Eine klassische Win-win-Situation

Vergesellschaftung heißt das Zauberwort, das in Zoologischen Gärten seit einiger Zeit an Bedeutung gewinnt. Auch im Tiergarten Nürnberg werden immer mehr Tierarten mit anderen, aus ihrem natürlichen Lebensraum stammenden, gemeinsam in einem Gehege gehalten. Die Idee dahinter ist u.a. auch, dass die Besucher einen bessere Vorstellung davon bekommen, wie die Tiere in freier Wildbahn zusammenleben und sich gegenseitig im oft schwierigen Kampf ums Überleben sogar unterstützen können. Natürlich funktioniert das in Zoos nur mit Tierarten, die sich vertragen. Und natürlich ist eine Vergesellschaftung von Arten, bei denen die eine zum Beuteschema der anderen gehört, ausgeschlossen. Daher setzt es sich immer mehr durch, Tieren bei der Haltung in Menschenobhut zumindest einen Teil ihres ursprünglichen Lebensraums auch in den Zoologischen Gärten zu bieten. Von der Vergesellschaftung profitieren also einerseits die Tiere, weil diese Haltung für sie eine Bereicherung ihres Alltags darstellt, andererseits auch die Besucher.

Im Nürnberger Tiergarten teilen sich neuerdings die Panzernashörner ihre Anlage mit einer Hirschziegenantilope (Foto: Tiergarten Nürnberg). Ich finde, es ist für die Besucher ein beeindruckendes Bild, wenn sie diese sehr feingliedrige, zerbrechlich wirkende Antilopenart zwischen den beiden mächtigen Nashörnern Sofie und ihrem Sohn Sanjai beobachten können. weiter lesen

Was leuchtet da im Tiergehege?

hyazinthara_mit_kuerbisKinder lieben es, manche Erwachsenen nervt es einfach nur – wie dem auch sei: Auch bei uns in Deutschland kommt längst niemand mehr an Halloween vorbei. Der Tiergarten Nürnberg will von dem Riesengeschäft, das mit dem Grusel-Event gemacht wird, ebenfalls profitieren. Deshalb heißt es am 31. Oktober von 10 bis 16 Uhr: „Wer findet Hokkaido und Co. im Landschaftszoo?“ Jeder Zoobesucher kann unter diesem Motto auf Kürbissuche im Tiergarten gehen. Bei der „Kürbis-Safari“ gilt es, die orangefarbenen Früchte in verschiedenen Tiergehegen – wie zum Beispiel bei den Hyazinth-Aras auf diesem Foto – zu entdecken. Die Fundorte sind auf einer Teilnahmekarte zu verzeichnen, die man sich am Eingang abholt. Bei richtigem Eintrag ergibt sich ein Lösungswort. Am Ende des Tiergartenrundgangs wirft man die Karte in eine Box am Ausgang. Zu gewinnen gibt es Jahres-, Familien- und Tageskarten für den Zoo am Schmausenbuck.

„Horror-Clowns“, die ihr Unwesen treiben, haben in diesem Jahr im Vorfeld des Halloween-Festes für Grauen gesorgt. In Nürnberg haben einige Geschäfte darauf reagiert und Clowns-Masken aus dem Sortiment genommen. Eine harmlosere Grusel-Variante, die große wie kleine Kinder begeistert, ist der Brauch, an Halloween Kürbisse auszuhöhlen und Fratzen in die Schale zu schnitzen. Davon hat man sich im Tiergarten anregen lassen. Die leuchtenden Früchte sind gleichzeitig eine willkommene Abwechslung und ein interessantes Spielzeug für die Zootiere. So macht auch ihnen Halloween Spaß.

Immer mehr Störche im Winter

StorchüberwinterungNein, früher war nicht alles besser. Früher brachen zum Beispiel die Störche schon gegen Ende des Sommers auf und verschwanden in Richtung Süden. Sogar in Bayern wurde im Herbst und Winter einst kaum ein solcher Vogel gesichtet. Wie schön haben wir es dagegen heute! Jetzt bleiben immer mehr Weißstörche hier und lassen das mit dem tieferen Süden. Der Landesbund für Vogelschutz zählt mittlerweile im Winter über 200 Störche bei uns, um die Jahrtausendwende waren es gerade mal 50.

