Wenn Orang-Utans fremdgehen

Bei Menschenaffen menschelt es mitunter ganz schön. Zum Beispiel bei den Orang-Utans im Zoo von Basel. Dort hat Vendel, ein verwegener Orang-Uran-Mann, kurzerhand bei den Paarungsplänen der Zooleitung dazwischengefunkt. Offenbar hat der 18-jährige Menschenaffe mit den unwiderstehlichen Backenwülsten die Orang-Utan-Dame Maja durch ein Gitter hindurch begattet. Dabei war sie doch als „Braut“ für einen anderen vorgesehen! Anscheinend wurde sie bei Vendel schwach, weil er ein sehr dominantes Orang-Männchen ist. Da die Paarung bei Orang-Utans kaum länger als eine Minute dauert, hat wohl niemand im Zoo die Deckung bemerkt. Der Vaterschaftstest (Foto: dpa) ergab jetzt jedenfalls, dass Vendel der Vater des Orang-Babys ist, das Maja im August vergangenen Jahres zur Welt brachte. Die Zooleitung war davon ausgegangen, ein anderer Zoo-Bewohner sei der glückliche Papa, nämlich der 14-jährige Budi.

Und noch ein Zaun – diesmal gegen Wildschweine

Man könnte selbst verrückt werden angesichts von immer neuen verrückten politischen Entscheidungen, die unsere Welt jeden Tag ein bisschen schlechter machen. Auf den einen Größenwahnsinnigen in den USA will ich hier gar nicht weiter eingehen, das besorgt schließlich mein Blogger-Kollege Arndt Peltner regelmäßig in seinem Blog. Doch der Wahnsinn scheint immer näher zu rücken. Jetzt hat er die dänisch-schleswig-holsteinische Grenze erreicht, wo ein Zaum gegen deutsche Wildschweine errichtet wird. Meine Leser haben wahrscheinlich davon gehört oder gelesen. Dieses denkwürdige Bauwerk – 70 Kilometer lang und ungefähr 1,50 Meter hoch – soll die Afrikanische Schweinepest von unserem nördlichen Nachbarland fernhalten. Es ist unglaublich!

Wie naiv müssen Politiker eigentlich sein, die solch einen Schwachsinn veranlassen? Nicht nur, dass es hierzulande bisher keine Fälle dieser Tierseuche gibt. (Vorläufig ist sie noch nicht über Osteuropa hinausgekommen.) Aber anzunehmen, ein Zaun könnte die Erreger abhalten, das ist in meinen Augen der pure Irrsinn. Auch wenn es sich um einen Stahlzaun handelt, der einen halben Meter weit in den Boden hineinreicht, damit es die Wildschweine nicht schaffen, sich darunter durchzuwühlen. Selbst das halte ich für zweifelhaft. So schlau, wie die Schwarzkittel (Foto: dpa) sind, gilt für sie sicher der Grundsatz: Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg.

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Waschbären und Muntjaks dürfen in Zoos bleiben

Auf der Grünen Woche in Berlin gab es ein Treffen von Vertretern des Verbandes der Zoologischen Gärten (VdZ) sowie des Landeszooverbandes Mecklenburg-Vorpommern mit dem Minister für Landwirtschaft und Umwelt von Mecklenburg-Vorpommern, Till Backhaus. Dabei ging es auch um den Umgang mit den invasiven Tierarten in Zoos. Eine EU-Verordnung regelt ja bekanntlich, dass einige gebietsfremde Tierarten nicht mehr gehalten und gezüchtet werden dürfen, zum Beispiel Waschbären (Foto: dpa) und Chinesische Muntjaks. Ich habe das Thema in diesem Blog ja auch schon behandelt, etwa hier oder hier. Minister Backhaus teilt die Auffassung, dass Zoologische Gärten auch diese invasiven Arten weiterhin halten können. Er versprach den Tierparks und Zoos in Mecklenburg-Vorpommern, entsprechende Ausnahmegenehmigungen zu erteilen, wenn die Zoos alle notwendigen Voraussetzungen für die Haltung solcher Tiere erfüllen. Die Zoos müssen also die Haltung der betroffenen Arten nicht auslaufen lassen.

