Pippi Langstrumpf würde sich freuen

Vor allem die Kinder unter den Zoobesuchern haben sie vermisst – die Totenkopfäffchen im Nürnberger Tiergarten. Ihre Anlage am Giraffenhaus wurde ein gutes Jahr lang umgebaut, und während dieser Zeit waren die Tiere im Ausweichquartier Gut Mittelbüg untergebracht. Aber nun sind sie zurück und wieder an ihrem angestammten Platz zu sehen: entweder im umgestalteten Haus oder auf der Bauminsel gegenüber, wo sie auf den Ästen nach Herzenslust herumklettern. Die meisten Kinder fahren total auf Totenkopfäffchen ab – sie kennen schließlich „Herrn Nilsson“ aus den Pippi Langstrumpf-Büchern und -Filmen. Was wahrscheinlich nur wenige wissen: Die kleinen Primaten werden auch als Saimiri bezeichnet, und auf Englisch heißen die Tiere „squirrel monkeys“, also „Eichhörnchenaffen“. Das kommt wohl daher, dass sie mit ihrem langen Schwanz auf den Ästen balancieren und bei der Fortbewegung an Eichhörnchen erinnern. Ihre ursprüngliche Heimat ist Südamerika. Dort leben sie in ganz unterschiedlich großen Gruppen, bevorzugt im Bereich der Baumwipfel. Der Bestand in freier Wildbahn ist rückläufig, aber sie sind (noch?) nicht als bedroht eingestuft.

Mit der guten Nachricht über die Rückkehr der Totenkopfäffchen wünsche ich allen Lesern ein schönes Osterfest!

Lebenswichtige soziale Netzwerke

Wer sagt denn, soziale Netzwerke existieren erst seit Beginn des digitalen Zeitalters und funktionieren nur über Twitter, Facebook usw. ? Weit gefehlt! Völlig daneben liegt auch, wer annimmt, sie seien vom Menschen erfunden. Nein, es gibt auch verschiedene Tierarten, die schon vor langer Zeit soziale Netzwerke entwickelt haben. Für manche von ihnen ist es sogar lebenswichtig, gut in sozialen Netzwerken eingebunden zu sein. Sind sie es nämlich nicht, kann ihr Überlebenskampf noch viel härter werden, als er es für die meisten Tiere in freier Wildbahn sowieso schon ist.

Ein Beispiel gefällig? – Nehmen wir dafür die neuesten Ergebnisse von Wissenschaftlern der Universität St. Andrews in Schottland her, die sich den sozialen Verbänden bei Totenkopfaffen gewidmet haben. Die Forscher haben vor kurzem herausgefunden, dass diejenigen Gruppenmitglieder am schnellsten an unbekannte Futterquellen herankommen, die am besten sozial vernetzt sind. Für die Versuche arbeiteten die Wissenschaftler mit den „Bossen“ zweier Totenkopfaffen-Gruppen: Die beiden Affen bekamen jeweils ein verschlossenes Gefäß mit Futter präsentiert und wurden dann in unterschiedlichen Methoden trainiert, dieses Behältnis zu öffnen.

Nach der Schulung kehrten die Alpha-Tiere in ihren Affenstaat zurück (frei nach dem „Dschungelbuch“; leider steht unter dem YouTube-Video fälschlicherweise „Affenstall“ statt „Affenstaat“, wie es im Lied heißt, und der Name des Affenkönigs ist auch falsch geschrieben, richtig wäre Louie, nicht Lui). Die Forscher konnten genau folgende Abläufe beobachten: Die Gruppenmitglieder, die über die vielfältigsten sozialen Verbindungen verfügen, sind rascher in der Lage, sich die Technik von ihrem Chef abzuschauen und selbst anzueignen, als die Äffchen, die eher Randfiguren im Verbund sind. Und noch etwas stellten die Biologen fest. Etwas, das ich als Aufmunterung für diejenigen unter meinen Lesern betonen möchte, die – wie ich selbst – nicht mehr die Jüngsten sind: Das Alter der Affen spielte bei den Experimenten überhaupt keine Rolle!!! Dieser Aspekt des Studienergebnisses wundert mich allerdings überhaupt nicht. Ähnliches beobachte ich tagtäglich in meiner näheren Umgebung.

Totenkopf-Bande wieder aktiv

Vor ein paar Jahren schon machte die „Totenkopf-Bande“ im Zoo von London von sich reden: Damals klauten dort die Totenkopfäffchen den Zoobesuchern Mobiltelefone, was das Zeug hielt.

