Mensch und Wolf – geht das?

Der Wolf war in Deutschland eineinhalb Jahrhunderte praktisch ausgerottet. Heute leben bei uns wieder zwischen 50 und 70 von diesen Tieren – allerdings nicht zur allgemeinen Freude. Immer noch geht die Angst vor dem „bösen Wolf“ um. Umweltschützer, allen voran der WWF, fordern deshalb eine bessere Aufklärung und klare Regelungen in den Bundesländern.

Im Jahr 2000 ließ sich das erste Wolfspaar wieder in Deutschland nieder. Es war von Polen nach Sachsen „eingewandert“ und zog erstmals seit ungefähr 150 Jahren wieder Welpen in Deutschland auf.  Mittlerweile gibt es  in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg Wolfsrudel, in Bayern und Hessen wurden Einzeltiere beobachtet. Und nach einer Studie des Bundesamts für Naturschutz ist bei uns noch Platz für viel mehr Wölfe: Rein rechnerisch kommt das Amt auf 441 Rudel. Lebensraum gäbe es genügend, zum Beispiel in den Mittelgebirgen Süd- und Westdeutschlands, in den Alpen oder auf früheren Truppenübungsplätzen.

Aber das Zusammenleben zwischen Mensch und Wolf klappt nicht immer und überall. Obwohl Wölfe bei uns seit 1990 geschützt sind, werden immer wieder Fälle bekannt, dass ein Tier illegal abgeschossen wurde. Und dann passiert es leider auch, dass Wölfe auf Straßen überfahren werden; darüber habe ich hier auch schon geschrieben.

Umweltschützer verlangen deshalb von allen Bundesländern Managementpläne für das Zusammenleben mit Wölfen. Bislang gibt es so etwas schon in Sachsen, Brandenburg, Bayern und Sachsen-Anhalt. (In Südbrandenburg haben WWF-Mitarbeiter auch das Wolfsfoto aufgenommen, das hier zu sehen ist.)

Die größte Ablehnung der Wölfe kommt von den Nautztierhaltern. Das ist durchaus verständlich, denn schon mehrmals haben Wölfe in den vergangenen Jahren Schafe, Ziegen oder Damwild gerissen. Es gibt aber Möglichkeiten, Weiden entsprechend zu sichern. In Sachsen gibt es dafür besonders gute Beispiele. Dort werden etwa Elektrozäune für Weidetiere von der öffentlichen Hand gefördert. Und den Landwirten werden auch Entschädigungen für Tiere bezahlt, die der Wolf gerissen hat.

In Bayern schwelt dagegen schon seit über einem Jahr ein Konflikt: Almbauern im Mangfallgebirge fordern, dass ein Wolf, der einige Schafe, Rehe und Rotwild gerissen hat und für Abstürze von Kühen verantwortlich sein soll, nicht länger in freier Wildbahn leben darf. Eine Lösung hat man bisher noch nicht gefunden – immerhin steht der Wolf unter strengem Artenschutz.

Die Angst, dass Touristen ausbleiben, wenn bekannt wird, dass sich Wölfe in bestimmten Gebieten ansiedeln, ist offenbar unbegründet. In Ostsachsen haben sich die Tiere sogar zu einer echten Attraktion für Touristen entwickelt.

 

Elefanten werden zu Top-Models

Es ist schier unglaublich, was sich Menschen an Tierspektakeln so alles ausdenken. In Südnepal findet in diesen Tagen ein Schönheitswettbewerb für Elefanten statt.  Er ist Teil eines dreitägigen Elefanten-Festivals, das vom Tourismusministerium organisiert wird und massenweise Schaulustige anlockt. Zu dem Festival gehört nicht nur der Schönheitswettbewerb. Nein – die Dickhäuter müssen auch in sportlichen Wettkämpfen gegeneinander antreten, beispielsweise bei einem großen Elefantenrennen und einem Elefanten-Fußballturnier.

urn:newsml:dpa.com:20090101:101227-99-05708In der Region Sauraha werden etwa 100 Elefanten als Tragetiere für Touristen-Safaris gehalten. Aus diesen Tieren hat man die Teilnehmer für den Wettbewerb ausgesucht. Für die Schönheitskonkurrenz putzen die Besitzer ihre Elefanten nach menschlichem Vorbild heraus. Sie bemalen die Haut der Elefanten mit bunten Farben und verpassen ihnen zum Teil ein regelrechtes „Augen-Makeup“. Oder sie lackieren den Tieren sogar die Fußnägel. Komplett verrückt in meinen Augen!

Da kann man schon von Glück reden, dass wenigstens die Gesundheit der Tiere bei der Bewertung auf dem Laufsteg auch eine Rolle spielt.

