Eine Hauswand für die Tiere

Der Nürnberger Künstler Christian Rösner hat ein Faible für den Tiergarten Nürnberg. Von ihm stammt auch die große Holzskulptur im Eingangsbereich des Zoos am Schmausenbuck. Jetzt ist der engagierte Künstler wieder für den Tiergarten aktiv. „Für Vielfalt in Nürnberg“ heißt sein neuestes Projekt, ein haushohes Tier(garten)-Kunstwerk. Das Bild an der Kreuzung Bayreuther Straße 41/Hintermayrstraße ist ein Auftrag des Vereins der Tiergartenfreunde Nürnberg: ein Fassadenbild mit vielen verschiedenen Tieren auf einem fünfstöckigen Haus. Im Zentrum steht ein Schabrackentapir – und das aus gutem Grund: Der Tiergarten koordiniert für diese Art die Erhaltungszucht innerhalb der europäischen Zoos. Der prominente Ort direkt an der Kreuzung der vielbefahrenen Äußeren Bayreuther Straße dürfte dem Kunstwerk viel Aufmerksamkeit verschaffen. Ausgeführt wird Christian Rösners künstlerischer Entwuf von einem Fürther Malerbetrieb, der auf Kirchenrestaurierung spezialisiert ist und dessen Mitarbeiter das Bild auf die Brandmauer des Hauses überträgt.

Bald ein Baby für Pinola?

Auf Facebook hatten es ja einige Besucher des Nürnberger Tiergartens schon mit Foto gepostet, nun hat auch das Presseamt der Stadt Nürnberg die freudige Botschaft und eine Fotografie davon an die Medien verschickt: Pinola, die nach dem beliebten Spieler des 1. FC Nürnberg, Javier Pinola, benannte Schabrackentapirdame, hat einen Partner aus England bekommen. Manado heißt der Auserwählte, der am 14. Januar dieses Jahres im Zoo von Port Lympne in der schönen Grafschaft Kent das Licht der Welt erblickte.

Manado kam heimlich, still und leise am 5. August am Schmausenbuck an und wurde zunächst einmal in einem Einzelabteil seines neuen Zuhauses untergebracht. Vor einer Woche hatten Pinola und Manada dann ihr erstes Date. Das war offenbar erfolgreich, die beiden verstehen sich jedenfalls so gut, dass sie seitdem gemeinsam in der Anlage leben.

Mit dem neuen Mann aus England will der Tiergarten wieder in die Zucht von Schabrackentapiren einsteigen, die er seit 1964 mit riesigem Erfolg betreibt. Fünf Zuchtpaare haben seitdem für 15 Jungtiere gesorgt, die alle gesund und munter aufgewachsen sind. Der Tiergarten hat deshalb auch die Koordination für Schabrackentapire beim Europäischen Erhaltungszuchtprogramm EEP übertragen bekommen; darin sind derzeit 50 Tapire erfasst.

Für alle, die bei den Verwandtschaftsverhältnissen der Tapire im Tiergarten nicht so recht durchblicken: Nach dem Tod des alten Weibchens Indah vor über einem Jahr lebten am Schmausenbuck noch Pinola und ihr Vater Pi. Als Pinola geschlechtsreif wurde, musste Pi an einen anderen Zoo abgegeben werden, um Inzucht zu vermeiden. Er übersiedelte im Juli nach Spanien – genauer: in den Zoo von Fuengirola.

Er heißt Baru!

Das muss man dem Leipziger Zoo wirklich lassen: Er versteht es wie kaum ein anderer Zoologischer Garten in Deutschland, die Werbetrommel zu rühren und die Aufmerksamkeit der Medien zu gewinnen. Durch die Zoo-Doku „Elefant, Tiger & Co.“ des MDR hat der Zoo auch deutschlandweit eine ungeheuere Popularität erreicht.

Auch die Geburt eines Schabrackentapirs im Februar  – der erste Tapirnachwuchs im Leipziger Zoo seit dem Jahr 1929 – haben die Leipziger äußerst geschickt und publikumsträchtig vermarktet. Wochenlang lief eine Aktion, bei der man Namensvorschläge für das Tierbaby machen konnte. Über verschiedene Foren im Internet fanden sich Fans auf der ganzen Welt für das niedliche Tapirbaby. So gingen schließlich 4500 Vorschläge für einen Tapirnamen ein.

Schließlich wurde sogar eine Jury eingesetzt, die aus den vielen Ideen die schönsten auswählte. Und aus den vier, die am Ende noch zur Auswahl standen, konnte sich der kleine Tapir nun selbst seinen Namen aussuchen – wiederum äußerst medienwirksam vor laufenden Kameras. Die Pfleger schrieben die Anfangsbuchstaben der vier Vorschläge jeweils auf einen Apfel. Das Tapirbaby schnüffelte erst und entschied sich schließlich für das Obst mit dem großen B darauf.

B stand für Baru, und auf diesen Namen wurde der Kleine schließlich getauft. Baru ist ein Begriff aus dem Indonesischen und bedeutet so viel wie „der Neue“.

