Alles Gute zum Zehnten, Hennes!

Nach dem traurigen Thema meines letzten Beitrags hier mal wieder was zum Schmunzeln. Es geht um den Geißbock Hennes, der in Köln ebenso Kult ist wie Willy Millowitsch oder der Dom. Angeblich reagiert Hennes sogar auf den rheinischen Dialekt seiner Tierpflegerin im Kölner Zoo. Am 10. März wird Hennes VIII. zehn Jahre alt. Auch wenn ich als Greuther-Weib und Fan der SpVgg Greuther Fürth Hennes als Maskottchen des 1. FC Köln nicht hundertprozentig toll finden kann, muss ich als Tierfreundin doch zugeben: Der Geißbock ist ein sehr sympathisches Wahrzeichen sowohl seines Vereins als auch seiner Stadt.

Der jetzige Hennes hat seinen Zusatz „VIII.“ nicht von ungefähr. Es war im Jahr 1950, als der 1. FC Köln auf den Geißbock kam. Der erste Hennes soll allerdings nur zur Hälfte ein „kölsche Jong“ gewesen sein: Seine Mutter stammte aus Thüringen. Die Geiß kam über einen Kölner Zirkus, der in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs in Thüringen seine Zelte aufgeschlagen hatte, an den Rhein. Mitarbeiter hatten das völlig verängstigte Tier gefunden und nach Hause mitgenommen. 1949 brachte die Ziege einen Bock zur Welt, den der Zirkus dem Verein ein Jahr später zum Geschenk machte – wie sich das für Köln gehört, bei einer Karnevalssitzung. Der damalige Trainer Hennes Weisweiler wurde Namenspate. Damit konnte Hennes I. sozusagen inthronisert werden. Es waren noch lustige Zeiten damals im Profi-Fußball: Hennes war höchstpersönlich bei fast allen Auswärtsspielen dabei und reiste manchmal sogar im Mannschaftsbus mit. Später – und das ist so bis zum heutigen Tag – durfte er nur noch bei Heimspielen dabei sein.

Da die Lebenszeit von Geißböcken begrenzt ist, folgte bald Hennes II., der III. und so weiter. Glück brachte dem Verein vor allem Hennes IV. Als er „regierte“, schaffte der FC Köln das Double: Er wurde Deutscher Meister und holte den DFB-Pokal. Unter Hennes VII. stieg der Verein viermal auf und ab. Kein Wunder, wenn man weiß, dass er bei zwei Heimspielen gar nicht persönlich ins Stadion durfte, weil gerade die Maul- und Klauenseuche grassierte. Das Hennes-Double aus Pappe konnte das Original eben nicht ersetzen.

Das heutige Geburtstagskind Hennes VIII. hat dem Verein bisher sportliche Stabilität beschert. Er ist das erste Maskottchen in der Vereinsgeschichte, das ein eigenes Häuschen im Kölner Zoo bewohnen darf. Und er bekam sogar eine Partnerin: Anneliese. Hennes ist allerdings gar kein richtiger „Bock“ – er ist kastriert. Als Anneliese trotzdem eines Tages trächtig war, hat Hennes Größe bewiesen und die Sache so genommen, wie sie eben war. Warum sollte es nicht auch bei Tieren Patchwork-Familien geben? Doch Anneliese starb vor kurzem – jetzt ist Hennes also auch noch alleinerziehender Vater. Und so endet die Geschichte leider doch nicht so lustig, wie sie begonnen hat.

Zirkus ohne Tiere – nein danke!

Ich habe ja in meinem Blog schon öfter über Zirkustiere geschrieben bzw. über Wildtiere im Zirkus. Tierschutzaktivisten fordern seit langem ihr Verbot, während Zirkusvertreter versichern, dass ihre Tierhaltung den Vorschriften entspricht, artgerecht ist und von Tierärzten  regelmäßig kontrolliert wird. Ein schwieriges Thema, bei dem oft Emotionen über Argumente gestellt werden.

