Baby-Boom in Hellabrunn

Als ich vor kurzem über den Eisbären-Nachwuchs im Münchner Tierpark Hellabrunn geschrieben und zugegeben habe, dass ich ein wenig neidisch bin, weil wir im Tiergarten Nürnberg auch in diesem Jahr keine Eisbärenbabys haben, da hat der eine oder andere meiner Leser das irgendwie in den falschen Hals bekommen. Doch auch bei der neuesten Meldung aus diesem Münchner Zoo über ein neugeborenes Orang-Utan-Baby muss ich zugeben: Es wäre schon schön, wenn wir in Nürnberg auch so ein niedliches Tierkind hätten! Am Schmausenbuck wurde die Orang-Utan-Haltung allerdings schon vor einigen Jahren eingestellt; dort gibt es jetzt nur noch Gorillas, keine anderen Menschenaffen mehr. Orang-Utans gehören zu den am stärksten bedrohten Affenarten überhaupt, ihre natürliche Heimat ist Indonesien.

Die glückliche Mutter in München ist das schon 38 Jahre alte Sumatra-Orang-Utan-Weibchen namens Matra; ihr Baby hat vor einer Woche das Licht der Welt erblickt. Die Gruppe ist damit auf sieben Tiere angewachsen. Um allen Missverständnissen vorzubeugen: Ich freue mich, dass es in München bei der Nachzucht dieser Menschenfaffenart geklappt hat und dass das Kleine gesund und munter ist. Ich finde es nur schade, dass wir in Nürnberg schon so lange keine Menschenaffen-Babys mehr hatten.

Es ist bereits das fünfte Baby der Affendame in Hellabrunn, sie hat also im Umgang mit Nachwuchs mittlerweile viel Erfahrung. Entsprechend rührend kümmert sie sich um das noch namenlose Junge, das sich Tag und Nacht an seine Mutter klammert. Matra war ihren Pflegern schon vor Wochen wegen ihres extrem dicken Bauches aufgefallen. Dicke Bäuche sind allerdings bei Orang-Utans wegen ihrer rein pflanzlichen Nahrung ganz normal: Die Tiere sind dadurch immer ziemlich aufgebläht.

Warum wir neidisch auf München sind

Neid, Neid, Neid: München hat Eisbärenbays, wir in Nürnberg auch in diesem Jahr wieder nicht. Hier ein Video, das die niedlichen Kleinen mit ihrer Mutter Giovanna im Tierpark Hellabrunn zeigt:  YouTube Preview Image

Im Tiergarten Nürnberg  ist Eisbärin Vera  seit neuestem wieder im Freigehege des Aquaparks zu sehen. Ohne Nachwuchs, aber zusammen mit Felix, demVater ihrer früheren Babys Flocke, Gregor und Aleut. Anfang November hatte sich die Eisbärin in die Felshöhle ihres Geheges zurückgezogen und ihren Pflegern so signalisiert: Ich will meine Ruhe! Sie hat viel Zeit im Stall verbracht, geschlafen und wenig gefressen. Alles Anzeichen dafür, dass sie wieder trächtig ist. Schließlich hatte Eisbärenmann Felix sie im Frühjahr auch gedeckt. Also leitete man Vera in die Wurfhöhle und bereitete ihr ein Lager mit Stroh. Damit sie keinesfalls von außen gestört werden konnte, stopften die Pfleger die Gänge noch mit Stroh aus. Dann betrat kein Mensch mehr die Räume in den Sandsteinfelsen.
Seitdem lieferte die schon bei Veras früheren Würfen installierte Kamera Bilder vom aktuellen Stand in der Höhle; das Material wurde täglich ausgewertet. Doch seit November tat sich – nichts. Eisbärenmütter bringen ihre Jungen in den Wintermonaten zur Welt, bei Vera war das bisher jeweils im Dezember. Erfahrungsgemäß tun sie das immer fast zum gleichen Zeitpunkt. Aber weder im Dezember noch in den ersten Januarwochen rührte sich etwas auf den Aufnahmen: Von Eisbärenbabys weit und breit keine Spur. Stattdessen begann Vera in den letzten Tagen herumzulaufen und interessierte sich wieder für das Futter, das man ihr hinstellte.
Warum es mit dem erhofften Nachwuchs nicht geklappt hat, darüber lässt sich höchstens spekulieren. Hat Vera noch mal eine Babypause gemacht, war die Paarung nicht erfolgreich, hat sie den Embryo irgendwann abgestoßen?
Eisbärinnen können es selbst regeln, ob sich ein befruchtetes Ei einnistet und weiterentwickelt. Da der Embryo zu dem Zeitpunkt, an dem sich die werdenden Mütter eine Wurfhöhle suchen, nicht groß ist, sieht man es den Tieren nicht an, ob sie trächtig sind oder nicht. Die Babys sind auch nach der Geburt winzig. Eine Ultraschall-Untersuchung ist bei Eisbären – im Gegensatz etwa zu Delfinen – nicht möglich. Also tappen Pfleger und Tierärzte so lange im Dunkeln, bis die Babys geboren werden. – Im Tiergarten sind Vera (links) und Felix im Aquapark jetzt wieder beide im Freien zu sehen. Der Schieber zwischen ihren Gehegen ist offen. Wenn sie sich mal nicht vertragen, schließen ihn die Pfleger vorübergehend.

