Die drei kleinen Schweinchen – ganz ohne Wolf!

Na, wenn die keinen Knuddel-Faktor haben: Minischweine bereichern ab sofort als neue Art den Kinderzoo des Tiergartens Nürnberg: ein Eber und zwei Sauen. Im Alter von sieben beziehungsweise fünf Monaten bringen sie gerade mal knapp Kilogramm auf die Waage. In Nürnberg sind sie schon im vergangenen Spätherbst eingetroffen. Zuerst mussten sie aber in die Quarantänestation, die sich außerhalb des Tiergartens – auf Gut Mittelbüg bei Schwaig – befindet. Jetzt durften die Schweinchen in den Haustierstall im Tiergarten umziehen. Oft werden diese Tiere als „Minipigs“ oder „Teacup pigs“ bezeichnet. Feste Rassestandards existieren bei diesen Tieren nicht. Die Neulinge im Tiergarten stammen von einer Privatzüchterin, es handelt sich um Forsthofer Minipigs. Die wurden zunächst aus afrikanischen und asiatischen Zwergwildschweinen gezüchtet, später kamen kleine weiße Laborschweine und kleine bunte Wiesenauer Minischweine in die Zucht mit hinein. Die Tiere haben eine Schulterhöhe von nur 30 Zentimetern und werden höchstens zwölf Kilo schwer. Es gibt sie in Rosa, Dunkelgrau und in gescheckter Ausgabe. Ich glaube, die Mini-Säue und -Eber werden ein echter Knüller im Kinderzoo, denn ich erinnere mich noch gut an den riesigen Hype um den Erfolgsfilm mit Schweinchen Babe. Und als „Wolf“ muss ich natürlich auch an „Fiedler“, „Pfeifer“ und „Schweinchen Schlau“ aus dem Walt-Disney-Film denken, in dem das alte englische Märchen leicht variiert wurde. Gefiel mir persönlich viel, viel besser als „Babe“!

Ein schweinisch schönes Fest!

Ein Weihnachtsfest ohne Tiere – unvorstellbar! Ochs und Esel an der Krippe, die sind klassisch und gehören dazu wie das Jesuskind, Maria und Josef. Nicht zu vergessen Schafe und der Hütehund der Hirten. Und dann kommen am Dreikönigstag ja auch noch die Kamele dazu. Ich persönlich mag besonders gern fränkische oder bayerische Krippen, die in eine der Heimatregion nachempfundene Miniaturlandschaft hineingebaut sind. Da spielt sich die Weihnachtsgeschichte fast immer auf einem Bauernhof ab, deshalb wuselt auch noch jede Menge anderes Getier um den Stall herum: Pferde, Hühner, Gänse, Katzen, Hunde – und sogar Schweine.

In diesem Zusammenhang möchte ich eine Marzipan-Ausstellung in Hamburg empfehlen, die das Schwein als klassisches Weihnachtstier deklariert. Zu Recht, finde ich. Denn wie der Hamburger Historiker Burkhard Jodat, Kurator der Ausstellung im Altonaer Museum, bin auch ich der Meinung, dass das Schwein als Weihnachtstier allgemein zu wenig Beachtung findet. Da haben es die Nordeuropäer und Norddeutschen etwas besser als wir, denn dort wird das Borstenvieh traditionell enger mit Weihnachten in Verbindung gebracht. Das Schwein ist, wie der Ausstellungsmacher sehr einleuchtend ausführt, ein besonderes Tier: Während andere Nutztiere auf dem Bauernhof Milch, Eier oder Wolle liefern, ist das Schwein selbstlos: Es schenkt sich uns selbst – und das nicht nur zu Weihnachten. Zu Weihnachten wurden allerdings in früheren Zeiten die Vorratskammern geplündert, die man nach den Schlachtungen im Herbst mit Schweinefleisch und Würsten gefüllt hatte. Und: Im 19. Jahrhundert, so erfährt man in der Ausstellung ebenfalls, gab es sogar Weihnachtsbäume, die mit Würsten statt Schmuck behängt wurden.

Die Ausstellung dreht sich natürlich auch um das Glücksschwein, das zur Jahreswende wieder Hochkonjunktur hat. Der alte Brauch hat sich übrigens folgendermaßen entwickelt: Auf Schützenfsten durften die Gewinner einen Ochsen oder einen Pferd als Trophäe mit nach Hause nehmen, die Verlierer dagegen bekamen als Trostpreis nur ein Ferkel. So ist schließlich die Redensart „Schwein gehabt“  entstanden. Aus dem echten Ferkel wurde mit der Zeit der schweinische Glücksbringer aus Marzipan.

