Tut ja nicht weh – oder?

Küchenschaben. Na gut, zu meinen Lieblingstieren gehören die auch nicht unbedingt. Aber das, was ein amerikanisches Unternehmen sich da ausgedacht hat, ist für mich reine Tierquälerei, die hoffentlich viele Tierschützer auf den Plan ruft: eine Handy-App namens RoboRoach, von der Firma Backyard Brains zum Weihnachtsgeschäft auf den Markt geworfen. Um mit diesem „Spielzeug“ richtig umgehen zu können, müssen die kleinen Nachwuchsforscher Kakerlaken „operieren“. Am Ende kommen dabei ferngesteuerte Schaben heraus – ein ganz reizendes Spielzeug, das muss ich schon sagen!

Die App kann man für 99 US-Dollar bestellen. Mitgeliefert wird ein Video mit Anleitung, wie die für die spätere Fernsteuerung nötigen Elektroden bei den Kakerlaken aufzupropfen sind. Vorher müssen allerdings die Fühler der Schaben abgeschnitten und die äußere Schicht ihres Rückenpanzers abgekratzt werden. Es wird empfohlen, die Versuchstiere vorher in Eiswasser zu legen, damit sie praktisch ins Koma fallen.

Ein mehr als fragwürdiges Experiment am lebenden Organismus, das nicht einmal von ausgebildeten Wissenschaftlern durchgeführt wird, sondern von Kindern und Jugendlichen. Und so gibt es – zum Glück! – auch schon eine rege Diskussion in den Vereinigten Staaten, in der ethische Bedenken geäußert werden. Zwar kann niemand mit hundertprozentiger Sicherheit sagen, ob die als Ungeziefer geltenden Krabbler Schmerz empfinden können. Das Unternehmen Backyard Brains bezieht auf seiner Internetseite Stellung zu den Vorwürfen und weist sie zurück. – Abstrus, das Ganze, finde ich. Ich wünsche der Firma jedenfalls einen Shitstorm nach dem anderen an den Hals. Tut ja nicht weh, oder?

Verblöden bald auch Hunde in den USA?

Wenn auch dieser neue Trend – wie die meisten in den USA entstandenen Modeerscheinungen – aus Amerika über den großen Teich nach Europa und weiter bis zu uns schwappt, dann gute Nacht! „Dog TV“, der erste bundesweite Fernsehsender für Hunde, erobert derzeit die Wohnzimmer im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Dort liegen nun nicht mehr nur  Herrchen und Frauchen auf dem XXL-Sofa vor der Glotze, sondern auch ihre liebsten Haus-Genossen (falls dieser Begriff in den Vereinigten Staaten überhaupt noch erlaubt ist und nicht gleich für Panik, einen Polizeieinsatz oder Spionageverdacht sorgt).

Ich sehe sie schon vor mir: Massenweise fette Hunde in Tierarztpraxen und bei Tierpsychologen im Wartezimmer. Die lieben Tierchen werden dann Pillen oder teure Therapien verordnet bekommen – so kann man einen Teil der Volkswirtschaft auch ankurbeln! Die Hersteller von Fernsehgeräten und der Fachhandel werden sich ebenfalls die Hände reiben: Die Idee von Ron Levi, dem Erfinder von „Dog TV“, das rund um die Uhr ausgestrahlt wird, dürfte für einen Aufschwung ihrer Branche sorgen.

Außerdem können alle Hundehalter aufatmen: Sie brauchen nun kein schlechtes Gewissen mehr zu haben, wenn sie ihre Schützlinge stundenlang allein zu Haus lassen. Nein, sie gelten sogar als besonders fürsorglich, wenn sie für ihren besten (vierbeinigen) Freund das passende Format aussuchen: Leidet der Ärmste unter Unruhezuständen, wird ihm „Relaxation“ gut tun, liegt er immer nur faul herum, kann das Programm „Stimulation“ Abhilfe schaffen. Gegen hündische Antriebslosigkeit kommen auch animierte 3D-Bälle und computeranimierte Fledermäuse im „Dog TV“ zum Einsatz.

Die Rot-Grün-Blindheit, unter der Hunde leiden, wurde von den Programmgestaltern angeblich ebenso berücksichtigt wie das empfindliche Gehör der Vierbeiner: Nur Frequenzen, die als angenehm empfunden werden, sollen über den Sender gehen, Lärm und Krach sind dagegen verpönt. Und jetzt der Clou: Amerikanische Tierschützer finden „Dog TV“ offenbar auch klasse. Deren größte Gruppierung, die „Humane Society“ (?!), ist der Meinung, Fernsehen wirke der Vereinsamung von Hunden entgegen. – Tja, so weit kommt´s, wenn man allzu Menschliches auf Tiere projiziert!

