Wie bei den „Zehn kleinen Negerlein“

Der Wolf ist zurück. Eine Tierart, die ein Jahrhundert lang als bei uns ausgestorben galt. Die wir nur noch aus dem Märchen kannten, und zwar als „bösen Wolf“. Oder aus Zoologischen Gärten. Belesenen Zeitgenossen dürfte auch noch die Figur des Isegrim ein Begriff sein, ein Fabelwesen aus dem Epos Reineke Fuchs. Und dann haben die meisten von uns – zumindest hier in Bayern – auch schon mal die Wölfe im Nationalpark Bayerischer Wald gesehen. In freier Wildbahn hingegen, beispielsweise im „dunklen Wald“ (ebenso aus dem Märchen bekannt), da ist uns höchstens mal ein Fuchs begegnet.

Seit sich hierzulande die ersten Wölfe zögerlich in der Natur wieder angesiedelt haben, machen wir allerdings ein Riesenproblem daraus – ähnlich wie bei den Bären. Ich erinnere nur an den „Problembären“ Bruno. Der Wolf reiße Schafe, falle Touristen an, bedrohe die Existenz des Viehbestands von Bergbauern und sei überhaupt eine Gefahr für den Menschen. So liest und hört man es in den Medien. Und jetzt auch noch aus dem Nationalpark (bei Lindberg im Landkreis Regen) freigelassene Wölfe! Dass sich aus diesem Vorfall eine Tragödie entwickeln würde, war Tierfreunden wie mir von dem Augenblick an klar, als die Nachricht von der rätselhaften „Befreiungsaktion“ der sechs Tiere die Runde machte. weiter lesen

Hoffnungsschimmer für Wölfe in Norwegen

Das ist doch mal eine gute Nachricht vor Weihnachten – und dazu eine, die mir als „Wolf“ so richtig gut gefällt: Nach den Protesten von Tierschützern – vor allem der Natur- und Umweltschutz-Organisation World Wide Fund For Nature (WWF) – werden in Norwegen weniger Wölfe zum Abschuss freigegeben, als ursprünglich geplant war. Zunächst hatte man vorgesehen, dass 47 Wölfe aus vier Rudeln abgeschossen werden dürfen – jetzt sind es „nur“ noch 15. Für Tierfreunde natürlich immer noch zu viele, vor allem wenn man bedenk, wie groß das Land ist und wie dünn besiedelt. Im vergangenen Winter wurden dort rund 65 Wölfe registriert, außerdem 25 im Grenzgebiet zu Schweden.

Laut dem norwegischen Klima- und Umweltminister Vidar Helgesen würden mit der Tötung von mehr Tieren die eigenen Gesetze verletzt, ebenso wie die Berner Konvention zum Erhalt von Wildtieren und ihrer natürlichen Lebensräume. Nun haben die Verantwortlichen anscheinend eingesehen, dass die Wölfe für Schafe und Rentiere gar nicht soooo gefährlich sind. Und eine quasi vorsorgliche Tötung zum Schutz von Schafen und anderen, von Landwirten gehaltenen, Tieren widerspricht dem Gedanken von „Hege und Pflege“, der ja ursprünglich als Leitmotiv der Jagd gilt. Den beherzigen wirklich gute Jäger immer noch. Leider macht aber gerade in Skandinavien seit einiger Zeit die Spezies Jäger von sich reden, für die das Herumballern in idyllischer Natur mit vorzeigbaren Trophäen am Ende zum bloßen Art Freizent-Event geworden ist. Das darf nicht sein in einem Land wie Norwegen, wo Wölfe auf der Liste der bedrohten Tierarten stehen.

Jawohl: der Wolf hat´s gemacht!