Wer also in der Zeit zwischen den Jahren Gelegenheit hat, Hamburg zu besuchen, sollte sich diese Ausstellung nicht entgehen lassen: „Marzipan. Das Brot der Engel“ im Altoaner Museum, Museumstr. 23, 22765 Hamburg. Sie läuft bis zum 5. Januar 2014.

Taiwan lässt die Sau raus

Ich kaufe bewusst keine Produkte mit dem Vermerk „Made in Taiwan“. Allerdings bin ich nicht so naiv, zu glauben, dass man mich als Kunden tatsächlich immer darauf hingeweist, wenn etwas dort hergestellt wurde. Sehenden Auges aber lasse ich jedenfalls die Finger von Waren aus Taiwan.

Ich boykottiere diese Produkte also sowieso schon. Täte ich das nicht, würde ich jetzt damit beginnen, nachdem ich eine dpa-Meldung vom Wochenende gelesen habe. In Taiwan wird immer noch eine etwa 200 Jahre alte Tradition hochgehalten, die ich für Tierquälerei der unmenschlichsten Art halte: Der Wettbewerb um das dickste Schwein, das dann für einen Gottheit geschlachtet und geopfert wird. In diesem Jahr sind neun Schweine in die Endrunde um den bei ihren Züchtern begehrten Titel gekommen. Gewonnen hat ein Borstenvieh, das über eine Tonne auf die Waage brachte. Es konnte sich nicht mehr auf den Beinen halten, so fett war es. Früher sollte der Brauch dem Besitzer Glück bringen, und das Fleisch wurde unter den Bewohnern eines Dorfes geteilt Heute erkaufen sich Großbauern Anerkennung mit dem Mästen der Tiere. Dabei schrecken sie nicht vor den grausamsten Mitteln zurück: Auf Video ist zum Beispiel dokumentiert, wie ein Schwein mit einem Schlauch zwangsernährt wird.

Über 100 000 Menschen haben am Wochenende bei dem Opferfest in Xinbei mitgefeiert. Dort steht der letzte Tempel in Taiwan, wo das Spektakel noch über die Bühne gehen darf. Das Ritual sieht so aus: Erst werden die Schweine bemalt, dann mit Früchten und Schmuck herausgeputzt, damit sie der Gottheit auch wirklich gefallen, wenn man sie opfert.

Taiwanesische Tier- und Umweltschützer versuchen zwar, etwas gegen den grausamen Brauch zu unternehmen, aber die Besucher wollen unbedingt an dieser Tradition festhalten.

Schweinisches Spielzeug

Schweinisches Spielzeug – keine Angst: Mit Beate Uhse hat der folgende Beitrag nichts zu tun, auch wenn die deutsche Sex-Pionierin vor zehn Jahren gestorben ist. Nein, wir bleiben anständig hier. Es geht tatsächlich um Spielzeug – Spielzeug für Schweine. So etwas haben jetzt Forscher der Uni Kassel erfunden. Harmlos ist das Thema trotzdem nicht. Denn die Wissenschaftler haben sich das Ganze ausgedacht, um Mastschweinen das Leben wenigstens ein wenig erträglicher zu machen.

Wie sieht dieses Spielzeug aus? – Da haben sich die Forscher am Menschen orientiert, der ja bekanntlich vieles mit dem Schwein gemeinsam hat. Menschen lieben Ikea, und Menschenkinder lieben das „Bad“ in den vielen kleinen bunten Bällen, das es in jeder Filiale der Möbelhauskette gibt. Das Schweine-Spielzeug besteht praktisch aus solch einem kleinen Ikea-Ball, der auf eine Feder montiert wurde. Fast sieht es aus wie eine Glühbirne, die da über dem Futtertrog in einem nordhessischen Schweinestall angebracht wurde. Auf diesem Bauernhof wird wohlgemerkt keine Massentierhaltung betrieben – die Wissenschaftler haben sich einen Bio-Bauernhof ausgesucht, um das Spielzeug zu testen.