Es gibt linzwischen einige Kommunen, die einem Zirkus Aufführungen verbieten wollen, wenn er Wildtiere zeigt. Vor kurzem hat allerdings dabei eine Stadt den kürzeren gezogen, und zwar Hameln. Das Verwaltungsgericht Hannover hat in diesem Fall entschieden, dass so ein Verbot nicht zulässig ist und damit dem Eilantrag eines Zirkusunternehmens gegen die Stadt Hameln stattgegeben. Der Stadtrat von Hameln hatte beschlossen, kommunale Flächen nur noch Zirkusbetrieben zur Verfügung zu stellen, die keine wildlebenden Tiere wie zum Beispiel Bären, Elefanten oder Raubkatzen präsentieren. Das Verwaltungsgericht urteilte, dieses Vorgehen sei rechtswidrig (Az. 1 B 7215/16). Ein Verbot wildlebender  Tiere in Zirkussen müsse der Bund beschließen. Doch der hat im Tierschutzgesetz nur festgelegt, dass für das gewerbliche Vorführen von Tieren in einem  Zirkus eine behördliche Erlaubnis nötig ist. Der Zirkus in Hameln besaß so eine Erlaubnis.

Es kann aber auch anders kommen, wie der berühmte amerikanische Zirkus Ringling erfahren musste:  Er wird nach fast 150 Jahren schließen. Das schreiben sich natürlich die Aktivisten von Peta als Riesenerfolg auf ihre Fahnen, dass sie der „Greatest Show on Earth“ riesige Probleme gemacht und sie zum Aufgeben gebracht haben. Ausschlaggebend dafür waren ausgerechnet die Elefanten, die immer das Aushängeschild des Zirkus Ringling waren. Die Dickhäuter galten früher als größte Besucherattraktion von „Ringling Bros. and Barnum & Bailey Circus“, wie der Zirkus vollständig heißt – bis vor 36 Jahren Peta-Leute gegen die Elefantenhaltung bei Ringling und anderen Unternehmen zu kämpfen begannen. Sie wiesen immer wieder auf angebliche Mängel in der Tierhaltung hin, bis Ringling nachgab und nahm im Mai vergangenen Jahres die Elefanten aus dem Programm nahm. Das führte letztlich zum Endes des legendären Zirkus wegen ausbleibender Besucher. Den Rest haben dem Unternehmen die steigenden Kosten wie etwa teure Mieten für Hallen gegeben.

In Deutschland befürchten die Zirkusse ebenfalls einen drastischen Besucherrückgang, wenn keine Wildtiere mehr gezeigt werden dürfen. Traditionsunternehmen wie der Münchner Zirkus Krone, der wie Ringling auch Elefanten als Wappentiere hat, wollen deshalb nicht darauf verzichten. Mit Aufklärung der Besucher bemüht sich zum Beispiel Krone, die Argumente von Tierschützern zu entkräften. Es werden auch Unterschriften gegen das Wildtierverbot in Zirkussen gesammelt.

Ich schließe mich solchen Unternehmen mit moderner Tierhaltung an: Für mich ist ein Zirkus ohne Tiere kein richtiger Zirkus.

Was leuchtet da im Tiergehege?

hyazinthara_mit_kuerbisKinder lieben es, manche Erwachsenen nervt es einfach nur – wie dem auch sei: Auch bei uns in Deutschland kommt längst niemand mehr an Halloween vorbei. Der Tiergarten Nürnberg will von dem Riesengeschäft, das mit dem Grusel-Event gemacht wird, ebenfalls profitieren. Deshalb heißt es am 31. Oktober von 10 bis 16 Uhr: „Wer findet Hokkaido und Co. im Landschaftszoo?“ Jeder Zoobesucher kann unter diesem Motto auf Kürbissuche im Tiergarten gehen. Bei der „Kürbis-Safari“ gilt es, die orangefarbenen Früchte in verschiedenen Tiergehegen – wie zum Beispiel bei den Hyazinth-Aras auf diesem Foto – zu entdecken. Die Fundorte sind auf einer Teilnahmekarte zu verzeichnen, die man sich am Eingang abholt. Bei richtigem Eintrag ergibt sich ein Lösungswort. Am Ende des Tiergartenrundgangs wirft man die Karte in eine Box am Ausgang. Zu gewinnen gibt es Jahres-, Familien- und Tageskarten für den Zoo am Schmausenbuck.

