Ein Leben ohne Mops…

„Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos“, hat Loriot einmal gesagt. Nach diesem Motto leben immer mehr Menschen – der Mops ist zum Mode-Hund avanciert. Wohl auch deshalb sorgt das Schicksal von Mops-Dame Edda aus Ahlen in diesen Tagen für internationale Schlagzeilen – eine schier unglaubliche Geschichte!

Die etwa eineinhalbjährige Edda wurde gepfändet, weil ihre Besitzer hohe Schulden bei der Stadt haben. Ein Mitarbeiter der Kommune wollte den Hund dann über seinen privaten Ebay-Account für 750 Euro verkaufen: als gesunden Mops inklusive Stammbaum. Auf diesem Weg erfuhr auch Eddas Züchterin, dass die Mops-Dame verhökert werden sollte. Doch die erkannte die Hündin wegen ihrer Augenerkrankung auf dem Foto wieder. Sie hat angeblich dem städtischen Mitarbeiter 500 Euro für Edda geboten, aber der soll 2000 Euro verlangt haben. Gekauft hat den Hund schließlich eine Frau aus der Nähe von Wuppertal. Sie will die Stadt Ahlen jetzt wegen arglistiger Täuschung verklagen, sie möchte auch den Kaufpreis zurück und verlangt eine Kostenerstattung für die Behandlung der Mops-Dame. Denn die Hündin – die von ihrem neuen Frauchen Wilma genannt wird – musste sich mehreren teuren Augen-Operationen unterziehen.

Der Stadtkämmerer von Ahlen sagt laut Medienberichten, dass die Stadt etwas weniger als die auf Ebay angegebenen 750 Euro Verhandlungsbasis für den Hund bekommen habe. Das Geld sei in die Stadtkasse geflossen. Er beharrt außerdem darauf, dass die Pfändung der Mops-Dame völlig legal gewesen sei. Die Stadt Ahlen hat ihrerseits eine Versicherung und einen Anwalt eingeschaltet, die prüfen sollen, ob das Tier zum Zeitpunkt des Verkaufs krank war und ob Regressansprüche bestehen. Auch der Frage, ob Edda zu einem günstigeren Preis hätte behandelt werden können, geht die Kommune nach.

Meiner Meinung nach völlig zu Recht lehnen Tierschützer den Handel mit Tieren über Internet-Plattformen ab, weil auf diese Weise Lebewesen zu Waren degradiert werden. Was die Pfändung von Edda angeht, sind Juristen der Ansicht, dass so etwas bei wertvollen Tieren rechtlich zwar möglich sei. Doch in diesem Fall habe die Stadt Ahlen unverhältnismäßig gehandelt, weil es um einen Hund gehe, der einer Familie mit Kinder gehöre. Ich denke auch, dass in diesem Fall mit Kanonen auf Spatzen geschossen wurde.

Demenz: Auch Tiere kann es treffen

Wer bisher dachte, Demenz sei eine Krankheit, die nur Menschen betrifft, der irrt. Auch bei Haustieren steigt mit zunehmendem Alter  das Demenz-Risiko. Besitzer merken das daran, dass ihre Lieblinge oft ein völlig verändertes Verhalten an den Tag legen. So kann es zum Beispiel vorkommen, dass Hunde vertraute Personen nicht mehr erkennen, in die Wohnung machen oder den Weg durchs Treppenhaus nicht mehr finden.