Trauriger Tod eines Elefantenbabys

Es hätte eine Weltpremiere werden sollen – doch daraus wurde nichts: Die Herzoperation, die der kleinen Elefantenkuh Lola aus dem Münchner Tierpark Hellabrunn das Leben retten sollte, fand gar nicht erst statt. Lola starb schon vorher, noch während der Untersuchung im Computertomographen. Und das, obwohl sie zuletzt stabil genug gewirkt hatte, um sie überhaupt einem so schweren Eingriff zu unterziehen. – Der Tierpark Hellabrunn hat in der letzten Zeit kein Glück mit seinen Elefanten: Erst 2010 musste man einen kleinen Elefanten im Alter von nur einem halben Jahr einschläfern, weil er an einer stoffwechselbedingten Knochenerkrankung litt.

Und jetzt geht also ein weiteres trauriges Kapitel für den Zoo der bayerischen Landeshauptstadt zu Ende. Alle hatten gehofft, ein speziell für das Unternehmen Lola gebildetes Team aus Human- und Tiermedizinern könnte das drei Monate alte Elefantenkalb wieder gesund machen. Die zierliche Lola – für die meiner Meinung nach Sissi der passendere Name gewesen wäre – litt seit einiger Zeit unter Kurzatmigkeit und schien immer müde und schlapp zu sein. Zuerst hatten die Tierärzte auf eine Erkältung getippt, aber auch Antibiotika halfen nicht. Nach einer ganzen Reihe von Untersuchungen, die das schwächelnde Elefantenbaby über sich ergehen lassen musste, stellte man die Ursache für seinen schlechten Zustand fest: Lola war mit einem schweren Herzfehler geboren worden.

Nun sollten ihr Herzchirurgen, Kardiologen und Anästhesisten aus der Human- und Tiermedizin im Münchner Klinikum Großhadern helfen. Doch sie verloren den Wettlauf gegen die Zeit: Eine Lungenembolie des Elefantenmädchens machte ihnen einen Strich durch die Rechnung.

Die allertraurigste Aufgabe mussten dann die Zoomitarbeiter erledigen: Sie haben die tote Lola in den Tierpark zurückgebracht, damit sich ihre Mutter und die anderen Tiere aus der Elefantenherde von ihr verabschieden konnten. Das ist bei dem ausgeprägten Sozialgefüge einer Elefantenherde ein wichtiges Ritual, das man den Dickhäutern auch in der Zoohaltung nicht nehmen darf.

 

 

Lola oder Sissi, das ist die Frage

Ach, wie schön sind diese Fotos, die uns aus dem Münchner Tierpark Hellabrunn erreichen! Das Elefantenbaby, das dort Ende Oktober das Licht der Welt erblickte, macht seine ersten Spaziergänge. Da können wir Nürnberger nur vor Neid erblassen. In unserem Tiergarten gibt es bekanntlich keine Elefanten mehr – sehr zum Leidwesen der Besucher. Sie müssen sich mit dem zum „Dickhäuter-Haus“ umfunktionierten Elefantenhaus begnügen, das jetzt komplett den Panzernashörnern gehört. Die sind zwar auch nett, reichen aber in ihrer Beliebtheit nicht an die Rüsseltiere heran.

In München dagegen ist das Publikum entzückt ob des Anblicks der niedlichen kleinen Elefantin, die noch keinen Namen hat. In Begleitung seiner Mutter Panang hat sie jetzt erstmals das Außengehege erkundet. Das zierliche Elefantenmädchen wirkt zwischen den mächtigen Beinen von Panang klein und zerbrechlich. Aber es scheint sich gut zu entwickeln. Mehrmals in der Stunde nimmt es jedenfalls eine Milchmahlzeit zu sich und legt deshalb ganz schön an Gewicht zu: bis zu einem Kilo pro Tag.

Lange wird die Elefanten-Taufe sicher auch nicht mehr auf sich warten lassen: Angeblich soll man in dem Zoo mit dem Namen Lola für den neuesten Dickhäuternachwuchs liebäugeln. Der Elefantenbulle, der im Mai dieses Jahres in München geboren wurde, heißt Ludwig. – Wäre da nicht Sissi passender als Lola?