Hässlich? Ich finde ihn süß!

Er heißt Walle, ist vier Jahre alt,  kommt aus Chico in Kalifornien, hat einen seltsam überdimensionierten Kopf im Verhältnis zu seiner Körpergröße, kurze Beine, breite Füße und bewegt sich eher watschelnd voran wie eine Ente, nicht wie ein Hund: Der Beagle-Boxer-Basset Hound-Mischling wurde in Kalifornien zum „Hässlichsten Hund der Welt“ gekürt.  – Hässlich? Also ich weiß nicht, mir gefällt das Tier richtig gut. Aber wer kann schon den unergründlichen Gedankengängen von Preisrichtern bei Hunde-Schönheitswettbewerben – oder wie in diesem Fall: Hässlichkeits-Wettbewerben – folgen? Ich jedenfalls nicht.

Für Walle und sein Frauchen hat sich die Teilnahme am Beauty-Contest zweifellos gelohnt. Die beiden haben schon mal 1500 US-Dollar Preisgeld eingeheimst. Und das ist erst der Anfang: In den nächsten Tagen und Wochen wird Walle mit seiner Besitzerin von einer Fernseh-Show zur nächsten weitergereicht – sicherlich auch nicht ohne Honorar. Walle hat sich übrigens gegen 29 Mitbewerber durchgesetzt. Darunter waren vor allem Chinesische Schopfhunde mit faltig-brauner, nackter Haut (die finde ich auch richtig hässlich!); der Vorjahressieger war ebenfalls ein Chinesischer Schopfhund gewesen. Über Walle soll einer der Preisrichter gesagt haben, der Hund sehe aus, als sei er aus Teilen verschiedener Hunde und noch anderer Tiere zusammengesetzt.

Na und? Also, ich würde Walle nehmen, wie er ist. Aber über Geschmack lässt sich eben nun mal nicht streiten, das wissen wir ja schon lange.

Die skurrilsten Arten

Immer wieder schreibe ich in diesem Blog über Tiere. die neu entdeckt werden. Die Universität von Arizona in Tempe veröffentlicht jedes Jahr eine Liste mit den zehn skurrilsten Entdeckungen des vergangenen Jahres im Tier- und Pflanzenreich. Ein paar Beispiele davon möchte ich vorstellen – da es sich hier um ein Tier-Blog handelt, natürlich nur Tiere, keine Pflanzen.

Auf die aktuelle Liste hat es  u.a. das hier abgebildete Tier (Foto: MBARI/dpa) geschafft. Es handelt sich um einen fleischfressenden Schwamm mit dem schönen Namen Chondrocladia lyra, der in über drei Kilometern Tiefe vor der Küste von Kalifornien lebt. Den Wissenschaftlern haben es die harfenähnlichen Arme des Schwammes angetan. Auch ein nur sieben Millimeter großer Frosch wurde auf die Liste gesetzt: Paedophryne amanuensis ist das kleinste Wirbeltier der Welt und lebt im Regenwald von Papua-Neuguinea. Das Lesula-Äffchen, über das ich hier auch schon einen Beitrag veröffentlicht habe, taucht wegen seiner menschenähnlichen Augen auf der Liste auf. Die männlichen Vertreter zeichnen sich außerdem durch einen leuchtend blauen Streifen auf dem Allerwertesten und dem Geschlechtsteil aus.

Auf der von den Forschern erstellten „Hitliste“ findet man auch eine fluoreszierende Kakerlake (Lucihormetica luckae), die auf dem Vulkan Tungurahua in Ecuador vorkommt. Sie war zwar schon vor 70 Jahren entdeckt worden, wurde aber erst 2012 als neue Art beschrieben. So könnte es sein, dass das Insekt mittlerweile schon ausgestorben ist. Und noch ein letztes Beispiel, das auf der Liste steht: eine Florfliege. Dieses Insekt hatten Biologen auf der Internetseite des Fotodienstes Flickr entdeckt – und es machte sie stutzig. Auf Umwegen identifizierten sie es schließlich als neue Art, der sie den Namen Semachrysa jade gaben. „Jade“ deshalb, weil die Tochter des Fotografen so heißt.

Zikadenplage im Nordosten der USA

Alle 17 Jahre wieder passiert es: Teile der USA werden von einer Zikadenplage heimgesucht. In diesem Jahr sind mehrere Bundesstaaten an der amerikanischen Ostküste betroffen, Gebiete von Connecticut bis North Carolina. Die Zikaden sitzen in Bäumen, auf der Straße oder auf Gehwegen, schwirren um Menschen herum oder setzen sich bei ihnen sogar in die Haare. Manch einer hält sich, um den Insekten zu entgehen, am liebsten gar nicht mehr im Freien auf – oder nur noch dann, wenn es sich nicht vermeiden lässt.