„Horror-Clowns“, die ihr Unwesen treiben, haben in diesem Jahr im Vorfeld des Halloween-Festes für Grauen gesorgt. In Nürnberg haben einige Geschäfte darauf reagiert und Clowns-Masken aus dem Sortiment genommen. Eine harmlosere Grusel-Variante, die große wie kleine Kinder begeistert, ist der Brauch, an Halloween Kürbisse auszuhöhlen und Fratzen in die Schale zu schnitzen. Davon hat man sich im Tiergarten anregen lassen. Die leuchtenden Früchte sind gleichzeitig eine willkommene Abwechslung und ein interessantes Spielzeug für die Zootiere. So macht auch ihnen Halloween Spaß.

Rückt ein Verbot für Tiere im Zirkus näher?

ZirkustiereIch habe hier im Blog ja schon öfter über das von verschiedenen Seiten geforderte Verbot von Wildtieren im Zirkus geschrieben. Jetzt startet wieder ein neuer Anlauf: Das Bundesland Hessen bringt morgen (Freitag, 26. Februar) eine Initiative in den Bundesrat ein, die sich auch auf Affen, Giraffen, Nashörner und Flusspferde bezieht. Zur Begründung wird argumentiert, eine art- und verhaltensgerechte Unterbringung sei unter den Bedingungen reisender Zirkusunternehmen unmöglich. Zirkustiere seien bis zu 20 Stunden lang in engen Transportfahrzeugen eingequetscht.

Schon mehrmals gab es ähnliche Vorstöße des Bundesrates. Der jetzige Antrag soll erst mal zur Beratung die Ausschüsse des Bundesrates durchlaufen – mit dem Ziel, dass die Bundesregierung über eine Entschließung zu einem Verbot aufgefordert wird.

Bisher sieht es so aus, dass das für diese Frage zuständige Bundeslandwirtschaftsministerium da noch nicht recht mitzieht. Dort will man  zunächst die Situation von Wildtieren im Zirkus weiter beobachten und erst dann aktiv werden, wenn man neue Erkenntnissen gewonnen hat. Seit einer Änderung des Tierschutzgesetzes im Jahr 2013 kann dieses Ministerium unter bestimmten Voraussetzungen Verbote oder Beschränkungen verordnen – allerdings sind die Hürden wegen möglicher Eingriffe in Grundrechte doch ziemlich hoch gelegt. Im Fall des Verbots von Zirkustieren ist hauptsächlich die Berufsfreiheit der Zirkusbetreiber ein Hindernis bei jeder Änderung.

Ich selbst bin mir nach wie vor nicht sicher, wie ich in dieser Frage entscheiden würde. Es gibt meiner Meinung nach sehr gute Tierhaltung in Zirkusssen – vor allem in den großen Unternehmen. Ob kleinere da (schon aus finanziellen Gründen) mithalten können – ich weiß es nicht. Was ich aber weiß, ist: Ich mag Zirkus.

Kopf ab – soll das lustig sein?

GänsereitenIn Bochum-Wattenscheid gibt es eine alte Karnevalstradition am Rosenmontag: das „Gänsereiten“. Ein Brauch, der aus dem 16. Jahrhundert stammt, als man so etwas vielleicht noch lustig fand: Eine eigens zu diesem Zweck getötete Gans wird an den Füßen zwischen zwei Bäumen aufgehängt. Reiter versuchen dann, ihr im Galopp den Kopf abzureißen. Wer das schafft, wird für ein Jahr zum „Gänsereiterkönig” ernannt. Die Gans wird anschließend verspeist.