Wie leben die "vierbeinigen Landschaftspfleger"?

UrwildpferdPrzewalski-Urwildpferde gehören zu den Tierarten, die ohne Zoologische Gärten schon ausgestorben wären. Nur durch gezielte Zuchtprogramme ist es gelungen, diese Tierart zu retten. Auch der Tiergarten Nürnberg hat dabei seit Jahrzehnten mitgeholfen.

Vor sieben Jahren wurde im Naturschutzgebiet Tennenloher Forst das Przewalski-Urwildperd-Projekt gestartet. Mittlerweile besteht die Gruppe von Urwildpferden, die den wertvollen Sandlebensraum im Naturschutzgebiet beweidet, aus acht Hengsten. Sie stammen aus dem Tiergarten Nürnberg und dem Münchner Tierpark Hellabrunn. Das Naturschutzgebiet ist ein beliebtes Ausflugsziel für Spaziergänger und auch im Winter sehr reizvoll.

Wer sich für das Urwildpferd-Projekt interessiert, dem möchte ich einen Vortrag zu diesem Thema ans Herz legen: Am Donnerstag, 9. Dezmber, berichtet Diplombiologin Verena Fröhlich, die Gebietsbetreuerin für den Tennenloher Forst, über die bisherigen Erfahrungen, die man mit dem Projekt gemacht hat. Sie gibt mit vielen Fotos Einblicke in das Leben der „vierbeinigen Landschaftspfleger“. Der Vortrag beginnt um 19.30 Uhr im Naturkundehaus des Tiergartens (der Eintritt ist frei).

Eisbären-Karussell dreht sich

urn:newsml:dpa.com:20090101:100801-99-01867Jetzt dreht es sich wieder, das Eisbären-Karussell in der deutschen Zoolandschaft. Angeschoben haben es der Berliner Zoo und der Münchner Tierpark Hellabrunn: Die Münchner Eisbärin Gianna, die fast ein Jahr lang dem berühmten Eisbären Knut in Berlin Gesellschaft geleistet hat, ist wieder nach München zurückgekehrt. Dort ist die Eisbären-Anlage umgebaut worden.

Damit wurden die Spekulationen vieler Knut-Fans zunichte gemacht, die immer noch gehofft hatten, die beiden Tiere würden ein Paar werden. Da hat es wenig genützt, dass sowohl der Berliner Zoo als auch der Tierpark Hellabrunn immer wieder betont hatten, Knut und Gianna würden sozusagen nur eine vorübergehende Zweckgemeinschaft eingehen. Vor allem die eingefleischten Anhänger von Knut vermenschlichen ihren Liebling und hätten gern Schlagzeilen wie „Knut und Gianna: Die große Eisbären-Liebe“.
weiter lesen

Ein rabenschwarzer Tag

Das ist heute ein rabenschwarzer Tag für die beiden großen Zoos in Bayern, den Tierpark Hellabrunn (München) und den Nürnberger Tiergarten: Zwei Tierbabys sind tot!

loewenbabyBeginnen wir, weil er uns einfach näher ist, mit dem Tiergarten Nürnberg. Von dort wurde heute der Tod des Löwenbabys gemeldet, das erst am 4. Juni geboren worden war und von dem ein paar Tage danach ein Foto an die Öffentlichkeit gelangt war, das ich hier gezeigt habe. Das Kleine ist offenbar schon am 10. Juni gestorben, die Nachricht wurde aber erst heute gemeldet. Der Tiergarten steht vor einem Rätsel: Die Löwenmutter namens Keera hat anscheinend die Aufzucht ihres Jungen einfach abgebrochen. Warum, weiß man derzeit noch nicht.

Auf jeden Fall kann es nicht daran gelegen haben, dass sie unerfahren ist. Denn sie hat im Tiergarten schon zwei gesunde Töchter geboren und aufgezogen. Die beiden leben jetzt in Berlin, wo Keera während des Raubtierhaus-Umbaus im Nürnberger Tiergarten vorübergehend untergebracht war. Ihr allererstes Baby, das ebenfalls in Nürnberg zur Welt kam, hatte Keera allerdings auch schon nicht großgezogen. Es könnte sein, dass Löwenmütter, wenn ihr Wurf nicht größer ist als ein Baby, die Aufzucht als zu aufwändig empfinden und es deshalb gleich sein lassen. Denn in der Natur hat ein einziges Jungtier kaum eine Überlebenschance.
weiter lesen

"Tiere wie wild"

Ab und zu gebe ich in meinem Blog einen Buchtipp, wie zum Beispiel kurz vor Weihnachten den hier oder im Februar, passend zum eisigen Winterwetter, den hier. Da ich zurzeit einige Tage Urlaub habe und das Wetter auch nicht so ist wie erhofft, habe ich mal wieder die Abteilung Tierbücher in meiner privaten Bibliothek durchforstet und zu einem kleinen Band gegriffen, den ich vor Jahren zum Geburtstag geschenkt bekommen habe. Beim Durchblättern hat er mir gleich wieder genauso gut gefallen wie damals, und da er sich um Zootiere dreht, passt er wunderbar in dieses Blog.

