Tote Pottwale in der Nordsee

PottwaltabelleEs ist ein Drama, was sich da seit Wochen in der Nordsee abspielt. Nach den Funden von toten Pottwalen im Januar wurden nun schon wieder neun Pottwalkadaver entdeckt, acht davon rund zwei Kilometer vor Kaiser-Wilhelm-Koog im Wattenmeer der Nordsee. Dabei handelt es sich um Jungbullen, die neun bis zwölf Meter lang sind. Noch nie zuvor gab es so einen gewaltigen grausigen Tier-Fund in Schleswig-Holstein. Ein weiterer toter Meeressäuger wurde auf einer Sandbank nordwestlich von Büsum entdeckt. – Übersichtlich zusammengestellt sind die traurigen Funde auf obiger Grafik, die von der Nachrichtenagentur dpa stammt.

Die Bergung der Tierkadaver hat begonnen, nachdem zunächst das Wetter der Aktion einen Strich durch die Rechnung gemacht hatte: Durch den böigen Wind bedingt, war der Wasserstand selbst bei Ebbe zu hoch für die Bergungsfahrzeuge. Schiffe konnten aber auch nicht eingesetzt werden, weil der Wasserpegel rund um den Fundort der Tiere auch bei Flut zu flach war.

Noch ist unbekannt, was mit den toten Walen passieren soll. Diesmal interssiert sich offenbar noch kein Museum und auch keine Universität dafür, anders als im Januar bei den Skeletten der vor Schleswig-Holstein gestrandeten Wale.

Seehunde als Sündenbock

In Schleswig-Holstein ist ein Streit entbrannt: Küstenfischer und Jäger machen sich dafür stark, Seehunde zum Abschuss freizugeben, weil die Population angeblich zu groß geworden ist. Tierschützer wie zum Beispiel der WWF  zeigen sich entsetzt angesichts dieser Forderung und halten sie für völlig absurd – nachdem der Schutz des Wattenmeeres als Nationalpark für die Seehunde den erwünschten Effekt gebracht und der Bestand sich auf über 24 000 Exemplare im gesamten Wattenmeer eingependelt habe. Die Seehund-Jagd war Mitte der 1970er Jahre eingestellt worden.

Dagegen beschweren sich die Fischer, dass die Seehunde ihren Fang deutlich beeinträchtigen. Es gebe im Watt fast keine Plattfische oder Kabeljau mehr. Das führen sie auf den großen Appetit der Seehunde zurück, die am Tag rund fünf Kilo Fisch verspeisen und damit den Fischern angeblich praktisch alles wegfressen.

Die Tierschützer können diese Argumentation nicht nachvollziehen. Schließlich würden die Seehunde nur kleinere Fische fressen, die sich für die Fischer sowieso nicht lohnen. Für die Küstenfischer seien außerdem Muscheln und Garnelen die Haupteinnahmequelle.

Auch schleswig-holsteinische Jäger haben sich in den Streit eingemischt. Sie befürchten, der große Seehund-Bestand könnte zum Ausbruch einer Seuche führen. Fachleute des WWF halten auch das für äußerst unwahrscheinlich. Ob die Robben eine Immunität gegen Krankheiten aufbauen oder nicht, habe nichts mit der Größe ihrer Population zu tun.

Während die Fischer in Schleswig-Holstein für den Abschuss von Seehunden plädieren und eine Begrenzung des Bestandes auf 15 000 Tiere fordern, wollen ihre Kollegen in Niedersachsen davon nichts wissen. Sie haben erkannt, dass die Jagd auf Seehunde in der Öffentlichkeit gar nicht gut ankommt und schlecht fürs Image ist.

Mir scheint die Diskussion auch an den Haaren herbeigezogen zu sein. Schließlich weiß doch jedes Kind, dass der Mensch für die Überfischung der Meere verantwortlich ist. Nun die Seehunde zum Sündenbock zu machen, stellt die Tatsachen schlichtweg auf den Kopf.