Vielleicht ist das der Grund dafür, dass die Schweine dort sich nicht übertrieben für das gelb leuchtende Ding interessieren, das ihren Spiel- und Wühltrieb befriedigen soll. Die Bio-Schweine wühlen und spielen nämlich lieber in echtem Dreck, wozu sie im Gegensatz zu ihren Kollegen in Mastbetrieben ja auch genügend Gelegenheit haben. Das eigentliche Zielpublikum für das Spielzeug muss sich jedoch mit nackten Betonböden und engen Boxen ohne Tageslicht begnügen. Unter diesen Bedingungen werden auch Schweine schnell aggressiv und geraten leicht in Streit, was so weit gehen kann, dass sie sich gegenseitig verletzen.

Dagegen soll die von den Kasseler Forschern entwickelte, leuchtend bunte Kugel auf der Feder helfen, die angeblich gleich mehrere Sinne der Borstentiere anspricht. Stupst ein Schwein die Kugel an, macht der Ball eine nicht vorhersehbare Bewegung, was wiederum die Neugierde der intelligenten Rüsseltiere wecken, ihrer Intelligenz angemessen sein und ihrem Wühltrieb entsprechen soll. Das Bad in den Bällen, das wir von Ikea kennen, hat sich bei Schweinen den Forschern zufolge nicht bewährt. Für den genialen „Wühlkegel“ erhoffen sie sich nun den Segen der EU: Die schreibt für schweinisches Spielzeug ab 2013 vor, dass es „veränderbar“ zu sein hat.

Da fällt mir auf: Beate Uhses Vater war Landwirt. Vielleicht hat der ja auch mit schweinischem Spielzeug herumexperimentiert?

Schweinefleisch oder gegrillte Heuschrecken?

Der eine oder andere mag sich wundern, dass ich in diesem Tier-Blog über das Thema Schweineschlachten schreibe. Aber diese Meldung, die heute über die Nachrichtenagenturen lief,  finde ich doch interessant: In Deutschland sind zwischen Juli und September dieses Jahres so viele Schweine geschlachtet worden wie noch nie zuvor. Über 14,6 Millionen Borstentiere mussten dran glauben – das ist eine Dreiviertelmillion mehr als im bisherigen Rekord-Quartal von September bis Dezember 2009.

Die Deutschen essen immer mehr Schweinefleisch, und zwar hauptsächlich aus dem Grund, dass der Preis dafür so günstig ist. Ob es auch gesund ist, scheint genauso wenige Menschen zu interessieren wie die Frage, unter welchen Bedingungen die Schweine zum Schlachten gezüchtet werden.

urn:newsml:dpa.com:20090101:101116-99-01894Dabei könnte die Speisekarte der Zukunft ganz anders aussehen, meinen Ernährungsfachleute: Sie möchten uns proteinreiche Insekten wie Käfer und Heuschrecken schmackhaft machen. Denn die Vorliebe für Fleisch in den großen Industrienationen belastet Umwelt und Ressourcen. Und noch einen Vorteil haben Insekten als Lebensmittel: Mit ihnen könnte man den Hunger auf der Welt besiegen.

In Ländern wie Afrika, Asien oder Lateinamerika gehören Insekten wie Larven oder Termiten längst zum täglichen Speiseplan. Die UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft FAO möchte nun weltweit eine Kampagne für diese eiweißreiche – und gleichzeitig umweltschonende –  Nahrung starten. Ich kann mir zwar kaum vorstellen, dass dies von Erfolg gekrönt sein wird. Aber wer weiß? Vielleicht sind Maden, Käfer & Co. auch bei uns das Essen von morgen?

Schweinerei im Alten Schlachthof

urn:newsml:dpa.com:20090101:100427-10-12127Ich habe zwei oder drei Bekannte, die ein und derselben Sammelwut verfallen sind: Sie horten Schweine in ihrer Wohnung. Das sind aber keine Fälle von Tierquälerei – vielmehr beschränken sich die Sammler auf Schweinefiguren, Schweinebilder, Schweinekalender, Schweinebücher etc. pp. Dass Schweine absolut „in“ sind, zeigt sich jetzt auch in Stuttgart:  Am 1. Mai öffnet dort – im Alten Schlachthof, au (Schweine-)Backe! – ein Schweinemuseum.

Nicht weniger als 40 000 Schweine sind auf 600 Quadratmetern Ausstellungsfläche in 25 Themen-Räumen untergebracht. Die Auswahl der Geschichten rund ums Schwein reicht von Kunst bis Kitsch, von Wissenschaft bis Mythos. Die ganze Schweinerei wird in einem wahrhaft schweinewürdigen Ambiente ausgestellt: Der Alte Schlachthof ist ein sehr ansprechendes Jugendstilgebäude.