Das Spektakel gibt es auch in anderen Städten, doch dort verwendet man längst  Attrappen statt der echten Tiere. Nur in Bochum-Wattenscheid hängt man an der echten toten Gans. Der Brauch wurde einst von spanischen Kriegern abgekupfert, als körperliches und psychisches Training für die Reiter: Sie sollten möglichst alle Skrupel verlieren, um in den Krieg ziehen zu können. In den Anfängen des „Gänsereitens“ riss man sogar einer lebenden Gans den Kopf ab. Das wurde aber schon im Jahr 1806 verboten.

Tierschützer fordern seit einiger Zeit, dass Gänse für diesen Karnevalsbrauch nicht getötet werden dürfen. Sie argumentieren auch damit, dass die Misshandlung von Tieren der Misshandlung von Menschen vorausgehe und vor allem dazu führe, bei jungen Leuten Gewalt zu verharmlosen. Gegner dieser Veranstaltung fordern die Stadt Bochum auf, dem Treiben Einhalt zu gebieten und dafür zu sorgen, dass vor allem Kinder das blutige Schauspiel nicht sehen sollten, weil es zu grausam sei. Mittlerweile wurde eine Petition gestartet, bei der man gegen das „Gänsereiten“ unterzeichnen kann. Wer das tun möchte, hat hier die Möglichkeit dazu.

Der tierische Jahresrückblick

ErdmaennDie Erdmännchen haben zwar im Tiergarten Nürnberg im zu Ende gehenden Jahr keine Schlagzeilen gemacht. Trotzdem gehören sie zu den beliebstesten Zootieren überhaupt, und deswegen habe ich für meinen traditionellen Jahresrückblick dieses Foto ausgewählt. Auch, weil es so etwas Erwärmendes hat, nicht nur temperaturtechnisch gesehen. – Nun aber mal zu den harten Fakten. Der Tiergarten war 2015 mit außergewöhnlich vielen Tierbabys gesegnet: Charlotte, Aljoscha, Volodya, Kang-Ju, Ayana, um nur die attraktivsten Publikumsmagneten zu nennen:

  • Eisbärenmädchen Charlotte gehört mit ihrem Geburtstag am 21. November 2014 streng genommen noch zu den Vorjahresbabys. Doch erst im März 2015 kommt sie zum ersten Mal mit Mama Vera aus der Wurfhöhle und stellt sich dem Publikum vor. Ein echter Wonneproppen!
  • Groß ist die Freude, als am 6. Juli die Tigerzwillinge Aljoscha und Volodya das Licht der Welt erblicken. Vor dem Raubtierhaus bilden sich Besucherschlangen.
  • Bei den Schneeleoparden stellt sich mit Kang-Ju und Ayana nur ein paar Wochen später Nachwuchs ein.
  • Die im Juni geborenen beiden Kleinen Pandas (auch Katzenbären genannt) werden bald zu Halbwaisen: Ihre Mutter Patna liegt eines Tages tot im Gehege – Herzversagen! Die Babys wachsen und gedeihen per Handaufzucht trotzdem gut.

Außer den Geburten gab es auch eine Reihe von Neuzugängen im Tiergarten. So sind seit April  zum ersten Mal überhaupt im Zoo am Schmasuenbuck Fischkatzen zu sehen, und zwar im früheren Gehege der Brillenbären. Besser gesagt, ein Fischkater. Er wartet immer noch auf eine Partnerin. Ein neuer Tiergartenbewohner ist auch Sofie. Die neunjährige Panzernashorndame kam im Oktober für Seto Paitala, die in Nürnberg geborene „Weißfüßige“. Sonst hätte es Inzucht mit Seto Paitalas Vater Ropen geben können. Nun hofft man, dass sich Ropen und Sofie gut verstehen und die bedrohte Tierart zu erhalten helfen.