Jetzt haben die sonst so beliebten kleinen Affen ihre Vorliebe für Sonnenbrillen entdeckt. Sie scheuen nicht davor zurück, den Besuchern die Brillen direkt vom Kopf zu stibitzen. Auch eine ganze Reihe von teuren Designerbrillen haben sie schon erbeutet.

Den Tierpflegern bleibt nun nichts anderes übrig, als den Tieren das Stehlen irgendwie abzugewöhnen. Dafür haben sie sich ein richtiges Anti-Sonnenbrillen-Training ausgedacht: Sie reiben die Brillen mit einem bitteren Mittel ein. Die Londoner Pfleger sind zuversichtlich, dass sich die Totenkopfäffchen dadurch abschrecken lassen. Wenn die Affen den bitteren Geschmack mit Sonnenbrillen verbinden, werden sie bald kein Interesse mehr an den bisherigen Objekten ihrer Begierde haben. So funktioniert es zumindest in der Theorie. Ob es auch in der Praxis klappt, wird sich zeigen.

Zootiere sind keine Kuscheltiere

TotenkopfäffchenSie sehen so niedlich aus, die kleinen Totenkopfäffchen. Dabei können sie äußerst kräftig zubeißen. Wie schmerzhaft das sein kann, hat auch eine Frau in Magdeburg feststellen müssen. Sie war in ein Freilaufgehege mit Totenkopfäffchen gegangen. Dort sprang ihr eines der Tiere plötzlich auf den Kopf. Die Frau riss vor Schreck die Arme hoch, was wiederum das Äffchen zum Erschrecken brachte. Es reagierte, wie Tiere in Angst- oder Schreckenssituationen oft reagieren: Es biss zu, und zwar in den Finger der Frau.

Die Verletzung war immerhin so schwer, dass die medizinische Versorgung letztlich 5400 Euro kostete. Die Krankenversicherung der Frau verlangte diese Summe vom Betreiber des Zoos zurück. Doch ein Gericht entschied anders: Der Zoo muss nicht zahlen. Denn in dem Gehege standen Schilder, wie sich die Zoobesucher zu verhalten haben, und Schilder mit Warnhinweisen, man solle hastige Bewegungen vermeiden. Das Gericht vertrat die Auffassung, dass die Frau freiwillig das Gehege betreten habe und durch die Schilder über mögliche Gefahren informiert worden sei.

Ich finde die Entscheidung richtig. Die Besucher von Zoos und Tiergärten sind oft zu leichtsinnig und realisieren gar nicht, dass Zootiere eben keine Kuscheltiere sind. So kommt es immer wieder zu Verletzungen oder gar größeren Unfällen, für die die Zoobetreiber nichts können. Manche Leute beachten auch die Abgrenzungen an Tiergehegen nicht und heben sogar ihre Kinder über die Absperrungen, damit die Kleinen die Tiere möglichst ganz aus der Nähe beobachten können. Wehe, dann  passiert etwas! Dann ist natürlich der Zoo schuld. Tierparks können aber nicht überall Verbotsschilder aufstellen. Das sieht erstens hässlich aus und versperrt womöglich die Sicht auf die Tiere und kann zweitens den Spaßfaktor beim Zoobesuch ganz schön nach unten drücken. Eigentlich müsste man bei den Besuchern ja vom gesunden Menschenverstand ausgehen können – doch mit dem ist es oft nicht sehr weit her.

Nein, kein Baby von Herrn Nilsson!

TotenkopfbabyneuTotenkopfäffchen gehören zu den beliebtesten Zootieren überhaupt. Einfach alle finden sie niedlich – ob Groß oder Klein. Noch niedlicher sind die Babys dieser kleinen Affen. Der Nürnberger Tiergarten präsentiert zurzeit eines: Zwei Monate alt, und meist huckepack auf dem Rücken der Mama unterwegs. Unglaublich, dass der oder die Kleine bei den abenteuerlichen Sprüngen seiner Mutter niemals abstürzt. Manchmal macht er/sie sich auch schon zu eigenständigen Erkundungen durch das Gehege auf.

Totenkopfäffchen leben in Verbänden, in denen die Frauen das Sagen haben. Männer sind für sie nur während der Paarungszeit wichtig, sonst bleiben sie lieber unter sich und versorgen gemeinsam den Nachwuchs. In Nürnberg kann man das sehr schön beobachten: Nicht nur die Mutter kümmert sich um das Baby, sondern auch mehrere Tanten kommen ihm zu Hilfe, wenn es aus Unsicherheit mal zu pfeifen beginnt. Die männlichen Totenkopfäffchen im Nürnberger Tiergarten haben sich auf die Insel neben dem Gehege zurückgezogen – oder die Weibchen haben sie dorthin verbannt, ganz wie man es sehen will.
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