Dass Tiere sich beim Publikum äußerster Beliebtheit erfreuen, ist bekannt. Ob in Zeitungen oder im Fernsehen – Tiere gehören zu den größten Zugpferden bei Lesern oder Zuschauern. Das zeigt sich auch hier in meinem Blog: Meine Geschichten über Tiere im Nürnberger Tiergarten und Tiere im allgemeinen erreichen fast jeden Monat die höchsten Klickzahlen unter den Blogs von NZ und NN. Immer wieder habe ich hier auch über Tiere geschrieben, die zu Maskottchen für sportliche Großereignisse auserkoren werden. Wie etwa das Gürteltier „Fuleco“ bei der Fußball-WM 2014 oder der Bär „Berlino“ bei der Leichtathletik-WM 2009 in Berlin.

zabivakaNun schickt sich ein weiteres Tier an, zum Star einer wichtigen Sportveranstaltung zu werden. Diesmal ist es – und das freut mich persönlich natürlich ganz besonders! – ein Wolf. „Zabivaka“ (oder auch „Sabiwaka“) heißt er, und er soll als Sympathieträger für die Fußball-WM 2018 in Russland fungieren. Frei aus dem Russischen übersetzt, bedeutet Zabiwaka so viel wie „kleiner Torschütze“. Die Figur wurde in einer großen Show im russischen Staatsfernsehen zum offiziellen WM-Maskottchen auserwählt und setzte sich mit fast 53 Prozent gegen ihre Mitbewerber durch, nämlich eine Katze und einen Tiger im Raumfahreranzug. Zabiwaka sieht wirklich zum Knuddeln aus, finde ich. Er trägt eine Skibrille, ein weißes Shirt mit blauen Ärmeln und eine rote Hose. Und dass er der deutschen Nationalmannschaft Glück bringen wird – da bin ich mir hundertprozentig sicher!

Heute ist der „Tag des Wolfes“

WolfstagSo viel Ehre wäre ja gar nicht nötig gewesen! Ich habe jetzt einen eigenen Tag, den „Tag des Wolfes“, der heute, am 30. April,  begangen wird. 😉  Anlässlich dieses Tages hat der Naturschutzbund NABU allerdings eine gemischte Bilanz zur Situation frei lebender Wölfe in Deutschland gezogen. Zwar hält er den wachsenden Bestand mit derzeit 40 Wolfsfamilien im ganzen Bundesgebiet für erfreulich, doch das Wolfs-Management reicht nach Ansicht der Zuständigen beim NABU noch längst nicht aus.

Gerade erst in der zu Ende gehenden Woche wurde in Niedersachsen erstmals ein Wolf – „MT6“ oder „Kurti“ genannt – aufgrund einer Ministeriumsentscheidung erschossen, weil er Menschen bzw. Hunden mehrmals zu nahe gekommen war. Diese Entscheidung konnte der NABU aber nachvollziehen:  Wolf „Kurti“ stellte durch sein  Verhalten ein nicht mehr zu kalkulierendes Risiko dar. Trotzdem kann die Geschichte keinen Tierfreund oder Tierschützer zufriedenstellen, denn das konzentrierte Monitoring hat zu spät begonnen, außerdem war die Vergrämungsphase viel zu kurz, und man hat dabei auch nicht alle zur Verfügung stehenden Mittel ausgeschöpft. Vor allem: Es wurde nicht ausreichend untersucht, was zu dem auffälligen Verhalten von Kurti geführt hat.

Nach Experteneinschätzung ist die wahrscheinlichste Ursache für die Verhaltensveränderung dieses Wolfes die Fütterung durch Menschen oder zurückgelassene Speisereste. Schließlich sind wir den Umgang mit diesen Wildtieren nicht mehr gewöhnt. Der NABU fordert eine unabhängige wissenschaftliche Kommission auf Bundesebene, die Kriterien für ein funktionierendes Monitoring und für die Vergrämung erarbeitet – und die Einhaltung dieser Kriterien auch überprüft. Jeweils am 30. April endet das offizielle Wolfsjahr, in dem alle wissenschaftlichen Daten gesammelt werden, um Erkenntnisse über das Leben freilebender Wölfe in Deutschland zu erhalten. Daher hat der NABU im Jahr 2013 den „Tag des Wolfes“ eingeführt.

