Zootiere werden älter, die zweite!

Über die Studie, dass Zootiere älter werden als ihre Artgenossen in der Wildnis, habe ich hier ja schon geschrieben, als sie gerade erschienen war. Nun habe ich aber im Tiergarten Nürnberg nachgefragt, was man daraus  für die Zooarbeit herausziehen kann. „Wir fühlen uns bestätigt, nehmen die Studie aber auch als Ansporn, unsere Tierhaltung noch weiter zu verbessern“, sagt der stellvertretende Tiergartendirektor Helmut Mägdefrau. Das Foto von Dieter Wegener zeigt den Silberrücken Fritz. Er ist zwar noch ein Wildfang (1963 aus Kamerun), hat aber fast sein ganzes Leben im Zoo verbracht – seit 1970 im Nürnberger Tiergarten. Mittlerweile hat er fast 54 Jahre auf dem Buckel.

Die Verfasser der Studie haben herausgefunden, dass 84 Prozent der über 50 untersuchten Säugetierarten in zoologischen Gärten ein höheres Alter erreichen als in freier Natur. Lange Zeit war es schwierig, die Geburts- und Todesdaten von Tieren in der Wildbahn zu bestimmen. Inzwischen haben Wissenschaftler jedoch genügend statistisches Material darüber gesammelt, um einen Vergleich in Sachen Lebensdauer zwischen ihnen und Zoobewohnern derselben Art ziehen zu können.

Auffallend ist: Arten mit schnellem Lebensrhythmus – das heißt etwa: frühe Geschlechtsreife, starke Vermehrung und viele Stressfaktoren – werden im Zoo deutlich älter als Wildtiere derselben Art. Dagegen ist bei Tieren, die „von Natur aus“ eine höhere Lebenserwartung haben, sich erst später und weniger stark vermehren sowie eine längere Tragezeit haben, der Unterschied zwischen der Lebenserwartung im Zoo und in Freiheit eher gering. An Beispielen erklärt: Primaten werden im Zoo sehr alt und können im Freiland sogar noch älter werden. Dasselbe gilt für Flusspferde und Elefanten; vor allem Elefantenkühe scheinen – altersmäßig betrachtet – kaum Vorteile von einer Haltung in Menschenobhut zu haben. Kaninchen oder Wallabys hingegen besitzen in Zoos wesentlich mehr Aussichten, zum Methusalem zu reifen, als draußen in der Natur.

Einen Schluss erlaubt die Studie übrigens nicht: Dass es Zootieren besser geht als Tieren in freier Natur, wie Helmut Mägdefrau sofort einräumt: „Das Empfinden von Tieren ist nach wie vor für uns Menschen nicht messbar.“ Ob Tiere die Zoohaltung als Einschränkung oder gar als Gefangenschaft interpretieren, weiß niemand. Doch er weist gleichzeitig auf etwas anderes hin: Das Ergebnis der Untersuchung fiele noch eindeutiger zugunsten von Zootieren aus, wenn deren Todesursache in jedem Fall mit in die Rechnung einfließen würde: „Die Verfütterung von Zootieren wurde dabei nicht erfasst.“ So sei die Altersgrenze etwa bei manchen Antilopenarten in Zoos nicht genau zu ermitteln, denn als Futtertiere sterben sie meist nicht eines natürlichen Todes, sondern werden abgeschossen.
Dann gibt es wiederum Tierarten, bei denen das Ergebnis der Studie für Laien erstaunlich, aber für Fachleute durchaus erklärbar ist. Rehe zum Beispiel werden in Zoos nicht alt. „Die sind äußerst schwer zu halten, weil sie eben das Durchstreifen von Waldgebieten brauchen und mal da, mal dort an einem Ast knabbern wollen. Das können wir ihnen nicht bieten“, sagt der stellvertretende Tiergartenchef. Notfalls heißt das dann für einen Zoo auch, die Haltung einer bestimmten Art aufzugeben.