Was steckt hinter diesem Phänomen? Bei den Tieren handelt es sich um Insekten mit dem wissenschaftlichen Namen Magcicada septendecem. Die Siebzehn steckt also schon im Namen drin, und zwar aus folgenden Grund: Nach 17 Jahren, das sie im Larvenstadium im Boden verbringen, erwachen die Tiere, um sich fortzupflanzen. Wenn sie sich gepaart haben, ritzen die Weibchen kleine Schnitte in die Zweige von Bäumen, um dort ihre Eier abzulegen. Ist die Fortpflanzung erledigt, sterben die Zikaden; es kommt dann zu einem regelrechten Massensterben. Die Tiere treten in unterschiedlichen Regionen zu unterschiedlichen Zeitpunken auf – in ein und derselben Region aber immer im zeitlichen Abstand von 17 Jahren. Offenbar sagt ihnen ihre innere Uhr, wann sie aktiv werden sollen. Die Brut, die jetzt den Nordosten der USA heimsucht, stammt also aus dem Jahr 1996, und die Plage wird noch bis etwa Mitte Juni anhalten.

Die Zikaden sind im Lauf der vergangenen Wochen aus dem Boden gekrochen, als es draußen langsam warm wurde. Sie sind etwa zweieinhalb Zentimeter groß,  besitzen einen schwarzen Körper, rot leuchtende Augen und bronzefarben schimmernde, durchsichtige Flügel. Sie sind nicht giftig, stechen nicht und richten auch bei Pflanzen an der Oberfläche kaum Schaden an, weil sie sich noch im Boden von Wurzelsäften ernähren. Was die Zikaden so bedrohlich macht, ist einfach die Menge, in der sie auftreten. Experten schätzen, dass sich auf der Fläche eines halben Fußballfeldes bis zu eine Million dieser Tiere tummeln können.

Vor 17 Jahren hatte die Zikadenplage in den jetzt wieder befallenen Gegenden geradezu biblische Ausmaße, erinnern sich die Bewohner. In diesem Jahr ist es weniger schlimm, weil der Frühling lange Zeit sehr kühl war. Diese Zikadenart hat wegen der Unregelmäßigkeit der Abstände von 17 Jahren (17 ist eine Primzahl) den großen Vorteil, dass sie keine Feinde besitzen, die sich beim Fressen auf sie spezialisiert haben. Trotzdem sind sie natürlich alle 17 Jahre ein willkommenes Festmahl für andere Tiere wie Vögel, Fische oder Eichhörnchen, aber auch Haustiere wie Hunde und Katzen. Es gibt sogar Menschen, die die Zikaden verspeisen: als Belag auf einer Pizza oder Quiche oder als Einlage in der Suppe. Rezepte für solche Leckereien kursieren im Internet.

 

Rätsel um gestrandete Seelöwen

In Kalifornien stehen Biologen und Mitarbeiter der US-Wetter- und Ozeanbehörde NOAA vor einem Rätsel: Täglich stranden an der Küste zwischen Santa Barbara und Diego junge Seelöwen, die völlig ausgehungert sind – manche von ihnen auch krank. An sich gibt es ein solches Phänomen jedes Jahr um diese Zeit. Aber normalerweise sind es im Schnitt pro Jahr 131 Tiere, diesmal aber waren es zwischen Januar und März schon fast 1100(!). Wie es dazu kommt, kann sich bisher niemand erklären. Jetzt wird untersucht, ob eine Krankheit oder Nahrungsmangel die Ursache sein könnten.

Sorgen macht man sich zum Beispiel in der Auffangstation für Meeressäuger in San Pedro. Sie kümmert sich – wie andere Rettungsstationen entlang der kalifornischen Küste – jedes Jahr um Dutzende junger Seelöwen, die an Land Futter suchen, wenn sie nicht mehr von ihren Müttern versorgt werden. Doch sonst beginnt diese Periode erst im April, nicht im Januar wie dieses Jahr. Zu diesem Zeitpunkt waren die Seelöwenbabys erst sechs Monate – zu jung, um schon ohne Mutter leben zu können. Die Tiere, die in den Stationen zunächst einmal gewogen werden, brachten nur halb so viel Gewicht auf die Waage wie die in anderen Jahren aufgegriffenen Tiere. Heuer werden die kleinen Seelöwen auch nicht nur an der Küste angeschwemmt. Einige robben sich nach dem Stranden auf der verzweifelten Suche nach Futter weit ins Landesinnere hinein. Man hat schon Tiere gefunden, die unter geparkten Autos lagen, eines wurde sogar in einem Handy-Laden entdeckt, elf Kilometer vom Meer entfernt. Offenbar war der kleine Seelöwe meilenweit durch einen Hochwasserkanal geschwommen, er hatte außerdem einige Straßen überqueren müssen.