Für überregionales Presse-Interesse sorgte der Tiergarten 2015 aber mit Bewohnern, die plötzlich vom oder im Erdboden verschwanden. Schaf Rosi wird im Mai nach München ins Bordell entführt, von der Polizei aufgespürt und schließlich zurückgebracht. Anders die Präriehunde, die nach dem Winterschlaf nicht mehr aus ihrem unterirdischen Höhlensystem auftauchten. Spätere Suchaktionen mit Baggern brachten auch keinen Erfolg. Ein chinesischer Muntjak, der mit den Panzernashörnern in einer WG lebte, suchte im Juni das Weite. Warum und wohin, bleibt sein Geheimnis.

So, und nun wünsche ich meinen Lesern und allen Tieren einen schönen Jahreswechsel ohne zu lautes Böllern und ein wunderbares 2016!

Motte ist ein Naturtalent

LebekrippeSie ist schon eine erfahrene Darstellerin bei der „Lebenden Krippe“ im Tiergarten Nürnberg – um nicht zu sagen: ein alter Hase. Eselin Motte macht seit Jahren mit, um in der Adventszeit den Zoobesuchern ein besonderes Erlebnis zu bieten. Sie besitzt beachtliche schauspielerische Qualitäten!

In diesem Jahr hat sich aber der Standort der „Lebenden Krippe“ mit Schaf und Esel, Maria, Josef und dem Hirten verändert: Zum ersten Mal muss man nicht bis zum Kinderzoo im hinteren Tiergartenbereich laufen. Die Attraktion findet man jetzt vielmehr gleich, wenn man den Haupteingang passiert hat, ganz in der Nähe des großen Weihnachtsbaums. Neu ist auch, dass es einen kleinen Adventsmarkt mit wechselnden Ständen rund um die Krippe gibt. Dort bekommt man verschiedene regionale, ökologische und nachhaltige
Kleinigkeiten wie Schmuck, Taschen oder Keramik. Auch Glühwein und Lebkuchen dürfen bei einem solchen Angebot in Nürnberg natürlich nicht fehlen.

Die „Lebende Krippe“ und den Adventsmarkt gibt es an den Adventswochenenden samstags und sonntags jeweils von 11 bis 15.30 Uhr. Sogar am Heiligen Abend kann man die „Lebende Krippe“ noch von 11 bis 15.30 Uhr bewundern.

In der Vorweihnachtszeit finden weitere stimmungsvolle Veranstaltungen im Tiergarten statt: Ein Lichterzug startet am Samstag, 12. Dezember, um 16.30 Uhr am Haupteingang (Erwachsene zahlen 4 Euro, Kinder nichts). Die Kinder können Laternen mitbringen. Aber bitte keine Taschenlampen – sonst werden die Tiere geblendet! Und dann gibt es noch die traditionelle Waldweihnacht mit Posaunenchor am Sonntag, 20. Dezember; Treffpunkt ist um 16 Uhr am Tiergarteneingang (freier Eintritt). Auch dabei bitte daran denken: Laternen sind erlaubt, Taschenlampen nicht!

So – nun wünsche ich allen viel Spaß bei diesen Veranstaltungen, die ich wirklich jedem Besucher, vor allem natürlich den kleinen, ans Herz legen möchte.

Die "Mille Miglia" in Bolsena

Ich habe viele Bekannte, die glänzende Augen bekommen und völlig verzückt sind, wenn sie diesen Begriff hören: „Mille Miglia“, auf Italienisch „Tausend Meilen“. Dieses Autorennen war von 1927 bis 1957 der Klassiker unter den Langstrecken-Straßenrennen schlechthin, und eines der härtesten obendrein. 1977 wurde es als Neuauflage beziehungsweise als Hommage an das Original wieder eingeführt. Diese „Mille Miglia Storica“  ist wohl der spektakulärste Oldtimer-Event der Welt und findet einmal im Jahr in Italien statt, und zwar immer im Frühjahr. An diesem Wochenende ist es wieder so weit: Über 450 historische Rennwagen nehmen an der Tour teil, die von Brescia in Norditalien nach Rom und wieder zurück führt. Ich habe Glück: Die Route geht durch das Latium, und heute Vormittag kamen die Autos auch durch meine derzeitige Wahlheimat Bolsena.

