Spatz gleichzeitig Gewinner und Verlierer

SpatzneuDer Spatz (hier auf einem Foto von Monika Graf) ist Gewinner, aber gleichzeitig auch Verlierer der diesjährigen „Stunde der Gartenvögel“ des lbv.  Er konnte zwar seinen Spitzenplatz vom Vorjahr verteidigen, trotzdem ist die Anzahl der bei der Aktion gemeldeten Spatzen zurückgegangen. Fast 6500 Tierfreunde haben bei der mittlerweile sechsten Stunde der Gartenvögel in Bayern mitgemacht und 137 000 Vögel aus fast 4463 Gärten und Parks gemeldet. Das sind elf Prozent mehr als beim letzten Mal.

Auch wenn der Haussperling, meist der Einfachheit halber als „Spatz“ bezeichnet, an der Spitze geblieben ist: Bundesweit ist sein Bestand so stark zurückgegangen, dass bei der Zählung sogar lange Zeit die Amsel vor ihm lag und er sich erst gegen Ende der Aktion auf den ersten Platz vorschieben konnte. In München ist der Spatz sogar auf Rang 7 zurückgefallen.

Der Rauch- und Mehlschwalbe geht es auch nicht besser. Denn sogar in Unterfranken, das als Mehlschwalben-Hochburg gilt, wurden weit weniger Exemplare dieser Vögel gesichtet als noch im Vorjahr. Die Verantwortlichen der Aktion bei lbv und NABU haben außerdem erfreut eine Zunahme des Feldsperlings festgestellt, ebenso der Kohl- und Blaumeise.
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Rekord bei der Stunde der Wintervögel

Zum Vogelzählen hatte der Landesbund für Vogelschutz (LBV) am Dreikönigstag aufgerufen, und ich habe versucht, die Aktion auch durch eine Ankündigung hier in meinem Blog zu unterstützen. Ob´s was geholfen hat, weiß ich nicht, aber Tatsache ist: Noch nie haben sich so viele Menschen in einem deutschen Bundesland an einer Vogelzählung beteiligt wie bei dieser Aktion am 6. Januar 2010; 17 679 Bayern (doppelt so viele wie im Vorjahr) zählten 514 836 Vögel.

ErlenzeisigUnd was ist – abgesehen von diesen beeindruckenden Zahlen – dabei herausgekommen? Am meisten hat die Experten vom LBV überrascht, dass in diesem Winter unheimlich viele Erlenzeisige (ein Exemplar dieser Art ist auf nebenstehedem Foto zu sehen) nach Bayern kamen. Mit fast 30 000 Meldungen rückte der Erlenzeisig auf Platz 8 der Liste der „Top Ten“ der bayerischen Wintervögel auf. Man vermutet, dass dieser Vogel bei seinem Zug von Skandinavien nach Südwesten an den unüberwindlichen Alpen sozusagen hängenbleibt.

Und das sind die „Top Ten“ der Wintervögel auf der Häufigkeits-Rangliste: 1.Haussperling, 2.Kohlmeise, 3.Grünfink, 4.Amsel, 5.Feldsperling, 6.Blaumeise, 7.Buchfink, 8.Erlenzeisig, 9.Bergfink, 10.Rotkehlchen. Damit hat der Haussperling die Kohlmeise vom 1. Platz verdrängt. Wahrscheinlich haben mehr Menschen in ländlichen Gebieten an der Zählung teilgenommen; dort kommt der Spatz noch häufiger vor als in der Stadt. Offensichtlich ist für den LBV auch, dass Amseln, Kohl- und Blaumeisen von den vielen alten Bäumen in städtischen Bereichen profitieren. Dagegen kommen Haus- und Feldsperlinge nur noch in kleineren Städten und Dörfern häufig vor, wo es noch Wildkrautfluren, größere Gärten und Bauernhöfe gibt.