In den Auffangstationen bringt man die Jungtiere in Gehegen mit Wasserbecken unter. Besonders schwache und kranke Tiere kommen in ein getrenntes Areal, das die Mitarbeiter ständig überwachen. Die Tiere werden aufgepäppelt und medizinisch versorgt, falls das nötig ist, und dann wieder freigelassen. Allerdings schaffen es nicht alle. Wenn keine Aussicht auf Heilung besteht und die Tiere zu schwach sind, werden sie eingeschläfert. Unnötiges Leiden will man ihnen ersparen. Noch ist kein Ende des Phänomens abzusehen, denn die eigentliche Zeit der Entwöhnung von den Müttern kommt erst noch. An manchen Tagen stranden so viele junge Seelöwen, dass sie keinen Platz mehr in einer Auffangstation finden.

Wo die Liebe hinfällt

Ich bin ja immer auf der Suche nach skurrilen Tiergeschichten. Zwei ganz nette Sachen habe ich jetzt wieder gefunden. Die eine hat sich auf Phuket abgespielt und dreht sich um eine Schlange, die sich in ein Motorrad verliebt hat. Und das kam so: Ein thailändischer Motorradfahrer, der offenbar ein Tierfreund ist, war nachts unterwegs zu seiner Freundin. Plötzlich entdeckte er mitten auf der Straße eine Schlange. Der Mann wollte das Tier nicht überfahren und beschloss, ihm den Vortritt zu lassen. Also bremste er und blieb stehen. Statt weiterzukriechen und die Straße zu überqueren kehrte die Schlange auf einmal um, näherte sich dem Vorderreifen des Motorrads und schlängelte sich um den Reifen. Anscheinend gefiel es dem Tier dort bestens – jedenfalls verließ sie den Reifen nicht mehr. Der Mann rief in seiner Not die Polizei und schilderte sein Problem. Die Beamten rückten zusammen mit einem Schlangenexperten an. Mit vereinten Kräften schafften sie es, die etwa zwei Meter lange Schlange vom Reifen zu lösen und in Sicherheit zu bringen.

Nicht schlecht finde ich auch das, was sich in einer Bar im US-Bundesstaat Montana zugetragen hat. Dort war die Hauptperson eine Ziege namens Shirley, die auch mal in eine Bar gehen wollte. Als sie dort auftauchte, gefiel das einem Gast ganz und gar nicht. Er alarmierte die Polizei, und die Ziege landete erst mal im Tierheim. Schließlich fand man aber heraus, dass sie eigentlich zu einem Streichelzoo gehörte, und dorthin wurde sie auch wieder zurückgebracht. Wie das Tier von da in den Ort und die Bar gelangt war, kann sich allerdings niemand erklären. Jetzt wird sogar überlegt, ob Shirley mit ihrem Besuch in dem Lokal gegen den Gesundheitskodex verstoßen haben könnte. Womöglich muss sie ja auch noch Strafe zahlen?

 

Schwangerschaft auf hoher See

Über Weiße Haie kursieren seit Steven Spielbergs Film und der Romanvorlage von Peter Benchley in den 1970er Jahren die wildesten Gerüchte. Als wahre Bestien wurden die Tiere seitdem immer wieder hingestellt, die gnadenlos auch Menschen jagen. Benchley hat später bedauert, dass sein Buch daran wesentlich mit schuld war. Der Autor startete, sozusagen zur Wiedergutmachung, verschiedene Aufklärungskampagnen über Haie, die natürlich längst nicht so spektakulär waren wie der Roman.

Noch immer arbeiten Forscher daran, mehr über die Lebensweise von Weißen Haien herauszufinden. Jetzt haben Wissenschaftler des „Marine Conservation Science Institute“, einer Organisation für den Schutz von Meerestieren in den USA, neue Erkenntnisse  über weibliche Weiße Haie während der Schwangerschaft veröffentlicht.

Die Forscher haben die Tiere mit Funk-Sendern ausgestattet, die an den Rückenflossen angebracht wurden. Dazu hat man die Haie eingefangen und auf ein speziell ausgerüstetes Forschungsschiff gebracht. Die Sender funken Signale zu einem Satelliten, wenn die Haie auftauchen. Die Forscher haben diese Bewegungen der Hai-Weibchen mehrere Jahre lang aufgezeichnet und analysiert.

