Luxus für Mops und Co.

Von wegen Krise! Schaut man sich an, was die Deutschen gerade jetzt im Weihnachtsgeschäft für ihre Haustiere kaufen, kann man sich nur die Augen reiben. Luxusartikel vor allem für Hunde und Katzen boomen wie schon lange nicht mehr.

Dabei zeichnet sich offenbar ein neuer Trend ab: Früher gab es derartige Produkte nur in sogenannten Tier-Boutiquen zu kaufen, mittlerweile sind sie auch im normalen Zoofachhandel im Kommen. Da werden etwa Katzen-Kratzbäume für knapp 1490 Euro angeboten oder Hochzeitskleider für Hunde, die genauso teuer sind wie die für menschliche Bräute. Auch wenn die teuersten Stücke nicht unbedingt wirklich gekauft werden, dienen sie dazu, Kunden anzulocken, die dann einen anderen, etwas preisgünstigeren Artikel kaufen, mit dem der Handel aber immer noch ein Riesengeschäft macht.

Ausgehmäntel für Hunde, Strickpullover mit speziellen Motiven, Parkas mit Fellkragen, Strasshalsbänder – das sind nur einige Beispiele für ein Angebot, das man normalerweise im gehobenen Modefachhandel für Damen oder Herren findet, neuerdings aber immer öfter im Zoofachhandel. Parallel dazu entdecken auch berühmte Modedesigner Tiere als Zielpublikum für sich – man denke nur an Harald Glööckler, der mit seinen verrückten Kreationen für Hunde unglaublich erfolgreich ist.

Die Krise hat auch ihr Gutes!

Manchmal läuft im Leben alles ganz anders, als man gedacht hätte. So zum Beispiel in Spanien. Seit Jahrzehnten treten Tierschützer dort für ein Verbot des Stierkampfs ein – ohne Erfolg. Aber nun droht ihm das Ende aus einem ganz anderen Grund: Die Wirtschaftskrise scheint ihm langsam den Garaus zu machen. In den letzten fünf Jahren ging die Zahl der Kämpfe beinahe um die Hälfte auf weniger als 1200 im Jahr zurück. Wenn die Krise nun auch noch den Rest schaffen sollte, hätte sie doch endlich auch mal etwas Positives.

Vor allem in kleineren Arenen in der spanischen Provinz wird die „Fiesta“ gestrichen – die Gemeinden haben schlicht kein Geld mehr dafür. Hochburgen des Stierkampfs sind nach wie vor die großen Städte – allen voran Madrid, Sevilla und Pamplona. Allerdings interessieren sich auch dort hauptsächlich ältere Spanier für die grausamen Spektakel. Die jungen Leute lehnen Stierkampf mehrheitlich ab.

Die großen Verlierer der Entwicklung sind die Züchter von Kampfstieren. Sie können immer weniger Tiere für ihren ursprünglichen Zweck verkaufen. Stattdessen landen nun viele Stiere im Schlachthof. Das bedeutet für die Züchter einen riesigen Verlust, denn das Schlachten bringt ihnen nur etwa 600 Euro pro Tier, während sie bis zu 5000 Euro in die Aufzucht stecken. Und die Verbraucher sind vom Fleisch der Kampfstiere gar nicht begeistert, weil die Tiere älter als Mastrinder sind, deren Fleisch man sonst angeboten bekommt.

Obwohl der Stierkampf in Spanien also in mehr als einer Hinsicht in der Krise steckt, gibt es immer noch einflussreiche glühende Anhänger, die von einem Verbot nichts wissen wollen. Nur auf den Kanarischen Inseln wurde diese Tierquälerei in den neunziger Jahren abgeschafft, und in Katalonien gilt ein Verbot seit Beginn dieses Jahres. Doch das brachte in der Praxis beides nicht sehr viel, weil in diesen Regionen sowieso kaum noch Stierkämpfe stattfanden.

 

Vergreiste Haustiere – ist das die Zukunft?

interzooZu solchen Veranstaltungen habe ich irgendwie ein zwiespältiges Verhältnis: Derzeit (noch bis 16. Mai) läuft im Nürnberger Messezentrum die Heimtiermesse Interzoo. Schnickschnack wie Plastikkleidchen in Pink für Hundedamen oder luxuriöse Fressnäfpe in edlem Design, französische Bettchen für verwöhnte Katzen, kitschige Stofftiere oder überflüssiges Spielzeug für die vierbeinigen Lieblinge – all so was ist mir ein Gräuel. Regelrecht geschmacklos finde ich das.

Aber am Rande der nur für Fachbesucher zugänglichen Messe gab es ein paar recht interessante Informationen für Tierfreunde. So besitzt jeder dritte Bundesbürger ein Haustier; das heißt: 22,6 Millionen Tiere leben in deutschen Haushalten. Und Herrchen bzw. Frauchen ist für ihre Schützlinge nur das Beste gut genug, Krise hin oder her: 3,6 Milliarden Euro sind in Deutschland im letzten Jahr für Tiere ausgegeben worden, damit konnte die Branche ein kleines Wachstum von 2,2 Prozent verbuchen.

Immer noch führen die Katzen (mit 8,2 Millionen Tieren) die „Hitliste“ der beliebtesten Haustiere bei uns an, dann folgen Kleintiere, z.B. Zwergkaninchen, Mäuse und Hamster (5,6 Millionen) und Hunde (5,4 Millionen).
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Die Krise trifft auch die Tiere

Manche behaupten zwar, die „Krise“ gebe es gar nicht. Der Deutsche Tierschutzbund hat da andere Erkenntnisse, und zwar ziemlich traurige: Immer öfter geben Tierbesitzer ihre Hunde, Katzen und sonstigen Lieblinge im Tierheim ab und führen als Grund „finanzielle Not“ an.
Manche Tierheime platzen deshalb schon aus allen Nähten und müssen für bestimmte Tierarten – vor allem Katzen – einen Aufnahmestopp verhängen.
Ein anderer Ausweg für in Finanznot geratene Tierhalter sind die „Tiertafeln“, wo man kostenlos Futter und Zubehör wie Hundeleinen oder Fressnäpfe erhalten kann. Die Tiertafeln können aber nur bis zu einem gewissen Grad weiterhelfen.
Inzwischen gab es sogar Tierheime, die kurz vor der Insolvenz standen und nur durch Spendenaktionen vor der Schließung bewahrt wurden. Das Problem ist allerdings: Wegen der Finanzkrise geht auch die Spendenbereitschaft merklich zurück.

Es scheint wie ein Teufelskreis: Menschen, die in die Sozialhilfe abrutschen und finanziell vor dem Nichts stehen, binden sich in dieser Situation besonders an ein Tier. Würde man es ihnen wegnehmen oder sehen sie sich gezwungen, es ins Tierheim zu bringen, dann verlieren sie ihren letzten Halt. Viele dieser Tierhalter sind alleinstehend und betrachten ihr Tier als Familienersatz. Wie gesagt: ein Teufelskreis, aus dem es keinen Ausweg zu geben scheint.