Tierbesitzer, die so etwas bei ihrem Schützling beobachten, sollten mit ihm zum Tierarzt gehen und untersuchen lassen, ob organische Ursachen auszuschließen sind. Das rät jedenfalls der Verein Aktion Tier. Wenn dann ein Verdacht auf Demenz besteht, diagnostizieren Tierärzte in solchen Fällen meist eine kognitive Dysfunktion. Die gleicht im Krankheitsbild und auch im Verlauf der Alzheimer-Krankheit beim Menschen. Dass Katzen betroffen sein können, haben Forscher anhand von charakteristischen Eiweiß-Ablagerungen im Gehirn schon vor einiger Zeit nachgewiesen. Solange das betroffene Tier am Leben ist, kann der Tierarzt die Diagnose nur auf Verdacht stellen, bzw. indem er andere Krankheiten ausschließt. Laut einer Studie des Bundesverbands für Tiergesundheit sind mehr als 20 Prozent der Hunde im Alter von mehr als neun Jahren und 68 Prozent der Hunde über 15 Jahren von Demenz betroffen.

Gegen Demenz bei Hunden und Katzen können durchblutungsfördernde Medikamente zumindest eine Verbesserung bewirken. Wichtig ist außerdem, dem Tier möglichst wenig Veränderungen zumuten. Denn die gewohnte Umgebung und routinierte Tagesabläufe unterstützen Hunde und Katzen dabei, sich zurechtzufinden.

Pro oder kontra Katzensteuer?

Dieses dpa-Foto ist schon über fünf Jahre alt. Aufgenommen wurde es 2011 in Brandenburg. Die Kinder, die das selbstgemalte Schild damals an einer Futterstelle für Vögel aufgestellt haben, haben schon damals auf ein Problem aufmerksam gemacht, was nun in der Diskussion hochkocht: Sind Katzen daran schuld, dass es in öffentlichen Grünanlagen und Gärten immer weniger Singvögel gibt? Jagen Katzen, die als Freigänger draußen unterwegs sind, inzwischen so viele Vögel, dass man von staatlicher Seite einschreiten und eine Katzensteuer erheben sollte? Quasi als Wiedergutmachung für den entstandenen Schaden in der natürlichen Umgebung, zu der eben auch Wildvögel in bestimmter Anzahl gehören?

Natürlich war schon der erste Aufschrei von Katzenbesitzern zu vernehmen, die den Befürwortern einer Katzensteuer wiederum unterstellen, so etwas hätten sich nur Hundebesitzer ausdenken können. Weil die für ihre Vierbeiner auch vom Fiskus zur Kasse gebeten werden und schon lange finden, dass – nach dem Gleichheitsgrundsatz – auch Katzenbesitzer zahlen müssten. Eine Art Neid-Debatte, wie gerade wir in Deutschland sie gern führen. Immerhin gibt es hierzulande nach Schätzungen rund 13 Millionen Katzen. Der Deutsche Tierschutzbund geht davon aus, dass mindestens zwei Millionen davon auf der Straße leben; dazu zählen auch Parks oder Industriebrachen.

Ist also eine Katzensteuer berechtigt? Politiker trauen sich in Wahljahren naturgemäß nicht an ein solch emotionsgeladenes Thema heran. Es könnte sie schließlich eine Menge Wählerstimmen kosten. Andere Interessenvertreter haben solche Ängste nicht. So spricht sich etwa der Deutsche Jagdverband für eine Katzensteuer aus. Mit dem Argument, die zweieinhalb Millionen besitzerlosen und unterernährten Katzen würden die Artenvielfalt gefährden. Katzenbesitzer müssten einfach mehr Verantwortung übernehmen. Wenn eine Kastrations- und Meldepflicht für Katzen – wie sie zum Beispiel die Stadt Paderborn 2008 eingeführt hat und weitere 430 Kommunen in Deutschland so oder ähnlich inzwischen haben – nicht den gewünschten Erfolg bringe, dann müsste eben die Politik mit der Katzensteuer eingreifen.