Nun weiß man, dass die trächtigen Tiere die meiste Zeit der eineinhalb Jahre dauernden Schwangerschaft auf Wanderschaft weit draußen im Ozean verbringen. Die Paarung spielt sich noch in Küstennähe ab, dann schwimmen die Weibchen hinaus. Offenbar meiden sie die Männchen außerhalb der Paarungszeit, denn nicht einmal während fünf Prozent ihrer vielen Monate auf hoher See hielten sich die werdenden Mütter in der Nähe von männlichen Artgenossen auf. Um ihre Jungen zur Welt zu bringen, kehren die Weißen Haie dann aber wieder in die Küstenregionen zurück. Dort werden sie schon nach kurzer Zeit wieder schwanger und beginnen ihre Wanderschaft aufs Neue.

Magnetfelder als Wegweiser

Eines der faszinierenden Phänomene in der Tierwelt waren für mich schon immer die großen Wanderungen der Lachse. Nun haben Forscher aus den USA und Kanada herausgefunden, wie sich Rotlachse auf dieser anstrengenden Reise orientieren: Das Magnetfeld ihrer Heimat weist ihnen den richtigen Weg (Foto: Nathan Putman/Current Biology).

Die Biologen haben die Routen der Rotlachse aus dem Fraser-Fluss in British Columbia über fast 60 Jahre ausgewertet. Diese Fische schlüpfen in diesem Fluss und machen sich im jugendlichen Alter auf, um den fast 2000 Kilometer entfernten Golf von Alaska zu erreichen. Nach zwei Jahren im Meer werden sie geschlechtsreif und kehren dann an ihren Geburtsort zurück, um zu laichen.

Bei der Rückkehr müssen sie um Vancouver Island herumschwimmen, eine Insel, die vor der Mündung des Fraser-Flusses im Meer liegt. Sie ist immerhin 450 Kilometer lang und 100 Kilometer breit, und die Lachse müssen die Wahl treffen, welche Route sie nehmen, um wieder in den Fluss zu gelangen: die nördliche durch die Königin-Charlotte-Straße oder die südliche durch die Straße von Juan de Fuca.

Die Pazifische Lachskommission hat die Wege der Lachse seit 1953 in ihren Jahresberichten aufgezeichnet. Jetzt haben die Wissenschaftler der Oregon State Universität das magnetische Feld an der Fraser-Mündung und an den beiden Übergängen der beiden Meeresstraßen zum Ozean hin für den Zeitraum seit 1953 bestimmt. Dabei fanden sie heraus, dass die Fische jeweils den Weg wählten, bei dem das Magnetfeld an der Meeresstraße ähnlich stark war wie das an der Flussmündung. So kamen sie sicher zu ihrem Ursprungsort zurück.

 

Es geht auch ohne Schlitten

Hundeschlittenrennen haben eine Tradition in Ländern wie Alaska, Grönland, Sibirien oder Norwegen. Dort wurden schon vor Christi Geburt die ersten Schlittenhunde gezüchtet. Ihre hautsächliche Eigenschaft ist der unbedingte Wille, über lange Strecken unter extremen klimatischen Bedingungen zu laufen und dabei einen Schlitten zu ziehen.

Aber unsere Welt hat sich seitdem verändert. Schlittenhunde verschiedener Rassen werden heutzutage überall gehalten, selbst in Ländern, in denen es auch im Winter fast sommerlich bleibt. So zum Beispiel in Kalifornien. Dort hat sich in Costa Mesa, südöstlich von Los Angeles, eine regelrechte Hundeschlitten-Kultur herausgebildet: Wöchentlich finden dort in einem Park Rennen statt. Statt Schlitten ziehen die Hunde kleine Wagen, Roller oder Fahrräder. Das Hobby, dem viele Schlittenhunde-Besitzer frönen, nennt sich „Urban Sledding“. Dabei kommen vor allem Schlittenhunde der Rassen Alaskan Malamutes und Samojeds zum Einsatz.

Klar, diese Hunde sind so veranlagt, dass sie sich möglichst viel bewegen und dabei richtig verausgaben müssen. Außerdem besitzen sie die Fähigkeit, durch regelmäßiges Training äußerst exakt auf Kommandos der Schlittenhundeführer reagieren zu lernen. Und so eigenartig die Bilder von Schlittenhunden unter der Sonne Kaliforniens auch anmuten mögen – vielleicht ist „Urban Sledding“ in einigen Jahren angesichts der Erderwärmung gar nichts Besonderes mehr, sondern der Normalfall?