Wildesel-Nachwuchs im Tiergarten Nürnberg

Somali-WildeselIm Nürnberger Tiergarten gibt es wieder einmal ein nettes Tierbaby zu sehen: Die Somali-Wildesel-Dame Sissi hat am 30. Juli einen Sohn zur Welt gebracht. Der kleine Hengst wurde Sabu genannt und jetzt den Medien vorgestellt.

Somali-Wildesel sind eine besonders stark bedrohte Tierart, die auf der Roten Liste steht: Weltweit gibt es nur noch 400 von ihnen, fast die Hälfte davon lebt in Zoos. Der Bestand in freier Wildbahn geht so rasant zurück, dass die Zoos alles daransetzen, diese Wildeselart durch Nachzuchten zu erhalten. Auch der Nürnberger Tiergarten, der regelmäßig Nachwuchs für das Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP) beisteuern kann. Das Zuchtbuch wird im Zoo Basel geführt, von dort aus wird koordiniert, welche Tiere in den Zoos verpaart werden.
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Jägern droht die Hölle

Was ist nur los mit unserer Welt? In Australien gibt es Kamel-Plagen, in Russland eine Antilopen-Invasion: In der ostsibirschen Baikal-Region wurde, nachdem dort rund 40 000 ausgehungerte Tiere aus der benachbarten Mongolei eingefallen waren, der Notstand ausgerufen. In der Nähe der Grenze drängen sich über 60 000 weitere Mongolei-Gazellen, weil sie wegen des harten Winters kein Futter mehr finden. Die Jagd auf die Tiere bleibt – zumindest in Russland – trotzdem verboten, denn Mongolei-Gazellen stehen dort auf der Roten Liste bedrohter Tierarten. Sie sind so selten, dass es in unserem Archiv kein Foto gibt – ich hätte sie gerne hier abgebildet. Selbst bei „Wikipedia“ ist kein Foto, sondern nur eine Zeichnung zu finden.

Polizei und Umweltbehörden informieren die Bevölkerung in Sibirien jetzt eigens auf Flugblättern über das Jagdverbot. Wie wirksam das ist, bleibt abzuwarten. Denn wer will in einer solchen Region, noch dazu bei strengstem Frost, schon kontrollieren, ob das Verbot eingehalten wird? Und wer meldet da schon Wilderer? Aus der Kamel-Belagerung in Australien haben wir jedenfalls gelernt, dass derartige Geschichten für Tiere schnell ganz schlecht ausgehen können.

Immerhin: Einigen der wilden Kamele in Down Under winkt inzwischen Rettung – und zwar von anderswo auf der Welt. Eine Gruppe saudischer Tierfreunde hat im Internet eine Kampagne für die Wüstenschiffe gestartet. Die frommen muslimischen Tierschützer beziehen sich auf den Koran. Darin heißt es im 17. Vers der 88. Sure:

Sehen die Ungläubigen denn nicht die Kamele, wie sie geschaffen worden sind.

Menschen, die Kamelen Leid antun, wird im Koran außerdem schwere Strafe – sprich:  die Hölle – angedroht. Die Saudis wollen deshalb die wilden australischen Kamele dorthin bringen, wo sie geliebt und respektiert werden. – Über die Tierliebe der Moslems habe ich mich kürzlich erst in einem Kommentar zu meinem Beitrag über die Wolfsjagd in Schweden freuen können. Eine Muslima hatte dort deutlich gemacht, welcher Respekt in ihrer Religion nicht nur Menschen, sondern auch Tieren entgegengebracht wird.

Wer kennt heute noch den Dachs?

Es sind keine spektakulären Tiere, die von der Schutzgemeinschaft Deutsches Wild jedes Jahr zum „Wildtier des Jahres“ gewählt werden. Doch aus genau diesem Grund hat die Organisation dieses Prädikat im Jahr 1992 erstmals vergeben:  Sie will auf Tiere aufmerksam machen, die sonst von der Öffentlichkeit kaum beachtet werden und in Zeiten von „lila Kühen“ vielleicht ganz in Vergessenheit geraten würden.