Der Tierschutzbund fordert wegen der zunehmenden Zahl von Katzen in Tierheimen und auf der Straße längst die bundesweite Kastrationspflicht für Freigängerkatzen aus Privathaushalten. Diese Tiere sind für die explosionsartige Fortpflanzung der Straßenkatzen schließlich mit verantwortlich. Der Tierschutzbund setzt sich deshalb für ein Kastrations-, Kennzeichnungs- und Registrierungsgebot für Freigängerkatzen ein. Der Naturschutzbund Deutschland, Nabu, setzt auf Kastrationspflicht, erteilt aber der Katzensteuer eine Absage. Eine der Hundesteuer ähnliche Katzensteuer hält man dort für politisch und gesellschaftlich nicht durchsetzbar. Dass Katzen besonders junge Vögel jagen, liege in ihrer Natur als Raubtier begründet.

Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ hat das Thema vor kurzem erneut aufs Tapet gebracht – und Katzenfreunde auf die Palme. Klar: Die Sache polarisiert wie wenige andere. In den sozialen Netzwerken schlägt die Diskussion natürlich auch hohe Wellen. – Und wie ist die Meiung der Leser dieses Blogs? Sind Sie für oder gegen die Katzensteuer?

Pro und contra „Barfen“

BarfenQuizfrage: Wer weiß, was „Barfen“ ist und wofür die Abkürung steht? – Also: „Barf“ ist die Abkürzung für „Bones and raw foods“ und bezieht sich auf die Verfütterung von Rohkost an Hunde und Katzen. Klar, mag man denken, das ist ja ganz natürlich und viel besser als Fertigfutter. Doch es gibt auch Gegner, die das „Barfen“ für gefährlich halten.

„Barfen“ ist ein Trend, der – wie könnte es anders sein? – aus den USA nach Europa herüberschwappt. Das Konzept: Futter für Hunde und Katzen sollte möglichst naturnah sein, also zum Beispiel rohes Fleisch und Innereien, aber auch Fell und Knochen, dazu Gemüse und Obst. Nur Schweinefleisch ist „verboten“ (wegen der Gefahr des Befalls mit den für die Tiere tödlichen Aujeszky-Viren). „Barfer“ stellen die Nahrung ihrer Vierbeiner meist selbst zusammen. Längst existieren auch „Barf-Shops“, teils mit Internet-Versand, wobei das Fleisch tiefgefroren geliefert wird. In gut sortieren Futterhäusern sind außerdem fix und fertig zusammengestellte Rationen mit Fleisch, Gemüse und Zusätzen erhältlich.

Ob und was das „Barfen“ für Hunde bringt, ist umstritten. Befürworter glauben, dass es gut ist für Zähne, Fell und Organe ihrer Lieblinge. Die Gegner bezweifeln, ob Haushunde genauso ernährt werden sollten wie ein Wolf. Denn der Verdauungstrakt von Hunden hat sich durch das Leben in menschlicher Obhut verändert. Einige tierärztliche Vereinigungen und Ernährungswissenschaftler raten ebenfalls davon ab, weil es viele Risiken gebe. Zum Beispiel die Übertragung von Krankheiten durch rohes Fleisch – auf Hund und Besitzer. Falsche Dosierung kann außerdem Ursache für Nährstoffmangel sein, deshalb müssen die einzelnen Dinge im richtigen Maß verfüttert werden.

„Barfen“ bedeutet für den Tierhalten auf jeden Fall mehr Aufwand als Fertigfutter. Man muss sich gut informieren und am besten von einem Fachmann berechnen lassen, wie die Rationen zu berechnen sind. Das hängt von Alter, Geschlecht, Haltungsform und Rasse des Tiers ab. Und noch eins muss man abwägen: die Kosten. Fertigfutter ist teuer, aber beim „Barfen“ kommt auch einiges zusammen. Offenbar haben „gebarfte“ Hunde selten Übergewicht. Studien, die belegen, dass diese Tiere gesünder sind als mit Fertigfutter ernährte, gibt es jedenfalls noch nicht. Nur eines ist sicher: „Barfen“ wird immer beliebter. Fachleute schätzen, dass fünf Prozent der Hundebesitzer diesen Weg gewählt haben.

