Die "Bläih" in Bolsena

Es grünt und blüht, wohin man sieht: Bei meinen Spaziergängen in die Hügel über Bolsena kann ich richtig zuschauen, wie die Natur erwacht. Auch wenn das Wetter hier offenbar schlechter ist als zu Hause in Mittelfranken – die Pflanzenwelt schert sich wenig drum. Gestern ist mir auf einer Wanderung plötzlich der Duft von frisch gemähtem Gras in die Nase gestiegen, und ein Stück weiter habe ich einen Bauern beim ersten Heumachen des Jahres gesehen.

Als Liebhaberin der Fränkischen Schweiz habe ich mir gleich überlegt, wie es daheim wohl um die Kirschblüte steht. Ob sie schon begonnen hat? Hier ist es jedenfalls schon so weit: Pflaumen- und Pfirsichbäume blühen weiß und rosa. Und da fühle ich mich doch gleich heimisch und denke mir: „Gemmer naus in die Bläih!“ Durch meine langjährige Arbeit in der Lokalredaktion der „Nürnberger Zeitung“ bin ich diesbezüglich einfach geprägt: Beim Begriff „Bläih“ fällt mir sofort unser fränkischer Conférencier und Mundartdichter Egon Helmhagen ein, der früher jedes Jahr um diese Zeit in einer seiner „Plaudereien“ in der NZ einmal über die „Bläih“ geschrieben hat.

In Kalchreuth ist es wahrscheinlich noch nicht ganz so weit – hier kann ich jetzt schon „naus in die Bläih“ gehen. Und das werde ich jetzt gleich wieder machen!

Bratwürste in Bolsena

Letzte Woche habe ich hier ja schon darüber geschrieben, wie mich meine Vermieterin Germana kulinarisch verwöhnt. Zuletzt hat sie mir gekochte dicke Bohnen gebracht. Daraus habe ich mir „Pasta e fagioli“ gemacht, das vor allem im Norden Italiens sehr beliebte Gericht aus Nudeln und Bohnen. Es war so viel, dass es für zwei Abendessen gereicht hat.

Aber nicht nur Germana ist um mein leibliches Wohl besorgt – auch Freunde zu Hause in Nürnberg haben mir vor meiner Abfahrt nach Bolsena eine Art Notration mit auf die Reise gegeben: Nürnberger Bratwürste und Sauerkraut,  beides (getrennt) in Folie eingeschweißt. Die Päckchen muss man nur ins heiße Wasserbad geben und zehn Minuten lang darin erhitzen. Da es seit einigen Tagen hier in Mittelitalien fast winterlich kalt geworden ist, dachte ich mir: Das ist das richtige Essen bei diesen Temperaturen! Und so gab es gestern Abend bei mir zum ersten Mal kein italienisches Gericht, sondern „Broatwörscht mit Sauerkraut“. Ich war ein wenig skeptisch, wie die eingeschweißten Würste und das Kraut wohl schmecken würden – aber ich muss sagen: Ich war angenehm überrascht! Das Kraut war richtig würzig, die Würstchen auch. Allerdings werde ich die nächste Portion doch in der Pfanne braten, oder, wenn das Wetter besser ist, auf den Grill legen. Denn geschmacklich waren sie zwar äußerst passabel, aber es fehlte einfach die rösche Kruste.

In der Packung sind sechs Portionen enthalten – also für jeden Monat meines Aufenthalts in Bolsena eine (im August verzichte ich lieber darauf). Bei der köstlichen Küche hier in den Restaurants brauche ich auch nicht öfter Spezialiäten von zu Hause. Am Samstag gehe ich zum Beispiel mit Freunden mittags zum Essen. Sie haben verschiedene Fische aus dem Bolsena-See vorbestellt, außer dem schon erwähnten „coregone“ auch „anguilla“ (Aal), „pèrsico“ (Barsch), „tinca“ (Schleie) und die sardinenähnlichen kleinen „laterini“. Ich bin mal gespannt, was der Koch draus macht!

