Die eigentlichen Erfinder der La-Ola-Welle

Sie gehören auch im Tiergarten Nürnberg zu den Lieblingen der Zoobesucher: Präriehunde. Die in Nordamerika beheimateten Nagetiere sind Verwandte der europäischen Murmeltiere. Ihr Gehege am Schmausenbuck befindet sich dort, wo früher einmal das Badebecken der Flusspferde war – direkt am gleichnamigen Haus.

Fußballfans in aller Welt kennen die sogenannte La-Ola-Welle. Es gibt unterschiedliche Meinungen darüber, wer sie erfunden hat. Wir Tierfreunde aber wissen schon lange: In Wahrheit waren es die Präriehunde. Wenn es ein Mitglied einer Kolonie plötzlich auf die Hinterbeine hochreißt, macht ihm das ein Tier nach dem anderen nach, so dass es wie die „Welle“ beim Fußball aussieht.  Kanadische Forscher sind nun der Frage nachgegangen, warum die Präriehunde das tun – schließlich sind sie doch gar keine Fußballfans.

Bisher mussten mehrere Erklärungen dafür herhalten: Die Tiere würden damit ihr Territorium markieren, es würde Entwarnung nach einer Gefahr bedeuten oder zeige einfach eine stärkere soziale Bindung einzelner Koloniemitglieder zu ihren Nachbarn. Wissenschaftler in Winnipeg haben diese Annahmen jetzt entkräftet. Sie haben genau beobachtet, was die Tiere tun, wenn sie so eine Welle ins Rollen gebracht haben. Dabei stellten die Biologen folgendes fest: Je mehr Artgenossen mitmachen und je länger die „Welle“ deshalb dauert, desto länger geht das Tier danach auf Futtersuche. Die Kolonie ist während dieser Zeit besonders wachsam, so dass sich das Einzeltier sicherer fühlen kann als sonst. Die Stdie wurde jetzt  im Fachjournal „Proceedings of the Royal Society B“ veröffentlicht.

Rechts- oder linkswedelnd?

Vom Joghurt her kennen wir das ja: rechts- und linksdrehende Milchsäure. Auch Wasser kann rechts- und linksdrehend sein, ebenso wie Fettsäuren und was weiß ich sonst noch alles – ist nicht direkt mein Ding. Aber diese Frage hat mich sofort interessiert: Es geht darum, ob schwanzwedelnde Hunde das nach rechts oder nach links tun, um rechts- und linksdrehende Hundeschwänze also.

Italienische Forscher haben ihre Erkenntnisse im Fachmagazin „Current Biology“ veröffentlicht. Demnach ist ein schwanzwedelnder Hund nicht unbedingt ein Freude empfindender Hund, wie es gemeinhin heißt. Nein, die Richtung macht offenbar einen deutlichen Unterschied. Also: Zeigt der Schwanz nach links, bedeutet das nichts Gutes, nach rechts ist es hingegen ein positives Zeichen (so wie auf dem Foto: die Hündin freut sich über ihren Fund). Erklärt wird das Phänomen damit, dass auch bei Hunden die rechte und linke Gehirnhälfte für unterschiedliche Aufgaben zuständig sind.

Und das geht so: Geht der Schwanz nach rechts, so wird das von der linken Hirnhälfte aus gesteuert, die für angenehme Gefühle zuständig ist. Löst die rechte Hirnhälfte das Wedeln aus – der Schwanz geht folglich nach links -, heißt das: negative Emotionen. Hunde untereinander unterscheiden das auf Anhieb und können sich so gegenseitig besser einschätzen, wenn sie auch nicht direkt auf diesem Weg miteinander kommunizieren, so die Wissenschaftler.

Herausgefunden haben das Biologen der Universität von Trient. Sie ließen Hunde verschiedener Rassen Videos anschauen. Darin waren Hunde oder Hundesilhouetten mit Wackelschwänzen zu sehen. Das Wedeln nach links hat dabei immer Unruhe bei den tierischen Zuschauern ausgelöst und ihren Puls zum Teil deutlich ansteigen lassen. Bewegte sich der Schwanz nach rechts, ließ das die Hunde kalt. Dabei machte es keinen Unterschied, ob sie einen echten oder unechten Hund vorgesetzt bekamen. Hundesilhouetten mit Schwänzen ohne Bewegung verurschten bei den Videobetrachtern übrigens auch einen gewissen Stress – ein ruhiger Schwanz darf also auch von uns Menschen nicht unbedingt als positives Signal verstanden werden; er zeigt eher Anspannung oder sogar Angst an.

Hundebesitzer sind vielleicht schon allein auf das alles gekommen, wenn sie ihren Schützling gut kennen. Für alle anderen aber heißt es: Nicht nur beim Joghurt auf die richtige Richtung achten!

