Skandal in Kanada

Ich bin eigentlich ein großer Fan von Kanada und der liberalen, toleranten Politik in diesem Land – gerade im Vergleich zu den USA. Zu den Dingen, die ich in Kanada ablehne, gehört allerdings die kommerzielle Robbenjagd, die nur die Interessen der Industrie befriedigt. In diesem Jahr ist es besonders schlimm: Die Jagdsaison wurde mit Erlaubnis der Regierung Trudeau statt – wie vorgesehen – am 7. April schon vergangene Woche eröffnet. Dabei wäre auch der 7. April schon ein sehr früher Beginn der Jagdsaison gewesen – eigentlich gilt nämlich bis Mitte April ein Jagdverbot. Das Einknicken der Regierung vor dem Kommerz bedeutet also, dass die Jäger wesentlich länger als sonst Jagd auf ausgewachsene Sattelrobben machen.

Der Zeitpunkt Mitte April war bislang so gewählt, damit die Robbenmüter ihre Babys in Ruhe zur Welt bringen und säugen können. Es war eine der ohnehin wenigen Schutzmaßnahmen, die es in Kanada für die Robben gibt. Der vorverlegte Zeitpunkt hat grausame Folgen für die Robbenbabys: Werden ihre Mütter während der Gebär- und Stillphase getötet, verhungern sie jämmerlich. Sie haben allein keinerlei Chance zu überleben. Was da in diesen Tagen passiert, ist also nur als Skandal zu bezeichnen, der unbedingt gestoppt werden muss.

Der International Fund for Animal Welfare (IFAW), von dem ich auch obiges Foto verwendet habe, hat einen internationalen Aufruf gestartet, um die kanadische Regierung zum Umdenken aufzufordern. Ich möchte mich in meinem Blog gerne dieser Aktion anschließen und dafür werben, die Petition zu unterzeichnen.

Tierheim und Welpen brauchen Hilfe!

Jetzt, vor Weihnachten, müssten sich doch nicht nur die Herzen öffnen, sondern auch die Spendenbereitschaft erhöhen: Das Tierheim Nürnberg braucht dringend Hilfe!!!

217 Hundewelpen – unter anderem Rottweiler, Malteser und Chihuahuas -, 48 Zebrafinken und 20 Pantherschildkröten: Das war die traurige Bilanz einer Beschlagnahmung von zwei illegalen Tiertransporten vergangene Woche in Bad Reichenhall. Davon landeten 34 Welpen, alle Zebrafinken und Pantherschildkröten im Tierheim Nürnberg; die Tiere sollten zunächst wieder abgeschoben werden, durften dann aber doch bleiben. Die Schildkröten befinden sich inzwischen in der Reptilienauffangstation München.

Die Tierärzte stellten bei der Untersuchung der Welpen fest, dass die winzigen Hunde erst zwischen vier und acht Wochen alt sind und damit viel zu jung, um von der Mutter weggenommen zu werden. Bei einem Welpen hat ein Schnelltest eine Infektion mit Parvovirose ergeben. Nach den Erfahrungen von früheren Transporten sind weitere Parvovirosefälle wahrscheinlich, außerdem dürften die Tiere alle Darmparasiten haben. Inzwischen ist ein Malteser im Tierheim Nürnberg gestorben, ein American Staffordshire-Terrier befindet sich noch in der Tierklinik. Die anderen Welpen sind im Tierheim auf der Quarantäne-Station (Foto) und werden von Tierärzten geimpft, regelmäßig untersucht und behandelt.

Die Tiere sind vom Veterinäramt Bad Reichenhall beschlagnahmt und werden im Augenblick nicht vermittelt, es gibt deshalb auch keine Reservierungsmöglichkeit für die Welpen.

Man kann dem Tierheim auf verschiedene Weise helfen: mit Geld, aber auch durch Spenden von Pedigree Pal junior Nassfutter. Es gibt eine Spendenhotline und die Möglichkeit von Charity SMS: Die Nummer der Spendenhotline ist 0900/111 0 116 (5 Euro pro Anruf für das Tierheim, nur aus dem deutschen Festnetz), die Charity-SMS unter dem Kennwort „TIERHEIM“ gehen an die 81190.

Und hier das Spendenkonto: Tierschutzverein Nürnberg-Fürth, IBAN DE55760501010001120752, BIC SSKNDE77XXX.

Bärengalle ist out – und die Bären?

Auf den ersten Blick klingt diese Meldung ja ganz gut: Die Bären-Zucht in Südkorea steht vor dem Aus, weil die Nachfrage nach Bärengalle – seit Jahrtausenden ein wichtiger Bestandteil für Heilmittel in der asiatischen Medizin – sinkt. Da denkt man als Tierfreund doch: Prima, dann ist auch Schluss mit der tierquälerischen Haltung dieser Tiere in viel zu engen Käfigen!

