Seehund im Kölner Zoo köpft wie Poldi

Auch hier im italienischen Bolsena drücken heute Abend einige Fußballfans der deutschen Nationalmannschaft die Daumen. Nachdem die Squadra Azzurra in der vergangenen Woche ja unglücklich gegen Uruguay ausgeschieden ist (ich erinnere an die Rote Karte gegen den Italiener Claudio Marchisio in der 59. Minute und den unsäglichen Biss von Suárez), wollen italienische WM-Zuschauer das Beste aus der Situation machen. Italiener lieben Fußball und sind beim heutigen Achtelfinal-Spiel gegen Algerien mit ihrem Herzen eher für Deutschland.
Ich werde mir das Spiel natürlich auf jeden Fall ansehen. Und habe im Vorfeld noch etwas Witziges gefunden:

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Im Kölner Zoo jonglierte Lukas Podolski vor einigen Wochen mit einem Seehund. Das Tier hatte keine Berührungsängste mit dem Nationalspieler und beförderte den Ball prompt zurück. Kopfball kann er jedenfalls – und „Poldi“ auch. Bei seinem Heimaturlaub hatte es Podolski – der ja für den FC Arsenal in London spielt – in den Kölner Zoo gezogen, um mit einem Seehund mal richtig Fußball zu spielen. Das Jonglieren fällt beiden nicht schwer, der Ball blieb souverän in der Luft – und der Seehund bekam einen Fisch zur Belohnung.

Leider wird Lukas Poldolski heute gegen Algerien nicht dabei sein – er erlitt beim Gruppenfinale gegen die USA (1:0) eine Zerrung im Oberschenkel. Aber hoffen wir, dass den anderen Spielern der eine oder andere akrobatische Kopfball gelingt. Und das Team damit vielleicht sogar das entscheidende Tor für Deutschland macht!

Seehunde als Sündenbock

In Schleswig-Holstein ist ein Streit entbrannt: Küstenfischer und Jäger machen sich dafür stark, Seehunde zum Abschuss freizugeben, weil die Population angeblich zu groß geworden ist. Tierschützer wie zum Beispiel der WWF  zeigen sich entsetzt angesichts dieser Forderung und halten sie für völlig absurd – nachdem der Schutz des Wattenmeeres als Nationalpark für die Seehunde den erwünschten Effekt gebracht und der Bestand sich auf über 24 000 Exemplare im gesamten Wattenmeer eingependelt habe. Die Seehund-Jagd war Mitte der 1970er Jahre eingestellt worden.

Dagegen beschweren sich die Fischer, dass die Seehunde ihren Fang deutlich beeinträchtigen. Es gebe im Watt fast keine Plattfische oder Kabeljau mehr. Das führen sie auf den großen Appetit der Seehunde zurück, die am Tag rund fünf Kilo Fisch verspeisen und damit den Fischern angeblich praktisch alles wegfressen.

Die Tierschützer können diese Argumentation nicht nachvollziehen. Schließlich würden die Seehunde nur kleinere Fische fressen, die sich für die Fischer sowieso nicht lohnen. Für die Küstenfischer seien außerdem Muscheln und Garnelen die Haupteinnahmequelle.

Auch schleswig-holsteinische Jäger haben sich in den Streit eingemischt. Sie befürchten, der große Seehund-Bestand könnte zum Ausbruch einer Seuche führen. Fachleute des WWF halten auch das für äußerst unwahrscheinlich. Ob die Robben eine Immunität gegen Krankheiten aufbauen oder nicht, habe nichts mit der Größe ihrer Population zu tun.

Während die Fischer in Schleswig-Holstein für den Abschuss von Seehunden plädieren und eine Begrenzung des Bestandes auf 15 000 Tiere fordern, wollen ihre Kollegen in Niedersachsen davon nichts wissen. Sie haben erkannt, dass die Jagd auf Seehunde in der Öffentlichkeit gar nicht gut ankommt und schlecht fürs Image ist.

Mir scheint die Diskussion auch an den Haaren herbeigezogen zu sein. Schließlich weiß doch jedes Kind, dass der Mensch für die Überfischung der Meere verantwortlich ist. Nun die Seehunde zum Sündenbock zu machen, stellt die Tatsachen schlichtweg auf den Kopf.

 

 

Hier mal ne gute Nachricht

Während in Neuseeland und an der Nordsee Wale gestrandet sind und qualvoll zu Tode kamen, gibt es von anderen Meeressäugetieren Erfreuliches zu berichten: von den Seehunden. Ihre Zahl im Wattenmeer ist auf den bisher höchsten Stand seit Beginn der Zählung im Jahr 1975 gestiegen.