 

Von Menschen und Fledermäusen

Was haben Menschen mit Fledermäusen gemeinsam? – Nein, Blutsauger sind Fledermäuse nicht, bei Menschen dagegen kommen solche Exemplare durchaus vor. Also vielleicht das: Fledermäuse sind Nachtschwärmer, und die gibt es bei Homo sapiens auch. Die Antwort, die ich gern hätte, lautet aber anders: Menschen und Fledermäuse verhalten sich ähnlich bei Meinungsunterschieden in der Gruppe. Das haben Forscher der Uni Greifswald in einer Studie herausgefunden.

Dafür simulierten die deutschen und schweizer Wissenschaftler Konfliktsituationen in wilden Kolonien von Bechsteinfledermäusen: Die Forscher sandten verschiedene Störsignale aus, wenn die Fledermäuse ihr nächstes Tagesquartier aussuchten. Auf diese Weise wurde den Tieren vermittelt, dass bestimmte Fledermauskästen sich für diesen Zweck nur schlecht eignen. Bei leichten Störsignalen konnten sich die Gruppenmitglieder noch einigen, bei starken Störungen entstand unter ihnen ein starker Interessenkonflikt. Den konnten die Tiere nur lösen, indem sich einzelne von der Gruppe trennten. So spaltete sich die Kolonie für einige Tage in unterschiedliche Lager auf. – Kommt mir irgendwie bekannt vor, das Ganze!

Folgenden Schluss ziehen die Wissenschaftler aus ihren Versuchen: Mit der Studie wurde erstmals an Säugetieren im Freiland nachgewiesen, dass das Resultat von Gruppenentscheidungen abhängig ist von der Stärke des Interessenkonflikts zwischen den Tieren. Je stärker der Konflikt, umso weniger sind einzelne Mitglieder der Kolonie zu Kompromissen bereit und trennen sich lieber. – Da wiederum können wir Menschen noch einiges von den Fledermäusen lernen!

Ein Wolf heult aus gutem Grund

Wenn man Wolf heißt, ist man nicht nur dazu prädestiniert, ein Tier-Blog zu betreiben. Man interessiert sich natürlich auch ganz besonders für Wölfe. Deshalb greife ich das Thema immer wieder gern auf. Zuletzt gab es allerdings einen traurigen Anlass dafür: den Tod der alten Wölfin Cora im Nürnberger Tiergarten, über den ich vor kurzem hier geschrieben habe.

Dazu passt mein heutiger Beitrag auch ganz gut. Er dreht sich um das Wolfsgeheul, das Menschen aus unerfindlichen Gründen seit Jahrhunderten fasziniert. Manch einer findet die wölfischen – oft auch nächtlichen – „Gesänge“ gruselig, andere versuchen, ihrer Bedeutung auf die Spur zu kommen. Tierforscher veröffentlichen in regelmäßigen Abständen Studien darüber. So auch jetzt wieder: Im Wolfsforschungszentrum Wildpark Ernstbrunn bei Wien haben Wissenschaftler das Wolfsgeheul zweier Rudel untersucht. Und festgestellt: Verlässt ein Wolf seine Gemeinschaft, heulen die zurückbleibenden Tiere. Aus der Heul-Struktur kann man sogar heraushören, welche soziale Rolle der Wolf/die Wölfin  im Rudel innehatte.

Die Forscher gingen durch Messungen von Stresshormonen auch der Frage nach, ob Stress zum Heulen führen kann. Und sie berücksichtigten den Status der einzelnen Tiere im Rudel und beobachteten, welche Tiere andere als Partner bevorzugen. Das Ergebnis: Wölfe heulen nicht einfach drauflos. Sie heulen jedoch umso länger, je enger sie mit dem Tier verbunden waren, das die Gruppe gerade verlassen hat. Um ranghöhere Tiere wird länger geheult. Und: Der Level des Stresshormons Cortisol beeinflusst weder Länge noch Intensität des wölfischen Heulens. Wenn Wölfe heulen, tun sie das also nicht, weil sie unter Stress stehen. Sie heulen außerdem nicht, weil sie ihre Gefühle nicht unter Kontrolle haben. Ihr Heulen ist vielmehr Ausdruck für die stark ausgeprägte Sozialstruktur innerhalb des Rudels.

Ähnlich wie Menschen gehen Wölfe sehr enge Beziehungen ein, pflegen Freundschaften und leben in einem höchst differenzierten sozialen Gefüge. Je nachdem, wie die Beziehung zu dem Tier definiert ist, das die Gruppe verlässt, setzen Wölfe unterschiedliche Heul-Laute und -varianten ein. Die Forscher gehen sogar davon aus, dass Wölfe bewusst heulen, um weiter Kontakt mit dem Individuum zu halten, das aus dem Rudel herausgegangen ist. – Mir scheint, je mehr über Canis lupus geforscht wird, desto mehr Parallelen zwischen Wolf und Mensch tun sich auf! Als Mensch und Wolf werde ich da natürlich weiter dranbleiben.

