Doppelkopf – mehr als ein Kartenspiel

DoppelkopfDoppelkopf – darunter versteht man normalerweise ein Kartenspiel. Manchmal gibt es auch in der „Nürnberger Zeitung“ auf Seite zwei – in den Kommentarspalten – einen „Doppelkopf des Tages“: Einen kommentierenden Beitrag mit den Kopfbildern von zwei Menschen, die an diesem Tag in Zusammenhang mit einem bestimmten Thema von sich Reden machen. Nun hat auch der Zoo in Rostock seinen Doppelkopf, nämlich eine Schlange – genauer gesagt: eine Höhlenschönnatter – mit zwei Köpfen, eine sehr seltene biologische Besonderheit.

Das Tier ist jetzt in einem Terrarium im „Darwineum“ für die Besucher zu sehen und dürfte sich zu einer echten Attraktion entwickeln. Womöglich werden nun einige Zoo-Gegner kritisieren, dass so etwas früher in Kuriositäten-Kabinetts gezeigt wurde und diese Zeit längst vorbei sei. Ich bin aber der Meinung, dass es sich um ein hochinteressantes wissenschaftliches Phänomen handelt. Zoos haben ja auch einen Bildungsauftrag, und wenn das Ganze gut erklärt wird, ist es in Ordnung, so ein Tier zu zeigen.

Geschlüpft war die  Natter schon im Juni 2015. Mittlerweile bringt sie es auf stolze 65 Zentimeter Länge. Sie besitzt nicht nur zwei Köpfe, sondern auch zwei Luft- und Speiseröhren. Die anderen Organe existieren nur in einfacher Ausführung. Das Tier kommt offenbar mit seiner Anomalität ganz gut zurecht: Die Schlange kann sogar mit beiden Köpfen fressen – allerdings nicht gleichzeitig.

Schlangen mit zwei Köpfen können durchaus bis ins Erwachsenenalter überleben. Experten erklären den Doppelkopf durch einen nicht abgeschlossenen Teilungsvorgang der Eizelle. Wie bei der Entwicklung von
eineiigen Zwillingen teilt sich auch die befruchtete Schlangeneizelle, aber diese Teilung wird vorzeitig abgebrochen.

Wo die Liebe hinfällt

Ich bin ja immer auf der Suche nach skurrilen Tiergeschichten. Zwei ganz nette Sachen habe ich jetzt wieder gefunden. Die eine hat sich auf Phuket abgespielt und dreht sich um eine Schlange, die sich in ein Motorrad verliebt hat. Und das kam so: Ein thailändischer Motorradfahrer, der offenbar ein Tierfreund ist, war nachts unterwegs zu seiner Freundin. Plötzlich entdeckte er mitten auf der Straße eine Schlange. Der Mann wollte das Tier nicht überfahren und beschloss, ihm den Vortritt zu lassen. Also bremste er und blieb stehen. Statt weiterzukriechen und die Straße zu überqueren kehrte die Schlange auf einmal um, näherte sich dem Vorderreifen des Motorrads und schlängelte sich um den Reifen. Anscheinend gefiel es dem Tier dort bestens – jedenfalls verließ sie den Reifen nicht mehr. Der Mann rief in seiner Not die Polizei und schilderte sein Problem. Die Beamten rückten zusammen mit einem Schlangenexperten an. Mit vereinten Kräften schafften sie es, die etwa zwei Meter lange Schlange vom Reifen zu lösen und in Sicherheit zu bringen.

Nicht schlecht finde ich auch das, was sich in einer Bar im US-Bundesstaat Montana zugetragen hat. Dort war die Hauptperson eine Ziege namens Shirley, die auch mal in eine Bar gehen wollte. Als sie dort auftauchte, gefiel das einem Gast ganz und gar nicht. Er alarmierte die Polizei, und die Ziege landete erst mal im Tierheim. Schließlich fand man aber heraus, dass sie eigentlich zu einem Streichelzoo gehörte, und dorthin wurde sie auch wieder zurückgebracht. Wie das Tier von da in den Ort und die Bar gelangt war, kann sich allerdings niemand erklären. Jetzt wird sogar überlegt, ob Shirley mit ihrem Besuch in dem Lokal gegen den Gesundheitskodex verstoßen haben könnte. Womöglich muss sie ja auch noch Strafe zahlen?

