Waschbären und Muntjaks dürfen in Zoos bleiben

Auf der Grünen Woche in Berlin gab es ein Treffen von Vertretern des Verbandes der Zoologischen Gärten (VdZ) sowie des Landeszooverbandes Mecklenburg-Vorpommern mit dem Minister für Landwirtschaft und Umwelt von Mecklenburg-Vorpommern, Till Backhaus. Dabei ging es auch um den Umgang mit den invasiven Tierarten in Zoos. Eine EU-Verordnung regelt ja bekanntlich, dass einige gebietsfremde Tierarten nicht mehr gehalten und gezüchtet werden dürfen, zum Beispiel Waschbären (Foto: dpa) und Chinesische Muntjaks. Ich habe das Thema in diesem Blog ja auch schon behandelt, etwa hier oder hier. Minister Backhaus teilt die Auffassung, dass Zoologische Gärten auch diese invasiven Arten weiterhin halten können. Er versprach den Tierparks und Zoos in Mecklenburg-Vorpommern, entsprechende Ausnahmegenehmigungen zu erteilen, wenn die Zoos alle notwendigen Voraussetzungen für die Haltung solcher Tiere erfüllen. Die Zoos müssen also die Haltung der betroffenen Arten nicht auslaufen lassen.

Freude oder Ärger über diese „neue Art“?

NandusWaschbären sind in meinem Blog schon ein Dauerthema. Kein Wunder, sie nehmen hierzulande einfach überhand. Nun kündigt sich der nächste Fall von Neozoen an – also von Tieren, die bei uns ursprünglich nicht vorkamen, aber mit Hilfe des Menschen auf verschiedenen Wegen hierher gelangt sind. Es handelt sich um wildlebende Nandus. Eigentlich in der südamerikanischen Pampa beheimatet und dort vom Aussterben bedroht, lassen sie sich immer öfter in Norddeutschland nieder und vermehren sich eifrig. Man trifft sie häufig auf Weiden an, wo Rinderherden grasen. Auch den Nandus schmeckt das frische Grün offensichtlich hervorragend. Das Umweltministerium von Mecklenburg-Vorpommern lässt die Laufvögel zahlenmäßig erfassen.

Nandus kann man recht leicht zähmen, sie werden deshalb auch von Vogelliebhabern privat gehalten. Wahrscheinlich ist die wilde Population dieser großen Vögel in Norddeutschland auf einige Einzelexemplare zurückzuführen, die einst aus einer Zucht bei Lübeck ausgebüxt sind. Momentan breiten sie sich weiter in Richtung Osten aus. Nach Schleswig-Holstein haben sie es jedoch auch geschafft, und dort wurde das Umweltministerium ebenfalls auf sie aufmerksam.

Da er eigentlich gar nicht in Deutschland lebt, hat der Nandu hier auch keine natürlichen Feinde – wie andere Neozoen auch. Höchstens die Nandu-Küken fallen manchmal Jägern wie dem Fuchs oder dem Adler zum Opfer. Oder – allerdings ganz selten – dem Menschen, beziehungsweise einer Waffe, die jeder besitzen darf: dem Auto.

Natürlich schimpfen – wie in solchen Fällen üblich – die Bauern besonders laut über die unerwünschten Eindringlinge: Sie fressen offenbar besonders gerne Rapsblüten oder zertrampeln sie, so dass die Pflanzen dann keine Früchte hervorbringen können. Bisher sind Nandus geschützt, weil sie auf der Artenschutzliste stehen. Die Landwirte dürfen sie nicht jagen – ja noch nicht einmal verscheuchen. Sie wollen, dass die Vorschriften geändert werden und fordern Ersatzzahlungen bei Schäden, die durch die Laufvögel verursacht werden. Forscher hingegen halten die durch Nadus entstehenden Verluste eher für gering. Die Bauern seien auch selber mit schuld an der Ausbreitung der Tiere: Weil sie auf riesigen Flächen Raps anbauen und so ideale Voraussetzungen für die Nandus schaffen, würden sie die Verbreitung der Vögel sogar unterstützen.

Und – zu welcher Meinung tendieren Sie/tendiert Ihr? Das würde mich interessieren, weil hier im Blog viele Leute Kommentare schreiben, die sich mit tierischen Themen bestens auskennen.