Gemeinsam im letzten Hafen

Katze
Viele Menschen lieben ihr Haustier wie einen Menschen. Manche sogar mehr – vor allem, wenn sie alt sind, allein leben und keine Familie mehr haben. Diese Tierliebe geht bei etlichen Tierhaltern über den Tod hinaus. Was liegt da näher, als sich mit seinem Hund oder seiner Katze begraben zu lassen? Diese Möglichkeit besteht nun erstmals in Deutschland: In Urnengräbern auf speziellen Friedhöfen namens „Unser Hafen“. Im Juni sollen die ersten dafür ausgewiesenen Friedhöfe in Braubach bei Koblenz und in Essen eingeweiht werden; zusätzliche Standorte sind schon im Gespräch.

Haustierhalter, die sich eine gemeinsame letzte Ruhe mit ihrem Tier wünschen,  können zu Lebzeiten für eine Urnenbestattung in ein und demselben Grab mit ihrem Liebling vorsorgen. Wenn ihr Haustier eingeschläfert und danach verbrannt wurde, bewahren heutzutage längst viele Herrchen und Frauchen die Asche  in einer Tierurne auf. Nach dem Tod des Besitzers und dessen Einäscherung  werden dann die Menschen- und die Tierurne streng voneinander getrennt zum Friedhof  „Unser Hafen“ überführt, bevor sie im gemeinsamen Grab bestattet werden.

Kündigt sich da ein neuer Trend an? Durchaus möglich. Bevor sich die gemeinsame Bestattung von Mensch und Tier bei uns etabliert, dürfte es jedoch eine typisch deutsche Debatte über ethische Fragen geben, nach dem Motto: Geht denn das, Mensch und Tier in einem Grab? Ich finde: ja. Liebe kennt bekanntlich keine Grenzen. Warum sollte es bei Tierliebe anders sein?

P.S. Nachdem in einem Kommentar obiges Foto bewundert wurde, möchte ich den Fotografen nicht verschweigen: Es stammt von Patrick Pleul (dpa).

Zum Abreagieren für Hundehasser

Beim Thema Hunde scheiden sich ja bekanntlich die Geister: in Hundehalter, die alles für ihre Schützlinge tun würden, und Hundehasser, die sich entweder über die üblen Hinterlassenschaften der „blöden Köter“ aufregen oder über die bösen Tiere, die Jogger oder – noch schlimmer: Kinder – anfallen. In Nürnberg ist das Thema in den letzten Wochen wieder einmal hochgekocht – soweit dieser Ausdruck in dem Zusammenhang überhaupt möglich ist. 13 000 Hunde produzieren dort pro Jahr 18 000 Tonnen Kot, das hat der städtische Servicebetrieb öffentlicher Raum (Sör) errechnet – macht eine Tagesration von vier bis fünf Tonnen. Und die Hundebesitzer? Die meisten scheren sich offenbar einen Dreck drum und sind kaum bereit, die Häufchen – oder, je nachdem, auch Haufen – aufzusammeln. „Wofür zahle ich schließlich Hundesteuer?“, ist ein Satz, den man oft zu hören bekommt, wenn man einen Hundebesitzer auf das Thema anspricht.

Wer sich darüber so richtig ärgert, der kann bald Luft ablassen. Denn in Deutschland erscheint nach den vielen Zeitschriften für Hundeliebhaber nun die erste für Hundehasser. „Kot & Köter“ heißt das Blatt, das der freie Journalist Wulf Beleites aus Hamburg herausgibt. Der Hundefeind war in den 90er Jahren immer wieder Gast in verschiedenen Talkshows und hat schon vor über 20 Jahren sein Zeitschriften-Projekt angekündigt, das er jetzt realisiert hat. Das Geld für die erste Ausgabe, die in einer Auflage von 1000 Exemplaren erscheint, hat Beleites im Internet bei Unterstützern gesammelt. Möglich wurde das mit Hilfe der Plattform Krautreporter.de. Das Heft kostet 7,80 Euro, und Beleites will jedes Jahr vier Ausgaben in einer Auflage von jeweils 5000 Stück herausbringen. Das neue Printerzeugnis soll am Freitag in Hamburg vorgestellt werden.

