Tierisches Sahnehäubchen

So – die Weihnachtsfeiertage sind vorbei, und wir befinden uns mittendrin in der Zeit, die man gemeinhin als die „zwischen den Jahren“ bezeichnet. Kinder haben Ferien, und viele Erwachsene müssen in diesen Tagen auch nicht arbeiten. Für alle, die nicht verreist sind,  habe ich einen Tipp: ein Besuch im Manatihaus des Nürnberger Tiergartens. Denn dort gibt es jetzt etwas besonders Schönes zu bestaunen: neue Schmetterlinge. In der tropischen Halle fliegen 25 Arten von Schmetterlingen frei umher. 16 dieser ursprünglich aus Mittelamerika stammenden Arten haben sich bereits erfolgreich in ihrer neuen fränkischen Heimat vermehrt.

Der Tiergarten bestellt alle zwei Wochen Insektenpuppen bei Kleinbauern in Costa Rica. So können die Zoobesucher immer bunte Falter auch beim Schlüpfen beobachten. Um welche es sich handelt, kann man im Manatihaus auf Informationstafeln nachlesen. In Mittelamerika werden aber wesentlich mehr verschiedene Arten gezüchtet. Als Weihnachtsüberraschung hat der Tiergarten Schmetterlingspuppen von anderen Arten bekommen, die jetzt – zwischen Weihnachten und Silvester – schlüpfen sollen. Für Interessierte ist auf der Homepage des Tiergartens die Liste mit den aktuell gelieferten Schmetterlingsarten zu finden.

So, und nun noch eine Quizfrage: Wer weiß, woher der Name „Schmetterling“ kommt? Ich will meine Leser nicht zu sehr auf die Folter spannen und liefere die Antwort deshalb gleich mit: Der Begriff ist vom ostmitteldeutschen „Schmetten“ abgeleitet. Das entspricht dem fränkischen „Schmand“, also Rahm. Schmetterlinge naschen nämlich gerne auch Sahne. In der englischen Sprache findet sich das im Wort „butterfly“ wieder. Und der Tiergarten betrachtet die Schmetterlinge zur Weihnachtszeit als „Sahnehäubchen“ für die Besucher.

Diese Event-Kultur nervt einfach!

Kohlweiss
Es gibt immer neue Schnapsideen, die aus einer Hochzeit einen unvergesslichen „Event“ machen sollen. Als ob das Ereignis an sich nicht schon unvergesslich genug wäre! Ein Unternehmen hat sich folgendes ausgedacht, um den „schönsten Tag im Leben“ noch schöner zu machen: Warum zur Feier des Tages nicht einen Schwarm weißer Schmetterlinge aufsteigen lassen? Das soll angeblich besonders romantisch sein.

Auf ihrer Internetseite wirbt die Firma damit, dass sie lebendige (gezüchtete) Kohlweißlinge für romantische Momente bei Trauungen, Geburtstagen oder Taufen verschickt. Dazu werden spezielle Thermoboxen verwendet, und die Schmetterlinge würden zuvor in gekühlter und dunkler Umgebung in einen Ruhezustand versetzt. Bei niedrigen Temperaturen verlangsamen die Tiere nämlich ihren Stoffwechsel – das machen sie auch in der Natur so.

Gegen diese Geschäftsidee schlägt jetzt der Tierschutzverein Berlin Alarm. Der lehnt den Versand lebender Tiere generell ab. Schließlich sei es nicht gesichert, ob die Kühlkette beim Verschicken tatsächlich eingehalten werde. Völlig ungeklärt sei auch, was passiere, wenn ein Paket mit Schmetterlingen verloren gehe oder wenn es wieder einmal einen Poststreik gebe.

Das Unternehmen langt übrigens ganz schön hin, was die Preise für die Kohlweißlinge anbelangt: Die kleinste Bestellmenge, 25 Falter, schlagen immerhin mit 185 Euro zu Buche, 200 Stück kosten dann stolze 755 Euro. Bestimmt findet es genügend Bekloppte, die das ohne mit der Wimper zu zucken bezahlen. Schöne neue Event-Welt, kann ich da nur sagen!

Der Sonnenröschen-Bläuling hat Glück

Der Klimawandel macht allen möglichen Tierarten große Probleme, manche Arten gefährdet er ganz besonders. Darüber habe ich immer wieder geschrieben, zuletzt hier. Da erreicht uns eine gute Nachricht aus Großbritannien: Ein Schmetterling, der auf den schönen Namen Kleiner Sonnenröschen-Bläuling hört und noch in den 1980er Jahren als gefährdet galt, profitiert offenbar vom Klimawandel.

Wie das? Laut britischen Forschern kann sich der Bläuling dank der immer wärmeren Sommer deutlich weiter nach Norden ausbreiten. Bisher brauchte er zur Eiablage das Gelbe Sonnenröschen als Wirtspflanze: Diese Pflanze wächst fast nur an sonnigen Südhängen und bot den Schmetterlingseiern die besten Voraussetzungen zur Entwicklung. Dank der wärmeren Sommer der letzten Jahre ist der Kleine Sonnenröschen-Bläuling aber nicht mehr auf das Gelbe Sonnenröschen angewiesen; wenn er seine Eier auf anderen Pflanzen ablegt, klappt es mit der Nachkommenschaft genauso gut.

Die Schmetterlinge kommen nun schon 80 Kilometer weiter nördlich als noch in den 1990er Jahren vor. Laut Wissenschaftlern der Universität von York reagiert diese eigentlich sesshafte Art damit außergewöhnlich schnell auf den Klimawandel. Mittlerweile suchen sich die Bläulinge meist Storchschnabelgewächse aus, um ihre Eier abzulegen. Diese Gewächse sind wesentlich weiter verbreitet als das Gelbe Sonnenröschen. Die Schmetterlinge haben deshalb bessere Bedingungen, sich fortzupflanzen.