Wer nun glaubt, klar, kein Wunder, dafür ist der Klimawandel verantwortlich, der irrt. Fachleuten zufolge hat das ganz andere Ursachen, die schon über ein halbes Jahrhundert zurückliegen. In den 50er und 60er Jahren gab es in der Schweiz, im Elsass und in Baden-Württemberg nämlich Zuchtprogramme für Störche. Damals wurden einige von diesen Zugvögeln gefangen und am Wegfliegen gehindert. Sie haben ihr Verhalten dann auch nach dem Freilassen beibehalten und sogar an ihre Nachkommen vererbt. Kälte an sich stellt für diese Vögel übrigens kein Problem dar. Wichtig ist nur, dass ihre Futterquellen nicht versiegen: Feuchtwiesen mit Gräben, wo sie Mäuse, Würmer und kleine Fische finden.

In Bayern trifft man besonders im Altmühl- und Mindeltal während der Wintermonate auf Störche. Bevorzugte Aufenthaltsorte sind auch Gaimersheim (Oberbayern), Biburg (Niederbayern), Kallmünz (Oberpfalz), Neudrossenfeld (Oberfranken), Ornbau (Mittelfranken) und Lauben (Schwaben).

Inzwischen diskutieren Wissenschaftler darüber, ob auch der Klimawandel zu dieser Verhaltensänderung beiträgt. Um eine Antwort auf diese Frage zu finden, nimmt man aber andere Vogelarten zur Forschung her.

Katzenmusik – oder doch lieber Bach?

KatzenmusikMusikalische Tiere? Gibt es so was? – Ich würde sagen: ja. Allerdings kann ich da nur aus der Erfahrung sprechen, die ich während der Wochen gesammelt habe, in denen ich über Jahre hinweg immer wieder einen Kater betreut habe, während seine Besitzer im Urlaub waren. Pino hieß der mittlerweile leider verstorbene, ganz normale Bauernkater (nicht die – auch sehr sympathische – Katze auf diesem dpa-Foto!), der Musik liebte. Vor allem bei klassischer Musik kam er vom entlegensten Winkel in der Wohnung sofort angerannt, sprang auf „seinen“ Hocker im Wohnzimmer, rollte sich ein – und lauschte. Seine besonders groß geratenen Ohren richteten sich deutlich sichtbar nach den Lautsprechern aus, und man konnte zusehen, wie er die Musik so richtig genoss. Bei den Instrumenten waren es vor allem Violine und Cello, die er liebte, und bei den Komponisten bevorzugte er eindeutig Johann Sebastian Bach.

Insofern lese ich die vor mir liegende Agenturmeldung zumindest mit einem leisen Zweifel: David Teie, Profi-Cellist und Mitglied des National Symphony Orchestra Washington, der außerdem an der Universität von Maryland Musik lehrt, komponiert nun Klänge speziell für Katzenohren. „Hohe Harfenläufe, die an zwitschernde Vögel erinnern, unterlegt mit einer Art computergeneriertem Katzenschnurren als Bass“, heißt es in der Agenturmeldung. Teies Werke heißen zum Beispiel „Rusty’s Ballad“ oder „Cozmo’s Air“, und sie klingen offenbar wie esoterisch angehauchte New Age-Musik auf Harfe, Cello oder Geige. Manchen Katzen sollen sie echte Entspannung bringen.

Das ist jedenfalls bei einer Studie herausgekommen, die im Fachjournal „Applied Animal Behaviour Science“ veröffentlicht wurde: 77 Prozent der Katzen zeigten positiv-erregte oder entspannte Reaktionen auf die Katzenmusik von Teie, aber nur 38 Prozent auf Musik, die wir Menschen als Meisterwerke empfinden, etwa wie Bachs „Air in G-Dur“. Es soll die erste Studie sein, die zeigt, dass Katzen überhaupt auf Musik reagieren. Teie hat mit einem Experten für Tierverhalten extra ein Musikprofil entwickelt, das zum Teil in Frequenzbereiche geht, die Katzen vertraut sind, von Menschen jedoch nicht gehört werden. In seine Katzenmusik hat er aber auch für Menschenohren erträgliche Frequenzen eingebaut.