Die Autoren haben „eindeutig etwas gegen die Vierbeiner und ihre Halter“, lässt Beleites auf der Internetseite von „Kot und Köter“ wissen. In der ersten Nummer behandelt ein Artikel zum Beispiel die „Kleine Phänomenologie des Nuttenpudels“; er beschreibt die „bedingungslose und schamfreie Allianz zwischen Pudel und Rotlicht“. Das Heft enthält u. a. auch eine Hassschrift über Möpse, was ich persönlich besonders geschmacklos finde. Denn wie sagte  schon Loriot: „Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos!“

Verblöden bald auch Hunde in den USA?

Wenn auch dieser neue Trend – wie die meisten in den USA entstandenen Modeerscheinungen – aus Amerika über den großen Teich nach Europa und weiter bis zu uns schwappt, dann gute Nacht! „Dog TV“, der erste bundesweite Fernsehsender für Hunde, erobert derzeit die Wohnzimmer im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Dort liegen nun nicht mehr nur  Herrchen und Frauchen auf dem XXL-Sofa vor der Glotze, sondern auch ihre liebsten Haus-Genossen (falls dieser Begriff in den Vereinigten Staaten überhaupt noch erlaubt ist und nicht gleich für Panik, einen Polizeieinsatz oder Spionageverdacht sorgt).

Ich sehe sie schon vor mir: Massenweise fette Hunde in Tierarztpraxen und bei Tierpsychologen im Wartezimmer. Die lieben Tierchen werden dann Pillen oder teure Therapien verordnet bekommen – so kann man einen Teil der Volkswirtschaft auch ankurbeln! Die Hersteller von Fernsehgeräten und der Fachhandel werden sich ebenfalls die Hände reiben: Die Idee von Ron Levi, dem Erfinder von „Dog TV“, das rund um die Uhr ausgestrahlt wird, dürfte für einen Aufschwung ihrer Branche sorgen.

Außerdem können alle Hundehalter aufatmen: Sie brauchen nun kein schlechtes Gewissen mehr zu haben, wenn sie ihre Schützlinge stundenlang allein zu Haus lassen. Nein, sie gelten sogar als besonders fürsorglich, wenn sie für ihren besten (vierbeinigen) Freund das passende Format aussuchen: Leidet der Ärmste unter Unruhezuständen, wird ihm „Relaxation“ gut tun, liegt er immer nur faul herum, kann das Programm „Stimulation“ Abhilfe schaffen. Gegen hündische Antriebslosigkeit kommen auch animierte 3D-Bälle und computeranimierte Fledermäuse im „Dog TV“ zum Einsatz.

Die Rot-Grün-Blindheit, unter der Hunde leiden, wurde von den Programmgestaltern angeblich ebenso berücksichtigt wie das empfindliche Gehör der Vierbeiner: Nur Frequenzen, die als angenehm empfunden werden, sollen über den Sender gehen, Lärm und Krach sind dagegen verpönt. Und jetzt der Clou: Amerikanische Tierschützer finden „Dog TV“ offenbar auch klasse. Deren größte Gruppierung, die „Humane Society“ (?!), ist der Meinung, Fernsehen wirke der Vereinsamung von Hunden entgegen. – Tja, so weit kommt´s, wenn man allzu Menschliches auf Tiere projiziert!

Irans "arme Hunde"

Es ist unglaublich, welch seltsame Blüten ideologischer Fanatismus  und religiöse Eiferei mitunter treiben können. Das kann man derzeit zum Beispiel im Iran beobachten. Dort hat der Kampf der Behörden gegen jede Form von westlichem Lebensstil mittlerweile völlig skurrile Formen erreicht: Im „Gottesstaat“ dürfen Hundebesitzer nicht mit ihren Lieblingen Gassi gehen. Wenn sie trotzdem dabei erwischt werden, drohen dem Herrchen oder Frauchen saftige Geldstrafen und den Hunden manchmal sogar der Tod.