DachsDas gilt mit Sicherheit auch für den Dachs, der jetzt zum Wildtier des Jahres 2010 gekürt worden ist. Kaum jemand bekommt ihn in freier Natur zu Gesicht. Denn er ist nachtaktiv, sehr scheu und hält meist eine Winterruhe in seinem Bau. Vielen Kindern dürfte er nur noch aus der Welt der Märchen und Fabeln bekannt sein, wo er den Namen „Meister Grimbart“ trägt.

Der Dachs gehört bei uns zum Glück nicht mehr zu den besonders bedrohten Tieren, steht aber unter Naturschutz. Bis in die 90er Jahre stand er noch auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Tierarten. Mittlerweile haben sich seine Bestände wieder erholt. In manchen Gegenden ist zu bestimmten Zeiten sogar wieder die Jagd auf ihn freigegeben.

Der Dachs ist das größte Tier in der Familie der Marder, er kommt in den Wäldern Europas und Asiens vor. In längst vergangenen Zeiten war bei uns die Dachsjagd interessant, weil man aus den Tieren Dachsfett gewann, das als Einreibemittel zum Beispiel gegen Rheuma wahre Wunder wirken sollte. Auch mit Dachsfellen gab es einst einen florierenden Handel.

Heute sind allenfalls noch Dachshaare gefragt, um Rasierpinsel oder hochwertige Pinsel für die Malerei herzustellen. In China ist nach wie vor das angeblich schmackhafte Dachsfleisch sehr begehrt und gilt als Delikatesse. Zur Fleischgewinnung würden dort allerdings wild lebende Dachse nicht ausreichen – Dachse werden in China deshalb massenweise gezüchtet.

Niederschmetternd: Die neue Rote Liste

Es ist ein Trauerspiel: Die neueste Ausgabe der Roten Liste bedrohter Tier- und Pflanzenarten, die jetzt von der Weltnaturschutzunion IUCN veröffentlicht wurde, malt ein düsteres Bild. Von den 47 677 untersuchten Tier- und Pflanzenarten sind 17 291 bedroht – noch einmal mehr als bei der letzten Erhebung zur Jahresmitte. Dabei sollte die Aussterberate eigentlich ab kommendem Jahr gesenkt werden. Das wird laut IUCN nicht mehr zu schaffen sein.

Am schlechtesten sieht es für die Amphibien aus: Von den 6285 bekannten Arten sind fast ein Drittel – nämlich 1895 Arten – vom Aussterben bedroht. Nun sind Tiere wie Frösche, Kröten, Unken, Molche und Salamander den meisten Menschen möglicherweise nicht sonderlich sympathisch. Aber auch ein Blick auf die Säugetiere auf der Roten Liste verheißt nichts Gutes: 21 Prozent der Säugetiere gelten demnach als akut gefährdet, ebenso wie 12 Prozent aller Vögel, 28 Prozent der Reptilien und 37 Prozent der Süßwasserfische.

So mancher Zeitgenosse mag das alles für Zahlenspielerei, vielleicht auch für Schwarzmalerei halten. Und er wird nicht wahrhaben wollen, dass fast ausschließlich durch den Menschen verursachte Umweltveränderungen verantwortlich für den Artenschwund sind.  Es macht aber keinen Sinn, die Augen davor zu verschließen. Wenn Arten von unserer Erde verschwinden, hat das schnell Folgen für das ökologische Gleichgewicht. Und wenn wir die erst einmal alle zu spüren bekommen, ist es zu spät.

Regelmäßig wird die Rote Liste der bedrohten Arten aktualisiert. Die Warnungen der Umweltschützer sind nicht neu. Sie dürfen nicht länger beiseite gewischt werden.