Die Tiere werden vom Flugzeug aus gezählt, wenn sie auf den Sandbänken liegen. Dabei kommt es natürlich vor, dass einige im Wasser schwimmende Seehunde nicht miterfasst werden. Und so muss man die sehr genauen Zahlen, die das Internationale Wattenmeersekretariat in Wilhelmshaven gerade bekannt gegeben hat, wohl sogar noch etwas nach oben korrigieren.

Also: Im August lebten den Mitarbeitern dieser Einrichtung zufolge 24 118 Seehunde im Wattenmeer an den Nordseeküsten von Deutschland, Dänemark und den Niederlanden – neun Prozent als bei der Zählung im Vorjahr. Und: Es gibt nicht nur mehr Seehunde insgesamt, sondern mit 7044 auch mehr Jungtiere; das bedeutet eine Steigerung von acht Prozent gegenüber 2010. Wenn das keine gute Nachricht ist!

Am meisten Seehunde hat man in Schleswig-Holstein entdeckt, gefolgt vom niederländischen Wattenmeer, Niedersachsen und den Wattgebieten rund um Hamburg. Am wenigsten Tiere gibt es in Dänemark. Diese Unterschiede sind aber nicht etwa darauf zurückzuführen, dass manche Länder sich besser oder schlechter um den Bestand kümmern. Verantwortlich dafür sind vielmehr die Tiere selbst, die nicht an einem Ort bleiben, sondern auf Wanderschaft gehen. Auch die Zählung kann Fehler aufweisen, etwa bei schlechter Sicht vom Flugzeug aus. Es gibt deshalb Schätzungen, die von bis zu 35 000 Seehunden im Wattenmeer ausgehen.

Reh auf der Vogelinsel, Seehund an der Loire

Immer wieder mal gibt es skurrile Geschichten aus der Welt der Tiere zu erzählen. In dieser Woche haben mich folgende zwei Begebenheiten zum Schmunzeln gebracht:

Auf der Nordseeinsel Trischen, die als Vogelinsel bekannt ist, tauchte plötzlich ein Reh auf. Noch nie zuvor wurde auf dem Eiland mitten im Wattenmeer ein solches Tier gesichtet. Ein Ornithologe des Naturschutzbundes (NABU) hat es entdeckt. Nun fragt sich nicht nur er, wie das Reh die zwölf Kilometer zwischen dem Festland – wo es eindeutig herstammt – und der Insel überwunden hat: Zu Lande (als Ebbe herrschte) oder zu Wasser (während der Flut). Rehe können angeblich sehr gut schwimmen… Da auf der Insel sonst nur Vögel leben, dürfte das Reh sich aber wohl schnell einsam fühlen und wieder aufs Festland zurückkehren.

Unerklärlich bleibt auch, was ein Seehund beim Sonnenbaden am Ufer der Loire in Frankreich zu suchen hat. Dort haben Spaziergänger die Robbe entdeckt: an einer Stelle am Flussufer bei Tours, immerhin 250 Kilometer vom Atlantik entfernt. Der Seehund muss diese Strecke die Loire aufwärts geschwommen sein. Nun wissen wir zwar von Seehunden definitiv, dass sie gut schwimmen können, auch Hunderte von Kilometern. Doch was wollte das Tier in Tours? Man vermutet, dass es einen Schwarm von Meerbarben verfolgt hat. Die Jagd auf diese Fische soll im Fluss einfacher sein als im Meer. Es handelt sich auch mit Sicherheit um keinen verspäteten Aprilscherz, sondern um eine seriöse Meldung. Die wird noch dadurch erhärtet, dass bereits im dritten Jahr in Folge Seehunde in der Loire beobachtet werden. Übrigens: Der Feuerwehr gelang es nicht, den Seehund einzufangen. Die Robbe sprang schnell ins Wasser und verschwand, als die Feuerwehr eintraf.

Mal sehen, was bei uns in der Pegnitz demnächst so alles angeschwommen kommt.

 

 

Ein gutes Seehund-Jahr

Leider muss ich in diesem Blog oft über negative Meldungen aus der Tierwelt schreiben: Über Umweltkatastrophen zum Beispiel, über Probleme der Erderwärmung für bestimmte Tierarten oder über Tiere, die bedroht sind, weil Menschen ohne Rücksicht auf deren Lebensraum Profit machen wollen.

urn:newsml:dpa.com:20090101:100823-99-01055Und wo bleibt das Positive?, könnte man frei nach einem Gedicht von Erich Kästner fragen. Heute kann ich tatsächlich wieder einmal mit einer erfreulichen Meldung dienen. Sie führt uns an die Nordsee und dort zu einer besonders beliebten Tierart: den Seehunden. Seit dem Jahr 1958 werden im niedersächsischen Wattenmeer regelmäßig die Seehunde gezählt. Die einzelnen Ergebnisse gehen beim Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit in Oldenburg ein und werden dort registriert.

