Zweifel an einer neuen Untersuchung

Bisher hatten Offshore-Windparks einen zumindest zweifelhaften Ruf: Die Gefahr für Seevögel, in die Windräder zu geraten und einen grausamen Tod zu erleiden, wurde von Tier- und Vogelschützern immer wieder angemahnt. Nun kommt das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie nach einer Untersuchung der Umgebung des Windparks „Alpha Venus“ vor der Insel Borkum zu einem gegenteiligen Ergebnis: Seevögel würden nur selten in die Windräder fliegen. Außerdem seien die Fundamente der Turbinen sogar ein Gewinn für die Artenvielfalt im Meer: An ihnen siedeln sich nämlich nicht nur Muscheln, Seesterne, Seeanemonen und -lilien an – auch verschiedene Fischarten werden dadurch angelockt, zum Beispiel Makrelen und Seebullen. In Fachkreisen spricht man schon davon, dass an den Fundamenten Biotope für Meeresorganismen entstehen und die Artenvielfalt in der Nordsee fördern.

Laut der Untersuchung gibt es bei normalem Wetter so gut wie keine Kollisionen von Seevögeln mit den Anlagen, weil die Windräder und ihre Beleuchtung die Vögel eher verscheuchen. Wie es sich bei starkem Wind oder anderen Wetterwidrigkeiten verhält, weiß man allerdings noch nicht. Der Betrieb des Windparks beeinflusse auch Meeressäugetiere nicht negativ. Schweinswale etwa hätten sich nur während der Bauphase von „Alpha Venus“ vertreiben lassen, als die Pfeiler in den Meeresboden gerammt wurden; das war mit außergewöhnlich hohem Lärm verbunden.

Nun frage ich mich allerdings schon: Kommen diese Untersuchungsergebnisse womöglich gerade recht zu einem Zeitpunkt, an dem vor den Küsten Deutschlands eine Vielzahl von Windkraftanlagen gebaut bzw. geplant werden? Diese Anlagen sollen ja ein wichtiges Standbein der angstrebten Energiewende sein. Das erwähnte Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie muss die Windparks genehmigen und sich gleichzeitig um Fragen des Umweltschutzes kümmern. – Geht das ohne Interessenskonflikte? Sollte man solche Untersuchungen nicht lieber bei unabhängigen Institutionen in Auftrag geben, um ein „G´schmäckle“ zu vermeiden? Für meine Begriffe wäre diese Vorgehensweise sauberer und unverdächtiger. – Es würde mich interessieren, was meine Leser dazu meinen.

Vogelfreunde können helfen

Im Sommer vergangenen Jahres erwischte es die Amseln, heuer sterben reihenweise Grünfinken. Der Naturschutzbund Nabu meldet seit Juli vor allem aus Südbayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und dem Raum Berlin auffallend viele tote oder kranke Exemplare dieser Singvögel, die zu den Sperlingen gehören. Sie sind höchstwahrscheinlich Opfer einer Infektionskrankheit, die durch Trichomonaden ausgelöst wird. Bei dem Erreger handelt es sich um einen Einzeller namens Trichomonas gallinae. Die Vögel können sich sowohl durch Kontakt untereinander anstecken als auch durch Trinkwasser an Futterstellen. Denn wenn sich das Wasser im Sommer erwärmt, fühlen sich die Erreger darin pudelwohl.

Das Grünfinken-Sterben 2013 und das Amsel-Sterben 2012 haben also nichts miteinander zu tun, denn bei den Amseln war das Usutu-Virus schuld, das durch Stechmücken übertragen wird. Die Mitarbeiter des Nabu haben 2009 zum ersten Mal das Auftreten der Trichomonaden-Infektion bei den Grünfinken beobachtet; damals starben zwischen 70 000 und 80 000 der Tiere. Derzeit gibt es in Deutschland ungefähr zwei Millionen Grünfinken-Brutpaare; sie gelten auf der Roten Liste bedrohter Tierarten als „nicht gefährdet“. Grünlinge trifft man vor allem in Feldgehölzen, an Waldrändern, auf Weideflächen mit Büschen, in Gärten und Parks an, durchaus häufig auch in der Stadt.

Tierfreunde können mithelfen, das Infektionsrisiko für die Grünfinken zu minimieren: Bis zum Winter sollte man die Vögel nicht füttern. Auch Vogeltränken entfernt man am besten, zumindest dann, wenn dort mehr als ein kranker oder toter Grünfink aufgetaucht ist. Der Nabu bittet außerdem, kranke oder tote Tiere zu melden, und zwar hier im Internet. Ich sage schon mal: Vielen Dank an alle, die den Nabu auf diese Art und Weise unterstützen!