Und noch ein Ergebnis hat mich sehr verblüfft: Immer mehr Zugvögel trotzen dem Winter. So wurde bei der Zählung aus Kronach ein Schwarzstorch gemeldet – eine echte Sensation! Schwarzstörche überwintern normalerweise südlich der Sahara. Auch der Star, der früher als typischer Zugvogel galt, wurde oft gemeldet, vor allem aus den Weingebieten in Unterfranken, wo das Klima bekanntlich etwas milder ist. Sogar der Hausrotschwanz, dem früher niemand zutraute, den kalten Winter in Bayern zu überleben, wurde bei der Zählung 338-mal gemeldet. Im südlichen Oberbayern wurde ein Halsbandsittich gesichtet; diese ursprünglich tropischen Vögel haben den Winter bisher nur im warmen Rhein-Main-Gebiet überleben können.

Interessante Ergebnisse – das Zählen hat sich also auf jeden Fall gelohnt!

Spitzenreiter Spatz

Vor ein paar Wochen, wollte ich von meinen Lesern wissen, was bei ihnen so zwitschert. Das hat mancher falsch verstanden, weil er dabei an „twittern“ dachte. Nun twittere ich zwar auch, meist meine ich als Tierfreundin, die ich bin, aber immer noch das Original, wenn ich „zwitschern“ sage oder schreibe.

Was bei Ihnen zwitschert, war also ganz wörtlich zu verstehen und bezog sich auf eine Aktion des Landesbundes für Vogelschutz: Die „Stunde der Gartenvögel“.

Deren Ergebnis liegt nun vor:  Spitzenreiter war auch diesmal wieder der Spatz, dessen Vorkommen – und das ist neu – in ganz Bayern etwas zugenommen hat. Außerdem können Mauersegler, Hausrotschwanz und Buntspecht im Vergleich zum Vorjahr ein leichtes Plus verbuchen. Rotkehlchen und Zaunkönig dagegen sind die Verlierer. Und welcher Vogel von allen ist am meisten verbreitet? – Das ist und bleibt die Amsel, die in 96 Prozent der Gärten vorkommt. An zweiter Stelle liegt die Kohlmeise mit 80 Prozent. Wer sich für das Ergebnis interessiert, kann hier noch mehr dazu erfahren.

Der lbv ist besonders stolz darauf, dass er zu der bundesweiten Aktion die meisten Meldungen beitragen konnte. Dazu kann man nur gratulieren und den vielen Menschen danken, die mitgemacht haben. Ich hoffe, es waren auch ein paar meiner Leser darunter.

Und was zwitschert bei Ihnen?

Wahrscheinlich liegt es am Derbyfieber, an der schleichenden Nervosität, die sich bei mir als leidgeprüftem Greuther-Fürth-Fan seit Tagen breit macht, dass ich diese Aktion des Landesbundes für Vogelschutz halb verpasst habe: Die „Stunde der Gartenvögel“.

Aber es ist noch nicht zu spät: Noch heute den ganzen Tag besteht die Gelegenheit, mitzumachen und dem lbv zu melden, welche Vögel man in seinem Garten sichtet bzw. zwitschern hört. Wer die Aktion noch nicht kennt, mag sie für Humbug halten: Was soll es schon bringen, wenn jeder eine Stunde lang in seinem Garten Augen und Ohren offen hält und anschließend dem lbv mitteilt, was da so herumfleucht? – Mehr, als man im ersten Moment vielleicht glauben würde!

Der lbv betont ausdrücklich, dass nur mithilfe Tausender freiwilliger Vogelzähler eine realistische Einschätzung der Situation unserer Gartenvögel möglich ist.  So hat die Aktion in den vergangenen Jahren schon manche wichtige Erkenntnis über den Vogelbestand gebracht. Es ist sogar ein Schutzprojekt für Sperlinge daraus entstanden. Denn in manchen Gegenden, wie etwa in München, ist ein besorgniserregender Rückgang dieser Vögel zu beobachten, gegen den der lbv etwas tut, z.B. mit Nisthilfen und Futterstellen.

Also: Nehmen Sie sich heute eine Stunde Zeit, lauschen und schauen Sie genau hin in Ihrem Garten. Ich verspreche Ihnen eine spannende, zugleich lehrreiche Unterhaltung. Ganz nebenbei können Sie mithelfen, dass die Spatzen auch in Zukunft noch das eine oder andere von den Dächern pfeifen!