Jetzt hat das Landesamt das Ergebnis der diesjährigen Zählung bekanntgegeben: 6623 Seehunde sind es heuer im Wattenmeer zwischen Elbe und Ems. Damit wurde der bisherige Spitzenwert aus dem Jahr 2002 mit 6481 Exemplaren übertroffen. Und gleich noch eine positive Nachricht hinterher: Auch für den Seehund-Nachwuchs ist 2010 ein gutes Jahr. Mit 1648 Jungtieren sind im niedersächsischen Wattenmeer diesmal 202 mehr Seehund-Babys gesund herangewachsen als im vergangenen Jahr.

Die Seehund-Zählungen sind Teil eines internationalen Schutzabkommens. Das legt fest, dass jedes Jahr Beobachtungsflugzeuge zur Zählung in Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Dänemark und den Niederlanden starten.

Meeressäugetiere in Gefahr

Die Ölpest im Golf von Mexiko erreicht neue Dimensionen: Während an der Wasseroberfläche vergleichsweise wenig von dem unaufhörlich sprudelnden Erdöl treibt, gibt es in den Tiefen des Ozeans erschreckende Mengen davon. Riesige Ölschwaden wurden dort entdeckt, in bisher nicht gekanntem Ausmaß: Bis zu 16 Kilometer lang, sechs Kilometer breit und 100 Meter hoch.

Gulf Oil SpillDiese Schwaden haben verheerende Auswirkungen für die im Meer lebenden Tiere: Der Sauerstoffgehalt in ihrer Nähe liegt ungefähr ein Drittel unter dem Normalwert. Möglicherweise ist das darauf zurückzuführen, dass Chemikalien verwendet wurden, die das Öl unter Wasser zersetzen. So gelangt es zwar nicht – oder nur in geringen Mengen – an die Oberfläche, richtet aber weiter unten schlimme Schäden an.

Für die Seevögel, die normalerweise unter einer Ölpest am meisten zu leiden haben, ist das zumindest im Augenblick günstig. Doch die im Meer lebenden Tiere sind nun extrem gefährdet. Auch Säugetiere wie Delfine, Seekühe, Wale, Robben oder Otter – Tiere, die wir Menschen besonders lieben – schweben nun in Lebensgefahr. Kommen sie mit dem Öl in Kontakt, können sie ersticken, außerdem drohen ihnen Vergiftung, Unterkühlung und Hungertod.
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Verhungern junge Robben in der Nordsee?

urn:newsml:dpa.com:20090101:100412-99-04238Tja, gerade war ich noch in Feierlaune wegen meines 400. Postings und wegen der Feuerwehr-Transporte für den Fürther Biber, da vergeht mir das Lachen gleich wieder, als mich die Meldung von einem rätselhaften Robbensterben im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer erreicht: Dort sind fast alle jungen Seehunde, die im vergangenen Jahr zur Welt kamen, aus bisher ungeklärten Gründen eingegangen. Und niemand kann bisher sagen, warum.

Fast dreimal so viele Tiere wie sonst sind im letzten Herbst und Winter dort tot aufgefunden worden: der größte Teil des Jahrgangs 2009 . Selbst Experten können sich keinen Reim darauf machen. Es gibt die These, dass die jungen Seehunde an Unterernährung gestorben sind. Demnach sind infolge der Klimaveränderung  weniger Nährstoffe vom Atlantik in die Nordsee geströmt, was wiederum negative Auswirkungen auf den Fischbestand haben soll. Damit würde sich auch die Zahl der Beutetiere für die Robben reduzieren, die sich hauptsächlich von Krabben und Fischen wie z.B. kleinen Schollen ernähren. Und weil junge Seehunde noch nicht so lange tauchen können wie erwachsene, seien sie bei der Jagd benachteiligt.

Manche Forscher halten das allerdings für Unsinn. Einig sind sie sich aber darin, dass man dem rätselhaften Jungtriersterben auf den Grund gehen muss. Einziger Lichtblick bei der ganzen Angelegenheit: Im Vergleich zu 1975, als man mit der Robbenzählung in Schleswig-Holstein begonnen hat, gibt es jetzt rund fünfmal so viele: Beinahe 8500 Seehunde hat man im vergangenen Sommer erfasst, über ein Viertel davon waren Jungtiere. Da kann man nur gespannt in die Zukunft blicken und abwarten, wie es mit dem Robbenbestand in diesem Jahr weitergeht. Hoffentlich hat keine Trendwende von der positiven Entwicklung der letzten 35 Jahre eingesetzt!