Doch weit gefehlt. Kritische Beobachter befürchten nämlich, dass sich für die Bären (asiatische Schwarzbären, auf dem Foto ist ein Tier in Freiheit zu sehen) kaum etwas verbessern wird. Und das, obwohl die südkoreanische Regierung einen Haufen Geld für Anti-Zucht-Kampagnen ausgeben will, um die Bärengallen-Industrie zu beenden. Sie reagiert damit auf die internationalen Proteste gegen die grausame Bärenhaltung. Den Züchtern wurden 900 Euro pro Bär in Aussicht gestellt, wenn sie ihre Tiere sterilisieren lassen, 1000 Euro, wenn sie sie schlachten.

Seit einiger Zeit glauben die Kunden nicht mehr so recht an die Wirksamkeit der Bärengalle, die zum Beispiel bei Abszessen, Hämorrhoiden und Epilepsie helfen soll. Obendrein wird die Bärengalle seit einigen Jahren anderswo, etwa in China oder Vietnam, preisgünstiger angeboten. Deshalb haben die südkoreanischen Bärenfarmer Probleme, sie noch loszukriegen. Wenn sie aber nicht mehr viel einnehmen, können sie das Futter für ihre Tiere nicht bezahlen oder müssen sich verschulden. Aus diesem Grund hat sich die Regierung bereiterklärt, das Futter für die Bären mit rund 270 Euro pro Jahr subventionieren. Das reicht den Tierhaltern allerdings nicht – sie kündigen bereits öffentlichkeitswirksame Proteste vor dem Regierungsgebäude an: mit Bären, die in Käfigen auf engstem Raum zusammengepfercht sind und deshalb womöglich aufeinander losgehen. – Hoffentlich kommt es nicht so weit!

In Nürnberg leben keine Delfine aus Taiji

Ich habe es befürchtet und deshalb letzte Woche keinen Blog-Beitrag über Taiji geschrieben, wo wieder das alljährliche grausame Delfin-Abschlachten stattfand. In der Online-Ausgabe der NZ wurden in Kommentaren zum dort veröffentlichen Artikel über Taji die irrwitzigsten Beziehungen zu den Delfinen im Nürnberger Tiergarten hergestellt. Das ist  eine der großen Gefahren des Internets: Jeder kann jeden Mist veröffentlichen.

Einer der Kommentatoren (@Redaktion), der nicht diesen unsäglichen Schreibern zuzuordnen ist, hat angeregt, dass Journalisten der Frage nachgehen sollten, woher die Delfine in Nürnberg stammen. Ich habe zwar immer wieder in Artikeln in der Printausgabe der NZ und auch hier im Blog geschrieben, woher die Tiergarten-Delfine kommen. Daraus müsste man eigentlich schließen können, dass der Nürnberger Tiergarten und Taiji nichts, aber auch gar nichts, miteinander zu tun haben. Es stimmt: Die schönsten der in Taiji gefangenen Tümmler werden an Delfinarien verkauft, jedoch ausschließlich in Japan, China und vereinzelt an die Türkei. In keinem einzigen europäischen Zoo, der mit Großen Tümmlern am Erhaltungszuchtprogramm EEP beteiligt ist, werden Tiere aus Taiji gekauft, und kein Zoo der Welt wird in den Zoo-Weltverband aufgenommen, wenn er ein Tier von dort halten würde.

Mir liegt die Liste aller Großen Tümmler vor, die in der Delfinlagune des Nürnberger Tiergartens leben und lebten. Für jedes einzelne Tier ist die Herkunft genau nachgewiesen (das ist auch in jedem anderen Zoo so). Die Großen Tümmler, die direkt nach der Eröffnung des alten Delfinariums im Tiergarten und in den folgenden 1970er Jahren hier gehalten wurden, waren noch Wildfänge. Das hat auch noch nie jemand abzustreiten versucht. Diese Tiere stammten aber nie aus Taji, sondern aus den Küstengewässern Floridas und kamen über andere Delfinarien (vor allem Duisburg und Nerja/Spanien) hierher. Darunter waren auch Tiere, die krank gefangen und im Dinnes Memorial Tier-Hospital (Texas) wieder aufgepäppelt worden waren. Und – ganz wichtig: Auch Moby, der Senior der Nürnberger Delfine, ein Wildfang aus Florida, der mittlerweile über 50 Jahre alt ist, lebt seit 1971 in Nürnberg und ist nach wie vor putzmunter.