Als Journalistin bin ich bei der Meldung gleich misstrauisch und denke mir: Da geht es doch bestimmt wieder nur ums Geld. Und tatsächlich: Ganz am Schluss der – langen – Meldung lese ich folgendes: „Auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter hat Teie jetzt binnen gut eines Monats mehr als 240 000 US-Dollar von gut 10 000 Spendern gesammelt, um das Projekt voranzutreiben und sein Studio, bisher improvisiert im heimischen Badezimmer, zu professionalisieren. Was steht an? Die erste Katzenmusik-CD.“

Weihnachtstrend: Tierpatenschaften

Tierpatenschaft
Na, wie wär´s? Das oben abgebildete Orang-Utan-Baby Bayat (Foto: Orangutan Foundation International) sucht einen Paten. Das Affen-Waisenkind hat trotz seines zarten Alters schon ein schweres Schicksal hinter sich. Das kleine Bündel Menschenaffe habe eine „aufgeweckte Persönlichkeit und langes
orangefarbenes Haar“, wirbt die Organisation „Orangutan Foundation International“ (OFI) auf ihrer Website.

In der Weihnachtszeit haben Tierpatenschaften Hochsaison. Ihre Zahl hat in den vergangenen Jahren stetig zugenommen. Eine Tierpatenschaft zu verschenken, liegt voll im Trend. Wer Pate wird, bekommt als Gegenleistung meist eine Urkunde, Informationen und Fotos des jeweiligen „Patenkinds“, manchmal gibt es sogar ein Plüschtier als Dreingabe. Auch der Tiergarten Nürnberg bietet Tierpatenschaften an. Abgesehen von den Möglichkeiten im Nürnberger Zoo haben Tierpaten inzwischen die Qual der Wahl. Ob exotische Tiere wie Orang-Utans, Löwen, Meeresschildkröten und Giraffen oder einheimische Tiere wie zum Beispiel Igel wird von verschiedenen Organisationen alles mögliche angeboten. SANCCOB etwa, eine Organisation, die in Südafrika Pinguine aufpäppelt, hat sich voll auf Weihnachten eingeschossen und folgenden Slogan kreiert: „Adopt a Christmas Chick“.

Die „Born Free Foundation“ engagiert sich sich seit über 30 Jahren für den Schutz von wilden Tieren. Die Mitarbeiter vergeben von jährlich 10 000 neuen Patenschaften  die Hälfte im November und Dezember. „Born Free“ vermittelt 15 verschiedene Tierarten in mehreren Ländern. Bei dieser Organisation ist der Löwe „Dolo“ der absolute Renner: Er war jahrelang im Awash-Nationalpark (Äthiopien) in einem winzigen Käfig an einer Kette gehalten worden. Weil die dauernd über seinen Hals rieb, konnte sich die Löwenmähne fast nicht herausbilden. Außerdem wurde Dolo fast blind, weil er unter Mangelernährung litt. Im Jahr 2012 retteten Born-Free-Mitarbeiter den Löwen; seitdem lebt er mit der fünfjährigen Löwin Safia zusammen in einem mit Pflanzen begrünten Gehege.

Immer wider taucht die Frage auf, was genau mit dem Geld geschieht, das für eine solche Tierpatenschaft eingezahlt wird. Die Summe kommt in erster Linie dem adoptierten Tier zugute, bei Bedarf wird sie aber auch für andere Tiere mit verwendet, die ebenfalls versorgt werden müssen. Manchmal ist die „Patenschaft“ auch eher symbolisch zu verstehen. Bei OFI zum Beispiel werden die 100 Dollar (etwa 95 Euro), die eine einjährige Patenschaft kostet, für „allgemeine Operationen“ verwendet und gehen dahin, wo das Geld für Tiere im Reha-Zentrum am dringendsten gebraucht wird. Die Tierpaten werden aber über ihren Schützling informiert. In manchen Fällen entsteht so eine sehr enge Bindung zu einem Tier: Die „Paten“ schicken dann zu Weihnachten Lebensmittel oder Spielzeug für ihr „Patenkind“.