Lebenswichtige soziale Netzwerke

Wer sagt denn, soziale Netzwerke existieren erst seit Beginn des digitalen Zeitalters und funktionieren nur über Twitter, Facebook usw. ? Weit gefehlt! Völlig daneben liegt auch, wer annimmt, sie seien vom Menschen erfunden. Nein, es gibt auch verschiedene Tierarten, die schon vor langer Zeit soziale Netzwerke entwickelt haben. Für manche von ihnen ist es sogar lebenswichtig, gut in sozialen Netzwerken eingebunden zu sein. Sind sie es nämlich nicht, kann ihr Überlebenskampf noch viel härter werden, als er es für die meisten Tiere in freier Wildbahn sowieso schon ist.

Ein Beispiel gefällig? – Nehmen wir dafür die neuesten Ergebnisse von Wissenschaftlern der Universität St. Andrews in Schottland her, die sich den sozialen Verbänden bei Totenkopfaffen gewidmet haben. Die Forscher haben vor kurzem herausgefunden, dass diejenigen Gruppenmitglieder am schnellsten an unbekannte Futterquellen herankommen, die am besten sozial vernetzt sind. Für die Versuche arbeiteten die Wissenschaftler mit den „Bossen“ zweier Totenkopfaffen-Gruppen: Die beiden Affen bekamen jeweils ein verschlossenes Gefäß mit Futter präsentiert und wurden dann in unterschiedlichen Methoden trainiert, dieses Behältnis zu öffnen.

Nach der Schulung kehrten die Alpha-Tiere in ihren Affenstaat zurück (frei nach dem „Dschungelbuch“; leider steht unter dem YouTube-Video fälschlicherweise „Affenstall“ statt „Affenstaat“, wie es im Lied heißt, und der Name des Affenkönigs ist auch falsch geschrieben, richtig wäre Louie, nicht Lui). Die Forscher konnten genau folgende Abläufe beobachten: Die Gruppenmitglieder, die über die vielfältigsten sozialen Verbindungen verfügen, sind rascher in der Lage, sich die Technik von ihrem Chef abzuschauen und selbst anzueignen, als die Äffchen, die eher Randfiguren im Verbund sind. Und noch etwas stellten die Biologen fest. Etwas, das ich als Aufmunterung für diejenigen unter meinen Lesern betonen möchte, die – wie ich selbst – nicht mehr die Jüngsten sind: Das Alter der Affen spielte bei den Experimenten überhaupt keine Rolle!!! Dieser Aspekt des Studienergebnisses wundert mich allerdings überhaupt nicht. Ähnliches beobachte ich tagtäglich in meiner näheren Umgebung.

Mancher Karpfen(esser) ist ganz schön verwegen!

Uns Franken ist der Karpfen ja am liebsten, wenn er auf dem Teller liegt, vorzugsweise gebacken. Allerdings müssen wir bis zum Beginn der nächsten Karpfensaison im September noch etwas warten – bekanntlich isst man Karpfen nur in den Monaten mit einem R im Namen. Das Thema Karpfen ist trotzdem aktuell. Denn Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei und Forscher der Berliner Humboldt-Universität haben sich mit den Fischen beschäftigt, und zwar in einer Studie über die Persönlichkeit von Karpfen. Kein Witz! Die Forscher haben herausgefunden, dass verschiedene Karpfenrassen unterschiedlich risikobereit sind: Gezüchtete Spiegelkarpfen zeichnen sich demnach durch Draufgängertum und Dreistigkeit aus, während die ursprüngliche Rasse der Schuppenkarpfen eher scheu und schüchtern ist. Dafür wurden die Karpfen bei identischen Versuchsreihen in Teichen und in Labortanks beobachtet. Bei der Futtersuche zeigten sich die verwegenen Spiegelkarpfen äußerst risikobereit, die ängstlichen Schuppenkarpfen dagegen wagten sich nur sehr zögerlich aus ihrem Versteck.