Erkenntnisse, die man dabei erlangt, können auch dem Schutz der Tiere in freier Wildbahn zugute kommen. Gerade bei Wiederansiedlungsprojekten für bedrohte Arten wie die Przewalskipferde habe sich gezeigt, dass der ursprüngliche Lebensraum für die Erhaltung der Art gar nicht ideal ist. Das liegt vor allem am Menschen, der diese Gegenden für die betreffenden Tiere einfach zu stark verändert hat. „Viele Tierarten überleben heute nur noch im Kulturland“, sagt Mägdefrau. Die Forscher haben noch eine weitere Erkenntnis gewonnen, welche die Lebenserwartung der Tiere beeinflussen kann: Die Tatsache, ob es sich um Fleisch- oder Pflanzenfresser handelt. Fleischfresser leben demnach im Zoo länger, zeigen aber auch eher Verhaltensauffälligkeiten als in der Natur.
Helmut Mägdefrau zieht aus der Untersuchung folgenden Schluss: „Wenn die Lebenserwartung im Zoo nicht höher ist als im Freiland, ist was faul. Dann muss die Haltung verändert werden.“ Heutzutage hätten die Zoos da einen großen Vorteil: „Sie sind gut miteinander vernetzt und können Informationen schnell und leicht weitergeben. Es ist nicht mehr so wie früher, als noch jeder vor sich hingewurstelt hat.“ Und das kommt schließlich den Tieren am meisten zugute.

Der Killer der Wale

Kürzlich war ja das Stranden und die anschließende Rettung von Grindwalen an der neuseeländischen Küste ein großes Thema. Um einen Wal geht es auch im folgenden, allerdings um einen Cuvier-Schnabelwal, den norwegische Forscher an Land gezogen haben (Foto: Universität Bergen/dpa). Zunächst freuten Sie sich noch über die Sensation, dass das Tier so weit nach Norden – bis zur Insel Sotra westlich von Bergen -gezogen war, was diese Wale sonst nicht tun. Die Freude währte allerdings nur kurze Zeit, denn es folgte eine grausige Entdeckung: 30 Plastiktüten und massenhaft Mikroplastik waren im Magen des Wals.

Der Meeressäuger musste getötet werden – er schwamm immer wieder in Richtung Land. Cuvier-Schnabelwale kommen in nördlichen Gewässern normalerweise nicht vor, deshalb sollte der über zwei Tonnen schwere Kadaver für das Naturhistorische Museum in Bergen präpariert werden. In der marinebiologischen Station der Universität, wo die Obduktion vorgenommen wurde, entdeckten die Wissenschaftler den tödlichen Mageninhalt: Riesenmengen von Plastikmüll. Dafür war die Speckschicht des Wales auffallend dünn und sein Darm so gut wie leer. Das Tier war regelrecht abgemagert. Durch das viele Plastik war offenbar ein Pfropfen im Magen entstanden. Das Tier dürfte schreckliche Quälen gelitten haben.

Plastikmüll entwickelt sich langsam, aber sicher zum Fluch der Meere und zum Killer von Walen. Schon vor gut einem Jahr waren immer wieder Pottwale an der Nordseeküste gestrandet, von denen 30 zugrundegingen. In den Mägen der Meeressäuger befand sich ebenfalls massenhaft Plastik. Millionen Tonnen Plastikmüll verpesten jedes Jahr die Meere der Welt und sind für den Tod sowohl von Seevögeln als auch von Meeresbewohnern verantwortlich. Laut der Tierschutzorganisation Whale and Dolphin Conservation rufen die giftigen Inhaltsstoffe im Plastik zum Beispiel Immunschwächen hervor. Möglicherweise sind sie auch an der Unfruchtbarkeit der Meeressäuger schuld. Wenn nicht bald etwas geschieht, werden wir alle unter dem zu leiden haben, was der Mensch ins Meer schmeißt und was davon zurückkommt.

Also: Keine Rede von Killerwalen, sondern vom Killer der Wale – dem Menschen.