Als im vergangenen Jahr im Tiergarten Nürnberg ein Schabtrackentapirbaby zur Welt kam, versuchte man auch, ein großes Interesse in der Öffentlichkeit zu erreichen: Die Kleine bekam den Namen Pinola. Doch selbst als der Namensvetter, der beliebte Spieler des 1.FC Nürnberg, das Tier besuchte, blieb die Publicity auf den Großraum Nürnberg beschränkt. Aber das passt ja irgendwie zur fränkischen Mentalität: lieber nicht zu viel Aufsehen um sich machen, den Ball immer schön flach halten!

 

Kurztrip nach Südostasien

Am Wochenende soll es ja endlich wieder wärmer werden. Für alle, die noch überlegen, was sie unternehmen könnten, habe ich einen Tipp: Der Tiergarten Nürnberg veranstaltet am Sonntag, 17. März, seinen diesjährigen Thementag. Er steht unter dem Motto „Tierwelt Südostasiens“. Der Tiergarten schließt sich damit der Südostasienkampagne des Europäischen Zooverbands EAZA an.

Im Tiergarten am Schmausenbuck sind die wichtigsten Vertreter von Tieren aus Südostasien Weißhandgibbons, Schabrackentapire, Przewalskipferde, Panzernashörner, Sibirische Tiger und Prinz-Alfred-Hirsche.

Am Thementag stellen Tierpfleger die Tapire als seltene Relikte aus der Urzeit vor. (Das Foto zeigt das inzwischen ausgewachsene Schabrackentapir-Baby Pinola mit seiner Mutter Indah.) Es werden außerdem die typischen „Gesänge“ der Gibbons zu hören sein. Im Raubtierhaus kann man sich darüber informieren, wie der Lebensraum der Sibirischen Tiger immer knapper wird. Präsentiert wird auch das Przewalski-Urwildpferd-Projekt in Tennenlohe, über das ich hier auch schon geschrieben habe. Im Naturkundehaus informieren Zollbeamte die Besucher, welche Souvenirs aus Südostasien nicht erlaubt sind und welche Strafen man kassiert, wenn man das Verbot nicht beachtet und erwischt wird. Für Kinder gibt es eine Möglichkeit, direkt mit Tieren in Kontakt zu kommen: Sie dürfen von 14 bis 15 Uhr im Kinderzoo Ponys striegeln.

Um Nashörner dreht sich alles im Untergeschoss des Naturkundehauses. Der stellvertretende Tiergartendirektor Helmut Mägdefrau erläutert, wie stark Nashörner in freier Wildbahn durch Wilderei bedroht sind (10 bis 12 Uhr und 13 bis 15 Uhr im Untergeschoss des Naturkundehauses). In natura kann man die Panzernashörner des Tiergartens im Dickhäuterhaus um 11 Uhr und 15 Uhr bei Fütterungen beobachten. Der Bestand der freilebenden Panzernashörner in Asien liegt derzeit bei rund 2600 Tieren. Vom Aussterben unmittelbar bedroht sind das Sumatranashorn (250 Tiere) und das Javanashorn (65 Tiere).

Ich denke, an diesem Sonntag findet jeder etwas im Veranstaltungsprogramm, das ihn besonders interessiert. Ein Plan mit den einzelnen Aktionen des Thementags ist an der Tiergartenkasse erhältlich.

 

Babyboom im Tiergarten

In Deutschland hat es unsere Familienministerin nicht hinbekommen, für einen Babyboom zu sorgen. Der Nürnberger Tiergarten schafft es auch ohne Familienministerin: Dort gibt es jetzt gleich doppeltes Mutterglück – bei den Schabrackentapiren und den Netzgiraffen.

Die Tapire haben ein paar Jahre gebraucht, bis sich nach Banju wieder Nachwuchs eingestellt hat. Doch nun ist Indah im Tropenhaus stolze Mutter eines Babys, von dem im Moment allerdings noch niemand weiß, ob es ein Männchen oder Weibchen ist. Der oder die Kleine sieht – wie bei Schabrackentapiren immer – fast so aus wie ein Frischling: Mit weißen Streifen im bräunlichen Fell. Dieses Aussehen wird er/sie mit der Zeit ändern und nach und nach seiner/ihrer Mutter ähneln: grau, mit einer helleren Schabracke um den Körper. Das Baby ist gesund und munter und kam ganz unspektakulär über Nacht zur Welt, so dass es die Pfleger am vergangenen Freitag früh entdeckten.

Netzgiraffe Lilly ist schon eine erfahrene Mutter. Ihre jüngste, ebenfalls am letzten Freitag geborene Tochter, heißt Lubaya. Die hat sich bei der Geburt etwas Zeit gelassen, streckte erst ihre Vorderfüße aus dem Mutterleib und blieb eine Zeitlang in dieser Position, bis sie es sich dann plötzlich doch anders überlegte und auf den Boden flutschte. Lubaya ist bereits Giraffe Nummer 25 im Tiergarten und spaziert inzwischen mit ihren Artgenossen durchs Freigehege. Ihr Vater heißt Charly und hat am Schmausenbuck schon ein paarmal für Nachwuchs gesorgt. Traurig ist allerdings, dass er sein jüngstes Baby selbst nicht mehr erleben durfte: Charly musste im Januar eingeschläfert werden. Die Zooleitung hatte sich entschlossen,  ihn von den unerträglichen Schmerzen zu erlösen, die ihm seine chronisch entzündeten Gelenke bereiteten.