Tja, das ist ganz ähnlich wie bei den Menschen, die Karpfen verspeisen. Da gibt es ja durchaus auch gewisse Unterschiede in der Risikobereitschaft: Manche bestellen mutig einen extrascharfen Pfefferkarpfen, andere sind vorsichtig und lassen den Pfeffer lieber ganz weg. Solche „Studien“ habe ich selbst schon in meiner bevorzugten Karpfenwirtschaft betrieben. Und die werde ich im September, gleich bei meinem ersten Karpfen der Saison, auf jeden Fall fortsetzen. Die ganz verwegenen Karpfenesser, die darauf bestehen, auch das Ingreisch (für Nicht-Franken: die Eingeweide; in diesem Fall Rogen und Samenzellen) serviert zu bekommen, werde ich wohl in die Kategorie der Draufgänger einordnen. Zu dieser Spezies gehöre ich übrigens selber auch.

 

Verbeugung vor einem großen Forscher

Er gilt als einer der bedeutendsten und vor allem streitbarsten Verhaltensforscher unserer Zeit: Irenäus Eibl-Eibesfeldt. Der einstige Schüler von Konrad Lorenz feiert am heutigen 15. Juni seinen 85. Geburtstag. Ein solches Ereignis kann man natürlich in einem Tierblog wie diesem nicht übergehen.

Nach der Tierwelt hat Eibl-Eibesfeldt auch das Verhalten der Menschen erforscht und im Jahr 1984 die Humanethologie als eigene Disziplin eingeführt. In diesem Zweig der Verhaltensbiologie ging Eibl-Eibesfeldt vor allem der Frage nach, welche menschlichen Verhaltensweisen angeboren und welche kulturell bedingt sind. Dabei hat er manche sehr umstrittene Thesen vertreten. Vielleicht erinnert sich der eine oder andere noch daran, dass man Eibl-Eibesfeldt wegen seiner Überzeugung, Fremdenscheu sei dem Menschen angeboren, Fremdenfeindlichkeit vorwarf.

Der Forscherdrang des gebürtigen Wieners, der jetzt am Starnberger See lebt, ist ungebrochen. Derzeit arbeitet er im Humanethologischen Filmarchiv in der Max-Planck-Gesellschaft Material aus Jahrzehnten auf. Als nächstes plant er wieder eine Entdeckungsreise auf den Galapagos-Archipel. Dort will er unbedingt ein weiteres Exemplar der „Testudo Fantastica“ finden – einer Riesenschildkröte, die auf der Insel Fernandina entdeckt wurde. Bisher konnte aber nur ein einziges Tier aufgespürt werden. Die Galapagos-Inseln waren der Dreh- und Angelpunkt im Forscherleben von Eibl-Eibesfeldt, mit seinen zoologischen Studien, die er dort betrieb, wurde er schnell berühmt. So beschrieb er zum Beispiel erstmals eine gut funktionierende Symbiose zwischen zwei dort lebenden Tierarten: Schildkröten, die sich von Grundfinken nach Zecken absuchen lassen. Eibl-Eibesfeldt fand etwa auch heraus, dass Meerechsen zum Tauchen kleine Steine schlucken, sich an Land mit der Zunge orientieren und Wassernebel aus der Nase sprühen.

Bis 1996 lehrte der Wissenschaftler, der sich immer wieder nachdrücklich für ethnische Vielfalt und den Schutz bedrohter Kulturen einsetzte,  an der Uni München. Zum Geburtstag wünscht sich Eibl-Eibesfeldt vor allem eines: Dass sein Fach weiter gepflegt wird, wie er im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa sagte. Die Aussichten dafür stehen nicht schlecht: An der Uni Frankfurt plant man einen Lehrstuhl für Humanethologie.

Bonobos mit menschlichen Zügen

So, das Neue Jahr ist da, die Zeit des großen Feierns vorüber. Ich wünsche meinen Lesern ein glückliches und gesundes Neues Jahr!

Schauen wir nach vorne und wenden uns wieder dem Thema Tiere zu, das sicherlich auch 2013 viel Interessantes bringen wird. So zum Beispiel das, was Forscher der Duke University in Durham jetzt herausgefunden haben: Bonobos (Zwergschimpansen, das Foto stammt von Jingzhi Tan) kommen dem menschlichen Verhalten sehr nahe, was die Bereitschaft angeht, mit anderen zu teilen. Diese Menschenaffen teilen freiwillig ihre Nahrung mit Artgenossen – auch mit solchen, die nicht ihrer eigenen Gruppe angehören. Sie teilen sogar lieber mit fremden Artgenossen.

Bonobos zählen, wie die anderen Großen Menschenaffen – also Schimpansen, Orang-Utans und Gorillas – zu den nächsten Verwandten des Menschen. Bisher galt in der Wissenschaft die Annahme, dass es ein einzigartiges menschliches Phänomen ist, mit anderen zu teilen. Dies wurde durch die Forscher in Durham widerlegt. Die Bonobos sind also auch ohne Sprache und soziale Normen, wie wir Menschen sie in unserem Zusammenleben einhalten, zu einem mitfühlenden Verhalten gegenüber Fremden bereit.