Buch„Tiere wie wild“ heißt das Buch (Insel Taschenbuch 1577), und für mich ist die Titelseite mit der Detailansicht eines Zebras ein echter Hingucker. Die Fotos stammen von der Hamburger Fotografin Ille Oelhaf und sind allesamt schwarzweiß – für mich ein ausschlaggebender Grund, warum ich das Büchlein so gerne mag. Ein weiterer ist das Vorwort von Karin Kiwus. Die hat sich nämlich (möglicherweise nur fiktiv, ist aber egal) einer Art Experiment ausgesetzt: Um die Gesellschaft der Menschen zu meiden, die sie nicht mehr ertrug, hat sie sich in einen Zoo zurückgezogen, um mit den Tieren dort zu leben – monatelang. Sie haust nicht in einem Käfig oder Gehege, sondern in einer leerstehenden Wohnung von Tierpflegern. Woche um Woche widmet sie sich den verschiedenen Lebewesen im Zoo und gewinnt dabei Erkenntnisse, die sie so selbst nicht erwartet hätte.

Ich muss sagen: Das ist durchaus eine Anregung für mich! Vielleicht sollte ich gelegentlich beim Tiergarten in Nürnberg vorsprechen und mich nach einer entsprechenden Möglichkeit erkundigen. Es gibt nämlich Tage, an denen ich mir nichts anderes wünsche, als die Menschen um mich herum einfach hinter mir lassen zu können und nur noch Tiere um mich zu scharen. Mich ohne Worte, nur durch Blicke, mit ihnen zu verständigen – ein Traum!
weiter lesen

Wird es eine Sandkastenliebe?

Es wurde ja schon vor ein paar Wochen angekündigt, und ich habe hier auch schon darüber geschrieben. Aber jetzt ist es wirklich so weit: Eisbären-Dame Gianna aus dem Münchner Tierpark Hellabrunn ist als Gefährtin für Eisbär-Mega-Star Knut im Berliner Zoo angekommen.

Zunächst bleiben sie freilich erst mal durch Gitterstäbe voneinander getrennt. Gianna muss sich auch von der Fahrt erholen, die sie aber offenbar gut überstanden hat. Ab nächster Woche sollen die beiden Polarbären dann nach und nach aneinander gewöhnt werden. Dabei will man testen, ob sie sich riechen können – im wahrsten Sinn des Wortes. Denn der Geruchssinn ist bei Eisbären sehr stark ausgeprägt und kann schnell über Zuneigung oder Abneigung zwischen den Bären entscheiden.

Weil in Berlin Fans von Knut schon die erste „große Liebe“ ihres Kult-Objekts wittern, haben die Zoo-Experten vorsorglich noch einmal betont: Mit Sex hat die Beziehung zwischen Knut und Gianna noch gar nichts zu tun. Es könnte sich höchstens eine „Sandkastenliebe“ entwickeln. Schließlich sind beide Bären noch nicht geschlechtsfreif.

Berlin wird Eisbären-Hauptstadt

Den Bären hat Berlin ja bereits im Stadtwappen, Hauptstadt ist es auch schon. Nun aber wird Berlin – zumindest vorübergehend – zur Eisbären-Hauptstadt. Denn nicht nur die Eisbärin Gianna soll von München nach Berlin umziehen und Knuts Gefährtin werden. Nein, auch ihre Artgenossen Yoghi und Lisa aus dem Münchner Tierpark Hellabrunn treten demnächst die Reise nach Berlin an. Denn in München wird die Eisbären-Anlage umgebaut, und während der Bauarbeiten müssen die Tiere in einem anderen Zoo untergebracht werden.

Yoghi und Lisa – sie ist übrigens die Großmutter von Knut (der auf dem nebenstehenden Foto zu sehen ist) – finden für die Bauzeit eine Bleibe im Tierpark Friedrichsfelde im früheren Ostteil Berlins. Dort lebt bereits ein Eisbären-Paar.

Der  Zoologische Garten im früheren Westberlin hat im Augenblick vier erwachsene Eisbären zu bieten: Lars, den Vater von Knut, und drei weibliche Bären. Außerdem natürlich den Publikumsliebling Knut, der nun Gianna als Gefährtin bekommt.

Macht also demnächst summa summarum zehn Eisbären im gesamten Berlin, so viele wie noch niemals zuvor.