Die Welt lacht mit einem Affen

Dieses YouTube-Video geht derzeit im Netz rauf und runter: Über 1,5 Millionen Mal wurde es seit dem Hochladen vor zwei Tagen geklickt. Aufgenommen wurde es im Zoo von Barcelona. Ein „Zaubertrick“, den ein Orang-Utan offenbar zum Kringeln findet. Der Affe bricht – so sieht es zumindest aus – in brüllendes Gelächter aus, als die Kastanie durch Zauberei verschwunden ist. Vorher verfolgt er die „Zauber-Vorstellung“ konzentriert und aufmerksam.

Egal, ob wir als Betrachter die Reaktion des Orang-Utans aus rein menschlicher Sicht interpretieren und sein Brüllen nur für Gelächter halten, weil in diesem Augenblick auch der „Zauberer“ in lautes Gelächter ausbricht, oder ob diese Menschenaffen wirklich so ticken wie wir: Es ist einfach ein köstliches Video, das man sich ganz anschauen sollte. „Buzzfeeed“, der junge Mann, der das Filmchen hochgeladen hat, meint, der Orang würde uns einen „fucking day“ bescheren. Naja, wenn er meint. (Übersetzt wird das in der Erklärung übrigens mit „Sie verdienen diese Freude.“)

Gemeinsam im letzten Hafen

Katze
Viele Menschen lieben ihr Haustier wie einen Menschen. Manche sogar mehr – vor allem, wenn sie alt sind, allein leben und keine Familie mehr haben. Diese Tierliebe geht bei etlichen Tierhaltern über den Tod hinaus. Was liegt da näher, als sich mit seinem Hund oder seiner Katze begraben zu lassen? Diese Möglichkeit besteht nun erstmals in Deutschland: In Urnengräbern auf speziellen Friedhöfen namens „Unser Hafen“. Im Juni sollen die ersten dafür ausgewiesenen Friedhöfe in Braubach bei Koblenz und in Essen eingeweiht werden; zusätzliche Standorte sind schon im Gespräch.

Haustierhalter, die sich eine gemeinsame letzte Ruhe mit ihrem Tier wünschen,  können zu Lebzeiten für eine Urnenbestattung in ein und demselben Grab mit ihrem Liebling vorsorgen. Wenn ihr Haustier eingeschläfert und danach verbrannt wurde, bewahren heutzutage längst viele Herrchen und Frauchen die Asche  in einer Tierurne auf. Nach dem Tod des Besitzers und dessen Einäscherung  werden dann die Menschen- und die Tierurne streng voneinander getrennt zum Friedhof  „Unser Hafen“ überführt, bevor sie im gemeinsamen Grab bestattet werden.

Kündigt sich da ein neuer Trend an? Durchaus möglich. Bevor sich die gemeinsame Bestattung von Mensch und Tier bei uns etabliert, dürfte es jedoch eine typisch deutsche Debatte über ethische Fragen geben, nach dem Motto: Geht denn das, Mensch und Tier in einem Grab? Ich finde: ja. Liebe kennt bekanntlich keine Grenzen. Warum sollte es bei Tierliebe anders sein?

P.S. Nachdem in einem Kommentar obiges Foto bewundert wurde, möchte ich den Fotografen nicht verschweigen: Es stammt von Patrick Pleul (dpa).

Gottes Segen für Tiere

Ökumenischer Tiergottesdienst in TrierSo religiös die Menschen hier in Bolsena (nur gut 100 Kilometer entfernt vom Zentrum der Katholischen Kirche in Rom) auch sein mögen – das würde ihnen wohl niemals einfallen: einen Gottesdienst für Tiere abzuhalten.