 

Zahn um Zahn

Und nochmal geht es um Zähne. „Auge um Auge, Zahn um Zahn“: Diese Redensart verwenden wir gerne, wenn es um grausige Rachegelüste geht. Ein solches hat jetzt einen Bauern in Nepal gepackt – und wie!

Der Mann arbeitete friedlich und nichts Böses ahnend auf einem Reisfeld, das sich etwa 200 Kilometer südlich von Kathmandu befindet. Plötzlich wird er von einer giftigen Kobra gebissen. Und was macht der Reisbauer da? Er gerät dermaßen in Rage, dass er das gemeine Vieh einfängt und sich bitterlich an ihm rächt: Er beißt seinerseits zu, und zwar so, dass die Giftschlange tot ist.

Der Mann hat den Biss degegen nach einer Behandlung im Krankenhaus gut überstanden. Gegenüber Zeitungsjournalisten gab er an, er sei nach dem Schlangenbiss blind vor Wut gewesen und habe Rache gewollt. Deshalb habe er die Kobra nicht etwa mit einem Stock erschlagen, sondern mit seinen Zähnen töten müssen.

Verglichen mit dieser Geschichte ist die Meldung „Mann beißt Hund“, die hierzulande in Journalistenkreisen als etwas ganz Besonderes gilt, nicht mehr als eine lahme Ente.

 

 

 

Ein echtes Monster!

Als ich die Überschrift zu dieser Meldung gelesen habe, bin ich zunächst davon ausgegangen, dass die Amerikaner wieder mal ziemlich übertreiben: „Monsterpython in Florida gefangen“.  Aber beim Weiterlesen dachte ich mir dann, dieses Tier hat tatsächlich etwas Monsterhaftes an sich.

Mitarbeiter der Uni Florida haben in den Everglades den größten Python gefunden, den Menschen bisher zu Gesicht bekommen haben: Es handelt sich um einen Tigerpython, 5,39 Meter lang, 74 Kilo schwer und ungefähr 30 Zentimeter breit. Und ausnahmsweise haben nicht die Medien den Begriff „Monster“ für die Schlange geprägt, sondern der Wissenschaftler, der sie untersucht hat. Er sagte: „Das Ding ist ein Monstrum“, es könne sogar Alligatoren fressen.

Das Tier wurde eingeschläfert und wird nun genau untersucht. Die Wissenschaftler haben bei der Obduktion entdeckt, dass die Schlange Nachwuchs erwartete: In ihrem Körper befanden sich 87 Eier. Durch Untersuchungen des Pythons hofft man nun, neue Erkenntnisse über die Fress- und Fortpflanzungsgewohnheiten der Würgeschlangen zu gewinnen, denn vor allem über die Vermehrung dieser Reptilien weiß man noch nicht sehr gut Bescheid.

Die Forschungsergebnisse sollen auch dazu dienen, die Invasion dieser eigentlich in Asien beheimateten Würgeschlange in den USA einzudämmen. Pythons wurden dort vor einem Vierteljahrhundert eingeschleppt und damals meist als Haustiere gehalten. Aber ausgesetzte Tigerpythons fühlten sich in den Everglades pudelwohl und zeigten sich außerordentlich fortpflanzungsfreudig. Man schätzt, dass dort mittlerweile über 10 000 Exemplare leben. Sie fressen alles: Luchse, Opossums, Waschbären, kleine Hirsche und Vögel. Der Tigerpython soll für das Verschwinden von mehr als 90 Prozent einiger Säugetierarten in den Sumpfgebieten Floridas verantwortlich sein. Dadurch wird das gesamte Ökosystem dieser Regionen gefährdet.

Es wird wohl schwierig sein, die weitere Verbreitung von Tigerpythons zu verhindern. Die Jagd auf sie ist eröffnet: In einigen Regionen haben die Behörden die Tiere bereits zum Abschuss freigegeben.

Lasst die Finger von Exoten!

So, ich glaube, für den Moment haben die meisten erst einmal genug von allem, was mit dem Bereich Delfine/Lagune zu tun hat. Zumindest mir geht es so. Deshalb: Neue Woche, neues Thema.

