Erstes Wisentbaby in freier Wildbahn

Im April hatte ich über ein interessantes, wissenschaftlich begleitetes Auswilderungsprojekt geschrieben: Im Rothaargebirge (Nordrhein-Westfalen) lebt erstmals seit über einem Jahrhundert wieder eine Herde von Wisenten in freier Wildbahn. Nun gibt es schon die erste gute Nachricht über das Projekt zu vermelden: Die Leitkuh der Herde hat ein gesundes Kalb zur Welt gebracht.

Der kleine Bulle wurde auf den Namen Quintus getauft, weil er das fünfte Jungtier dieses Artenschutzprojekts ist, bei dem vorher – als die Wisentherde noch in einem großen Gehege in Gefangenschaft lebte – bereits vier Babys geboren worden waren. Die Mutter kümmert sich vorbildlich um Quintus, der laut den Wildhütern „putzmunter“ ist. Die Ranger raten allerdings Spaziergängern, die den Tieren begegnen, besonders großen Abstand zu halten, weil die Mutter ihren Nachwuchs instinktiv schütze und daher angriffslustiger als sonst sei.

Die im April freigelassene Herde hat mittlerweile ein Gebiet in der Größe von 2000 bis 2500 Hektar für sich erschlossen. Obwohl Wisente als sehr scheu gelten, lassen sich die im Rothaargebirge ausgewilderten Tiere immer wieder von Mountainbikern und Wanderern beobachten. Alles in allem ein Projekt, das vielversprechend angelaufen ist, und dem ich weiterhin gutes Gelingen wünschen möchte.

Weitere Informationen über das Projekt findet man hier.

Wisente wieder in freier Wildbahn

Sie waren in Deutschland vor etwa 90 Jahren schon vom Aussterben bedroht. Letztlich haben wir es Zoologischen Gärten zu verdanken, dass Wisente bei uns überlebt haben. Heute gibt es wieder fast 4000 Exemplare dieses größten europäischen Landsäugetiers, die alle von 12 (!) Tieren abstammen. Experten sehen den engen genetischen Pool der mächtigen Ur-Rinder durchaus als problematisch an.

In dieser Woche wird zum ersten Mal eine Wisent-Herde in Deutschland ausgewildert: im Rothaargebirge in Nordrhein-Westfalen. Zehn Jahre hat man in das Projekt investiert, in den letzten drei Jahren wurde die Herde, die acht Tiere umfasst, gezielt auf die Auswilderung vorbereitet. Sie lebt seitdem bereits im Rothaargebirge: In einem 88 Hektar großen Gehege, wo sie von Rangern betreut wird. Diese Ranger werden am Donnerstag auch den ersten Teil des vier Kilometer langen Zaunes abbauen. Die Herde kann sich dann frei in der Gegend bewegen. Man rechnet damit, dass sie nach und nach ein Gebiet von 2000 bis 3000 Hektar für sich beanspruchen wird. Am Anfang dürften die Rinder noch ganz in der Nähe bleiben und sich erst nach und nach weiter von dem bisher eingezäunten Gelände entfernen.

Wahrscheinlich, so nehmen die Betreuer an, werden die Wisente auch immer wieder zu ihren bisherigen Futterstellen zurückkehren. Im Winter sollen sie dort auch weiterhin versorgt werden, damit die Tiere kräftig genug bleiben. Die Herde wird von einer Leitkuh und einem Bullen angeführt. Drei Wisente haben ein Halsband um, das mit einem GPS-Sender ausgestattet ist, so dass man die Tiere nicht aus dem Blick verliert. Eine wirklich hundertprozentige Auswilderung wird es nicht nur wegen der Winterfütterung nicht sein: Die Betreuer werden wegen des schon angesprochenen engen Gen-Pools der Wisente künftig auch in die Struktur der Herde eingreifen. Sobald die weiblichen Jungtiere geschlechtsreif werden, soll der Bulle ausgetauscht werden, damit es nicht zur Inzucht kommt.

Trotz dieser Einschränkungen bleibt das Ganze aber ein spannendes Projekt, das bislang von drei Universitäten wissenschaftlich begleitet wird.

Bisons und Wisente – nur Langweiler?

Das war wieder einmal typisch für den Berufsstand, dem ich (in diesem Fall muss ich sagen: leider) auch angehöre: Der Nürnberger Tiergarten lädt die Presse ein, um seine Bison- und Wisentbabys vorzustellen – und nur ganz wenige Journalisten gehen hin. Ist wohl nicht sensationell genug, der Nachwuchs bei diesen Tierarten.

Da liegen die lieben Kollegen allerdings ziemlich daneben. Offenbar haben sie keine Ahnung, dass die zur selben Familie gehörenden Wildrinder fast schon von unserer Erde verschwunden wären: In Amerika wurden 60 Millionen Bisons durch beispiellose Vernichtung der Siedler auf wenige Hundert dezimiert, in Europa machten Jäger im Jahr 1919 dem letzten freilebenden Wisent den Garaus.

Nur durch die „Arche Zoo“ konnten Wisente überleben. Die augenblickliche Population liegt bei gut 3000 Tieren; sie geht auf ganze 12 Gründertiere in Zoologischen Gärten zurück. Die Zahl der Bisons hat sich mittlerweile wieder auf rund 60 000 Exemplare erhöht, die alle in Schutzgebieten der USA leben.

Im Nürnberger Tiergarten kann man sich jetzt an drei Bison-Kälbern und einem Wisent-Baby erfreuen. Die Bisons bekommen dort ziemlich rgelmäßig alle zwei Jahre Nachwuchs, bei den Wisenten gab es zuletzt eine längere Zuchtpause. Allerdings kann man die Tiere auch nicht so häufig verpaaren, wie die das vielleicht gerne hätten: Wisente und Bisons sind inzwischen schwierig in anderen Zoos unterzubringen. Da geht es ihnen dann auch nicht anders als mit der Seite eins der Zeitungen…