In Deutschland dagegen, wo die Kirchenbesucher im Gegensatz zu hier immer weniger werden, sind Tiergottesdienste im Kommen. Egal, ob Hund oder Katze, Goldhamster, Zwergkaninchen oder Wellensittich – Tierbesitzern ist es offenbar wichtig, dass auch ihre tierischen Schützlinge Gottes Segen erhalten. Die Herrchen und Frauchen erhoffen sich vom Besuch solcher Veranstaltungen, dass ihre Lieblinge gesund bleiben und möglichst lange leben.

In manchen Städten werden schon regelmäßige Tiergottesdienste organisiert; meist kümmern sich die örtlichen Tierschutzvereine darum. Katholische Priester, die das Ganze zelebrieren, stehen auf dem Standpunkt, dass Tiere genauso Teil der Schöpfung sind wie Menschen. Für sie sind Tiersegnungen deshalb nichts Besonderes, sie gehören schließlich längst zur Tradition. Denn früher ließen die Bauern häufig ihre Nutztiere segnen, um sie vor Krankheiten, Seuchen oder sonstigem Unheil zu schützen. In der Evangelischen Kirche stand man Tiergottesdiensten bisher eher reserviert gegenüber. Aber auch dort scheint sich jetzt die Einstellung zu ändern; man hat erkannt, dass für viele Menschen Tiere als Gefährten und Begleiter eine immer wichtigere Rolle spielen. In einigen Städten – wie etwa in Trier, wo auch das Foto oben entstand – hat es sich als praktisch erwiesen, Tiergottesdienste als ökumenische Veranstaltung anzubieten.

Auch das noch: Fitness-Center für Vierbeiner!

Schön, dass so vielen Lesern mein Tiergarten-Rückblick auf 2013 gefallen hat – da schreibt man doch gleich viel lieber den nächsten Beitrag! – Also, auf geht´s, in ein neues Jahr, das sicher in Sachen Tiere viel Interessantes bringen wird. Auch 2014 werde ich das eine oder andere Thema für dieses Blog aufgreifen – und damit auch wieder die eine oder andere Diskussion anstoßen.

Abspecken ist ja in diesen Nachfeiertagen bei so manchem Zeitgenossen angesagt – die Pfunde, die man in den letzten Wochen zugelegt hat, sollen möglichst schnell wieder runter. Doch nicht nur bei Menschen machen sich die Leckereien von Weihnachten und Silvester auf der Waage bemerkbar – auch unsere Haustiere sind zum Teil sehr verwöhnt worden und tragen nun ebenfalls Fettpölsterchen mit sich herum. Das sollte normalerweise kein Problem sein, schließlich haben wir ja noch ein paar freie Tage, um mit dem Hund längere Touren als sonst zu gehen und vielleicht eine Extra-Spielrunde einzulegen.

So schlimm wie bei den Haustieren in den USA ist es bei uns wohl noch nicht. Dort legten 80 Millionen Hunde und Katzen in den letzten Jahren extrem zu: 55 Prozent von ihnen haben Übergewicht oder sind sogar fettleibig. Der Verband zur Verhinderung von Fettleibigkeit unter Tieren (Association for Pet Obesity Prevention/APOP) ist alarmiert. Die Folgen: Vor allem Hunde leiden verstärkt unter Arthritis, Diabetes, Gelenk- und Herzproblemen.

Und nun? – Typisch Amerika: Immer mehr Hundebesitzer schicken ihre Lieblinge ins Fitness-Center oder (siehe Foto) in den Fitness-Pool. Kein Witz: In Kalifornien sind solche Einrichtungen aus dem Boden geschossen. Auf Laufbändern und mit Trainingsgewichten um den Bauch sollen die Hunde abspecken. Das lassen sich Herrchen und Frauchen bis zu 100 Dollar im Monat kosten. Eine andere gern genutze Möglichkeit: Hundesitter, die mit den Vierbeinern nicht einfach spazierengehen, sondern sie beim Joggen oder gar beim Rollerskaten auf Trab bringen. Für eine Stunde legen die Besitzer schon mal 60 Dollar hin.