Da hat heute der Deutsche Tierschutzbund einen weiteren Anlauf genommen, um das von ihm geforderte Verbot der Haltung von exotischen Tieren in Privathaushalten wieder ins Gespräch zu bringen. In einem Interview mit der Nachrichtenagentur dapd sagte die Referentin für Heimtiere und Artenschutz beim Tierschutzbund, Sandra Giltner: „Wer keinen wissenschaftlichen Grund dafür hat, sollte keine Exoten halten dürfen.“ Anlass für das Gespräch mit dapd war, dass gerade jetzt in der sommerlichen Reisezeit viele Touristen tierische Souvenirs aus dem Urlaub mit nach Hause bringen. Der Zoll beschlagnahmt jedes Jahr Hunderte solcher Mitbringsel.

Nach Ansicht des Deutschen Tierschutzbundes können Privatleute die meisten exotischen Tiere einfach nicht artgerecht  halten. Viele Besitzer wissen nicht einmal, was ihre Schützlinge brauchen, damit zumindest deren Grundbedürfnisse erfüllt werden. So artet die Exotenhaltung bei Privatpersonen häufig in Tierquälerei aus und führt immer wieder sogar zum Tod der armen Viecher; deshalb will der Deutsche Tierschutzbund ein Verbot erreichen – wenn  nicht das der Haltung von Exoten, dann zumindest ein Verbot der Reptilienbörsen, auf denen bei uns diese Tiere ganz legal ver- und gekauft werden dürfen.

Es kann eine Menge passieren, wenn ahnungslose Menschen solche Lebewesen bei sich zu Hause unterbringen. Die Folgen sind oft skurril – Geschichten darüber kann man regelmäßig in der Zeitung lesen oder auch in diesem Blog, zum Beispiel hier (unter dem Stichwort „Teuer“). Manchmal wird es aber richtig lebensgefährlich, etwa wenn Giftschlangen ihre Besitzer beißen. Oder wenn die Tiere ausbüxen bzw. von ihren überforderten Haltern ausgesetzt werden. Da kann es dann vorkommen, dass ahnungslose Spaziergänger giftigen Reptilien wie Schnappschildkröten in einem Teich begegnen. Das endet dann höchstwahrscheinlich böse, denn Schnappschildkröten beißen äußerst kräftig zu: einen Besenstiel  knacken sie beispielsweise mühelos.

 

Und so gehen die Geschichten weiter

Uns Journalisten wird ja oft vorgeworfen, wir würden Geschichten nur kurz aufgreifen und dann wieder fallenlassen. Das möchte ich – wenn möglich – in meinem Blog nicht tun. Deshalb heute zwei Nachträge zu meinen letzten beiden Beiträgen über Knut und die Kobra im Bronx-Zoo.

Dass Knut an einem Gehirndefekt starb, stimmt zwar. Inzwischen haben aber die Tierärzte, die an der Obduktion des berühmten Berliner Eisbären beteiligt waren, die Todesursache noch etwas präziser beschrieben. Demnach hat Knut vor seinem plötzlichen Tod bereits wochenlang – vielleicht sogar seit Monaten – an einer Gehirnentzündung gelitten. Zu dieser Entzündung, so haben die Veterinäre herausgefunden, ist es durch eine Virusinfektion gekommen. Auch das Rückenmark war davon betroffen, und man stellte fest, dass es innere Blutungen gegeben hat. Nach dem Erreger dieser Infektion sucht man noch. Die Gehirnentzündung soll so schlimm gewesen sein, dass sie tödlich für Knut enden musste. Außerdem waren die Hirnwasserkammern erweitert und Nervenwasser konnte nicht richtig abfließen.

