Und noch ein Zaun – diesmal gegen Wildschweine

Man könnte selbst verrückt werden angesichts von immer neuen verrückten politischen Entscheidungen, die unsere Welt jeden Tag ein bisschen schlechter machen. Auf den einen Größenwahnsinnigen in den USA will ich hier gar nicht weiter eingehen, das besorgt schließlich mein Blogger-Kollege Arndt Peltner regelmäßig in seinem Blog. Doch der Wahnsinn scheint immer näher zu rücken. Jetzt hat er die dänisch-schleswig-holsteinische Grenze erreicht, wo ein Zaum gegen deutsche Wildschweine errichtet wird. Meine Leser haben wahrscheinlich davon gehört oder gelesen. Dieses denkwürdige Bauwerk – 70 Kilometer lang und ungefähr 1,50 Meter hoch – soll die Afrikanische Schweinepest von unserem nördlichen Nachbarland fernhalten. Es ist unglaublich!

Wie naiv müssen Politiker eigentlich sein, die solch einen Schwachsinn veranlassen? Nicht nur, dass es hierzulande bisher keine Fälle dieser Tierseuche gibt. (Vorläufig ist sie noch nicht über Osteuropa hinausgekommen.) Aber anzunehmen, ein Zaun könnte die Erreger abhalten, das ist in meinen Augen der pure Irrsinn. Auch wenn es sich um einen Stahlzaun handelt, der einen halben Meter weit in den Boden hineinreicht, damit es die Wildschweine nicht schaffen, sich darunter durchzuwühlen. Selbst das halte ich für zweifelhaft. So schlau, wie die Schwarzkittel (Foto: dpa) sind, gilt für sie sicher der Grundsatz: Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg.

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Was ist schlimmer: Schweinepest oder Jagd?

Von wegen Weihnachtsfrieden! Nur wenige Tage vor dem sogenannten Fest der Liebe soll es bayerischen Wildscheinen an den Kragen gehen. Das bayerische Kabinett hat offenbar Angst vor der Afrikanischen Schweinepest, deshalb sollen in Bayern mehr Wildschweine abgeschossen werden. Ja, geht´s noch?

Mit dieser Maßnahme wollen Umweltministerin Ulrike Scharf und Agrarminister Helmut Brunner (beide CSU) dafür sorgen, dass heimische Tiere vor der Schweinepest geschützt werden. Die Politiker nennen so etwas konsequente Vorbeugung. Die hochansteckende Krankheit war vor einigen Monaten bei Wildschweinen in Südosttschechien ausgebrochen (Foto: dpa). Nun hat man bei uns wohl Angst vor einer „Grenzüberschreitung“ der Viren, die zu der Erkrankung führen. Infizierte Tiere sterben in der Regel daran. Bayern ist bisher allerdings verschont geblieben. Für Menschen stellt die Krankheit gar keine Gefahr dar. Nun wird Panik gemacht vor der Einschleppung in Nutztier-Zuchtbetriebe, woraus wirtschaftliche Schäden resultieren könnten.

Da fällt den bayerischen Politikern nichts Besseres ein, als für den Abschuss von bestimmten Wildschweinen Jägern eine Prämie von 20 Euro zu versprechen. Na bravo! So etwas nennt man dann „entschlossenes Vorgehen“ gegen eine mögliche Einschleppung der Afrikanischen Schweinepest. Da wird die Jäger-Lobby mal wieder prompt bedient. Wetten, dass andere Maßnahmen wie das Testen toter Wildschweine auf Schweinepest-Viren, zweisprachige Aufklärungskampagnen in den bayerisch-tschechischen Grenzgebieten, gezielte Kontrollen der Veterinärbehörden und strengere Hygienemaßnahmen weit weniger konsequent umgesetzt werden als das Losballern auf unschuldige Tiere?