Ein Silberstreif am Horizont?

In Asien wird am 10. Februar das Neujahrsfest gefeiert. Das Fest, das sich nach dem Lauf von Sonne und Mond richtet und jedes Jahr auf ein anderes Datum fällt, bedeutet für einige Tierarten nichts Gutes. Denn nach wie vor ist es zu diesem Fest Brauch, Medizin und Glücksbringer zu verschenken, die aus den Körperteilen von Tieren hergestellt sind – noch dazu aus Körperteilen von gefährdeten Tierarten.

Die traditionelle chinesische Medizin wird aus diesen tierischen „Zutaten“ hergestellt, und teure Produkte aus exotischen Tieren sind höchst beliebt. Dabei werden nicht nur Familienmitglieder mit Neujahrsgaben bedacht. Auch so mancher Angestellte macht seinem Chef ein teures Geschenk, in der Hoffnung, auf der Karriereleiter schneller nach oben zu klettern. Pasten aus Tigerknochen, Pulver aus Schuppentieren, Amulette aus Schildkrötenpanzern – das sind nur einige Beispiele für Neujahrsgeschenke. Die Käufer lassen durchaus umgerechnet Hunderte von Euro springen. Dafür geht es Tieren in den Wäldern Asiens an den Kragen, besonders Tigern, Schlangen, Leoparden, Schildkröten, Schuppentieren und Kragenbären.

Die Wildtierprodukte sind zwar illegal, aber sie werden von hervorragend organisierten Schmugglerringen vertrieben; vor allem von Thailand aus nach Vietnam und China blüht der Handel. Weltweit gibt es einen boomenden Schwarzmarkt, auf dem in manchen Jahren Geschäfte von über 20 Milliarden Euro abgewickelt werden. Man schätzt, dass ein Viertel des nach dem Artenschutzabkommen Cites verbotenen Handels mit Wildtieren in Asien über die Bühne geht.

Nun beginnen aber die chinesischen und vietnamesischen Behörden einzuschreiten. Sie haben in den letzten Monaten eine beträchtliche Menge an illegalen Tiertransporten beschlagnahmt, Hunderte von Kobras oder Schildkröten von Lastwagen oder auf dem Flughafen von Bangkok befreit. Immerhin: erste Schritte, um den skrupellosen Schmugglern das Handwerk zu legen. In Südchina hat man äußerst medienwirksam Tierschmuggler verhaftet. Offenbar hat das schon dazu geführt, dass die Zahl an Wildtier-Bestellungen, die von China nach Thailand aufgegeben werden, rückläufig ist. Die chinesischen und thailändischen Behörden kooperieren mittlerweile auch in dieser Angelegenheit, deshalb geht man davon aus, dass die Schmuggler in diesem Jahr deutliche Einbußen bei ihren Geschäften machen.

Mag sein, dass das erst ein kleiner Silberstreif  am Horizont ist. Aber immerhin, ein Anfang ist gemacht. Nun müssen die Behörden allerdings an der Sache dranbleiben, wenn wirklich etwas erreicht werden soll.

Alarmstufe Rot für viele Affen

Es ist traurig, aber leider nicht zu vermeiden: Immer wieder muss sich hier in meinem Blog über Tierarten schreiben, die vom Aussterben bedroht sind. Das Thema wird bedauerlicherweise immer brisanter. Derzeit berät die Weltgemeinschaft UNO in Hyderabad (Indien) über den Erhalt der biologischen Vielfalt, und deshalb gibt es wieder einen aktuellen Anlass, auf das Thema einzugehen.

Die Weltnaturschutzunion IUCN gab auf der Konferenz bekannt, dass von 420 Affenarten auf der Welt 206 vom Aussterben bedroht sind. Also steht fast die Hälfte der Tiere, die als engste Verwandte des Menschen gelten, auf der Roten Liste. Gründe für die Bedrohung der Primaten sind die Zerstörung ihres Lebensraums, der illegale Handel mit den Tieren und die Jagd: Affenfleisch ist äußerst begehrt. Bei einigen Arten existiert nur noch eine sehr geringe Anzahl von Tieren. Dazu gehören auch die Goldkopflanguren aus Vietnam (siehe Foto), die Roloway-Meerkatzen aus Westafrika und die Roten Varis aus Madagaskar.

Apropos Madagaskar: Auf der vor Afrika liegenden Insel haben die Affen besonders schlechte Karten. Denn wegen der politischen Krise dort werden noch mehr Affen als bisher wegen ihres Fleisches bejagt, außerdem wird dort immer mehr tropischer Regenwald vernichtet. So wundert es einen nicht, wenn 25 der am stärksten bedrohten Affenarten auf Madagaskar leben. Aber auch in Vietnam, Indonesien und Brasilien sieht es für viele Primaten sehr schlecht aus.