Delfine sind eben keine Engel

Was wird in bestimmten Kreisen nicht für ein Popanz um sie gemacht: Delfine sind für manche Menschen und besonders für bestimmte Tierschrechtler wahre Über-Tiere, die man an völlig anderen Maßstäben misst als andere Tiere. Das mag mythologisch begründbar sein. So sind auf altgriechischen Darstellungen die Nereiden rittlings auf dem Rücken von Delfinen abgebildet. Und der Sänger Arion von Lesbos soll von Delfinen gerettet worden sein, nachdem er aus Eifersucht von einem Schiff ins Meer gestoßen worden war. Auch das scheinbar immer lächelnde Gesicht von Delfinen trägt zu ihrer außerordentlichen Beliebtheit bei. Und die Generation, die in ihrer Jugend die Serie „Flipper“ im Fernsehen verfolgte, hat immer wieder sehen können, wie intelligent und menschenfreundlich diese Tiere sind. Kleine Anmerkung am Rande: Der Delfintrainer von damals tut sich heute als Delfin-Schützer hervor und möchte seine Vergangenheit wohl am liebsten ungeschehen machen. Weil das aber nicht geht, stellt er sein Leben als eine Art „Saulus wird zu Paulus“-Geschichte dar.

Dass es durchaus intelligentere Tiere gibt als Delfine und dass die in freier Wildbahn ebenso zu grausamen Räubern werden wie andere – vor allem, wenn sie Hunger haben -, das erwähnt man gemeinhin lieber nicht. So wird nun auch ein Ereignis medial aufgeblasen, das eigentlich ganz normal ist: Ein Delfin, der im vergangenen Herbst in der Kieler Bucht oft beobachtet wurde, dort sogar zwischen Menschen herumschwamm und als „Delfin Freddy“ bekannt ist, hat höchstwahrscheinlich einige Schweinswale in der Ostsee umgebracht. Das Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung hat Kadaver der Schweinswale obduziert und ist zu diesem Ergebnis gekommen, das aber nicht zu 100 Prozent sicher ist.

Denn man hat keine DNA eines Delfins an den Schweinswal-Leichen nachgewiesen, ebenso wenig wie Zahnabdrücke von Delfinen. Es wurde aber genau beobachtet, dass der Delfin jeweils zur gleichen Zeit an der jeweiligen Fundstelle der toten Wale in der Ostsee geschwommen war. Nun vermuten Meeresbiologen, entweder „zu robustes Spielen“ des Delfins könnte die Todesursache gewesen sein –  Schweinswale sind schließlich deutlich kleiner als „Freddy“. Wahrscheinlicher scheint mir aber die andere Überlegung: dass es dem Delfin nur um eines ging, nämlich darum, an Beute zu gelangen.

Zootiere leben länger!

gorilla_aeltester_berlin_zooJetzt gibt es einen wissenschaftlichen Nachweis, der Zoogegner mal wieder auf die Palme bringen dürfte: Viele Säugetiere leben in Zoologischen Gärten länger als in freier Wildbahn. Ein internationales Forscherteam unter Beteiligung der Universitäten Zürich und Lyon sowie des Zoologischen Gartens Halle hat dieses Phänomen bei über 50 Säugetierarten untersucht.

Klar: Bei Tieren, die nicht in Menschenobhut leben, ist es schwierig, Geburts- und Todesdaten zu bestimmen. In Zoos dagegen wird darüber lückenlos Buch geführt. Mittlerweile gibt es aber verschiedene Studien über freilebende Tiere mit genauen Altersangaben, um Vergleichsdaten zu erstellen. Die Wissenschaftler haben jetzt herausgefunden, dass über 80 Prozent der in Zoos lebenden Säugetiere länger leben als in „Freiheit“. Dazu gehören zum Beispiel Kaffernbüffel, Rentiere, Zebras, Biber oder Löwen. Bei Raubtieren ist es sogar so, dass alle 15 untersuchten Arten in Tiergärten eine höhere Lebensdauer erreicht haben. Der Verband der Zoologischen Gärten (VdZ), der im deutschsprachigen Raum 70 wissenschaftlich geleitete Zoos vertritt, ist naturgemäß hocherfreut über dieses Forschungsergebnis – straft es doch die wie ein Mantra immer wieder vorgetragene Kritik von Zoogegnern Lügen, die Sterblichkeitsrate von Zootieren sei besonders hoch. Allerdings ist die Lebensdauer von Tieren nur ein Indikator unter mehreren zur Beurteilung von Tierhaltung.

