Drei kleine Uhus in einer Mulchmaschine

UhuEs gibt Tiergeschichten aus dem Alltag, die sind einfach schön. Das hier ist so eine: Ein Uhu-Vogelpaar baute sein Nest ausgerechnet im Einfülltrichter einer Mulchmaschine im Kompostwerk einer Firma in Nürnberg-Fischbach. Zum Glück entdeckte ein aufmerksamer Mitarbeiter die drei geschlüpften Jungen, bevor der Mulcher nach Monaten wieder in Betrieb genommen werden sollte. Er hielt sie für kleine Eulen, und weil sie völlig durchnässt waren und er nicht wusste, was er mit den Vögeln machen sollte, brachte er sie in den Nürnberger Tiergarten. Dort wurden sie bei der tierärztlichen Untersuchung als Uhus identifiziert. Das geschah Ende Mai dieses Jahres.

Nach der ersten Versorgung der kleinen Uhus wollten Tiergartenmitarbeiter die Jungvögel wieder zu ihren Eltern in der Kompostieranlage  zurückbringen, damit die sich um die Aufzucht kümmern konnten. Etwa fünf Meter neben dem ursprünglichen Nistplatz bauten die Zoo-Angestellten einen Ersatzhorst auf einem großen Haufen aus Baumstümpfen und einem privisorischen Dach. Nun begann das Warten, ob die Uhu-Eltern die veränderte Situation annehmen und ihren Nachwuchs weiter versorgen würden. Am nächsten Tag stellte man fest, dass sich die Eltern nachts um die Kleinen kümmerten. Tagsüber verschwanden sie allerdings wieder. Zehn Tage später verließ der erste junge Uhu das Nest, der nächste in der Nacht darauf. Der dritte blieb und wurde weiter von seinen Eltern versorgt: Sie brachten ihm Ratten zum Fressen.

Um die Aufzucht beobachten zu können, wurde eine Wildkamera am Horst montiert, um den ganzen Prozess zu dokumentieren. Die beiden Geschwister des „Nesthockers“ suchte man nicht, weil es auf dem Werksgelände und im angrenzenden Wald genügend Verstecke für die Jungvögel gab. Außerdem sollte die Uhu-Familie nicht gestört werden. Ein paar Tage später waren durch die Kamera wieder alle drei Uhus in der Nähe des Horsts zu beobachten; schließlich verließ auch der dritte Uhu das Nest. Tiergartenmitarbeiter beringten die Vögel im Alter von zirka acht Wochen, zwei Tage danach flogen die beiden älteren Geschwister aus, eine Woche später der jüngste. Die Tierärzte schätzen, dass die Uhus Mitte April geschlüpft waren.

Bei ausgewachsenen Uhus bringen die Männchen durschnittlich 1,9 Kilogramm auf die Waage, die Weibchen 2,6 Kilo. Uhus sind die größte Eulenart in Europa. In den 1930er Jahren waren diese Tiere beinahe ausgerottet, nur noch 50 Brutpaare lebten in ganz Deutschland. Ab 1965 bis Mitte der 80er Jahre wilderte man in Bayern etwa 330 Uhus aus, 15 davon aus dem Tiergarten Nürnberg. Mit Erfolg: Heute leben allein in Bayern wieder etwa 500 Brutpaare.

Gibt´s bald keine Feldhamster mehr?

Sie ist wirklich alarmierend: die neue Rote Liste gefährdeter Tiere in Deutschland. Von 478 heimischen Wirbeltier-Arten, deren Vorkommen bei uns untersucht wurde, sind 207 Arten – immerhin 42 Prozent!! –  gefährdet und 132 Arten (38 Prozent)  „akut in ihrem Bestand bedroht“.  Zu den analysierten Wirbeltieren gehören Säugetiere, Brutvögel, Kriechtiere, Lurche und Süßwasserfische.

FeldhamsterMan muss sich das mal vorstellen: Der Feldhamster ist laut dieser Liste bei uns vom Aussterben bedroht! Das heißt, er ist aus der Kategorie „stark gefährdet“ noch einmal weiter nach oben gerückt, sozusagen in Alarmstufe eins. Früher kamen diese Tiere fast so häufig vor wie Mäuse. Heute gibt es für die niedlichen Nagetiere so gut wie keinen geeigneten Lebensraum mehr bei uns: An den Äckern sind die – früher üblichen – breiten Randstreifen verschwunden.