Nach traditionellem islamischen Glauben gelten Hunde als unrein. Deshalb gab es früher im Iran kaum Hunde als Haustiere – allenfalls als Wach-, Hüte- oder Jagdhunde wurden sie geduldet. Doch seit einiger Zeit haben auch die Iraner die Liebe zum treuesten Begleiter des Menschen entdeckt. Für wohlhabende Bürger sind Hunde sogar zum Statussymbol geworden, ähnlich wie Luxuskarossen. Und viele Hundebesitzer haben sich – in diesem Fall muss man meiner Meinung nach sagen: leider! – dem westlichen Vorbild angepasst und statten ihre Lieblinge mit Designer-Hundeklamotten aus, um sie dann durch die Nobelviertel von Teheran spazieren zu führen. Das erzürnt natürlich die konservative Geistlichkeit des Landes. Sie schimpfen über die blinde Nachahmung der dekadenten westlichen Kultur.

Die Regierung hat bereits die Regelung eingeführt, dass Hundehaltung mit Geldstrafen zu ahnden ist. Auch jegliche Werbung für Haustiere in den Medien ist verboten. Und es gibt regelrechte Hunde-Razzien gegen alle, die ihre Hunde öffentlich Gassi führen. Sogar Autos, in denen Hunde sitzen, werden beschlagnahmt. Die Beschlagnahme ist aber eigentlich nur rechtens, wenn Hundehalter gegen Hygienevorschriften verstoßen.

Gegen die Razzien gehen wiederum Tierschützer auf die Barrikaden. Sie vertreten die Auffassung, dass kein Gesetz existiere, das Haltung und Transport von Hunden untersagt. Sie haben auch schon gegen die Massenfestahme von Hunden protestiert, aber keine Reaktion darauf erhalten. Hundebesitzer erzählen, dass bei Razzien Beamte die Tiere verschleppen – an unbekannte Orte, wo man sie dann häufig verhungern lasse. Bisherige Praxis war es, Hundebesitzer zu einer Strafgebühr zu verdonnern und sie zu dem Versprechen zu verpflichten, nicht mehr gegen die Moral zu verstoßen und Hunde nicht mehr in der Öffentlichkeit auzuführen. Mittlerweile kommt es aber immer wieder vor, dass den Besitzern gesagt wird, ihr Hund werde getötet. Deshalb trauen sich viele Halter nur noch nachts mit ihrem Tier auf die Straße, oder sie führen es in abgelegene Ecken, wo es niemand mitbekommt.

Ist das wirklich Tierliebe?

Der hohe Lebensstandard in Singapur treibt seltsame Blüten: In dem asiatischen Stadtstaat werden Haustiere – allen voran Hunde – immer mehr vermenschlicht. Wellness- und Freizeitangebote für Vierbeiner boomen.

Sehr gut läuft zum Beispiel ein Unternehmen, das sich „Pet Cruise“ nennt. Der Besitzer ist ein ehemaliger Börsenhändler (!), der auf seinem acht Meter langen Katamaran Bootsausflüge für Haustiere anbietet. Meist kommen Hundebesitzer, die ihren Lieblingen etwas Gutes tun wollen, aber auch eine Schildkröte gehörte schon zu den Fahrgästen. Die Tiere werden für etwa 25 Euro (Herrchen und Frauchen zahlen noch einmal den selben Preis) zwei Stunden lang auf dem Meer herumgeschippert. Sogar Schwimmwesten für Hunde liegen bereit, falls das Boot einmal kentern sollte. Für die Hunde stellt die Weite des Wassers wahrscheinlich wirklich eine Abwechslung dar. Denn Gassigehen zwischen den riesigen Wohnblocks in Singapur, wo es kaum Auslauf gibt, macht wahrscheinlich weder den Hunden noch ihren Besitzern so richtig Spaß.