Waschbär fährt auf Kirchenglocken ab

KINA - Wie der Waschbär nach Deutschland kamWir haben zwar erst Januar – aber folgende Meldung aus dem fabelhaften Reich der Tiere landet am Ende dieses Jahres mit Sicherheit unter den „Top Ten“ der witzigsten Nachrichten über Tiere (oder sie schafft es in die „Top Twelve“, wenn man jeden Monat eine auswählt).

Die Geschichte hat sich kürzlich im romantischen Bad Nauheim (Hessen) zugetragen. Haupt“person“ ist ein Waschbär, der offenbar das Geräusch von Kirchenglocken heiß und innig liebt. Weil das Geläut einer Nauheimer Kirche gerade keinen Ton von sich gab, entschloss sich der Waschbär zur Selbsthilfe: Für das Tier war es dank seiner Kletterkünste ein Leichtes, vom Kirchdach aus in das Gebäude hineinzugelangen. Technisch versiert, wie dieses „Procyon“-Exemplar (so der wissenschaftliche Name) offenbar ist, ist es zielsicher zu dem Knopf gelaufen, mit dem sich die Glocken in Bewegung setzen lassen.

Der Kleinbär mag sich gefreut haben – die in der Nähe des Gotteshauses lebenden Menschen fanden die Angelegenheit weniger lustig. Es war nämlich vier Uhr morgens, als sie von dem Läuten unsanft aus dem Schlaf gerissen wurden. Der Herr Pfarrer und der Mesner hingegen scheinen so an das bimmelnde Geräusch gewöhnt zu sein, dass sie selig weiterschlummerten wie die Murmeltiere und erst nach hartnäckigem Klingeln an der Haustür aufwachten. Die Kirchenglocken hatten die Anwohner zu diesem Zeitpunkt schon seit ein paar Stunden genervt.

Der kleine Einbrecher kam übrigens auch nicht ganz unbeschadet davon: Er hatte sich beim Einstieg in die Kirche verletzt. Man konnte ihn einfangen und schaffte ihn ins Tierheim, wo er medizinisch versorgt wurde. Auf dem Krankenlager hat der gewiefte Räuber (ich meine natürlich: das gewiefte Raubtier) bestimmt schon von seinem nächsten Glocken-Konzert geträumt…

Die Waschbären sind los!

Ich habe in meinem Blog schon mehrmals über Waschbären geschrieben – zuletzt hier. Das Phänomen an sich ist bekannt: Diese Tiere breiten sich bei uns immer stärker aus. Nun liegen aber neue Zahlen vor, und die finde ich schon beeindruckend. Der Bestand in Deutschland wird mittlerweile auf eine halbe Million Tiere geschätzt, 40 000 werden durchschnittlich pro Jagdsaison erlegt; zwischen 1. April 2010 und 31. März 2011 waren es mit 67 700 allerdings deutlich mehr.

Auffallend ist, dass die Waschbären vor allem in Städten oder dicht besiedelten Gebieten immer häufiger auftauchen. Dort kommen die Allesfresser am leichtesten an Futter heran. Manchmal durchwühlen sie Mülltonnen, manchmal stehlen sie Obst aus Gärten, manchmal dringen sie bis in Häuser vor und klauen dort herumliegende Nahrungsmittel. In Berlin sollen bereits über 400 Waschbärfamilien leben. Wahre Waschbär-Hochburgen sind außerdem Hessen und Brandenburg.

Das hat seinen Grund. Denn Waschbären, die ursprünglich nicht bei uns heimisch sind, sondern in Nordamerika, wurden seit etwa 1920 nach Deutschland gebracht – in Pelztierzuchtfarmen. So brauchte man die Pelze nicht mehr für teures Geld aus den USA zu importieren. 1927 sollen aus einer Zuchtfarm in Hessen drei Paare ausgebüxt sein, weitere fünf Tiere 1929 und 1930 in der Eifel. 1934 wurden dann in Nordhessen die ersten Waschbären bewusst in die freie Wildbahn ausgesetzt. In Brandenburg schafften es 1945 mehrere Tiere, von einer Zuchtanlage in die Freiheit zu gelangen.

Waschbären haben bei uns keine natürlichen Feinde und können sich dadurch stark vermehren. Ob sie tatsächlich heimische Tierarten verdrängen bzw. eine Gefahr für die heimische Fauna und Flora darstellen, ist allerdings wissenschaftlich noch nicht bewiesen.