Stellt sich nur noch die Frage, ob der Schmetterling bald umbenannt werden muss, wenn er mit dem Sonnenröschen gar nichts mehr am Hut hat. Vielleicht heißt er bald Kleiner Storchschnabel-Bläuling? Klingt aber längst nicht so poetisch.

 

 

The Sexiest Animal Alive

Der Schmetterling des Jahres 2012 wurde gekürt. Die Jury – ach, was schreibe ich, es war natürlich die Naturschutzorganisation BUND – hätte aber statt dessen auch das „Sexiest Animal Alive“ ausrufen können. Wäre das Kleine Nachtpfauenauge ein Mensch, hätte es bestimmt diesen Titel verliehen bekommen.

Wer sich nun fragt, was an dem Kleinen Nachtpfauenauge so sexy sein soll, der wird sich gleich wundern. Die – wie im Tierreich so oft – im Vergleich zu den Männchen viel unscheinbareren Weibchen haben nämlich echt was drauf, wenn es darum geht, einen Mann zu verführen. Sie fliegen nur nachts, wenn bekanntlich alle Katzen grau sind, geben dabei aber einen Sexualduftstoff ab, den die Männchen über mehrere Kilometer noch wahrnehmen. Dieser Duft, den sie über ihre Fühler wittern, zieht sie unweigerlich zu seiner Trägerin hin. Würde bei uns Menschen einem Kompositeur ein solches Parfum gelingen, wäre er entweder der reichste Mann der Welt – oder aber er würde enden wie im Roman von Patrick Süskind.

Die Realität für das Nachtpfauenauge sieht weniger phantastisch aus. Es gibt nämlich schon Gegenden, wo der Schmetterling auf der Vorwarnliste gefährdeter Tiere steht. Es ist in erster Linie die industrielle Landwirtschaft, die ihm zusetzt. Um da gegenzusteuern und etwas für die Zukunft des sexy Nachtpfauenauges zu tun, kann jeder etwas beitragen, der einen Garten besitzt. Dort sollte man wenigstens eine Ecke ein bisschen verwildern lassen und auch im Winter nicht alle Pflanzen radikal herunterschneiden. Dann haben die Raupen des Nachtpfauenauges nämlich einen Platz, wo sie sich zwischen Ästen und Stängeln einspinnen können. Im Frühjahr schlüpfen dann neue Schmetterlinge – oder sie lassen sich dazu noch ein Jahr länger Zeit. Das Nachtpfauenauge ist nämlich nicht nur sexy, sondern auch raffiniert: Auf diese Weise übersteht der Bestand dieser Tierart auch ein schlechtes Jahr besser.

Tiere des Jahres 2011

Wir starten voll durch ins neue Jahr 2011, und da dürfen natürlich auch die Tiere des Jahres 2011 nicht fehlen. Sie wurden von Naturschützern hauptsächlich ausgewählt, weil sie als gefährdete Tierarten gelten und weil die öffentliche Aufmerksamkeit auf sie gerichtet werden soll.

urn:newsml:dpa.com:20090101:101008-99-00195Vogel des Jahres 2011 ist der Gartenrotschwanz, über den ich hier schon gleich berichtet hatte, als er gerade frisch gekürt worden war. Sein Bestand in Deutschland ist in den letzten 30 Jahren von 450 000 Brutpaaren auf 150 000 zusammengeschmolzen. Den männlichen Gartenrotschwanz erkennt man an seinem ziegelfarbenen Schwanz, der orangen Brust und der schwarzen Kehle. Dass die Zahl der Gartenrotschwänze zurückgeht, hat folgende Gründe: Sie finden immer weniger geeignete Nistplätze in Gärten und Baumhöhlen.  Vor allem in Gärten sind sie trotz ihres Namens immer seltener zu finden. Es gibt zu wenig Hecken, zu wenig Streuobstwiesen, zu viele fremdländische Gehölze und sterile Rasenflächen. Das bevorzugte Futter des Gartenrotschwanzes, nämlich Schmetterlinge, Raupen, verschiedenartigste kleine Insekten und Spinnen, ist auch immer schwerer zu finden. Denn durch den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln werden diese Beutetiere stark dezimiert.

urn:newsml:dpa.com:20090101:101226-99-01794Fisch des Jahres 2011 ist die Äsche. Das größte Problem dieses Fisches ist die Verschmutzung der Gewässer, auf die er äußerst empfindlich reagiert; Gewässerverschmutzung lässt den Äschenbestand ständig schrumpfen. Denn diese Fischart braucht klares, kühles Wasser. Äschen haben einen kleinen Kopf und ein spitzes Maul, ihr Rücken schimmert graugrün oder bläulich-grau. An den Seiten und am Bauch sind die Äschen silberweiß bis messingfarben. Die Äsche war bereits Fisch des Jahres 1997 und ist durch die Berner Konvention in Europa geschützt.

urn:newsml:dpa.com:20090101:101226-99-01796Schmetterling des Jahres 2011 ist der Große Schillerfalter, einer der schönsten Tagfalter in Europa. In Deutschland ist er allerdings selten geworden. Seine Flügelspannweite kann bis zu 65 Millimeter betragen. Die Flügel der Männchen schimmern blau (zu sehen auf dem oberen Foto), die Weibchen sind zurückhaltender dunkelbraun gefärbt (zu sehen auf dem unteren Foto). Im Gegensatz zu anderen Schmetterlingen findet man den Schillerfalter fast nie auf Blüten, denn er ernährt sich nicht von Blütennektar. Schillerfalter fliegen oft auf dem Boden, wo sie Aas oder Tierkot fressen. Die Falter ruhen sich gern auf Eichen aus.