Die Straße war dicht gesäumt von Schaulustigen, die den Fahrern zujubelten, alles fotografierten und filmten. Die Motoren der Wagen ließen den ganzen Ort erbeben. Für jeden, der Oldtimer liebt, war es eine echte Offenbarung. Es sind Fahrzeuge unterwegs, die in ähnlicher Form auch bei den Rennen zwischen 1927 und 1957 dabei waren. Da sind Mercedes Flügeltürer ebenso zu sehen wie der BMW 328, der Porsche 356 oder der Bugatti 35A. Heute geht es aber nicht mehr um Höchstgeschwindigkeit, sondern hauptsächlich um die Zuverlässigkeit der historischen Boliden. Und das Ganze ist ein gesellschaftliches Ereignis höchsten Ranges. Die Teilnehmer müssen tief in die Tasche greifen. Denn abgesehen davon, was sie für ihr Fahrzeug finanziell schon aufgebracht haben, kostet es rund 10 000 Euro, bei diesem „Rennen“ überhaupt mitfahren zu dürfen. In diesem Jahr gibt es übrigens eine Neuerung. Während die insgesamt 1708 Kilometer der „Mille Miglia“ bisher in drei Etappen zurückgelegt wurden, sind es nun vier: Von Brescia über Therme Abano Montegrotto, Rom und Bologna zurück nach Brescia.

Das Kreuz mit dem Kreuz

Ich habe ja hier schon über die Feierlichkeiten anlässlich des bevorstehenden Osterfests in Bolsena geschrieben. Überall in der kleinen Stadt sind in der vergangenen Woche die Vorbereitungen zu spüren gewesen. Dabei geht es nicht um Ostereier, die hier praktisch keine Rolle spielen, und auch Osterhasen sind höchstens mal vereinzelt in der Süßwarenabteilung des Supermarktes zu finden. Nein – Ostern ist hier, zumal in der Nähe von Rom, vor allem ein kirchliches Fest.

Am Gründonnerstag fand bei der Abendmahlsfeier in der Basilika Santa Cristina die traditionelle Fußwaschung statt, und zwar mit den Erstkommunionkindern. Am Karfreitag abend dann war die große Karfreitagsprozession durch den Ort angesagt. Dabei stellen die Einwohner von Bolsena verschiedene Stationen der Passionsgeschichte in lebenden Bildern dar, mit Reitern der römischen Besatzer zu Lebzeiten Jesu und mit allen Figuren aus dem Neuen Testament, die bei der Passion eine wichtige Rolle spielen. Sie ziehen vom unteren Ortsteil hinauf zur Burg bzw. zur Kirche des Heiligen Salavtore. Schaulustige Einheimische, Touristen und Gläubige folgen dem Zug und verharren mucksmäuschenstill vor der Kirche, während drinnen eine Christusfigur abgenommen wird, die man anschließend in der Prozession mit durch den Ort trägt, ebenso wie eine Madonnenfigur. Dabei kommen die Träger zum Teil ziemlich ins Schwitzen, der eine oder andere muss auch abgelöst werden, weil er nicht mehr kann.