Die Studie belegt außerdem, dass ein paar besonders langlebige Arten in der Natur älter werden als im Zoo, beispielsweise Schimpansen. Weil die meisten Zoos in letzter Zeit aber gerade bei den Anlagen für Menschenaffen aufwändig um- oder neugebaut haben, dürfte in einiger Zeit auch bei den Primaten die Altersstatistik eine andere Sprache sprechen. Einige Menschenaffen erreichen auch jetzt schon in Menschenobhut ein biblisches Alter, etwa der auf obigem Foto abgebildete älteste Gorilla des Berliner Zoos (Foto: Zoo Berlin) oder der im Tiergarten Nürnberg lebende Silberrücken Fritz. (Wie heidi_z vorhin in ihrem Kommentar zu diesem Beitrag geschrieben hat, kennt sie die alte Gorilladame auf dem Bild: Es handelt sich um Fatou, die nächstes Jahr hoffentlich auch noch ihren 60. Geburtstag feiern kann. Vielen Dank für den Hinweis!)

Wetten, dass die Zoogegner auch hier wieder ein Haar in der Suppe finden und die Studie für unglaubwürdig oder unsinnig hinstellen? Diese Wette gewinne ich – hundertprozentig!`

Ende der Küken-Qualen in Sicht?

männliche KükenUnd hier noch die gute Nachricht zum Wochenende: Unter eine Form der Tierquälerei, die eher nebenbei geschieht – das Schreddern oder Vergasen von männlichen Küken – wollen Forscher in Dresden nun endlich einen Schlusstrich ziehen. Ihre neue Technik soll es möglich machen, das Geschlecht der Küken in einem frühen Entwicklungsstadium festzustellen und die männlichen Tiere schon im Ei und zu einem Zeitpunkt zu töten, an dem sie noch keinen Schmerz empfinden.

Im Labor untersuchen die Wissenschaftler Eier, die drei Tage lang bebrütet wurden, so dass sich schon Blutgefäße und das winzige Herz entwickelt haben, aber noch keine Nervenzellen und kein Schmerzempfinden. Zur Untersuchung wird das Ei vorsichtig angebohrt und mit einem Spektrometer durchleuchtet. Mit einem speziellen Computerprogramm können dann Unterschiede in der Biochemie des Blutes von männlichen und weiblichen Küken festgestellt werden – angeblich mit einer Trefferquote von 95 Prozent. Wächst im Ei ein männliches Küken heran, wird es entsorgt. Bei weiblichen Küken wird das Ei in den Brutkasten gelegt. Wenige Tage später schlüpft dann eine kleine Henne.

An dieser Forschung sind Tiermediziner, Chemiker, Ingenieure und Physiker beteiligt. Aus dem Experiment könnten später einmal Maschinen entwickelt werden, die bei allen Geflügelhaltern stehen. Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt ist daran gelegen, die Sache voranzutreiben, weil er sich ständig mit Protesten von Tierschützern gegen den massenhaften Kükentod konfrontiert sieht. Ein Verbot des Massentötens lehnt Schmidt allerdings ab: Seiner Meinung nach würden die Brütereien dann nämlich nur ins Ausland abwandern – den Tieren wäre damit nicht gedient. Schmidts Ministerium unterstützt die Forscher in Dresden auch finanziell.

Oh wie schön ist Panama für Krabben!

KrabbenschwarmIn der Affäre um die sogenannten Panama-Papiere kommt derzeit ja praktisch täglich eine neue Hiobsbotschaft ans Licht. Hier mal eine gute Nachricht zum Thema Panama. In Anlehnung an Janosch könnte man sie so auf den Punkt bringen: Oh wie schön ist Panama für Krabben! Wahre Massen von diesen Tieren haben Forscher nämlich im Pazifischen Ozean vorgefunden, als sie mit einem kleinen U-Boot vor der Küste Panamas unterwegs waren.

