Guter Start ins Tiergarten-Jahr

Das Jahr im Nürnberger Tiergarten geht gut los: Am 13. Januar kamen dort erstmals seit neun Jahren wieder Mähnenwolf-Babys zur Welt. Die Besucher konnten sie allerdings bisher nicht sehen, denn während der ersten Lebenswochen hat sich der Nachwuchs noch meist im Stall aufgehalten. Seit einiger Zeit trägt die Mutter aber immer wieder ihre Babys raus an die frische Luft. Der Vater hilfte bei Mähnenwölfen übrigens vorbildlich bei der Aufzucht mit. Vor einigen Tagen lernten die beiden Jungtiere, aus eigener Kraft zu laufen. Ihre Eltern sind „Chaco“, der aus dem polnischen Zoo Gdansk (Danzig) nach Nürnberg kam, und „Mesue“, die aus dem tschechischen Zoo Hodonin stammt. Ob der Nachwuchs männlich oder weiblich ist, weiß man noch nicht.

In freier Wildbahn wurden Mähnenwölfe  von der Weltnaturschutzunion (IUCN) als „gefährdet“ eingestuft. Sie ernähren sich sowohl von Pflanzen als auch von Tieren: Auf ihrem Speiseplan stehen beispielsweise Meerschweinchen und Mäuse, Wurzeln, viele Früchte und vor allem der Wolfsapfel, eine Kartoffelart, die in den Pampas wächst.

Auf zum Eiersammeln!

In diesen Tagen bekommen Biologen auf den Galápagos-Inseln wieder jede Menge Arbeit: Sie sammeln die Eier der berühmten Riesenschildkröten ein und bringen sie in Brutkästen. Diese Maßnahme dient dazu, die Schildkröten vor dem Aussterben zu bewahren. Denn Ratten, verwilderte Hunde, Schweine und andere Tiere, die einst zusammen mit menschlichen Siedlern auf die Inseln kamen, gefährden die Riesenschildkröten in ihrem natürlichen Lebensraum. Sie fressen mit Vorliebe Eier und Jungtiere aller Art.

Die Wissenschaftler hoffen, im Galápagos-Nationalpark, der mehrere Inseln umfasst, ungefähr 300 Schildkröteneier einsammeln zu können. Seit 1965 sind immerhin mehr als 5000 Riesenschildkröten geschlüpft. Dies stuft das Umweltministerium in Ecuador als Erfolg für das Brutprogramm auf der Insel Santa Cruz ein.

Bis die Schildkröten schlüpfen, dauert es etwa 60 Tage. In freier Wildbahn graben die Tiere eine Grube, die bis zu 40 Zentimeter tief sein kann, um dort ihre Eier abzulegen. Dann schützen die Schildkröten die Eier mit einer Paste aus Urin und Exkrementen. Mittlerweile haben Studien ergeben, dass die Temperatur im Nest das Geschlecht bestimmt: Bei 29,5 Grad schlüpfen Weibchen, bei 28 Grad Männchen.

Was Ameisenbären mit Fußball zu tun haben

Das ist eine Geschichte, die mir als Tierfreundin und Fußball-Fan von A bis Z gefällt: Im Bergzoo Halle wurde jetzt der im vergangenen November geborene Ameisenbär auf den Namen Eusébio getauft. Auf dem Foto sieht man, wie sich der Kleine gerade im Fell seiner Mama Stella festkrallt. Er bringt inzwischen etwa vier Kilo auf die Waage. Für die Zoobesucher ist er im Augenblick allerdings nur per Videokamera auf einem Bildschirm zu sehen. Im Frühjahr wollen ihn die Tierpfleger dann auf die Freianlage lassen, auf der man derzeit Eusébios Papa Pépe beobachten kann. Der sachsen-anhaltinische Zoo hatte einen Aufruf gestartet und um Namensvorschläge für das lustige Tierbaby gebeten. Die Zucht der Ameisenbären im Bergzoo Halle klappt sehr gut. In den letzten Jahren haben dort Alice, Bonito, Cara und Dolores das Licht der Welt erblickt – alles Nachwuchs von Stella.