Aktualisierung und Hoffnungsschimmer: Jetzt kommt die Meldung von den Nachrichtenagenturen, dass wenigstens die Zahl der toten Seehunde in Niedersachsen nicht deutlich angestiegen ist. Dort gab es 101 Totfunde – nur unwesentlich mehr als in den Vorjahren. Todesursache seien verschiedene Krankheiten.

Gibt´s bald keine Feldhamster mehr?

Sie ist wirklich alarmierend: die neue Rote Liste gefährdeter Tiere in Deutschland. Von 478 heimischen Wirbeltier-Arten, deren Vorkommen bei uns untersucht wurde, sind 207 Arten – immerhin 42 Prozent!! –  gefährdet und 132 Arten (38 Prozent)  „akut in ihrem Bestand bedroht“.  Zu den analysierten Wirbeltieren gehören Säugetiere, Brutvögel, Kriechtiere, Lurche und Süßwasserfische.

FeldhamsterMan muss sich das mal vorstellen: Der Feldhamster ist laut dieser Liste bei uns vom Aussterben bedroht! Das heißt, er ist aus der Kategorie „stark gefährdet“ noch einmal weiter nach oben gerückt, sozusagen in Alarmstufe eins. Früher kamen diese Tiere fast so häufig vor wie Mäuse. Heute gibt es für die niedlichen Nagetiere so gut wie keinen geeigneten Lebensraum mehr bei uns: An den Äckern sind die – früher üblichen – breiten Randstreifen verschwunden.

Kiebitzen oder Seggenrohrsängern ergeht es auch nicht viel besser: Ihr bevorzugter Lebensraum, die sogenannten Feuchtwiesen, verschwinden in Deutschland nach und nach. Schuld daran ist die im Vergleich zu früher intensivere Landwirtschaft, aber auch der Bau von Siedlungen und Straßen trägt seinen unrühmlichen Teil zum Verlust tierischer Lebensräume bei.

Die Rote Liste gefährdeter Wirbeltiere in Deutschland wird alle zehn Jahre aktualisiert. Seit dem letzten Mal hat sich zumindest für einige Arten etwas zum Positiven gewendet: Durch die unterschiedlichsten Schutzprogramme hat sich zum Beispiel der Bestand von Seehunden, Fischottern, Bibern, Fledermäusen, Uhus, Weißstörchen und sogar von Seeadlern leicht erholt. Immerhin ein gewisser Trost!

Man muss also nicht machtlos zusehen, wie eine Art nach der anderen ausstirbt. Mit Natur- und Artenschutz lässt sich durchaus etwas erreichen. Doch die entsprechenden Organisationen wie Bund Naturschutz, Naturschutzbund Deutschland oder Landesbund für Vogelschutz müssten dafür auch politisch mehr Unterstützung bekommen als bisher.

"Heuler" zurück im Meer

Ich finde, sie leisten eine tolle Arbeit: die beiden autorisierten Seehundstationen, die sich an der deutschen Nordseeküste um die „Heuler“ kümmern. Seehundbabys, die im Frühjahr geboren und dann von ihren Müttern verlassen werden, über den Sommer hochzupäppeln und dann wieder auszuwildern, erfordert viel Geduld, Zeit, Fachwissen und Liebe zu den Tieren.

Jetzt ist es wieder so weit: Die Seehundstation Friedrichskoog in Schleswig-Holstein hat die ersten
jungen Seehund-Waisen bei ihren Artgenossen ausgesetzt. Fünf Tiere wurden mit
einem Kutter zu einer Sandbank gefahren. Auch in der Station Norden-Norddeich in Niedersachsen werden junge Seehunde für die Rückkher in die freie Natur fit gemacht. Bald werden auch sie ins Wattenmeer gefahren und bei Niedrigwasser freigelassen.

Die Bilanz der Arbeit der Seehundstationen kann sich auch in diesem Jahr sehen lassen: Heuer wurden in Schleswig-Holstein 85 Heuler im Wattenmeer gefunden, 68 von ihnen haben die Mitarbeiter durchgebracht. In Niedersachsen stehen 71 Seehundbabys kurz vor der Auswilderung. Sie haben mittlerweile ein Gewicht von etwa 25 Kilo erreicht und regelmäßig für die Rückführung in ihre angestammte Heimat trainiert.  Sie müssen schließlich wirklich fit sein, denn in der Freiheit lauern  viele Gefahren, mit denen sie nun ohne menschliche Hilfe fertig werden müssen.