Die IUCN mahnt in Hyderabad einen besseren Schutz der Affen an. Auch mit dem Hinweis auf menschliche Interessen: So spielen Affen etwa eine immer bedeutendere Rolle für den Tourismus der Länder, in denen sie vorkommen. Und sie sind unverzichtbar, wenn es um den Erhalt des Regenwaldes geht, weil sie Samen in den Wäldern verteilen und so ihren Beitrag zur Vielfalt des Regenwaldes leisten. Wenn Affen aussterben, zieht das also weitreichende Folgen nach sich, die sich auf den Menschen äußerst negativ auswirken werden. Das sollte niemand vergessen.

Tierquälerei auf Facebook

Es ist unglaublich, welchen Unfug manche Menschen mit Facebook treiben. Jetzt haben vietnamesische Soldaten das soziale Netzwerk missbraucht, um Fotos von einer widerwärtigen Tierquälerei zu veröffentlichen. Mein Blog-Beitrag erscheint in diesem Fall ausnahmsweise ohne Foto.

Was ist passiert? Die Soldaten haben den Bewohnern eines Dorfes zwei grauschenklige Kleideraffen abgekauft und diese dann unsäglich grausam gequält. Als die Tiere immer noch lebten, gaben sie den Bewohnern schließlich Geld, damit sie die Affen umbrachten. Und alles wurde mit Fotos auf Facebook dokumentiert. Immerhin führte der Vorfall zu empörten Reaktionen und dazu, dass drei Soldaten aus ihrer Einheit entlassen wurden und acht eine Verwarnung erhielten. Drei Dorfbewohner wurden wegen Wilderei festgenommen.

Die grauschenkligen Kleideraffen gehören nach Darstellung der Umweltschutzorganisation WWF zu den vom Aussterben bedrohten Arten. Aber vom Aussterben bedroht oder nicht, das ist in diesem Fall eigentlich nicht der Punkt. Denn Tierquäler wie die vietnamesischen Soldaten sind in meinen Augen krank. Und dass derartige Grausamkeiten erst einmal ungefiltert auf Facebook erscheinen können, halte ich auch für mehr als problematisch.

Stoppt die Nashorn-Jagd!

Tierschützer schlagen Alarm: Die Nashorn-Bestände in Südafrika sind so gefährdet wie schon lange nicht mehr. Wilderer töten diese gefährdeten Tiere derzeit in beängstigendem Tempo.

Der Grund dafür ist nach Informationen der Wildtierschutzorganisation TRAFFIC der Ansturm der Vietnamesen auf  Nashornpulver. Neureiche Vietnamesen sind derzeit ganz wild darauf. Dieses Wundermittelchen soll ja gegen alles Mögliche helfen. In China wurde ihm sogar Heilkraft gegen Krebs zugeschrieben. Einen Beweis für solche Wunderkräfte gibt es bisher nicht. In den letzten Jahren ist das Horn für viele Neureiche in Vietnam zum Luxusobjekt der Extraklasse geworden. Die Nachfrage ist so stark gestiegen, dass die Wilderei ein nie gekanntes Ausmaß angenommen hat.

In den 1970er Jahren befürchtete man bereits die Ausrottung der Nashörner in Südafrika. Verschiedene Rettungskampagnen waren aber erfolgreich, so dass sich der Bestand langsam wieder erholte. Heute geht man weltweit von 28 000 Tieren aus, wobei Südafrika das Hauptverbreitungsgebiet ist. Doch dort nimmt die Wilderei in erschreckendem Maße zu: Im Jahr 2009 wurden dort 122 Nashörner getötet, 2010 waren es 333 und im vergangenen Jahr 448. Heuer ist man in den ersten Monaten schon bei 150 getöteten Tieren angelangt. Südafrika hat Vietnam nun aufgerufen, gemeinsam gegen Wilderei und Schmuggel vorzugehen.

Übrigens: Die in Vietnam heimischen Java-Nashörner gelten bereits als ausgerottet. Das letzte Tier dieser Art wurde 2010 in einem Nationalpark tot gefunden, mit abgehacktem Horn und einer Schusswunde im Bein.

 

Wiedergeburt von Elvis und der Hippies?

Von der Côte d´Azur und unserer „Flogge“ zu einer ganz anderen Ecke der Welt: nach Südostasien. Am Mekong gibt es noch eines der letzten Paradiese dieser Erde. Dort haben nach Berichten der Umweltstiftung WWF Forscher in jüngster Vergangenheit sage und schreibe 208 neue Arten entdeckt. Einige davon möchte ich hier kurz vorstellen.

Von der Optik gibt der „Hippie-Gecko“ (hier im Bild) besonders viel her, der wegen seiner Kreischfarben so genannt wurde: gelber Hals mit schwarzen Streifen, blauer Körper, orangefarbene Füßchen haben die Forscher zum wissenschaftlichen Namen „Cnemaspis psychedelica“ inspiriert. Ein weiteres Kuriosum ist eine Eidechsenart („Leiolepis ngovantrii“), bei der es nur Weibchen gibt, die sich alle zum Verwechseln ähnlich sehen: Sie vermehren sich ohne männliches Zutun ausschließlich durch Klonen. Aufsehen hat bei den Wissenschaftlern vor allem eine Affenart mit einer speziellen Frisur erregt: einer Art Elvis-Tolle. Diese Tiere können Regen nicht leiden. Dass sie bei Regen mit gesenktem, zwischen die Beine geklemmten Kopf im Baum sitzen, hat aber auch einen triftigen Grund: Sobald Wasser in ihre Nasenlöcher gelangt, müssen sie niesen. Diesen Stupsnasenaffen hat man den schönen Namen Rhinopithecus strykeri gegeben.