Bereits in den 80er Jahren gab es Nachzuchten der ehemaligen Wildfänge (darunter Moby), die im Tiergarten geboren wurden. Einige davon starben innerhalb weniger Wochen, andere leben noch heute. Bei Anke und Nynke handelt es sich um Wildfänge aus dem Jahr 1985, die später vom Zoo Münster nach Nürnberg abgegeben wurden. Noah ist 1993 in Nürnberg als Sohn von Eva (Wildfang) und Moby (Wildfang) geboren und lebt noch hier. Naomi (geb. 1998), eine Schwester von Noah, lebt in Harderwijk. Die aus dem Heidepark Soltau stammenden und nach Nürnberg abgegebenen Delfine Sunny, Joker und Arni waren bereits Delfinariums-Geburten und leben teils hier, teils in der Meeres-Delfinlagune Harderwijk. Rocco und Kai sind beide in Harderwijk geboren.

Es gab in Nürnberg – wie in anderen Delfinarien auch – Tot- und Fehlgeburten sowie Jungtiere, die kurze Zeit nach der Geburt gestorben sind. Das passiert aber auch bei anderen Zootieren und wurde nie verheimlicht, sondern immer in der örtlichen Presse veröffentlicht. Es wäre schön, wenn die unsägliche Legendenbildung um die Delfine endlich mal abgeschlossen würde – aber ich fürchte, das werde ich nicht mehr erleben.

 

Hunde aus dem Supermarkt?

Viel Wirbel gibt es derzeit um einen Tier-Supermarkt in Duisburg. Seit kurzem werden dort auch Hunde verkauft, der Welpe zu Preisen zwischen 799 und 899 Euro. Proteste von Tierschützern und eine Demo von Tierschutzaktivisten von PETA vor der Tür sorgte zwar für Medieninteresse, aber mehr auch nicht.

Hunde aus dem Laden – das gab es bisher in Deutschland noch nie. Üblicherweise geht man hierzulande zum Züchter, wenn man sich einen „Freund fürs Leben“ anschaffen will. Dort kann man sich darauf verlassen, dass mit dem Tier alles stimmt. Der Züchter wiederum verwickelt den Interessenten in ausführliche Gespräche, um sicherzustellen, dass das Hundebaby auch zu einem guten Halter kommt. Zweite Möglichkeit: Man holt sich einen Hund aus dem Tierheim – oft, weil man Mitleid hat mit den Vierbeinern, die dort eng auf eng untergebracht sind, Herrchen oder Frauchen verloren oder schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht haben. Auch im Tierheim legt man viel Wert darauf, den künftigen Hundebesitzer auf Herz und Nieren zu prüfen, damit das Tier nicht vom Regen in die Traufe gerät.

Der wichtigste deutsche Tierhändlerverband ZZF hat es sich zumindest auf die Fahnen geschrieben, Hunde nicht wie Waren im Laden zu präsentieren. Man will vermeiden, dass Leute beim Einkaufsbummel – womöglich zusammen mit ihren Kindern –  einen süßen Welpen entdecken, den sie dann unbedingt haben wollen, für den aber schnell das Interesse erlischt, sobald der Neuigkeitswert dahin ist – ähnlich wie bei einem alten Spielzeug. Außerdem glauben die Tierhändler, ein Kaufhaus sei nicht der richtige Ort für einen jungen Hund, an dem er aufwachsen sollte, die Umgebung könne ihm vielmehr in seiner Entwicklung schaden. – Allerdings muss man sagen, dass es auch unter Hundezüchtern schwarze Schafe gibt, bei denen längst nicht alles so läuft wie oben beschrieben.

Der Duisburger Tiersupermarkt-Betreiber ist nicht mehr Mitglied beim ZZF und hält die Vorwürfe, die gegen ihn erhoben werden, für falsch. So hat er zum Beispiel vorgeführt, wie gut die Hundebabys es bei ihm hätten: Er hält sie in 35 Quadratmeter großen Boxen (das ist doppel so viel wie die gesetzlich vorgeschriebene Fläche). Er beschäftige außerdem Tierärzte und habe ausreichend Personal, um die Welpen den ganzen Tag zu betreuen. Seine Kunden lasse er auch ausführlich über die Bedingungen befragen, in denen sie leben, um eine gute Haltung für die Tiere zu sichern. Der Händler garantiert den Käufern sogar das Recht, die Hunde innerhalb eines Monats zurückzubringen, wenn sie einen Fehlkauf getätigt haben – es gibt allerdings nur die Hälfte des Kaufpreises zurück.

Hunde aus dem Supermarkt – ja oder nein? Ihre/Eure Meinung dazu würde mich interessieren.

 

 

Lasst die Finger von Exoten!

So, ich glaube, für den Moment haben die meisten erst einmal genug von allem, was mit dem Bereich Delfine/Lagune zu tun hat. Zumindest mir geht es so. Deshalb: Neue Woche, neues Thema.