Ein riesiger Schwarm von Krabben (Pleuroncodes planipes) bewegte sich dort auf dem Meeresgrund (Foto: Ocean Media Institute/dpa). Ein ferngesteuertes Unterwasserfahrzeug, das die Wissenschaftler später noch in die Tiefe tauchen ließen, entdeckte weitere Krabben-Schwärme. Dabei schaffen es diese Tiere dort in Wasser zu leben, das extrem wenig Sauerstoff enthält. Möglicherweise dient das sauerstoffarme Wasser für diese Krabbenart als Schutz vor Feinden. Die meisten anderen Meeresbewohner benötigen nämlich viel mehr Sauerstoff im Wasser, um überleben zu können.

Panama ist also nicht nur für Steuerflüchtlinge und Geldwäscher ein Paradies, sondern auch für Krabben. Wer hätte es gedacht.

Neue Hoffnung für Orang-Utans

Orang

Manchmal wollen Menschen Tieren helfen, übersehen dabei aber, dass sie genau dadurch neue Probleme schaffen. Das hier ist ein Beispiel dafür: Orang-Utans (Foto: Serge Wich/Science Advances/dpa) sind die einzigen Großen Menschenaffen, die es überhaupt noch in Asien gibt. Wenn Orangs dort aus Auffangstationen freigelassen werden, besteht die Gefahr, dass durch Paarung mit Tieren aus dem Freiland Mischlinge entstehen, die nur eine geringe Überlebenschance haben. Damit haben sich jetzt Forscher des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig befasst. Sie machen darauf aufmerksam, dass diese Menschenaffen ausschließlich in ihrer Herkunftsregion freigelassen werden dürfen.

In Indonesien ist seit Jahren der natürliche Lebensraum der Orang-Utans durch Abholzung und Wilderei in Gefahr. Der Orang-Utan-Bestand schmilzt dahin. Orangs leben auf der Insel Borneo und auf der ungefähr 1200 Kilometer entfernten Insel Sumatra. Laut WWF gibt es auf Borneo noch rund 54.000 Tiere. Nach einer neuen Studie sollen auf Sumatra doppelt so viele Orang-Utans leben wie bisher angenommen, nämlich über 14.600. Das hat ein Forscherteam der Universität von Liverpool herausgefunden. Die Affen leben nämlich auch in höher gelegenen Berggebieten und in Waldgebieten, wo Holz geschlagen wird. Borneo-Orang-Utans haben im Lauf von etwa 176.000 Jahren drei geografisch isolierte Unterarten mit bestimmten Merkmalen herausgebildet, was sich aber nur durch DNA-Tests sicher feststellen lässt.

Solche Tests haben die Wissenschaftler nun auch bei Auswilderungen von Orang-Utans in den Tanjung Puting Nationalpark im Süden der Insel Borneo angewandt, wo öfter Affen einer nicht in der Region heimischen Unterart freigelassen wurden. Die Paarung mit den Freiland-Tieren blieb natürlich nicht aus. Mit negativen Folgen für den Nachwuchs: Der war der schwächer war als andere Jungtiere, brachte selbst weniger Babys zur Welt oder auch Junge, die früher starben oder oft krank wurden. Es kann sogar dazu kommen, dass durch diese Kreuzungen die schlechten Eigenschaften vererbt werden. Langfristig würde das dazu führen, das die Population schrumpft. Allerdings muss das nicht passieren – die Fortpflanzung mit Artgenossen aus einer anderen Unterart kann auch gut funktionieren. Man spricht dann von „Hybrid-Vitalität“.

Zurzeit sind in den Auffangstationen auf Borneo und Sumatra rund 1500 Orang-Utans für die Auswilderung bereit. Vorher sollen aber noch Gentests durchgeführt werden, damit es nicht mehr zur Kreuzungen zwischen verschiedenen Unterarten kommen kann. Wenn die Forscher das durchsetzen, kann man neue Hoffnung für die Zukunft dieser wunderbaren Tiere schöpfen.