Dann zieht die Prozession durch die dunklen kleinen Gassen im Burgviertel, und überall schauen Menschen aus den Fenstern auf das Geschehen herab. Manche haben Kerzen in die Fenster gestellt, alle bekreuzigen sich, wenn „Jesus“ mit dem schweren Kreuz bei ihnen vorbeikommt und dabei manchmal – durchaus echt wirkend – ins Straucheln gerät. Weiter geht es über die Piazza San Giovanni, die Piazza Matteotti (den Hauptplatz von Bolsena) bis zur Basilika Santa Cristina. Vor dem Kirchenbau befindet sich ein großer freier, mit Mauern eingefasster Platz. Eine Seite grenzt direkt an einen Hügel an, auf dem drei Kreuze aufgebaut sind. Dort wird nun die Kreuzigungsszene nachgestellt. Zum „Todeszeitpunkt“ von Jesus erschüttern künstliche Donnerschläge die Umgebung, Blitze zucken über den Himmel, und die Erde bebt tatsächlich ein bisschen – die gewaltige Lautsprecheranlage leistet ganze Arbeit.

Am nächsten Tag in der Bar wird dann genau analysiert, ob die Veranstaltung sich von der im Vorjahr unterschieden hat, ob es die Organisatoren im letzten Jahr womöglich besser gemacht haben oder ob alles war wie immer. – Ich kann das nicht beurteilen, aber ich muss sagen: Es war ein beeindruckendes Spektakel, nicht nur aus touristischer Sicht, sondern weil man auch spürt, wie gläubig die Menschen hier sind und was ihnen Ostern bedeutet. In diesem Sinne: Buona Pasqua (Frohe Ostern)!

Olivenbaumzweige überall

Es ist Palmsonntag, eine Woche vor Ostern, und spätestens heute ist mir so richtig bewusst geworden, wie nahe Bolsena bei Rom und damit dem Weltzentrum der katholischen Kirche liegt: Die Karwoche hat begonnen, die „Heilige Woche“ im Jahreslauf der katholischen Kirche. An diesem Tag findet traditionell die Palmweihe statt. Sie soll daran erinnern, wie Jesus auf einem Esel in Jerusalem einzog und die Menschen ihm dort als dem Messias mit Palmwedeln huldigten.

Während bei uns in Deutschland – soweit mir bekannt ist – Salweidenkätzchen bei der Palmweihe zum Einsatz kommen, sind es hier in Italien Olivenbaumzweige. Auf dem Hauptplatz von Bolsena, der Piazza Matteotti, wurden heute Morgen schon riesige Mengen davon in Kleinlastwagen angeliefert und auf Tischen verteilt. Jeder konnte sich davon nehmen, und als ich mir einen holte, wurde ich gleich aufgefordert, doch noch einmal zuzugreifen. Dabei hatte mir meine Vermieterin Germana schon heute früh einen Zweig vor die Tür gelegt…

Immer mehr Menschen trafen auf dem Platz ein, und dann begann dort der Gottesdienst mit der Palmweihe, bei der die Zweige mit Weihwasser besprengt werden. Dieser Zeremonie schloss sich die Prozession vom Platz über den Corso della Repubblica zur Basilika der Heiligen Christina an. Überall kamen die Verkäufer aus den am Sonntagvormittag geöffneten Geschäften und grüßten die vorbeiziehenden Menschen, die mit den Zweigen winkten. In der Basilika ging der Gottesdienst dann weiter, wobei die Passion mit verteilten Rollen vorgelesen wurde. Frauen aus der Gemeinde unterstützten die beiden Priester, die Kirche war noch voller als sonst. Schon die ganze Woche über kamen Pilger aus verschiedenen italienischen Regionen  – wie zum Beispiel Umbrien und den Marken – nach Bolsena. Und in den nächsten Tagen geht es ja erst richtig los mit den Osterfeierlichkeiten.

Der Palmsonntag wurde für mich aber auch noch aus einem anderen Grund ein richtig schöner Sonntag: Die Fußballmanschaft von Bolsena, Virtus Bolsena, gewann zu Hause gegen La Storta Calcio aus Rom mit 2:1  – dasselbe Ergebnis, das die SpVgg Greuther Fürth am Samstag, ebenfalls zu Hause, gegen Erzgebirge Aue erzielte!