Und im US-Bundesstaat Oregon hat ein spezielles Trainingscamp für fette Hunde seit ein paar Jahren schon großen Erfolg. Wer seinen Hund dort für vier Wochen unterbringt und ihn ein Diät- und Sportprogramm absolvieren lässt, blättert dafür 800 Dollar hin. Wie wir das von der Werbung für Schlankheits-Mittel für Menschen gewohnt sind, macht das Camp mit «Vorher/Nachher»-Fotos der Hunde auf seiner Webseite Reklame. Es gibt Hunde, die gleich für mehrere Monate dort zur Kur sind. – Sicher ist es nur eine Frage der Zeit, bis bei uns ähnliche Angebote kommen.

Ich habe da meine eigene Meinung: Man könnte ja selbst mit dem Hund zusammen laufen oder ihn mit Spielzeug locken, in einen Fluss oder einen Weiher zu springen, wo er überflüssige Pfunde beim Schwimmen abtrainieren könnte. Doch da müsste man sich halt intensiv mit seinem Tier beschäftigen. Lieber schmeißt man mit Geldscheinen um sich und lädt das Problem bei anderen ab. – Traurig, oder?

Verblöden bald auch Hunde in den USA?

Wenn auch dieser neue Trend – wie die meisten in den USA entstandenen Modeerscheinungen – aus Amerika über den großen Teich nach Europa und weiter bis zu uns schwappt, dann gute Nacht! „Dog TV“, der erste bundesweite Fernsehsender für Hunde, erobert derzeit die Wohnzimmer im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Dort liegen nun nicht mehr nur  Herrchen und Frauchen auf dem XXL-Sofa vor der Glotze, sondern auch ihre liebsten Haus-Genossen (falls dieser Begriff in den Vereinigten Staaten überhaupt noch erlaubt ist und nicht gleich für Panik, einen Polizeieinsatz oder Spionageverdacht sorgt).

Ich sehe sie schon vor mir: Massenweise fette Hunde in Tierarztpraxen und bei Tierpsychologen im Wartezimmer. Die lieben Tierchen werden dann Pillen oder teure Therapien verordnet bekommen – so kann man einen Teil der Volkswirtschaft auch ankurbeln! Die Hersteller von Fernsehgeräten und der Fachhandel werden sich ebenfalls die Hände reiben: Die Idee von Ron Levi, dem Erfinder von „Dog TV“, das rund um die Uhr ausgestrahlt wird, dürfte für einen Aufschwung ihrer Branche sorgen.

Außerdem können alle Hundehalter aufatmen: Sie brauchen nun kein schlechtes Gewissen mehr zu haben, wenn sie ihre Schützlinge stundenlang allein zu Haus lassen. Nein, sie gelten sogar als besonders fürsorglich, wenn sie für ihren besten (vierbeinigen) Freund das passende Format aussuchen: Leidet der Ärmste unter Unruhezuständen, wird ihm „Relaxation“ gut tun, liegt er immer nur faul herum, kann das Programm „Stimulation“ Abhilfe schaffen. Gegen hündische Antriebslosigkeit kommen auch animierte 3D-Bälle und computeranimierte Fledermäuse im „Dog TV“ zum Einsatz.

Die Rot-Grün-Blindheit, unter der Hunde leiden, wurde von den Programmgestaltern angeblich ebenso berücksichtigt wie das empfindliche Gehör der Vierbeiner: Nur Frequenzen, die als angenehm empfunden werden, sollen über den Sender gehen, Lärm und Krach sind dagegen verpönt. Und jetzt der Clou: Amerikanische Tierschützer finden „Dog TV“ offenbar auch klasse. Deren größte Gruppierung, die „Humane Society“ (?!), ist der Meinung, Fernsehen wirke der Vereinsamung von Hunden entgegen. – Tja, so weit kommt´s, wenn man allzu Menschliches auf Tiere projiziert!