Südafrikas Tiere leiden unter der WM

Es ist gekommen, wie es kommen musste: Die wunderbaren Nationalparks in Südafrika werden durch die Fußball-WM von Touristen geradezu überrannt. Das wäre vielleicht noch nicht sooo schlimm, aber leider führen die sich dort in ihrem WM-Taumel auf wie die bekannte Axt im Walde – und die Leidtragenden sind – wer sonst? – die Tiere.

NationalparksDummheit und Unverfrorenheit mancher WM-Touristen scheinen kaum noch steigerungsfähig zu sein, nach dem zu urteilen, was die Parkranger so berichten. Im Krüger-Nationalpark zum Beispiel sind Besucher aus ihrem Auto gestiegen und haben sich direkt vor einem Rudel Löwen fürs Fotoalbum ablichten lassen. Andere wahren, um tolle Tierfotos aus nächster Nähe  zu bekommen, keinerlei Abstand zu den Wildtieren. Die Ranger haben alle Hände voll zu tun, um die Touristen zur Räson zu bringen und in ihre Wagen zurück zu bugsieren. Weil offenbar alle glauben, die Tiere seien zahm wie in einem Streichelzoo, nehmen sie nicht einmal Angriffe der Tiere ernst. So haben sich Fans aus Lateinamerika bei geöffneten Autotüren fotografieren lassen, als ein Elefantenbulle auf das Fahrzeug zustürmte und einen Scheinangriff startete. Die Touristen lachten nur darüber, obwohl sie dem Tod näher waren, als sie es sich jemals hätten träumen lassen.
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Die mit den Wölfen leben

WolfUnsere Welt ist gläsern geworden: Wer an Daten herankommen will, kriegt sie auch: Das Paradies auf Erden für gezielte Kundenwerbung. So flatterte mir dieser Tage eine Karte aus Freyung ins Haus, die mich zu einem Natur-Erlebnis-Wochenende unter dem Motto „Auf den Spuren der Wölfe“ in den Bayerischen Wald locken soll.

Klingt nicht schlecht, muss ich zugeben: Geführte Tour durch das Tierfreigelände mit Besuch des Wolfsgeheges, das ist natürlich für mich der interessanteste Programmpunkt. Und das Schlossfest rund um das Schloss Wolfstein klingt ebenfalls recht vielversprechend. Auch die nicht wolfspezifischen Ausflugsziele treffen genau meinen Geschmack: Besichtigung des weltweit längsten Baumwipfelpfades mit 44 Meter hohem Baumturm. Dort wollte ich schon immer mal hin, seit meine Kollegen in der „Nürnberger Zeitung“ darüber einen Artikel veröffentlicht haben. Schließlich stelle ich mir auch die geführte Wanderung durch die Wildbachklamm „Buchberger Leite“ sehr reizvoll vor, die als eine der beeindruckendsten Schluchtenlandschaften Bayerns angepriesen wird.

Und dass dann obendrein ein gefüllter Rucksack unter dem Motto „Hungrig wie ein Wolf “ zu den „Inklusivleistungen“ gehört – ich muss mich wirklich wundern: Woher kennen die nur alle meine Vorlieben? Ist man im – von uns Mittelfranken oft ein wenig hochnäsig so genannten -Bayerisch Kongo derart vertraut mit den Wölfen, dass sogar die Tourist-Information genau weiß, wie sie unsere Art am einfachsten um den Finger wickelt? Es scheint so: Die mit den Wölfen leben, kennen eben am besten wölfische Stärken und Schwächen.

Vielleicht sollte ich mir ernsthaft überlegen, mein Blog „Achtung, Wolf!“ umzubenennen? Lieber irgendeinen Tarn-Namen suchen? – Aber das ist ja das Problem: Wölfe können sich schlecht verstellen – sonst wären wir womöglich Füchse. Und das wäre dann eine ganz andere Geschichte…

Schweinerei im Alten Schlachthof

urn:newsml:dpa.com:20090101:100427-10-12127Ich habe zwei oder drei Bekannte, die ein und derselben Sammelwut verfallen sind: Sie horten Schweine in ihrer Wohnung. Das sind aber keine Fälle von Tierquälerei – vielmehr beschränken sich die Sammler auf Schweinefiguren, Schweinebilder, Schweinekalender, Schweinebücher etc. pp. Dass Schweine absolut „in“ sind, zeigt sich jetzt auch in Stuttgart:  Am 1. Mai öffnet dort – im Alten Schlachthof, au (Schweine-)Backe! – ein Schweinemuseum.