Nun war also ein Name gesucht, der mit dem Buchstaben E beginnt. Da lag Eusébio als Reminiszenz an den weltberühmten portugiesischen Fußballspieler nahe, der vor ein paar Wochen, am 5. Januar, gestorben ist. Eusébio, der 1942 im heutigen Maputo (damals portugiesische Kolonie) geborene Starfußballer, war Torschützenkönig der Fußball-WM von 1966 – eine echte Fußball-Legende, ähnlich wie der Brasilianer Pelé. Wegen seiner katzenartigen Bewegungen auf dem Spielfeld hatte Eusébio den Spitznamen Schwarzer Panther verpasst bekommen. Diese Raubkatzen gehören zwar nicht zu den Verwandten der Ameisenbären, aber ich bin sicher: Hätte Eusébio den kleinen Ameistenbären in Halle kennengelernt, hätte er sich bestimmt gern als Namensgeber zur Verfügung gestellt.

Bei der Ameisenfamilie in Halle handelt es sich um Große Ameisenbären, Tiere, die als „gefährdet“ gelistet sind. In freier Wildbahn leben sie in Mittel- und Südamerika. Sie sind mit den Faultieren verwandt; ihre rüsselartige Schnauze erinnert mich ein wenig an Tapire. Bei ihrer Ernährung haben sich Ameisenbären – der Name weist schon darauf hin – auf Insekten spezialisiert, hauptsächlich auf Ameisen und Termiten. Von diesen Tieren verdrücken sie pro Tag eine imposante Menge: bis zu 35 000 Stück.

Nur die Kälte kann hier helfen!

Und jetzt auch noch das: Nutrias machen deutschen Bibern das Leben schwer! Früher mal, da gab es nur tote Nutrias bei uns – nämlich in Form von Pelzen. (Ich weiß auch nicht warum, aber das Thema Pelz verfolgt mich regelrecht in diesem neuen Jahr.) Dann führte man die aus Südamerika stammenden Pelztiere zur Zucht nach Deutschland ein. Und nun haben wir den Salat! Bei uns haben die auch unter dem Namen Biberratten bekannten Nager im Gegensatz zu ihrer ursprünlichen Heimat nämlich keine natürlichen Feinde. Werden sie dort von Alligatoren verspeist, sobald sie zu vorwitzig werden, können sie sich in unseren Breiten ungehindert vermehren, wenn ihnen nicht der einzige Feind einen Strich durch die Rechnung macht: grimmige Kälte. Und weil dieser Winter einfach nicht richtig kalt werden will, breiten sich die Nutrias lustig weiter aus und entwicklen sich zu gemeinen Futterkonkurrenten für unsere Biber. Sie zerstören auch Uferbefestigungen und setzen so viel Kot ab, dass sie kleinere Gewässer völlig verdrecken. – Und das alles nur, weil manche Leute unbedingt Pelz tragen müssen/mussten!

Doch auch dem deutschen Laubfrosch geht es ans Leder. Hier heißt die künstlich eingeführte Gefahr „Rotwangen-Schmuckschildkröte“. Die gehört eigentlich nach Nordamerika und hat bei uns höchstens in Terrarien was zu suchen. Aber sie ist schon so oft an heimischen Gewässern ausgesetzt worden, dass sich inzwischen eine beeindruckende Population entwickelt hat; nur wenn bei entsprechender Kälte Seen und Teiche zufrieren, wird der Zuwachs eingedämmt. Nun könnte man ja sagen: Ist doch schön, so nett aussehende Schildkröten hätten wir ja sonst bei uns nicht. Aber sie fressen und fressen und fressen – und zwar besonders gern Laich und Kaulquappen. Womit wir wieder bei den eh schon bedrohten Laubfröschen wären.

