Lasst die Finger von Exoten!

So, ich glaube, für den Moment haben die meisten erst einmal genug von allem, was mit dem Bereich Delfine/Lagune zu tun hat. Zumindest mir geht es so. Deshalb: Neue Woche, neues Thema.

Da hat heute der Deutsche Tierschutzbund einen weiteren Anlauf genommen, um das von ihm geforderte Verbot der Haltung von exotischen Tieren in Privathaushalten wieder ins Gespräch zu bringen. In einem Interview mit der Nachrichtenagentur dapd sagte die Referentin für Heimtiere und Artenschutz beim Tierschutzbund, Sandra Giltner: „Wer keinen wissenschaftlichen Grund dafür hat, sollte keine Exoten halten dürfen.“ Anlass für das Gespräch mit dapd war, dass gerade jetzt in der sommerlichen Reisezeit viele Touristen tierische Souvenirs aus dem Urlaub mit nach Hause bringen. Der Zoll beschlagnahmt jedes Jahr Hunderte solcher Mitbringsel.

Nach Ansicht des Deutschen Tierschutzbundes können Privatleute die meisten exotischen Tiere einfach nicht artgerecht  halten. Viele Besitzer wissen nicht einmal, was ihre Schützlinge brauchen, damit zumindest deren Grundbedürfnisse erfüllt werden. So artet die Exotenhaltung bei Privatpersonen häufig in Tierquälerei aus und führt immer wieder sogar zum Tod der armen Viecher; deshalb will der Deutsche Tierschutzbund ein Verbot erreichen – wenn  nicht das der Haltung von Exoten, dann zumindest ein Verbot der Reptilienbörsen, auf denen bei uns diese Tiere ganz legal ver- und gekauft werden dürfen.

Es kann eine Menge passieren, wenn ahnungslose Menschen solche Lebewesen bei sich zu Hause unterbringen. Die Folgen sind oft skurril – Geschichten darüber kann man regelmäßig in der Zeitung lesen oder auch in diesem Blog, zum Beispiel hier (unter dem Stichwort „Teuer“). Manchmal wird es aber richtig lebensgefährlich, etwa wenn Giftschlangen ihre Besitzer beißen. Oder wenn die Tiere ausbüxen bzw. von ihren überforderten Haltern ausgesetzt werden. Da kann es dann vorkommen, dass ahnungslose Spaziergänger giftigen Reptilien wie Schnappschildkröten in einem Teich begegnen. Das endet dann höchstwahrscheinlich böse, denn Schnappschildkröten beißen äußerst kräftig zu: einen Besenstiel  knacken sie beispielsweise mühelos.

 

Soll man Tierbörsen verbieten?

An diesem Wochenende findet wieder die weltweit größte Reptilienmesse statt: die Terraristika im nordrheinwestfälischen Hamm. Im Vorfeld ist erneut ein Streit darüber entbrannt, ob man Tierbörsen nicht lieber verbieten sollte. Das fordern jedenfalls Tierschützer wie der Deutsche Tierschutzbund und Pro Wildlife.

Die Tierschützer kritisieren, dass bisher geltende Verordnungen für solche Tiermärkte nicht streng genug seien. Weil es fast nur Soll-Bestimmungen gebe, hätten die Veterinärbehörden im Ernstfall kaum eine Handhabe einzugreifen. Auf derartigen Börsen werden oft Tiere wie beispielsweise Giftschlangen angeboten. Die Tierschützer verlangen, dass zumindest das verboten werden sollte. Denn die Käufer könnten oft nicht richtig mit solchen Tieren umgehen. Im vergangenen Jahr ist zum Beispiel eine giftige Monokelkobra einem jungen Mann ausgebüxt, der das Tier auf der Terraristika gekauft hatte. Eine aufwändige Suchaktion musste deshalb eingeleitet werden.

Außerdem monieren die Tierschützer, dass auf Tierbörsen immer wieder Wildfänge zum Verkauf angeboten werden, ebenso wie Tiere, die unter Artenschutz stehen. Auch den Vorwurf der Tierquälerei erheben sie: Die Tiere würden meist in viel zu kleinen Boxen aufbewahrt und oft auch nicht artgerecht versorgt – und das nicht selten über Wochen hinweg, weil die Tierhändler von einem Tiermarkt zum nächsten reisen. Der Deutsche Tierschutzbund hat seit langem solche Veranstaltungen im Blick und stellt dabei immer wieder fest, dass der Tierschutz nicht eingehalten wird. Solange es kein Verbot von Tierbörsen gibt, raten die Tierschützer von deren Besuch ab, um diese Form des Tierhandels nicht zu unterstützen.