Da hat heute der Deutsche Tierschutzbund einen weiteren Anlauf genommen, um das von ihm geforderte Verbot der Haltung von exotischen Tieren in Privathaushalten wieder ins Gespräch zu bringen. In einem Interview mit der Nachrichtenagentur dapd sagte die Referentin für Heimtiere und Artenschutz beim Tierschutzbund, Sandra Giltner: „Wer keinen wissenschaftlichen Grund dafür hat, sollte keine Exoten halten dürfen.“ Anlass für das Gespräch mit dapd war, dass gerade jetzt in der sommerlichen Reisezeit viele Touristen tierische Souvenirs aus dem Urlaub mit nach Hause bringen. Der Zoll beschlagnahmt jedes Jahr Hunderte solcher Mitbringsel.

Nach Ansicht des Deutschen Tierschutzbundes können Privatleute die meisten exotischen Tiere einfach nicht artgerecht  halten. Viele Besitzer wissen nicht einmal, was ihre Schützlinge brauchen, damit zumindest deren Grundbedürfnisse erfüllt werden. So artet die Exotenhaltung bei Privatpersonen häufig in Tierquälerei aus und führt immer wieder sogar zum Tod der armen Viecher; deshalb will der Deutsche Tierschutzbund ein Verbot erreichen – wenn  nicht das der Haltung von Exoten, dann zumindest ein Verbot der Reptilienbörsen, auf denen bei uns diese Tiere ganz legal ver- und gekauft werden dürfen.

Es kann eine Menge passieren, wenn ahnungslose Menschen solche Lebewesen bei sich zu Hause unterbringen. Die Folgen sind oft skurril – Geschichten darüber kann man regelmäßig in der Zeitung lesen oder auch in diesem Blog, zum Beispiel hier (unter dem Stichwort „Teuer“). Manchmal wird es aber richtig lebensgefährlich, etwa wenn Giftschlangen ihre Besitzer beißen. Oder wenn die Tiere ausbüxen bzw. von ihren überforderten Haltern ausgesetzt werden. Da kann es dann vorkommen, dass ahnungslose Spaziergänger giftigen Reptilien wie Schnappschildkröten in einem Teich begegnen. Das endet dann höchstwahrscheinlich böse, denn Schnappschildkröten beißen äußerst kräftig zu: einen Besenstiel  knacken sie beispielsweise mühelos.

 

Hamsterkäufe von Koi-Karpfen

Die Reaktorkatastrophe von Fukushima hat Auswirkungen, auf die man zunächst nicht einmal im Traum käme: Sie hat mittlerweile zu Hamsterkäufen von japanischen Koi-Karpfen bei uns in Deutschland geführt.

Gartenteichbesitzer, die Koi-Karpfen halten, sorgen sich nämlich, dass die besonders schönen, kräftig gefärbten Fische aus Japan künftig verstrahlt sein könnten. Viele dieser Tiere stammen aus speziellen Farmen in der Nähe von Niigata. Das liegt ungefähr 200 Kilometer entfernt von Fukushima. Aber derzeit kann niemand einschätzen, wie schnell sich verstrahltes Wasser über diese Distanz verbreitet und die gr0ßen Koi-Züchter in Japan erreicht.

Aus Angst, dass die Koi aus Japan im nächsten Jahr verstrahlt sind, haben auch verschiedene deutsche Koi-Händler, die ihre Karpfenbestellung für dieses Jahr eigentlich schon abgeschlossen hatten, noch einmal nachbestellt. Die Kunden wiederum ordern jetzt auch schon Koi-Futter auf Vorrat, weil sie verunsichert sind und nicht wissen, wie sich die Verstrahlung in Zukunft entwickelt.

Übrigens: Von amtlicher Seite gibt es in Deutschland bisher noch keinen Grund zur Beunruhigung. An den Flughäfen in Frankfurt und München, wo Maschinen mit Koi-Lieferungen aus Japan landen, haben die Veterinärämter noch keine verstrahlten Karpfen festgestellt.

 

Schöner als Flocke?

Flocke„Schöner als Flocke“: Mit diesem Slogan wird derzeit in einer Kleinanzeige in der Rubrik „Tiermarkt“ der „Nürnberger Zeitung“ geworben. Allerdings nicht für süße kleine Eisbären, sondern für weiße Schäferhund-Welpen, die natürlich reinrassig sind, außerdem gechipt, geimpft, entwurmt etc.

Sind jetzt also alle weißen, knuddeligen Tierbabys Flocke oder Knut? Nur weil die eine Zeitlang die Schlagzeilen in den Medien beherrscht haben? Da darf man direkt gespannt sein, ob sich demnächst auch flauschige weiße Angora-Zwergkaninchen mit Flocke vergleichen lassen müssen. Oder wird es bei denen – in Anspielung auf den den neuesten tierischen Medienstar, das berühmte schielende Opossum im Leipziger Zoo – eher heißen: „Putziger als Heidi“?