Ungebetener Hausgenosse

Manche Tiergeschichten sind so schön, dass man sie kaum glauben kann. So auch die folgende: Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hat einen neuen Hausbewohner – einen Waschbären. Ja, stimmt tatsächlich.

Das Tier hat sich auf einem Sims unter Vorsprüngen an der Fassade des Gerichtsgebäudes häuslich eingerichtet. Dort schläft es seit einigen Tagen, und es schläft vor allem auch tagsüber. Denn Waschbären sind nachtaktiv. Und obwohl sie ursprünglich in Nordamerika heimisch waren, trifft man immer öfter auch in Mitteleuropa auf diese Tierart. Vor allem in Großstädten sind sie keine Seltenheit mehr. Dort finden sie in Gärten Früchte und Gemüse, und ganz  besonders haben sie es auf Speisereste aus dem Müll abgesehen.

Warum das Tier sich ausgerechnet das Bundesverwaltungsgericht ausgesucht hat, weiß niemand so genau. Man vermutet, dass der Waschbär im nahegelegenen Park auf Futtersuche war und sich dann einen geeigneten Schlafplatz gesucht hat. Waschbären können sehr gut klettern, sogar Dachrinnen sind ihnen nicht zu glatt.

Wasch mir den Pelz…

Es ist absurd, wie sich die Tierwelt entwickelt. Einerseits sterben Tierarten in ihrer ureigensten Heimat aus, weil der Mensch ihnen den Lebensraum stiehlt und damit die Grundlage zum Überleben. Andererseits vermehren sich Tiere wie die Karnickel in Gebieten, wo sie gar nicht hingehören – verhalten sich also selbst ein wenig wie Menschen im schlimmsten Fall. Zum Beispiel Waschbären, die deutsche Wälder unsicher machen. So unsicher, dass sie abgeschossen werden müssen. Deutsche Jäger haben in der vergangenen Saison so viele Waschbären erlegt wie nie zuvor: nämlich 67 706, wie es in der neuesten, gerade veröffentlichten Statistik des Deutschen Jagdschutzverbandes heißt. Irgendwie beängstigend, vor allem, wenn man bedenkt, dass es vor 20 Jahren noch nicht mal 400 abgeschossene Waschbären waren. Die Tiere, so der Verband der Jäger, würden sich explosionsartig vermehren und heimische Tierarten gefährden. – Und irgendwie passend, dass man in diesem Winter wieder Pelz trägt, wie hier schon angeprangert.

Unsicher machen auch in Niederbayern gerade zwei Tiere ihre Umwelt – und zwar nicht den Wald, sondern den Straßenverkehr: Im Landkreis Landshut sind jetzt schon zum wiederholten Male ein Geißbock und ein Esel aus ihrem Gatter ausgebüxt. Offenbar will das ungleiche Gespann gemeinsam die Welt erkunden und geht zusammen auf Wanderschaft. Die Polizei fängt die zwei Ausreißer immer wieder ein, damit es auf der nahegelegenen Kreisstraße nicht zu Unfällen kommt. Weil Esel und Geißbock schon mehrmals ihr angestammtes Quartier verlassen haben, muss die Besitzerin der beiden Tiere nun für den Polizeieinsatz bezahlen.

Ob es sich bei den zwei Tieren um eine moderne Version der Bremer Stadtmusikanten handelt? – Ich weiß es nicht, aber vielleicht sollte man die beiden beim nächsten Mal nicht einfangen, sondern lieber beobachten, ob sie sich weitere Begleiter suchen und versuchen, eine tierische Pyramide zu bilden? Wäre doch interessant.

 

 

 

 

Tierische Olympia-Maskottchen

Den Vorschlag von „mandy wagenknecht“, die in ihrem Kommentar auf meinen letzten Beitrag über Wölfe die Idee hatte, auch mal was über Werwölfe zu schreiben (gerade jetzt, da dieses Thema groß im Kino rauskommt), finde ich an sich gut. Aber der Aktualität wegen muss ich mich heute unbedingt um ein anderes Thema kümmern, das ich schon seit Tagen vor mir herschiebe: die Olympischen Spiele, die morgen in Vancouver beginnen.