Nun zur twitternden Kobra in New York, die im Bronx-Zoo verschwunden war. Es handelt sich um eine Uräusschlange, die inzwischen wieder aufgetaucht ist. Und zwar im Reptilienhaus selbst, wo sie sich gut versteckt hatte. Für die Menschen in New York bestand also keine Gefahr, denn Zoo-Mitarbeiter hatten das Reptilienhaus sofort geschlossen, als sie merkten, dass sich die Schlange nicht mehr in ihrem Terrarium befand. Dieses Gebäude bietet offenbar geradezu ideale Voraussetzungen für ein sicheres Versteck: Es ist verwinkelt und sehr unübersichtlich durch die vielen Pumpen und Rohre, die zur Haustechnik gehören. Die Schlange war während ihrer „Flucht“ zum Twitter-Star geworden. Zuletzt verfolgten 200 000 „Follower“, was die Schlange erlebte und wo sie sich angeblich gerade aufhielt. Welcher menschliche „Ghostwriter“ sich für das Tier auf Twitter austobte, bleibt weiter ein Rätsel.

Jetzt twittern schon Schlangen

So etwas gibt es auch nur in den USA. Da büxt eine Kobra erst aus dem Zoo in der New Yorker Bronx aus und verschwindet spurlos. Gut, bis hierhin könnte die Geschichte auch bei uns passiert sein. Doch nun kommt es: Die vermisste Giftschlange twittert und ist quasi über Nacht zum neuen Star auf Twitter geworden. Schon weit über 25 000 „Follower“ hat sie schon für sich gewinnen können.
Sie hat zum Beispiel getwittert, dass sie sich bei den Tieren des Films „Madagascar“ bedankt: „Sie waren eine wahre Inspiration für mich.“ In diesem Film waren ebenfalls Tiere aus dem Bronx-Zoo geflohen. Später hat die Kobra über Twitter wissen lassen, dass sie sich im Naturhistorischen Museum in New York in der Schlangenausstellung befinde und sich völlig ruhig verhalte. Sehr originell.
Kein Mensch weiß bisher angeblich, wer hinter der twitternden Schlange steckt.
Auf jeden Fall hat man das Reptilienhaus im Bronx-Zoo vorsichtshalber geschlossen. Die Zoo-Mitarbeiter gehen nämlich davon aus, dass sich die Bewohnerin irgendwo in dem Haus verkrochen hat. Die Suche nach ihr war bislang aber erfolglos. Bei dem Tier handelt es sich um eine ägyptische Kobra, die erst ein paar Monate alt und ungefähr einen halben Meter lang ist. Sie soll für Menschen nicht besonders gefährlich sein, weil sie normalerweise den Kontakt zu ihnen meidet und sich hauptsächlich von Kröten und Vögeln ernährt.
Aber was heißt bitteschön normal in einer Welt, wo Schlangen Stars bei Twitter werden???

Python-Hochzeit soll Glück bringen

CAMBODIA-ANIMALS-PYTHON-WEDDINGBei uns gelten Schweine als Glücksbringer für das neue Jahr. In Kambodscha glaubt man, dass Pythons das Schicksal günstig beeinflussen. Deshalb haben die Bewohner eines Dorfes südlich der Hauptstadt Phnom Penh das neue Jahr mit einer symbolischen Python-Hochzeit begrüßt.

Dazu wurde eine Zeremonie veranstaltet, die zwei Stunden gedauert hat. Die Bewohner des Dorfes haben das Schlangenpaar mit mit Blumen beworfen, und zwei buddhistische Mönche haben die beiden Pythons sogar gesegnet. Die Vermählung soll dem Dorf Gesundheit und Wohlstand im neuen Jahr bescheren. Mit der „Heirat“ der beiden Schlangen sind die Dorfbewohner dem Rat von Wahrsagern gefolgt, die prophezeit hatten, dass die zwei Tiere als Mann und Frau zusammenleben müssten, sonst würde das Dorf vom Unglück verfolgt.

Das „Brautpaar“ hat ein imposantes Bild abgegeben: Das Weibchen namens „Chamrouen“ ist immerhin 4,80 Meter lang und ungefähr 90 Kilo schwer, das Männchen „Kroung Pich“ ist um einiges kleiner. „Chamrouen“ war vor 16 Jahren von ihrem heutigen Besitzer beim Fischen gefunden worden. Der Mann nahm die Schlange als Haustier bei sich auf. Seit dieser Zeit wurde seine Familie nicht nur von allem Unglück verschont – ihre Lebensumstände haben sich sogar ständig verbessert. Auch das ein Hinweis darauf, dass es sich um einen funktionierenden Glücksbringer handelt.