Echte Elvis-Fans behaupten ja schon seit seinem Tod, dass Elvis lebt. Was mich allerdings daran zweifeln lässt: Es existiert noch kein Foto dieser wunderlichen Affen, und die Zeichnung hat mich nicht überzeugt. Sobald die Nachrichtenagenturen das erste Foto bringen, zeige ich es hier in meinem Blog. Übrigens waren auch Pflanzen unter den 208 neuen Arten. Eine auffallende Orchideenart in Knallorange und Weiß hat die Forscher besonders verblüfft.

Nun klingt es ja sehr ermutigend, dass es auf dieser Erde noch ein Gebiet gibt, wo man innerhalb kürzester Zeit auf so viele unbekannte Tiere und Pflanzen stoßen kann. Doch natürlich gibt es auch da ein „Aber“: Kaum entdeckt, gelten diese Arten auch schon wieder als vom Aussterben bedroht. Denn die Regierungen der Länder am 4500 Kilometer langen Mekong tun nichts, um sie zu erhalten. Wirtschaftswachstum ist ihnen wichtiger, und so wird in der Mekong-Region ohne Rücksicht auf Verluste Dschungel vernichtet, um Kaffee-, Kautschuk- oder Palmölplantagen anzulegen. Außerdem baut man auf Teufel komm raus Straßen, Städte fressen sich immer weiter in unberührte Natur hinein, und wenn die geplanten Staudämme tatsächlich gebaut werden, droht der Region ein Artensterben. Davor warnen jedenfalls die Experten von WWF. Hoffentlich finden sie Gehör!

Krieg der Nashorn-Mafia!

Auch wenn die Emotionen beim Thema Delfine wieder mal hochkochen – wechseln wir das Thema. Es gibt schließlich noch andere Tiere auf der Welt, um die man sich Sorgen machen muss. Zum Beispiel die Nashörner. Da ist leider eine ganz ungute Entwicklung in Südafrika zu beobachten. Mag sein, dass sich manche Tierfreunde weniger darüber aufregen, weil das weiter weg ist als die Delfinlagune vor der Haustür. Mag sein, dass Nashörner einfach nicht so gut rüberkommen wie die ewig lächelnden Delfine. Oder widmen ihnen die Medien nur weniger Aufmerksamkeit? Ich weiß es nicht.

Das sind jedenfalls die traurigen Fakten: In Südafrika ist die Jagd auf die Dickhäuter zwar verboten, aber die Wilderei nimmt leider weiter zu. So wurden im Laufe dieses Jahres, das ja noch gar nicht zu Ende ist, schon 341 Nashörner Opfer von Wilderei. Im letzten Jahr waren es insgesamt 333 tote Nashörner – und das waren dreimal so viele wie im Jahr 2007. Man kann also von einer verheerenden Entwicklung sprechen.

Ich finde es besonders schlimm, dass die Nashörner nicht (nur) durch schlechte Umwelt- bzw. Lebensbedingungen dezimiert werden, wie es – leider – bei vielen anderen Tieren der Fall ist. Wilderei: Das klingt irgendwie nach früheren Zeiten, hat sogar ein wenig den Beigeschmack von Abenteuer und mutigen Männern, die sich unter Einsatz ihres Lebens auf die Pirsch machen. Doch diese Zeiten sind längst vorbei. Die Nashorn-Wilderei hat fast schon mafiöse Züge angenommen, denn es geht um ein Millionengeschäft. Auf dem Schwarzmarkt stehen die Hörner vor allem in Vietnam, wo man ihnen Wunderwirkung in der Krebsbehandlung nachsagt, hoch im Kurs. Dort kann man mit einem einzigen Horn bis zu einer halben Millioen Dollar verdienen.

Die Regierung von Südafrika fährt scharfe Geschütze gegen die Jäger auf und setzt sogar das Militär gegen sie ein. Die Wilderer sind nämlich keine Einzelpersonen, die mal ein Tier abschießen, um ihre Familie durchzubringen. Man hat es vielmehr mit hochgerüsteten Wilderer-Banden zu tun, die über eine technische Maschinerie wie z.B. Hubschrauber, Nachtsichtgeräte und Hightech-Waffen verfügen.

In Vietnam aber schaut man offenbar untätig zu, wie der kriminelle Nashorn-Horn-Handel blüht. Nun hat der WWF Alarm geschlagen. Er fordert die Asiaten auf, sich ein Beispiel an Südafrika zu nehmen und etwas gegen die organisierten Verbrecher zu unternehmen. Der Bestand an freilebenden Nashörnern liegt in Südafrika bei 2200 Spitzmaul- und 18 800 Breitmaulnashörnern.