Eine Kugel, die springt

KugelspringerEs ist mal wieder so weit: Das „Insekt des Jahres“ wurde ausgerufen, wie immer seit 1999 durch das Deutsche Entomologische Institut Senckenberg in Müncheberg und die Biologische Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft in Braunschweig. Diesmal hat man sich für den Dunkelbraunen Kugelspringer entschieden. Das Thema „Insekt des Jahres“ mögen manche jetzt nicht sehr prickelnd finden, aber ich meine, es hat was, wegen seiner Kuriosität. Denn so winzig dieses Tierchen auch ist – man kann es nur durch ein Mikroskop erkennen -, so nützlich ist es für die Natur. Nicht der Kugelspringer allein, sondern auch seine Verwandten, die alle zu den Springschwänzen (Collembola) gehören und von denen es über 8000 verschiedene Arten gibt. Und das fast überall auf der Welt und in jedem Klima;  im Schnee kommen sie  ebenso vor wie in der Wüste.

Die Springschwänze sind ein wichtiges Indiz für die Gesundheit des Bodens. Je mehr von ihnen dort leben, desto besser geht es dem Boden: Weil die winzigen  Kugelspringer ihr Futter (zum Beispiel abgestorbene Pflanzen-Reste oder Algen) in noch winzigere Einzelteile zersetzen, entsteht Humus. Der wiederum enthält die Stoffe, die Pflanzen für ihr Wachstum brauchen.

Warum heißt der Kugelspringer nun „Kugelspringer“? Die kugelige Gestalt ist ja auf dem Foto (Andreas Stark/Ampyx-Verlag, über dpa) zu sehen. Der andere Bestandteil des Namens kommt daher, weil er ein begnadeter Springer ist. Das schafft er durch eine Sprung-Gabel an der Unterseite des Körpers, die mit Hilfe eines Muskels herausspringt, wenn Gefahr droht. Sie schleudert den Kugelspringer weg, so dass der eine Art Salto vorwärts oder rückwärts macht.

Auf dem Foto sind auch die Borsten des Tierchens gut zu erkennen: Rezeptoren, mit denen es seine Umwelt wahrnimmt. Beobachten kann man diese Insekten am besten auf Baumstümpfen, besonders nach Regen, wenn die Luft feucht ist.

Der Trost von Wühlmäusen

WühlmäuseWir Menschen, die Wissenschaftler zumal, fühlen uns Tieren ja meist weit überlegen. Von der Intelligenz her, aber auch mit dem Argument, Tiere hätten – abgesehen vielleicht von wenigen Ausnahmen – kein Mitgefühl. Tierfreunde denken natürlich nicht so, sie wissen es längst besser. Deshalb wundert mich folgendes nicht – freut mich aber umso mehr: Amerikanische Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Präriewühlmäuse  große Empathie und Mitleid aufbringen können. Die Nager erkennen, wenn es befreundeten Artgenossen nicht gut geht und spenden ihnen sogar Trost. Allerdings stellt sich für mich schon die Frage, ob man als Tierfreund die Versuche, die zu dieser Erkenntnis geführt haben, gutheißen kann.

Denn so lief das Ganze ab: Forscher der Emory University in Atlanta untersuchten das Verhalten an Präriewühlmäusen im Labor. Bei dieser Art ziehen beide Elternteile die Jungen auf. Für den Versuch wurden vorübergehend zwei Tiere voneinander getrennt. Einem von beiden versetzte man schwache Stromstöße. Danach ließ man sie wieder zusammen. Die Maus, die keine Stromstöße abbekommen hatte, kümmerte sich sofort um die andere. Zum Beispiel leckte sie das durch die Stromstöße verstörte Tier ab und hatte ein paar Streicheleinheiten in Form von Fellpflege als Trost parat. Wurden die Tiere ohne Verabreichung von Stromstößen eine Zeitlang getrennt, gab es nach der Zusammenführung keine besondere Zuwendung.

Weitere Versuche zeigten, dass das nicht geschockte Tier die Empfindungen des anderen nachfühlt. Denn der Gehalt an Stresshormonen in seinem Blut stieg an, wenn es den Artgenossen nach dem Test nur durch eine Trennwand beobachten konnte. Ließ man die beiden dagegen richtig zusammen und es gab die Möglichkeit, den anderen zu trösten, war es durch das Trostspenden selbst weniger gestresst. Allerdings lief das nur bei verwandten und gut bekannten Artgenossen so ab, nicht bei fremden. In einer weiteren Stufe blockierten die Wissenschaftler bei den Tieren den Rezeptor für das Hormon Oxytocin im Gehirn. Und siehe da: Es war keine Fürsorge mehr zu beobachten.