Kiebitzen oder Seggenrohrsängern ergeht es auch nicht viel besser: Ihr bevorzugter Lebensraum, die sogenannten Feuchtwiesen, verschwinden in Deutschland nach und nach. Schuld daran ist die im Vergleich zu früher intensivere Landwirtschaft, aber auch der Bau von Siedlungen und Straßen trägt seinen unrühmlichen Teil zum Verlust tierischer Lebensräume bei.

Die Rote Liste gefährdeter Wirbeltiere in Deutschland wird alle zehn Jahre aktualisiert. Seit dem letzten Mal hat sich zumindest für einige Arten etwas zum Positiven gewendet: Durch die unterschiedlichsten Schutzprogramme hat sich zum Beispiel der Bestand von Seehunden, Fischottern, Bibern, Fledermäusen, Uhus, Weißstörchen und sogar von Seeadlern leicht erholt. Immerhin ein gewisser Trost!

Man muss also nicht machtlos zusehen, wie eine Art nach der anderen ausstirbt. Mit Natur- und Artenschutz lässt sich durchaus etwas erreichen. Doch die entsprechenden Organisationen wie Bund Naturschutz, Naturschutzbund Deutschland oder Landesbund für Vogelschutz müssten dafür auch politisch mehr Unterstützung bekommen als bisher.

Helft dem LBV und den Uhus!

Die Arbeit des Landesbundes für Vogelschutz, LBV, hat einen schweren Rückschlag erlitten: In der Nacht zum Montag hat es auf dem LBV-Gelände in Hilpoltstein gebrannt. Mehrere Schuppen, ein Carport sowie ein Auto wurden völlig zerstört, angrenzende Garagen beschädigt. Die Feuerwehr geht von einem Schaden in Höhe von 70 000 Euro aus. Was aber noch viel schlimmer ist: Durch die Flammen wurden auch die Forschungsergebnisse des LBV-Uhuprogramms – die Arbeit eines ganzen Jahres! – vernichtet.

Bei dem Forschungsprogramm geht es darum, sich aufgrund von Nahrungsanalysen der sogenannten Gewölle und durch Rupfungen verschiedener Uhupaare ein Bild der von den Uhus verzehrten Beute machen zu können. Letztlich will der LBV damit die Nahrung der unterschiedlichen bayerischen Uhupopulationen vergleichen. Hintergrund für diese Forschung ist die Tatsache, dass Uhus in vielen Gegenden in Süddeutschland immer weniger Nachwuchs haben, in anderen Teilen von Bayern die Situation dagegen noch besser aussieht. Über die Analyse der Speisereste erhoffen sich die LBV-Experten einen Aufschluss darüber, inwieweit die Nahrungsnutzung für den Bruterfolg verantwortlich ist.

Nun hofft der LBV auf Spenden, um die Fortsetzung des Uhu-Programms ermöglichen zu können. Ich halte die Arbeit des LBV für äußerst wichtig und möchte deshalb die Leser dieses Blogs auch dazu aufrufen, dem LBV durch Spenden zu helfen. Das kann man online tun; für alle, die eine konventionelle Überweisung vorziehen, hier die Bankverbindung: Sparkasse Mittelfranken Süd, BLZ 764 500 00, Konto: 240011833, Verwendungszweck: Uhu.

Wer übrigens glaubt, wegen der Wirtschaftskrise ist solchen Spendenaufrufen wenig Erfolg beschieden, der irrt sich: Trotz der Krise hat man beim Naturschutzbund NABU im letzten Jahr bei den Spenden von Privatpersonen ein deutliches Plus verbuchen können: 13 Prozent mehr, das entspricht einer Summe von 2,7 Millionen Euro an privaten Spenden. Insgesamt hat der NABU 21,1 Millionen Euro eingenommen,  13,3 Millionen davon durch Mitgliedsbeiträge. Derzeit hat der NABU rund 460 000 Mitglieder und Förderer.