Die Ausstellungsstücke stammen von der passionierten Sammlerin Erika Wilhelmer, die sie in 25 Jahren zusammengetragen hat. Hier nur ein paar Beispiele: Korkenzieher, Feuerzeuge, Krawattennadeln, Puppen und – die dürfen natürlich auf keinen Fall fehlen – Sparschweine in allen denkbaren Varianten. Erika Wilhelmer ist 70 Jahre alt und fühlt sich in ihrer Sammlung, wie sie selbst sagt, „sauwohl“.

Im Alten Stuttgarter Schlachthof soll nun dem Schwein ein Denkmal gesetzt werden. Erika Wilhelmer hat bereits Erfahrung als Museumsleiterin: 1989 schon hatte sie in Bad Wimpfen bei Heilbronn ihr „Glücksschweinemuseum“ gegründet – doch das platzte inzwischen aus allen Nähten. Die Schweineliebhaberin hat in ganz Deutschland nach einem geeigneten neuen Standort gesucht und stieß in Hamburg, Köln und Dresden auf Interesse. Überall, nicht nur in Stuttgart, wären die Schweine in einen alten Schlachthof gewandert. Die Stadt am Neckar setzt nun mit dem neuen Museum auf eine zusätzliche Touristen-Attraktion.

Wilhelmers ausgefallene „Rotte“ ist bereits als umfangreichste Schweinesammlung im Guinnessbuch der Rekorde verzeichnet. Das größte Exemplar heißt übrigens Annabelle und nimmt die Besucher vor dem Museumseingang in Empfang.

Und hier die Adresse des neuen Schweinemuseums: Alter Schlachthof, Schlachthofstraße 2 in Stuttgart.  Öffnungszeiten: täglich von 11 bis 19.30 Uhr.

Arme Schweine!

Es ist unglaublich, was Tiere im sogenannten Dienst der Wissenschaft alles erleiden müssen. Ein besonders krasser Fall hat sich gerade wieder in Österreich zugetragen und führte zu wahren Proteststürmen. Nicht etwa Ratten oder Mäuse wurden dort das Opfer grausamer Tierversuche, sondern – Schweine. Wohl weil sie uns Menschen so ähnlich sind, die Ärmsten!

lawinengefahrWas ist passiert? – Im Ötztal verschütteten Wissenschaftler der Uni Innsbruck 29 Schweine im Schnee, um sie beim langsamen Ersticken und Erfrieren zu beobachten. Die Mediziner wollten neue Erkenntnisse über die Umstände des „weißen Todes“ und die Überlebenschancen von Lawinenopfern gewinnen. Langfristig sollten also  Menschenleben gerettet werden. Den Versuch starteten sie am Dienstag und brachen ihn am Donnerstagabend ab, weil es landesweit zu Protesten kam; ob er nochmals gestartet wird, ist unklar.

Bisher mussten zehn Schweine den Profilierungsdrang der Forscher mit ihrem Leben bezahlen. Viele Tierschützer bezeichneten das Unterfangen als unfassbar, unethisch und widerwärtig. Sie forderten, die Aktion zu beenden. Die Forscher mussten sich aber letztlich nicht nur Tierschutz-Organisationen beugen: Auch das Land Tirol und die österreichische Bergrettung distanzierten sich von dem Versuch.

Ursprünglich war geplant, dass ungefähr zwei Wochen lang täglich weitere zwei bis drei Schweine im Ötztal in einer simulierten Lawine eingegraben werden. Die Tiere wurden für den Versuch betäubt und an Geräte angeschlossen. Je nach Größe der Atemhöhle verfolgten die Wissenschaftler über Minuten oder Stunden das langsame Ersticken der Schweine. Wieder andere Tiere wurden nur bis zum Kopf im Schnee vergraben und beim Erfrieren beobachtet. Danach wollten die Forscher Gewebeproben von den toten Schweinen nehmen.

Zunächst bestanden die Forscher noch auf der Weiterführung des Versuchs. Doch dann beugten sie sich am Donnerstagabend
dem öffentlichen Druck – dem Himmel sei Dank! Manche Menschen glauben offenbar, sie könnten sich der Schöpfung gegenüber wirklich alles herausnehmen.