Nicht weniger als 40 000 Schweine sind auf 600 Quadratmetern Ausstellungsfläche in 25 Themen-Räumen untergebracht. Die Auswahl der Geschichten rund ums Schwein reicht von Kunst bis Kitsch, von Wissenschaft bis Mythos. Die ganze Schweinerei wird in einem wahrhaft schweinewürdigen Ambiente ausgestellt: Der Alte Schlachthof ist ein sehr ansprechendes Jugendstilgebäude.

Die Ausstellungsstücke stammen von der passionierten Sammlerin Erika Wilhelmer, die sie in 25 Jahren zusammengetragen hat. Hier nur ein paar Beispiele: Korkenzieher, Feuerzeuge, Krawattennadeln, Puppen und – die dürfen natürlich auf keinen Fall fehlen – Sparschweine in allen denkbaren Varianten. Erika Wilhelmer ist 70 Jahre alt und fühlt sich in ihrer Sammlung, wie sie selbst sagt, „sauwohl“.

Im Alten Stuttgarter Schlachthof soll nun dem Schwein ein Denkmal gesetzt werden. Erika Wilhelmer hat bereits Erfahrung als Museumsleiterin: 1989 schon hatte sie in Bad Wimpfen bei Heilbronn ihr „Glücksschweinemuseum“ gegründet – doch das platzte inzwischen aus allen Nähten. Die Schweineliebhaberin hat in ganz Deutschland nach einem geeigneten neuen Standort gesucht und stieß in Hamburg, Köln und Dresden auf Interesse. Überall, nicht nur in Stuttgart, wären die Schweine in einen alten Schlachthof gewandert. Die Stadt am Neckar setzt nun mit dem neuen Museum auf eine zusätzliche Touristen-Attraktion.

Wilhelmers ausgefallene „Rotte“ ist bereits als umfangreichste Schweinesammlung im Guinnessbuch der Rekorde verzeichnet. Das größte Exemplar heißt übrigens Annabelle und nimmt die Besucher vor dem Museumseingang in Empfang.

Und hier die Adresse des neuen Schweinemuseums: Alter Schlachthof, Schlachthofstraße 2 in Stuttgart.  Öffnungszeiten: täglich von 11 bis 19.30 Uhr.

Teure Liebe zu Alligatoren

Tierliebe kann zuweilen seltene Blüten treiben. So zum Beispiel im Fall einer Frau, die offenbar Alligatoren über alles liebt. Die Mainzerin hatte in ihrem USA-Urlaub in Florida den präparierten Kopf eines Alligators als Souvenir gekauft und ihn als Postpaket zu sich nach Hause geschickt. Doch dort kam er nie an: Zollbeamte stellten das gute Stück, das immerhin ungefähr einen halben Meter lang war, sicher und beschlagnahmten es.

Hintergrund ist, dass für das artengeschützte Tier keine Einfuhrgenehmigung vorlag. Alligatoren gehören nämlich zu den besonders geschützten Tierarten, und ihre Einfuhr bei uns ist nur mit einer Ausfuhrgenehmigung des Herkunftslandes und einer zusätzlichen Genehmigung der deutschen Behörden erlaubt. Diese Regelung gilt auch, wenn es sich nur um Teile eines Alligators – wie in dem gschilderten Fall den Kopf – handelt.

Die Frau kann sich nun nicht nur nicht über ihr tierisches Souvenir freuen – sie muss obendrein mit einem Bußgeldverfahren wegen Verstoßes gegen das Bundesnaturschutzgesetz rechnen. Dürfte also insgesamt eine ziemlich teure Sache werden!

Dabei hätte die gute Frau für weit weniger Geld echten Spaß mit ihren Lieblingstieren haben können. Nicht einmal in die USA hätte sie dafür fliegen müssen – eine Autofahrt von Rheinland-Pfalz ins benachbarte Bundesland Hessen hätte genügt. Dort gibt es in Ockstadt (Wetterau-Kreis) einen Privatzoo, der sich auf Alligatoren und Kaimane spezialisiert hat. Auf der „Alligator Action Farm“ kann man nicht nur den größten Alligatoren-Verband Europas anschauen, man kann mit den „gators“ richtig was erleben: zum Beispiel zu ihnen ins Gehege gehen und sogar mit ihnen gemeinsam schwimmen.

Zoofachleute mögen diese Art von Zurschaustellung von Tieren und die sensationelle Erlebniswelt, die eine solche Farm vorspiegelt, nicht unbedingt gutheißen. Eine bessere Alternative als der Alligator-Tourismus in die USA ist diese Farm aber allemal – oder was glauben Sie/glaubt Ihr?

Glückliche Meeresschildkröten

Nach meinen letzten Beiträgen hier und hier zur Abwechslung mal wieder eine Tiergeschichte mit glücklichem Ausgang.