Beim Menschen ist der Oxytocin-Rezeptor für Empathie und die Wahrnehmung von Gefühlen zuständig. Einige psychische Erkrankungen – wie zum Beispiel Autismus oder Schizophrenie – hängen damit zusammen, dass die Betroffenen Gefühle anderer nicht erkennen und entsprechend darauf reagieren können. Die genauere Untersuchung des hormonabhängigen Trost-Verhaltens bei den Präriewühlmäusen führt vielleicht zu einem besseren Verständnis dieser Erkrankungen. Die Forscher wollen deshalb mit Präriewühlmäusen im Labor den biologischen Mechanismen hinter bestimmten psychischen Erkrankungen bei Menschen auf die Spur kommen.

Stunde der Wintervögel – die sechste!

Blaumeise
Bundesweit ist es bereits die sechste Auflage der „Stunde der Wintervögel“, die der Naturschutzbund Deutschland (NABU) und sein bayerischer Partner Landesbund für Vogelschutz (LBV) vom 8. bis 10. Januar ausrufen. Auch diesmal geht es darum, eine Stunde lang Vögel am Futterhäuschen, im Garten, auf dem Balkon oder im Park zu zählen und dann zu melden. Der NABU hofft auch diesmal wieder auf eine rege Beteiligung bei dieser Mitmachaktion. Die verspricht heuer, besonders spannend zu werden. Denn die große Frage ist: Hat das bisher extrem milde Winterwetter Zugvögel zur Überwinterung in Deutschland verleiten können? Interessant ist auch, ob der Kaltlufteinbruch im Osten Deutschlands oder lautes Silvesterfeuerwerk Vögel dazu gebracht haben, den Ort zu wechseln. Es könnte also durchaus sein, dass eine Reihe von Vogelfreunden andere Vögel als 2015 beobachten werden.

Der Stieglitz, der zu den Finken gehört und zum Vogel des Jahres 2016 auserkoren wurde, verdient besondere Aufmerksamkeit, denn sein Bestand nimmt bei uns deutlich ab. Er ist aber häufig an Futterstellen anzutreffen. Bisher hat er es auf Rang 22 der häufigsten Wintervögel geschafft. NABU und LBV bitten darum, viele bunte Meter aus samenreichen Wildblumen anzulegen oder zu erhalten. Die Stunde der Wintervögel wird zeigen, ob die Aktion zu höheren Stieglitzbeständen führt. Und so funktioniert die Wintervogelzählung:  Von einem ruhigen Beobachtungsposten aus notiert man von jeder Art die höchste Anzahl, die während einer Stunde gleichzeitig zu sehen ist. Die Ergebnisse meldet man dann bis zum 18. Janua via Internet unter:

www.stundederwintervoegel.de

Außerdem ist am 9. und 10. Januar jeweils von 10 bis 18 Uhr die kostenlose Telefonnummer 0800/1157-115 geschaltet.

Bei der letzten großen Vogelzählung im Januar 2015 machten über 77.000 Tierfreunde mit und meldeten über zwei Millionen Vögel aus über 53.000 Gärten. Damals lag der Haussperling auf dem Spitzenplatz als häufigster Wintervogel, gefolgt von der Kohlmeise. Dann kamen auf Rang drei bis fünf Feldsperling, Blaumeise und Amsel. NABU und LBV wollen mit der Aktion nicht nur Daten erheben, sondern auch den Zählern die Natur vor ihrer Haustür näher bringen und sie dazu anregen, ihren Garten naturnah zu gestalten, damit sich Vögel dort ansiedeln. Zur „Stunde der Wintervögel“ stellt der NABU eine Zählhilfe, Porträts der häufigsten Vogelarten und Tipps zur Winterfütterung zur Verfügung.

So, und jetzt wünsche ich viel Spaß beim Zählen!