Dem Killervirus auf der Spur

Ich habe hier schon über ein Virus geschrieben, das für den Tod von Hunderttausenden Vögeln in Deutschland verantwortlich ist: das ursprünglich aus Afrika stammende Usutu-Virus. Forscher in Baden-Württemberg sind nun dabei zu untersuchen, wie der Krankheitserreger genau übertragen wird.Bekannt ist bisher, dass der Erreger durch Stechmücken übertragen wird. Für die Schnaken selbst ist er nicht gefährlich, nur für die Tiere, die sie stechen. Opfer des Virus sind fast ausschließlich Vögel. Seit 2011 sind laut Vogelschutzexperten Hunderttausende Vögel daran gestorben, hauptsächlich Stare, Sperlinge, Amseln und Eisvögel – und das vor allem in Rheinland-Pfalz, Hessen und Baden-Württemberg. In Gebieten also, in denen sich Stechmücken wegen des milden Klimas besonders wohlfühlen.

Biologen haben mittlerweile herausgefunden, dass das Virus in den Stechmücken überwintert. Man weiß inzwischen auch, dass nicht jede Mücke, bei der sich das Virus eingenistet hat, tatsächlich auch Überträger des Erregers ist. Warum – dieses Rätsel muss noch gelöst werden, ebenso wie die Frage, wie die Übertragung genau funktioniert.

Zum Schluss eine gute Nachricht: Trotz der vielen Vögel, die dem Usutu-Virus erlegen sind, sind die Populationen nach Meinung von Vogelschutzexperten nicht bedroht. Man nimmt an, dass gerade bei den Amseln ein Teil der Vögel eine Immunität gegen das Virus entwickelt hat. Gute Nachricht Nummer zwei: Das Virus hat sich 2012 kaum über die bereits betroffenen Gebiet im warmen Südwesten des Landes hinaus verbreitet.

 

And the winner is …

And the winner is … Die Dohle hat es geschafft: Sie ist heute zum „Vogel des Jahres 2012“ gewählt worden und tritt damit die Nachfolge des Gartenrotschwanz an, der den Titel in diesem Jahr tragen darf.

Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) und der bayerische Landesbund für Vogelschutz (LBV) haben sich aus verschiedenen Gründen für die intelligente Dohle entschieden: Zunächst einmal, weil ihr Bestand gefährdet und sie in Teilen Deutschlands sogar auf der Roten Liste zu finden ist. Aber auch, weil der schwarz gefiederte Vogel als wahrer Künstler der Anpassung gilt. Einst war er Steppenbewohner, heute lebt er mitten in menschlichen Wohngebieten. Nicht zuletzt zeichnet die Dohle eine Eigenschaft aus, die vielen Menschen abhanden gekommen ist: Treue. Dohlenmännchen und -weibchen bleiben ein ganzes Leben lang zusammen und umsorgen außerdem ihre Jungen besonders liebevoll.

Das größte Problem der Dohle ist – wie bei vielen anderen Tieren auch: der Mensch. Denn er zerstört systematisch ihre Lebensgrundlagen, indem er zum Beispiel Grünflächen zubaut oder Gift auf Äckern versprüht. Und wenn die Dohlen einen Nistplatz suchen – vorzugsweise tun sie das auf Kirchtürmen -, dann treffen sie oft auf Hindernisse wie Gitter, die eigentlich Tauben fernhalten sollen. Auch bei der Sanierung von Gebäuden verschwinden meist Nischen oder Mauerlöcher, die für Dohlennester bestens geeignet wären.

Tja, mir bleibt nur noch, der Dohle zu gratulieren und zu hoffen, dass ihr der Titel „Vogel des Jahres“ auch etwas bringt. Eines müssen wir, im Gegensatz zu Oscar-Gewinnern, bei der Dohle jedenfalls nicht befürchten: eine rührselige, nicht enden wollende Dankesrede.

Wenn Tierfreunde es zu gut meinen

Wenden wir uns von den Pressemitteilungen des Herrn Schrollinger wieder für die (Tier-)Welt wichtigeren Themen zu. Dazu gehört die übertriebene Tierliebe mancher Menschen, die den Tieren letztlich schadet. Viele Tierfreunde meinen es beispielsweise zu gut, wenn sie glauben, jeder auf dem Boden gefundene Jungvogel brauche Hilfe. (Die junge Krähe auf dem Bild hat Rita Köhler für pixelio.de fotografiert.) Der Naturschutzbund NABU weist darauf hin, dass man solche Vogelkinder auf jeden Fall nicht unter menschlicher Obhut aufpäppeln, sondern in der freien Natur lassen sollte. Denn es handelt sich meist nicht um verletzte oder von ihren Eltern im Stich gelassene Tiere. Vielmehr verlassen einige Vogelarten ihr Nest schon, bevor sie fliegen können. Sie geben aber immer wieder sogenannte Standortlaute von sich, um sich bei ihren Eltern bemerkbar zu machen.