Tiergarten braucht Vogelkäfige für „Silent Forest“

Eine Reihe von deutschen Zoos macht schon mit, jetzt beteiligt sich auch der Nürnberger Tiergarten an der Artenschutzkampagne „Silent Forest“ des Europäischen Zooverbands (EAZA). Der Tiergarten sucht zu diesem Zweck gebrauchte Vogelkäfige. Die Behausungen sollen aufgehängt werden, um ein sichtbares Zeichen für die Kampagne zu setzen, die asiatischen Singvögeln zugute kommt. Von den rund 850 in den Regenwäldern Asiens lebenden Vogelarten stehen viele kurz vor der Ausrottung. Vor allem in Südostasien werden täglich Tausende von Singvögeln gefangen und auf großen Vogelmärkten verkauft. Nicht selten fristen die Tiere ihr Dasein in viel zu kleinen Käfigen – ob als Haustiere oder Teilnehmer an Gesangswettbewerben – und können das nur wenige Tage überleben (Foto: Silent Forest, EAZA).

Durch den breit angelegten Vogelfang sind die meisten Singvogelarten aus den Wäldern verschwunden. Von der Stille, die deswegen dort herrscht, leitet sich der Name „Silent Forest“ ab. Die Kampagne soll die Lage der asiatischen Singvögel in ihrem Lebensraum verbessern, indem sie darüber informiert und Verständnis für die Bedrohung der Vögel weckt. Außerdem wird im Rahmen der Aktion für Artenschutzprojekte gesammelt, um Schulmaterial für die lokale Bevölkerung zu entwickeln. Es werden Zuchtstationen in Asien und in Zoos aufgebaut, die bei der Kampagne mitmachen, auch Forschungs- und Wiederansiedlungsprojekte sind geplant.

Wer gebrauchte – gern auch kaputte – Vogelkäfige abzugeben hat, kann eine Mail an den Zoopädagogen Christian Dienemann schicken, und zwar unter folgender Adresse: zooschule@stadt.nuernberg.de

Schläft der EEP-Koordinator für Eisbären?

Immer wieder fragen sich Besucher im Nürnberger Tiergarten, wann es dort wohl wieder einmal Eisbärenbabys gibt. Schließlich hat der Zoo am Schmausenbuck mit der seit Jahren in Antibes lebenden Flocke und weiterem Nachwuchs von Eisbärin Vera (Gregor und Aleut) auch überregional für Schlagzeilen gesorgt. Derzeit stimmen die Voraussetzungen für kleine Eisbären in Nürnberg allerdings nicht: Es gibt keinen Platz für einen männlichen Eisbären, der Vera decken könnte. Die Zeiten, in denen Eisbärenmama Vera und ihre Tochter Charlotte im Aquapark noch miteinander schmusten wie auf diesem Bild (Foto: Ulrike Reich-Zmarsly), sind leider auch vorbei. Ganz im Gegenteil – die beiden haben sich gezofft und werden deshalb voneinander getrennt gehalten, um Kämpfe mit ernsthaften Verletzungen zu vermeiden. Vera und Charlotte sind daher ziemlich gestresst, was sich immer wieder in Verhaltensauffälligkeiten zeigt, etwa beim ständigen Hin- und Herlaufen an der Trennscheibe zwischen den zwei Gehegen. Eine Situation, wie kein Zoo auf der Welt sie sich wünscht.

Charlotte ist jetzt gut vier Jahre alt und sollte längst aus dem „Hotel Mama“ ausgezogen sein. Doch das ist leichter gesagt als getan: Seit zwei Jahren sucht der im Europäischen Erhaltungszuchtprogramm (EEP) für die Eisbären zuständige Koordinator einen Platz in einem anderen Zoo für Charlotte – bisher ohne Erfolg. Die Nürnberger Zooleitung wird – wie mir Tiergartendirektor Dag Encke im Pressegespräch gesagt hat –  immer wieder vertröstet.

Insider sind der Ansicht, der in Amsterdam sitzende Zuständige kümmere sich wohl mehr um den niederländischen Eisbärennachwuchs (für den er angeblich in Rostock einen Platz besorgt hat) als um Charlotte. Wenn das so stimmt, frage ich mich schon: Ist dieser Koordinator überhaupt der richtige Mann an diesem Platz? Müssten innerhalb des EEP nicht objektive Gesichtspunkte berücksichtigt werden statt persönlicher Interessen? Das sollte doch eigentlich selbstverständlich sein, oder?

