Vogelkinder im Tiergarten

Und wieder gibt es eine schöne Meldung aus dem Tiergarten Nürnberg: Bei den Sperbereulen und den Uralkäuzen, die auch Habichtskäuze genannt werden (Foto: Tiergarten Nürnberg), hat sich Nachwuchs eingestellt. Die Sperbereulen ziehen in diesem Jahr gleich sechs Jungvögel auf, die im April geschlüpft sind. Die Brutzeit beträgt etwa einen Monat, und die flauschigen Küken verlassen mit drei bis fünf Wochen das Nest. Die Elterntiere am Schmausenbuck stammen übrigens aus Rostock (das Weibchen) und aus Köln. Auch über den Zuchterfolg bei den Uralkäuzen freut man sich im Tiergarten. Die Käuze bringen es mit den beiden im April geschlüpften Jungen schon auf insgesamt 36 Nachkommen. Das Muttertier ist bereits 20 Jahre alt, der Vater der jungen Eulen 17 Jahre; er stammt aus dem Tierpark Berlin-Friedrichsfelde.

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Der Tiergarten und die Uralkäuze

Wenn Zoos sich an Programmen zur Arterhaltung von bestimmten Tieren beteiligen, dann ist das nicht unbedingt spektakulär und für den Zoobesucher sichtbar. Es ist aber eine wichtige Aufgabe, die zoologische Gärten zu erfüllen haben.

Der Nürnberger Tiergarten ist mit mehreren Tierarten am Europäischen Erhaltungszucht-Programm (EEP) beteiligt, aber auch darüber hinaus engagiert er sich für bedrohte Arten. So  zum Beispiel für den Uralkauz, die seltenste Eulenart in Deutschland.

Uralkäuze kamen bis zum Ende des 19. Jahrhunderts noch im Bayerischen Wald vor – das war die westlichste Spitze ihres Verbreitungsgebiets. Dann verschwanden die Vögel von der Bildfläche. Seit Mitte der siebziger Jahre läuft im Bayerischen Wald ein Projekt zur Wiederansiedlung der Uralkäuze. Der Tiergarten Nürnberg, der Uralkäuze seit Jahrzehnten mit Erfolg züchtet, beteiligt sich seit Anfang an daran und hat bisher 13 Eulen zur Auswilderung  beigesteuert. Außerdem finanziert der Tiergarten genetische Untersuchungen dieser Tierart, die von der Technischen Universität München durchgeführt werden.

Auch im Biosphärenreservat Wienerwald wurde schon eine Reihe von Uralkäuzen in die Natur entlassen, darunter auch Jungtiere aus dem Tiergarten Nürnberg. Die Auswilderung wird durch Beobachtung der Vögel – das sogenannte Monitoring – überwacht und dokumentiert. Im Wienerwald soll mit dem Aufbau einer Uralkauz-Population eine Verbindung zum Bestand dieser Tierart in Slowenien hergestellt werden. Weitere Informationen hier.

Europa hilft auch dem Uralkauz

Vor lauter Europawahl- und Rock-im-Park-Berichterstattung in den verschiedenen Medien ist in der vergangenen Woche eine Meldung aus dem Tiergarten Nürnberg leider ein wenig untergegangen. Dort gibt es Nachwuchs bei den Uralkäuzen: Drei Küken schlüpften bereits Ende April aus den Eiern; inzwischen  sind sie schon so groß wie ihre Eltern, werden aber noch ungefähr zwei Monate lang von den Altvögeln gefüttert.

Das ist wieder so eine Tierart, bei der sich der eine oder andere denken mag: Na, der Kracher sind diese Vögel ja nicht gerade. Mag sein – aber eben nur auf den ersten Blick. Denn Uralkäuze, die man wegen ihrer Federfärbung auch Habichtskäuze nennt, sind die seltenste Eulenart in Deutschland. Wer die Jungen noch sehen will, die jetzt bereits flügge werden, sollte sich nicht mehr allzu viel Zeit lassen. Die drei Vögel werden nämlich noch heuer im Nationalpark Bayerischer Wald ausgewildert, damit der Bestand im Freiland sich weiter vergrößert.

Der Bayerische Wald war bis ins 19. Jahrhundert Heimat dieser Eulenart – das westlichste Gebiet, in dem sie lebte. Man weiß, dass auf der tschechischen Seite im Jahr 1926 der letzte Uralkauz abgeschossen wurde. Das erste Wiederansiedlungsprojekt begann 1975, und der Nürnberger Tiergarten hat dazu schon mit zehn Jungvögeln beitragen können. Er ist einer der Zoos, in dem die nicht ganz einfache Nachzucht schon sehr früh, nämlich 1965, gelang.

Inzwischen – und da wären wir wieder beim Thema Europa wie zu Beginn – beteiligen sich auch andere europäische Nachbarn an dem Artenschutzprojekt: Österreich und die Tschechische Republik.