Über den Kältemangel in diesem Winter dürfte sich auch die asiatische Tigermücke freuen. Vor fünf Jahren hat sie sich zum ersten Mal bei uns niedergelassen, und schon verbreitet sie sich fröhlich immer weiter. Einziger Trost: Unter ihrem Import müssen wenigstens nicht Tiere leiden, sondern diejenigen, die Schuld daran sind, dass das Ungeziefer jetzt bei uns lebt. Denn die asiatische Tigermücke liebt es, zu stechen und Blut zu saugen. Dabei kann sie gefährliche Erreger aufnehmen und dann über ihre Eier weitergeben. Diese Eier sind äußerst widerstandsfähig; viele gelangen über Gewächshauspflanzen von Asien nach Europa. In Deutschland hat die Mücke bisher noch nicht zu gefährlichen Krankheitsübertragungen geführt, in Italien aber gab es schon einen Todesfall. Und was wäre der natürliche Feind dieser Mücke bei uns? Wir ahnen es: wieder die Kälte! Die könnte der Mückenbrut den Garaus machen, doch sie will einfach nicht kommen.

Aber ich bin optimistisch: Spätestens im März, wenn wir sie gar nicht mehr erwarten, wird sie uns rücksichtslos überfallen – und mit uns die Nutrias, die Schmuckschildkröten und die Tigermücken. Das wird ein Fest für Biber und Laubfrösche, die werden´s dann mal so richtig krachen lassen!

So wild sind wilde Meerschweinchen

Meerschweinchen, wie man sie bei uns als Haustier hält, kennt jeder. Manch einer mag die Nase rümpfen und diese Tiere etwas langweilig finden.

Interessanter sind da schon die wilden Verwandten der Hausmeerschweinchen. Sie leben in wunderbaren Landschaften in Südamerika. Dazu hätte ich hier einen interessanten Veranstaltungstipp für alle Blog-Leser im Großraum Nürnberg: Björn Jordan vom Verein der Tiergartenfreunde Nürnberg ist auf den Spuren wilder Meerschweinchen sieben Wochen durch Argentinien, Uruguay und Brasilien gereist. Er hat einen unterhaltsamen Reisebericht zusammengestellt, auf den sich Tierfreunde in Nürnberg jetzt freuen können. Am Donnerstag, 9. Juni, um 19.30 Uhr fasst Jordan seine Eindrücke im Naturkundehaus des Nürnberger Tiergartens zusammen (Eintritt frei).

Die eigentliche Urform der Wildmeerschweinchen kommt in den Anden vor. Björn Jordan hat aber auch andere Verwandte der kleinen Nagetiere vor die Kamera bekommen. So zum Beispiel das Felsenmeerschweinchen, das auf seinem Foto oben zu sehen ist – sogar mit Jungtier; diese Art kann unglaublich gut auf Bäume und Felsen klettern. Oder das Capybara, das größte Nagetier der Welt, das sich perfekt an ein Leben im und am Wasser angepasst hat.

Wer rettet die unentdeckten Arten?

urn:newsml:dpa.com:20090101:101025-11-10297Es ist faszinierend, wie riesig die Artenvielfalt der Tiere  im Regenwald des Amazonas-Gebietes ist. In einem Zeitraum von zehn Jahren haben Forscher dort rund 1200 neue Tier- und Pflanzenarten entdeckt, von deren Existenz vorher niemand etwas geahnt hatte.

Eine dieser Tierarten ist der hier abgebildete, wunderbar gezeichnete und gefärbte Frosch, dem die Experten den Namen „Ranitomeya amazonica“ gegeben haben. Auch ein Papagei mit Glatzkopf gehört zu den neu erforschten Arten. Das Problem ist nur: Der Lebensraum dieser Tiere und Pflanzen, der Regenwald, wird vom Menschen durch Rodung immer weiter zerstört – und das immer schneller. Wissenschaftler vermuten, dass es im Amazonas-Gebiet noch andere bislang unbekannte Arten gibt. Doch durch das Schrumpfen der Regenwaldflächen werden manche dieser Arten aussterben, bevor sie überhaupt entdeckt werden.

Natur- und Tierschützer warnen zwar regelmäßig vor den Auswirkungen der Regenwald-Zerstörung und starten Projekte zur Rettung des Waldes. Doch mehr als der berühmte Tropfen auf den heißen Stein ist das wohl nicht …