In Frankfurt sind aus Eiern einer äußerst seltenen Meeresschildkrötenart fünf Junge geschlüpft. Die Eier hatte eine Urlauberin als Souvenir von den Seychellen illegal mit nach Hause nehmen wollen. Die Frau wurde aber am Frankfurter Flughafen erwischt, die Schildkröteneier wurden beschlagnahmt und in den Frankfurter Zoo gebracht. Dort legte man sie in den Brutkasten.

urn:newsml:dpa.com:20090101:091216-99-04318Nur vier Tage später schlüpften die jungen Karettschildkröten. Sie waren gesund und munter und sind mittlerweile 20 Zentimeter groß und 800 Gramm schwer. Man weiß nicht, wie viele Exemplare dieser bedrohten Art heute noch in freier Natur vorkommen. Die Tiere waren wegen ihres Panzers, aus dem Brillengestelle, Kämme u.ä. hergestellt wurden, beinahe ausgerottet worden. Deshalb beschlossen die Zoofachleute, die kleinen Schildkröten auf die Seychellen, in ihr natürliches Umfeld, zurückzubringen. Man wollte diese seltene Gelegenheit nutzen -normalerweise ist bei solchen Fällen von Schmuggel nämlich der genaue Herkunftsort der Tiere nicht bekannt.

Nun sollen die Schildkrötenkinder an ihrem Heimatstrand, wo die Eier eingesammelt wurden,  wieder freigelassen werden. Sie haben laut den Fachleuten vom Frankfurter Zoo beste Chancen, zu überleben. Für die Transportkosten kommt die Fluggesellschaft Condor auf. Karettschildkröten können übrigens über 70 Kilo schwer und bis zu 100 Jahre alt werden, ihr Panzer kann die Länge von einem Meter erreichen.

3000 Kamele in Australien erschossen

Vor ein paar Wochen hatte ich hier über wilde Kamele geschrieben, die zu Tausenden das Wüstendorf  Docker River im Northern Territory in Australien (etwa 500 Kilometer südwestlich von Alice Springs)  belagern. Damals war man noch ratlos, wie man der Situation Herr werden sollte.

Jetzt gibt es in Sachen Kamele Neues – wenn auch nichts Gutes – aus Down Under zu berichten: Scharfschützen haben bis zu 3000 Kamele erschossen! Man ging dabei  nach einem genauen Plan vor. Zuerst trieben Hubschrauber die Kamele im Tiefflug aus der Ortschaft heraus. Dann schossen die Scharfschützen die Tiere vom Hubschrauber aus ab. Sie hatten offenbar die Anweisung, zuerst auf den Kopf, dann in Herz und Lunge zu schießen. 

Tierschützer zeigten sich alarmiert. Sie sind außerdem empört, dass es verboten war, die Kadaver der Tiere zu filmen. Manche Tierschützer haben in Online-Foren bereits zum Touristenboykott aufgerufen. Die Bewohner der Ortschaft  sind anscheinend etwas verunsichert, was sie von der Erschießung – vor allem so kurz vor Weihnachten! – halten sollen. Und Mitglieder der christlichen Gemeinde verweisen darauf, dass es Kamele waren, die die heiligen drei Könige zum Jesus-Kind nach Bethlehem geführt haben.

Irgendwie kommt mir die ganze Geschichte ziemlich obskur vor – wenn da mal nicht, bildlich gesprochen, mit Kanonen auf Spatzen geschossen wurde!!!

Muss "Robben-Watching" in der Ostsee sein?

RobbeNa, das ist doch mal eine Nachricht aus dem Tierreich, über die man sich wirklich freuen kann: In der Ostsee gibt es wieder  Robben. Infolge der Robbenjagden zu Beginn des vorigen Jahrhunderts kamen die Meeressäuger dort nicht mehr vor. Jetzt jubeln Wissenschaftler, weil erstmals eine Säugetierart, die in der südlichen Ostsee als verschwunden galt, in ihren früheren Lebensraum zurückgekehrt ist. 

Mittlerweile ist der Robben-Bestand in der Ostsee wieder so angewachsen, dass sogar Schiffstouren zu freilebenden Robben im Greifswalder Bodden für Touristen geplant werden.

Ich frage mich schon, ob so ein  „Robben-Watching“ unbedingt sein muss. Klar, man will Touristen damit anlocken. Und angeblich sollen zumindest bei den ersten Ausflugsfahrten Biologen dabei sein, deren Beobachtungen der Forschung nutzen. Aber irgendwie befürchte ich, dass die Wissenschaftler da eine reine Alibi-Funktion haben werden. Warum lässt man die Tiere nicht einfach in Ruhe? Nimmt man nicht zu leichtfertig das Risiko auf sich, dass die Robben weiter hinaus ins offene Meer abziehen – oder womöglich ein weiteres Mal aus der Ostsee verschwinden?