Zu Jahresbeginn gleich eine gute Nachricht

Zwar ein bisschen spät – aber besser spät als nie! – wünsche ich meinen Lesern alles Gute für 2019. Ich kann gleich mit einer guten Nachricht zum Start ins neue Jahr aufwarten, nämlich mit einer Erfolgsmeldung in Sachen Artenschutz: Die Kampagne „Zootier des Jahres“ hat im vergangenen Jahr mehr als 50.000 Euro für den Schutz der Scharnierschildkröten erbracht. Geld, das jetzt in zwei Projekte fließt, die sich die Rettung dieser hochbedrohten Gattung zum Ziel gesetzt haben: das Internationale Zentrum für Schildkrötenschutz (IZS) in Münster und das Angkor Centre for Conservation of Biodiversity (ACCB) in Kambodscha. Die Spendengelder werden dazu verwendet, nachhaltige Maßnahmen wie die bevorstehende Auswilderung von Scharnierschildkröten zu finanzieren (Foto: IZS Münster).

Die Zoologische Gesellschaft für Arten- und Populationsschutz e.V. (ZGAP) hatte die Kampagne vor drei Jahren ins Rollen gebracht. Im ACCB steht die Aufzucht von Amboina-Scharnierschildkröten im Vordergrund. Damit die Auswilderung der Schildkröten in einem geschützten Gebiet klappt, kommt eine teure Telemetrie-Ausrüstung zum Einsatz, die mit „Zootier des Jahres“-Spenden angeschafft wurde. Die ausgewilderten Tiere werden mit Sendern ausgestattet, damit man ihren Weg verfolgen kann. So will man mehr über die Lebensräume, die Größe von Territorien und Wanderungsbewegungen dieser Tiere lernen. Denn nur so kann eine Wiederansiedlung auf Dauer funktionieren. weiter lesen

Gutes Jahresende für die Zoopädagogik

Kühe sind lila, Hasen kennt man von Ostern, Fleisch kommt aus der Kühltruhe: Manche Stadtkinder kommen heutzutage nicht mehr mit echten Kühen, Kaninchen oder Schweinen in Berührung und können auch keine Zusammenhänge zwischen Tier-, Pflanzen- und ihrer direkten Umwelt mehr herstellen. Exotische Tiere, denen sie in Zoos  begegnen, finden sie meist spannender. An diesem Punkt kann die Zoopädagogik ansetzen. Denn Kinder, deren Interesse an Tieren erst einmal grundsätzlich geweckt ist, lassen sich leichter für Natur- und Umweltthemen begeistern. Deshalb hat die Zoopädagogik längst neue Aufgaben hinzubekommen, die natürlich mehr Personal, Aufwand und Geld erfordern.

Die Zoopädagogik im Nürnberger Tiergarten kann sich jetzt über eine kräftige finanzielle Unterstützung durch die Manfred-Roth-Stiftung freuen. Dadurch wird es möglich, ein fünftägiges umweltpädagogisches Ferienprogramm zu entwickeln. Es zielt darauf ab, Stadtkindern ihre Umwelt durch tiergestützte Naturbegegnung nahezubringen. Und das funktioniert so: Der Tiergarten lobt für ein Jahr ein Semester-Stipendium für Masterstudenten aus, die ein neues zoopädagogisches Angebot für den Tiergarten entwickeln sollen. In dieses Konzept fließen die Erfahrungen aus der bisherigen zoopädagogischen Arbeit des Tiergartens ein. Am Ende soll ein neues Angebot der Zoopädagogik für Kinder herauskommen. Das Stipendium wird im Januar 2019 als Zuschuss zum Lebensunterhalt eines Masterstudenten ausgeschrieben. Um das alles finanzieren zu können, übergaben Wilhelm Polster, Vorstand der Manfred-Roth-Stiftung, Günther Beckstein und Klaus J. Teichmann, beide Mitglieder des Stiftungsrats der Manfred-Roth-Stiftung, an Tiergartendirektor Dag Encke einen symbolischen Scheck. Als Dank erteilte Zoopädagoge Christian Dienemann ihnen eine Lektion über Vogelspinnen und Bartagamen (Foto: Tiergarten Nürnberg).