Die Menschen in Singapur sind auf jeden Fall regelrecht verrückt nach Haustieren: Bei 5,3 Millionen Einwohnern gibt es über 250 Zoogeschäfte. Die großen unter ihnen verkaufen nicht nur Haustiere und passendes Zubehör, sondern sie bieten einen Rundum-Service für Hunde mit Unterkunft und Verpflegung. Regelrechte Wellness-Tempel für Hunde machen mittlerweile ein gutes Geschäft, beispielsweise mit Sprudelbädern, in denen die Vierbeiner mal so richtig entspannen können. Bis zu 70 Euro kostet der Spaß – die Besitzer lassen sich nicht lumpen, wenn es um das Wohl ihrer Lieblinge geht.

Manche belegen sogar gemeinsam mit dem Hund Yogakurse. Die waren zuerst in Hongkong und Taiwan Mode, jetzt sind sie der letzte Schrei in Singapur. Mancher Hundebesitzer beruhigt so sein schlechtes Gewissen und will seinen Hund dafür entschädigen, dass er ihn sonst viel zu lang zu Hause allein lässt. Die Tierliebe in Singapur gipfelt darin, dass immer mehr Haustierhalter in der Sonntagsausgabe einer großen Zeitung Nachrufe für ihre verstorbenen Lieblinge veröffentlichen. Es gibt sogar ein eigenes Haustier-Krematorium in einem Vorort von Singapur, wo man Nischen in einer Urnenhalle kaufen kann, um den toten Tieren eine würdige Gedenkstätte zu schaffen.

Ob das alles wirklich etwas mit Tierliebe zu tun hat, sei dahingestellt. Ich fürchte jedenfalls, dass der Trend über kurz oder lang auch bei uns ankommen wird.

Tierischer Karneval

Wer mein Blog schon länger liest, weiß ja, dass ich überhaupt nichts davon halte, wenn Menschen ihre Hunde in Faschingskostüme stecken. Ich glaube einfach nicht, dass sich die Vierbeiner in so alberner Verkleidung wohlfühlen – mal abgesehen davon, dass Teile der Kostüme den Tieren Schaden zufügen können, etwa, wenn sie etwas davon verschlucken.

Aber ob mir das gefällt oder nicht – es gibt Karnevalshochburgen, da gehört es mittlerweile dazu, dass auch Tiere in die Faschingsfeiern einbezogen werden. Ganz besonders hoch her geht es da, wen wundert´s, in Rio de Janeiro. Dort gibt es sogar eine Karnevals-Hundeparade, die an diesem Sonntag stattgefunden hat. Sie führt am weltberühmten Strand von Copacabana entlang. Die Vierbeiner sind prächtig ausstaffiert mit Hüten, Schleifen, Rüschen, Stiefelchen und paillettenbesetzten Kostümen. Manche Hunde sind richtig verkleidet, als Aschenputtel zum Beispiel, aber auch als Pfau oder Maikäfer.

Fünf Millionen Zuschauer soll das Spektakel in diesem Jahr angelockt haben. Für den Tourismus bringt es wahrscheinlich auch einiges. Das Ganze wird von Samba-Rhythmen begleitet, zu denen die Herrchen und Frauchen eifrig mittanzen. Die finden es auch toll, wenn ihren Lieblingen eine Fleischverkostung angeboten wird, zu der alkoholfreies Bier ausgeschenkt wird. Das dürfte so manchem Hund nicht besonders gut bekommen sein. Aber das scheint niemanden groß zu stören. Hauptsache, man amüsiert sich und ist überzeugt davon, dass die Hunde es ebenso genießen wie ihre Besitzer. Ich bezweifle das allerdings nach wie vor – und wundere mich, dass Tierschützer dem Treiben anscheinend tatenlos zuschauen.