei uns die Dachsjagd interessant, weil man aus den Tieren Dachsfett gewann, das als Einreibemittel zum Beispiel gegen Rheuma wahre Wunder wirken sollte. Auch mit Dachsfellen gab es einst einen florierenden Handel.

Heute sind allenfalls noch Dachshaare gefragt, um Rasierpinsel oder hochwertige Pinsel für die Malerei herzustellen. In China ist nach wie vor das angeblich schmackhafte Dachsfleisch sehr begehrt und gilt als Delikatesse. Zur Fleischgewinnung würden dort allerdings wild lebende Dachse nicht ausreichen – Dachse werden in China deshalb massenweise gezüchtet.