Was soll denn Sport mit Tieren zu tun haben, mag sich nun vielleicht mancher fragen. Doch er vergisst, dass auf der Welt alles irgendwie zusammenhängt. Also: Auch bei diesen Spielen kommen wieder einmal tierische Maskottchen zum Einsatz. Das macht die sportlichen Ereignisse, die ich zu einem guten Teil auch am Fernseher verfolgen werde, für mich noch viel interessanter. Wenn ich schon vor einem Wettkampf den netten Glücksbringern begegne, steigt bei mir die Laune gleich ein Stück weiter nach oben. Und auch als Souvenirs werden sie eine Menge Geld in die Kassen spülen.

urn:newsml:dpa.com:20090101:100203-99-02064Diesmal heißen sie Sumi, Miga und Quatchi. Drei Figuren, denen die Kanadier jetzt dauernd über den Weg laufen und umgekehrt. Es handelt sich um Wesen, die für die Ureinwohner Kanadas eine bedeutende Rolle spielen. Sumi, das ist der Schutzengel für Tiere – womit ich wieder bei meinem oben erwähnten Beitrag „Schutzengel für die Wölfe“ wäre. Sumi besitzt Flügel, nämlich die des Donnervogels. Wenn er nicht fliegt, sondern geht, dann tut er das auf den starken Fellbeinen des Schwarzbären. Miga ist ein sportliches Seebär-Mädchen, das gerne surft und snowboardet. Miga ist halb Orca, halb Bär. Das rührt daher, dass sich in den Mythen der kanadischen Urbevölkerung Orca-Wale an Land in Bären verwandeln. Das Ungetüm Quatchi mit den Riesenfüßen und dem dicken Fell soll es tatsächlich gegeben haben. Quatchi ist allerdings ein sanfter, fast schüchtern zu nennender Riese, und er hat eine Schwäche für Eishockey. Toll: Da kommt wirklich (fast) alles zusammen, was Kanada ausmacht!

Dann gibt es da noch einen Vierten im Bunde, der allerdings kein offizielles Olympia-Maskottchen ist: Mukmuk, das Murmeltier. Mukmuk heißt in der Sprache der Ureinwohner so viel wie Essen, und das deutet auch schon auf MukMuks Lieblingsbeschäftigung hin: Er widmet einen großen Teil seiner Zeit der Nahrungsaufnahme.

Im Vergleich zu diesen Gestalten nehmen sich die Maskottchen früherer Olympischer Winterspiele direkt langweilig aus. Ich erinnere mich trotzdem gern an den Waschbären von Lake Placid (1980), der auf den schönen Namen Roni the Raccoon hörte. Oder an den kleinen Wolf Vucko von Sarajevo (1984), der immer so süß „Sarajevooooooooo“ heulte und dafür sorgte, dass das vorher schlechte Image der als ekelhafte Räuber verschrienen Wölfe sich schlagartig verbesserte. Und dann fallen mir noch die zwei Eisbären von Calgary (1988) ein, Hidy und Howdy. Ob die beiden auch ein wenig zum allgemeinen Eisbären-Hype beigetragen haben, der in den letzten Jahren überall auf der Welt ausgebrochen ist?

Das ist echte Waschbären-Liebe!

Muss Liebe schön sein – zumindest bei Waschbären! Fast 300 Kilometer weit ist jetzt ein Waschbären-Männchen  aus dem Müritz-Nationalpark gelaufen, nur um seine Idealpartnerin zu finden. Dafür legte er genau 285 Kilometer zurück, bis nach Bremen. Das ist die längste bisher bekannte Waschbären-Wanderung der Welt. Dokumentiert wurde sie vom seit 2006 bestehenden Forschungsprojekt „Waschbär„.

Nur elf Monate alt ist der liebeshungrige Waschbärmann, und er lief dreimal so weit wie der vorher bestehende Rekord von 95 Kilometern. Es war allerdings nicht der einzige Waschbär auf Wanderschaft: Jedes Jahr machen sich im Müritz-Nationalpark, wo es das am dichtesten besiedelte natürliche Waschbärenvorkommen Europas gibt, rund 500 Rüden auf die Socken – nur um sich fortzupflanzen! Dabei stürzen sie sich mitunter in todesmutige Abenteuer: Weil sie nämlich immer stur geradeaus wandern, kommen ihnen immer wieder Straßen, Bahngleise oder Autobahnen in die Quere. Der bisherige Rekordhalter wurde prompt auch überfahren.

Ganz anders die Weibchen: Die denken erst an ihre guten Lebensbedingungen und laufen für die Liebe nicht weiter als unbedingt nötig. Parallelen zum Menschen sind nicht auszuschließen, aber rein zufälliger Art.