Tierversuche: Wann hört das endlich auf?

Das muss einfach jeden Tierfreund auf die sprichwörtliche Palme bringen: die Zahl der Tierversuche, die immer zum Jahresende für das Vorjahr erhoben wird. Demnach wurden 2017 rund 2,8 Millionen Tiere zu diesem Zweck umgebracht respektive „verwendet“, wie es im Behördendeutsch so schön heißt. Am schlimmsten bei dieser grausamen Statistik finde ich die Zahl der für Tierversuche herangezogenen Affen: Waren es im Jahr 2016 mit 2462 auch viel zu viele, so ist diese Zahl 2017 sogar noch weiter angestiegen: auf 3472, also über 1000 mehr! Da kann es einem als Tierfreund schon die Sprache verschlagen. Diese Entwicklung widerspricht auch den Absichtserklärungen von zuständigen Politikern, die immer wieder versprechen, gerade bei den Affen die Zahl der Tierversuche auf ein Minimum zu reduzieren.

Im einzelnen sieht es so aus: Zirka 740.000 Tiere sind in Deutschland im vergangenen Jahr für wissenschaftliche Zwecke getötet worden; über zwei Millionen Tiere wurden darüber hinaus für Tierversuche eingesetzt. Die Hälfte der Tierversuche erfolgte im Bereich der Grundlagenforschung, ein gutes Viertel im Bereich der Medikamentenherstellung oder -überprüfung, 15 Prozent zur unmittelbaren Erforschung von Krankheiten bei Menschen und Tieren. Mit 1,37 Millionen sind Mäuse die am häufigsten von Wissenschaftlern herangezogenen Tiere (Foto: dpa),  es folgen 255.000 Ratten, 240.000 Fische, 3300 Hunde und 718 Katzen. Das geht aus den Zahlen hervor, die die Bundesregierung an die EU-Kommission geschickt hat.

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner hat sich dafür ausgesprochen, die Zahl der Tierversuche kontinuierlich zu senken und auf die Fälle zu beschränken, in denen Experimente an Tieren „unerlässlich“ seien. Ihr Ministerium unterstützt immerhin die Forschung an Alternativen zu Tierversuchen finanziell. Den Grünen ist das längst nicht genug: Sie fordern, eine Strategie zu entwickeln, mit der Tierversuche abgeschafft werden können. – Dem kann ich mich nur anschließen. Es gibt Alternativen – man muss sie aber auch wollen.

Der mit den Nashörnern redet – und der sie rettet

Es gehört zu den interessantesten Revieren des Nürnberger Tiergartens: das weitläufige „Revier 4“. Sein Mittelpunkt ist das Dickhäuterhaus – Kenner des Tiergartens wissen, dass es früher „Elefantenhaus“ hieß, als am Schmausenbuck noch Elefanten gehalten wurden. Im „Revier 4“ leben pflanzenfressende Tiere aus vier verschiedenen Kontinenten: südamerikanische Guanakos, schottische Hochlandrinder, aus Asien stammende Panzernashörner und Hirsche sowie die in Afrika beheimateten Somali-Wildesel und Grévy-Zebras. Die „Stars“ des Reviers sind natürlich die Panzernashörner. Derzeit gibt es im Tiergarten allerdings nur noch die oben abgebildete Nashorndame Sofie (Foto: Tiergarten Nürnberg) und ihren Sohn Sanjay. Sein Vater Ropen lebt bekanntlich seit Herbst vergangenen Jahres nicht mehr.

Jeder Tierpfleger würde wohl gern in einem solchen Revier arbeiten, in Nürnberg hat René Kaiser dieses Glück. Der stellvertretende Revierleiter berichtet am Donnerstag, 13. Dezember, um 19.30 Uhr im Naturkundehaus des Tiergartens über seine Arbeit. Er will die ganz besonderen Ansprüche seiner Schützlinge vorstellen, ebenso wie das tägliche Management und das Spezialtraining mit den Tieren in seinem Revier. Außerdem geht es bei Kaisers Vortrag um die Frage, ob seine „gepanzerten“ Nashörner in Wirklichkeit nicht eher „dünnhäutige Dickhäuter“ sind. (Der Eintritt zum Vortrag ist gratis.)