Dazu gehören Nestflüchter wie zum Beispiel Enten, Fasane und Kiebitze, außerdem verschiedene Singvögel wie Amseln. Amseljunge etwa hält es oft schon eine Woche, bevor sie flügge werden, nicht mehr in ihrem Nest, weil es ihnen dort zu eng wird. Sie werden aber trotzdem von ihren Eltern weiterhin gefüttert und betreut.

Erst wenn man ein Vogelkind längere Zeit aus sicherer Entfernung (um die Elternvögel nicht abzuschrecken) beobachtet und feststellt, dass es sich tatsächlich um ein verlassenes oder verletztes Tier handelt, braucht das Vogeljunge wirklich Hilfe. Die Betreuung sollte man aber Fachleuten überlassen.

Der Gartenrotschwanz macht Karriere

urn:newsml:dpa.com:20090101:101008-99-00195Es ist wieder so weit: Der „Vogel“ das Jahres wurde gewählt. Den Titel „Vogel des Jahres 2011“ hat sich der Gartenrotschwanz geholt. Mit dieser Entscheidung dürften sich der Naturschutzbund Deutschland (NABU) und der bayerische Landesbund für Vogelschutz (lbv) kaum Ärger einhandeln. Im letzten Jahr dagegen hatten sie sich mit der Kür des Kormorans zum Vogel des Jahres 2010 bei Fischereiverbänden und Teichwirten unbeliebt gemacht. Manche hatten die Wahl als reine Provokation empfunden. Darüber hatte ich auch hier im Blog geschrieben.

Die Wahl fiel diesmal auf den Gartenrotschwanz, um darauf aufmerksam zu machen, dass stärkere Bemühungen für den Schutz des kleinen Vogels mit dem ziegelroten Schwanz und der orangefarbenen Brust nötig sind. Schätzte man in Deutschland vor 30 Jahren seinen Bestand noch auf 450 000 Brutpaare, so liegt diese Zahl jetzt nur noch bei 150 000.

Das hat verschiedene Ursachen. Diese Vogelart findet immer weniger geeignete Nistplätze in Gärten und Baumhöhlen.  Vor allem in Gärten ist er trotz seines Namens immer seltener zu finden. Es gibt zu wenig Hecken, zu wenig Streuobstwiesen und zu viele fremdländische Gehölze und sterile Rasenflächen. Das bevorzugte Futter des Gartenrotschwanzes, nämlich Schmetterlinge, Raupen, verschiedenartigste kleine Insekten und Spinnen, ist auch immer schwerer zu finden. Denn durch den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln werden diese Beutetiere stark dezimiert.

Dazu kommen noch die Gefahren, denen der Zugvogel auf seinen bis zu 8000 Kilometer weiten Flügen nach Zentralafrika ausgesetzt ist: Dort nehmen die Dürreperioden zu, und viele Gartenrotschwänze fallen Vogeljägern zum Opfer.

"Fahrtziel Natur-Award"

Umweltschützer lassen sich immer wieder neue Aktionen einfallen, um immer mehr Menschen für ihre Ziele zu interessieren und zu zeigen, dass unsere Welt ohne Naturschutz und das Engagement dafür nicht mehr lange funktionieren kann. Eine solche Aktion ist der „Fahrtziel Natur-Award“, ein Wettbewerb, den die drei Verbände BUND, NABU und VCD im Jahr 2009 zusammen mit der Deutschen Bahn ins Leben gerufen haben.

Und darum geht es beim „Fahrtziel Natur-Award“: Er soll dazu beitragen, dass nachhaltige Mobilitätslösungen und touristische Projekte in verschiedenen Schutzgebieten immer besser verknüpft werden. In dieser Hinsicht bereits funktionierende Konzepte werden ausgezeichnet, um andere Schutzgebiete zur Nachahmung zu animieren.