Wo der Desman auf Schneckenjagd geht

Das war eine Sendung der Spitzenklasse, gestern (also Montag) Abend im 1.Programm, um 20.15 Uhr: In der Reihe „Erlebnis Erde“  waren in der Folge „Wildes Russland 2“ weltweit zum allerersten Mal Filmaufnahmen von einer Tierart zu sehen, von der ich bisher nicht mal wusste, dass sie existiert: der Desman.

Der Desman ist mit dem Maulwurf verwandt, aber größer. Es gibt eine Desman-Art in den Pyrenäen, außerdem noch den russischen, der gestern in der Sendung zu sehen war. Statt im Erdreich zu wühlen und Gänge zu graben, lebt er im Wasser, taucht gerne und geht dort auf Schneckenfang. Die sind seine Lieblingsspeise – beim Desman handelt es sich eben um einen echten Gourmet. Wie praktisch dabei seine lange Nase ist! Er kann sie als Schnorchel benutzen und so längere Tauchgänge unternehmen. An den Hinterfüßen besitzt der Desman Schwimmhäute – er ist also ausgezeichnet an ein Leben im Wasser angepasst. Im Ural findet das Tierchen ideale Lebensbedingungen vor, gilt aber als vom Aussterben bedroht. Daran ist nicht nur der Mensch schuld: Desmane in Russland und in den Pyrenäen werden auch vom amerikanischen Nerz verdrängt. Diese Tiere brechen immer wieder aus Pelzfarmen aus oder werden öfter mal freigelassen und schlüpfen dann in freier Natur praktisch in dieselbe ökologische Nische – zum Nachteil der Desmane. 

Die Filmaufnahmen von den russischen Desmanen waren wirklich sensationell – ebenso wie die erstmals gelungenen Bilder von Elchgruppen, die zum Frühlingsbeginn auf dem Weg in andere Weidegebiete riesige Flüsse durchschwimmen. Der ganze Film brachte atemberaubende Eindrücke einer ebensolchen, vom Menschen zum Glück noch unberührten Landschaft. Für mich persönlich waren natürlich auch die Szenen mit meinen Artgenossen, den Wölfen, beeindruckend, außerdem die mit der Nerzmutter, die fünf Junge zur Welt brachte und kaum noch wusste, wie sie deren Mäuler stopfen sollte. Interessante Eindrücke hat man schließlich vom Uralkauz in seiner angestammten Heimat bekommen, den man sonst ja ganz gut aus dem Tiergarten Nürnberg kennt.

Man darf also auf die Folge „Wildes Russland 3“ gespannt sein. Sie wird am Montag, 16. März, um 20.15 Uhr in der ARD ausgestrahlt und dreht sich um Sibirien – mein ultimativer Fernsehtipp!

Deutschlands next Supermodel

Uralkauz.JPGDeutschlands next Supermodel – sitzt im Tiergarten in einer Voliere. Normalerweise stellt sich der kleine Uralkauz dort praktisch tot. Es haben sogar schon Besucher nachgefragt, ob es sich womöglich um ein künstliches Tier handelt, wenn er sich mal wieder stundenlang nicht bewegt hat.

Doch kaum rückten heute die Pressefotografen mit ihren Blitzlichtern an, ließ sich der sechs Wochen alte Kauz aus der Reserve locken. Sofort reckte er sich, schob seinen Kopf von einer Seite auf die andere und probierte mal eine durchaus eindrucksvolle Drohgebärde aus. Kurz gesagt: Er gab alles, um auf dem Foto möglichst vorteilhaft rüberzukommen. Ganz schön eitel, der Bursche (oder das Mädel? ist leider noch nicht bekannt).

Dass der flauschige Eulenvogel mit den wunderschönen Augen für eine Model-Karriere aber vielleicht doch nicht so gut geeignet ist, könnte an seinem Riesenappetit liegen: Kaum bekommt er ein paar tote Mäuse in die Voliere geworfen, zieht er sich mit seiner fetten Beute in ein ruhiges Eckchen zurück und genießt (siehe Foto). Drei bis vier Exemplare vertilgt er pro Tag – immerhin!

Der sechs Wochen alte Jungvogel muss aber auch groß und stark werden. Denn wenn er erst mal flügge ist, wird er nicht mehr lange in der Obhut seiner Eltern und des Tiergartens bleiben: Er soll im Nationalpark Bayerischer Wald ausgewildert werden, wo seit 1975 ein Wiederansiedlungsprojekt für die Uralkäuze läuft. Mit Erfolg, wie erste Ergebnisse einer genetischen Untersuchung besagen: Die aus Deutschland, Österreich und Tschechien ausgewilderten Tiere kommen den vor über 100 Jahren im Bayerischen Wald ausgerotteten Blutlinien so nahe, dass sie und ihre Nachkommen nach heutigen strengen Maßgaben als „Original“ des Uralkauzes durchgehen können, der im Bayerwald einst heimisch war.

Der junge Kauz wird übrigens die Nummer zehn sein, die von Nürnberg in den Bayerischen Wald reist.