In freier Wildbahn sind die asiatischen Panzernashörner stark bedroht. Dieses Stichwort bringt mich auf einen anderen Vortrag, den ich letzte Woche im Nürnberger Presseclub besucht habe. Dort war Ralph Koczwara zu Gast. Er ist Gründer der „Hemmersbach Rhino Force“, einer privaten Schutztruppe, die im südlichen Afrika den Kampf um das Überleben der Nashörner gegen Wilderer und deren Geschäfte mit asiatischen Syndikaten aufgenommen hat. (Über das Unheil, das kriminelle Tierhändler und verbrecherische Geschäftsleute aus Asien durch verbotenes Bejagen und Abschlachten von bedrohten Tierarten anrichten, habe ich in diesem Blog ja schon öfter geschrieben, etwa hier oder hier.) Etwa ein Fünftel des jährlichen Gewinns, den Koczwara mit seiner IT-Firma Hemmersbach GmbH & Co. KG macht, fließt in diesen Nashorn-Trupp. Beileibe keine geringe Summe, die Koczwara allerdings nicht veröffentlicht haben möchte. Man kann sich aber vorstellen, dass es sich um viel Geld handelt, wenn man die Firmendaten kennt: rund 3500 Mitarbeiter in 35 Ländern, 700 davon sind in Nürnberg tätig.

Ich werde demnächst über eine zweite Rettungsaktion berichten, die Ralph Koczwara gestartet hat: die Umsiedlung von bedrohten Elefanten in Gebiete, wo sie in Sicherheit leben können.

Tierbilder von Wilhelm Kuhnert

Der eine oder andere meiner Leser hat vor Weihnachten vielleicht ein paar Tage Urlaub – so wie ich selber im Augenblick auch. Jetzt ist ja die ideale Zeit für Städtereisen, die sich gut mit Weihnachtseinkäufen oder dem Besuch von Weihnachtsmärkten verbinden lassen. Oder mit Museumsbesuchen. Wenn es dann noch einen Zusammenhang gibt zwischen einem Museum und dem Thema Tiere, dann nichts wie hin! So etwas gibt es derzeit in der Schirn Kunsthalle in Frankfurt am Main, wo eine Retrospektive des Künstlers Wilhelm Kuhnert zu sehen ist. Die Schau mit 120 Werken heißt „Der König der Tiere. Wilhelm Kuhnert und das Bild von Afrika“ (Foto: epd).

Als einer der ersten europäischen Künstler hat Wilhelm Kuhnert (1865-1926) Expeditionen nach Afrika unternommen, und das gleich vier Mal. Er hat dort Tiere wie zum Beispiel Löwen, Elefanten und Kaffernbüffel in ihrem Lebensraum eingehend studiert und sich Notizen über ihre Verhaltensweisen gemacht. Seine Bilder sind sogar in Naturkundebüchern – etwa in „Brehms Tierleben“ – zu finden; sie zierten auch Schokoladeverpackungen oder Wände von öffentlichen Gebäuden. Trotzdem ist dieser Künstler weitgehend unbekannt – höchste Zeit also, sein Werk kennenzulernen!

Kuhnerts Bilder sind außerdem vor dem Hintergrund der Kolonialgeschichte interessant. Sein Werk hat in Deutschland oder auch den USA die Vorstellung von Afrika als Land mit wilder Natur und ohne menschliche Kultur geprägt. Auf seinen Gemälden sind Inszenierungen wilder Tiere zu sehen. Zu Lebzeiten Kuhnerts galten Darstellungen von Löwen oder Elefanten als Sinnbild der Stärke, Herrschaft und Überlegenheit. Sie waren auch Ausdruck von Sehnsucht nach wilder Freiheit.

Die Ausstellung dauert bis zum 27. Januar 2019. Wer also vor Weihnachten keine Gelegenheit hat, nach Frankfurt zu fahren und sie anzuschauen, dem bleibt nach den Feiertagen noch ausreichend Zeit dazu.