SteinadlerNun stehen die Projekte fest, die heuer ins Finale für den „Fahrtziel-Award“ kommen: der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer, das Naturschutzgebiet Allgäuer Hochalpen und der Naturpark Lüneburger Heide. Die Mitarbeiter des Landesbundes für Vogelschutz (lbv)  hat durch seine bekannten Adlerführungen (im Bild ist ein Steinadler zu sehen), durch nachhaltige Besucherkonzepte und das Organisieren von Schutzmaßnahmen maßgeblich dazu beigetragen, dass das Schutzgebiet Allgäuer Hochalpen in diese Spitzen-Dreiergruppe vorstoßen konnte.
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Seevögel sterben qualvoll

Viel ist in den letzten Tagen berichtet worden über die Ölpest im Golf von Mexiko. Noch immer ist es nicht gelungen, das ins Meer sprudelnde Öl einzudämmen. Die Umweltkatastrophe nimmt munter ihren Lauf – mit verheerenden Folgen für die im Meer bzw. an den Küsten von Louisiana, Mississippi und Alabama lebenden Tiere.

oelvogel_2Was Tier- und Umweltschützer dagegen tun können, ist nicht mehr als der berühmte Tropfen auf den heißen Stein. Für die ölverschmierten Vögel in den Küstengebieten gibt es kaum Aussicht auf Rettung. Denn es geht nicht nur darum, ihr verklebtes Gefieder mit Chemikalien zu reinigen. Vielmehr haben die meisten von ihnen auch Öl geschluckt – eine tödliche Bedrohung für die Tiere: Es gelangt nämlich in Leber und Nieren. Die Vögel gehen oft jämmerlich draußen auf dem Meer zugrunde, bevor ihnen irgendjemand helfen kann.

Das Unglück mit der Bohrinsel kam zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Denn im Mississippi-Delta sind derzeit Pelikane, Austernfischer und Möwen mitten in der Brutsaison. Wenn die Ölpest nun herankommt, bedeutet das auch für diese Vögel eine akute Gefahr.

Von Ölkatastrophen in der Vergangenheit weiß man leider, dass nur ein ganz geringer Prozentsatz der Seevögel gerettet werden konnten. Mitarbeiter von Schutzstationen kämpfen zwar verzeifelt um jedes einzelne Tierleben, müssen aber leider zugeben, dass die wenigsten wieder gesund in die Freiheit entlassen werden können. Die überwiegende Mehrheit stirbt einen grauenvollen Tod.

Eine Stunde für unsere Gartenvögel

HaussperlingDer Landesbund für Vogelschutz ruft vom 7. bis 9. Mai wieder zur  „Stunde der Gartenvögel“ auf. Wie das geht? Ganz einfach: Man zählt am 7., 8. oder 9. Mai eine Stunde lang die Gartenvögel in seiner Umgebung und meldet das Ergebnis an den LBV.  Auf dem Bild rechts  ist ein Haussperling zu sehen (Foto: Nadine Wolf).

Diese bayern- und bundesweite Langzeitstudie, die der LBV zusammen mit dem NABU organisiert,  soll dazu beitragen, dem Wandel im Bestand unserer heimischen Vögel auf die Spur zu kommen. Der ergibt sich zwangsläufig durch veränderte Umweltbedingungen. Und die Zählung bietet die Grundlage für konkrete Hilfsaktionen, bevor es zu spät ist. Im vergangenen Frühjahr ist infolge der Zählung zum Beispiel ein Spatzen-Schutzprojekt in München gestartet worden.

Beim Zählen lernt man nicht nur eine Menge über unsere heimische Vogelwelt. Als Belohnung fürs Mitmachen gibt es auch viele Preise zu gewinnen. – Ich finde, eine Stunde Zeit zu investieren, das ist das Mindeste, was man man tun kann für die Vogelwelt direkt vor unserer Haustür. Je mehr Teilnehmer mitmachen, umso repräsentativer ist das Ergebnis!

Quax, der Wahl-Franzose

Also, ich persönlich kann ihn ja gut verstehen, denn ich liebe Frankreich auch: Quax, der Rosapelikan, scheint in Lothringen bleiben zu wollen. Dort war er im vergangenen Herbst auf seinem Flug gen Süden gelandet, und dort gefällt es ihm anscheinend so gut, dass er – zumindest derzeit – keine Anstalten macht, wieder zu uns zu kommen.

quaxneuSo schätzt man es im Augenblick jedenfalls beim Landesbund für Vogelschutz ein. Quax lebt in Lothringen am Etang le Lindre sozusagen wie Gott in Frankreich, wie auch dieses Foto von J. Says zeigt: Der Pelikan hat dort alles, was sein Herz begehrt, wird mit Fisch gefüttert und darf mit seinen geliebten Störchen zusammenleben. Auf seiner Homepage hat der lbv das „Quax-Tagebuch“ auf den neuesten Stand gebracht und zeigt auch dort dieses Foto.
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