Mein neues Zuhause

So sieht es also aus, mein neues Zuhause in Bolsena: Auf dem Foto ist der Hauseingang zu sehen, meine Wohnung liegt im Hochparterre im rechten Flügel des Hauses (man sieht über den Palmen am Treppenaufgang rechts eines meiner beiden Wohnzimmerfenster).

Meine Vermieterin heißt Germana und ist das, was man sich im besten Sinne unter einer italienischen „mamma“ vorstellt: resolut und das Herz am rechten Fleck. Sie ist offenbar um mein leibliches Wohl besorgt: Ich habe schon frischen Spinat von ihr geschenkt bekommen, außerdem Salat, frische Eier und einen halben „Panettone“ (den berühmten italienischen Kuchen).  Nun bin ich damit beschäftigt, das alles nach und nach in meinen Speiseplan einzubauen. Schmeckt jedenfalls alles köstlich!

Als nächstes will ich auf meiner Terrasse (an der Rückseite des Hauses) verschiedene Blumen pflanzen (Zitronenbäumchen stehen schon dort) – doch dazu später mehr. Aus Nürnberg und Fürth bekomme ich auch die eine oder andere Nachricht. Sehr traurig bin ich über den Tod von Willy Prölß. Er war ja unter anderem auch ein wichtiges Mitglied beim Verein der Tiergartenfreunde, und wir haben immer einen guten Kontakt gehabt und gut zusammengearbeitet. Schade, dass ausgerechnet das die erste Nachricht aus Nürnberg war, die mich hier in Bolsena erreicht hat! – Ich hoffe demnächst auf bessere Neuigkeiten aus der Heimat!

Ich bin dann mal in Bolsena!

Ich bin dann mal in Italien: In meiner Arbeit bei der „Nürnberger Zeitung“ lege ich für ein Jahr eine Pause ein und verbringe Frühjahr, Sommer und Herbst in Bolsena. Und so sieht meine Wahlheimat aus: die kleine Stadt Bolsena, 110 Kilometer nördlich von Rom am wunderschönen Lago di Bolsena gelegen. Der mittelalterliche Ort hat ungefähr 4000 Einwohner, eine Burg, mehrere Kirchen – und immerhin 60 Bars, Cafés und Restaurants. Das ist selbst für jemanden wie mich, der sonst in Fürth lebt und an die Vorzüge der dortigen legendären Kneipendichte gewöhnt ist, ziemlich beeindruckend!

Der Ort ist von sanften Hügeln umgeben, Olivenhaine und dichte Eichenwälder prägen das Landschaftsbild. Ich hoffe, dass ich in den nächsten Wochen, bevor es zu warm wird, viele Wanderungen in dieser Gegend unternehmen kann. Der See selbst ist fast um ein Drittel größer als der Chiemsee, nur wesentlich tiefer. Er ist vulkanischen Ursprungs und gilt als der sauberste Binnensee Europas. Deshalb schwimmen jede Menge Fische darin herum, die in den Restaurants auf die köstlichste Art und Weise zubereitet werden, zum Beispiel der „Coregone“.

Natürlich gibt es in diesem „Dreiländereck“  – Toskana, Umbrien und Latium treffen am Lago di Bolsena aufeinander – auch herrliche Weine wie Merlot, den weißen „Est! Est! Est!“ und den süßen Dessertwein „Aleatico di Gradoli“. Manche Einwohner von Bolsena, die ich bei meinen früheren Besuchen dort kennengelernt habe, stellen, obwohl sie keine Weinbauern sind, auch ihren eigenen Wein her, füllen ihn in Mineralwasserflaschen ab und verschließen sie dann mit Kronkorken. Ich habe schon das eine oder andere Glas „aqua rossa“ genießen dürfen.

So – genug geschwärmt für den Anfang! Jetzt muss ich mich erst mal in den nächsten Tagen in der gleich unterhalb der Burg gelegenen Ferienwohnung einrichten, die ich bis in den Herbst hinein gemietet habe. Ich hoffe, dass ich im Laufe der kommenden Monate am Leben der Einwohner von Bolsena teilhaben kann, weniger als Touristin, sondern als eine von ihnen, an ihrem Alltag und ihren Festen – und davon gibt es hier am See jede Menge, so viel kann ich schon mal verraten!