Die Wölfe im Land müssen sich am meisten vor der Deutschen liebstem Kind in Acht nehmen: dem Auto. Denn das größte Risiko für den Wolf ist bei uns der Straßenverkehr. Seit dem Jahr 2000, als der erste Wolf nach Deutschland zurückkehrte, fanden 95 von diesen wunderbaren Tieren auf der Straße den Tod. An der Spitze liegt dabei Brandenburg mit 42 totgefahrenen Tieren. Auch die Akzeptanz von freilebenden Wölfen in der Gesellschaft lässt noch zu wünschen übrig, selbst wenn die allgemeine Zustimmung zur Rückkehr der Wölfe hoch ist. Es kommt außerdem immer wieder zu illegalen Abschüssen. Hierbei belegt das Land Sachsen den traurigen ersten Platz. Man muss allerdings berücksichtigen, dass die Dunkelziffer illegal getöteter Wölfe bundesweit deutlich höher ist als die offiziell bekannt gegebenen Zahlen.

Und so verteilen sich die freilebenden Wölfe über unser Land: Wolfsreichstes Bundesland ist Sachsen mit zwölf Wolfsfamilien, gefolgt von Brandenburg mit elf. In Niedersachsen leben derzeit neun, in Sachsen-Anhalt sechs und in Mecklenburg-Vorpommern zwei Wolfsrudel. In den vergangenen 15 Jahren konnten  Wölfe auch in allen anderen Flächen-Bundesländern nachgewiesen werden. Die Zählung funktioniert mit Hilfe von Fotofallen, DNA-Hinweisen nach Nutztierrissen oder eben tot aufgefundenen Tieren.

Wolfsjagd in Schweden verboten

WolfsjagdNa, das ist doch mal eine gute Nachricht im zu Ende gehenden Jahr 2015:
In Schweden ist jetzt die Wolfsjagd – dort eine Art Volkssport! – weitgehend verboten worden. Dieses Urteil fällten die Verwaltungsgerichte in Karlstad und Falun. Demnach darf die Jagd auf 40 Tiere in vier Regionen, die am 2. Januar beginnen sollte, schon einmal nicht stattfinden. Ob die Jagd in einer fünften Region erlaubt wird oder nicht, muss bis morgen entschieden werden. Das Oberste Verwaltungsgericht soll überprüfen, ob sich die Jagderlaubnis mit europäischen Vorschriften vereinbaren lässt.

Nach einem über Jahrzehnte geltenden Jagdverbot auf Wölfe war in Schweden 2010 zum ersten Mal wieder Jagd auf diese Tiere gemacht worden. Damals wurden 46 Wölfe abgeschossen, im folgenden Jahr wieder; heuer waren es 44.  Ich habe hier im Blog mehrmals über dieses Thema geschrieben. Die schwedische Naturschutzbehörde schätzt, dass in dem skandinavischen Land derzeit etwas mehr als 400 Wölfe leben. Auf diesem Niveau solle man auch künftig bleiben und die Anzahl durch Jagd auf diesem Level halten.

Während der Jagdverband die Gerichtsentscheide kritisiert, freuen sich die drei Tierschutzorganisationen, die gegen die Jagderlaubnis geklagt hatten. Auch der schwedische Umweltverband des WWF gehört dazu.

Fernsehtipp: „Wölfe im Visier“

planet e.: Wölfe im VisierAlles rund um das Thema Wolf bzw. Wölfe interessiert mich natürlich wegen meines Namens immer ganz besonders. Deshalb werde ich mir am kommenden Sonntag eine Sendung im ZDF anschauen, die sich mit dem Thema beschäftigt, und gleichzeitig wieder einmal einen Fernsehtipp an meine Leser weitergeben: Am Sonntag, 16. August, ist im ZDF um 14.45 Uhr die Dokumentation „Wölfe im Visier“ zu sehen. Darin folgt der  „planet e.“-Autor und Zoologe Axel Gomille Wölfen und Wolfsforschern, Kriminalbeamten und Pferdezüchtern, um eine Antwort auf die Frage zu finden, wie wir Menschen uns mit den Wölfen arrangieren können.

In Deutschland leben heute wieder rund 25 Wolfsrudel, Tendenz steigend. Sie kommen sogar bis vor die Tore von Großstädten wie Berlin oder Hamburg. Was Artenschützer freut, empfinden andere als große Gefahr. Und obwohl der Wolf als eine der seltensten Tierarten in der Europäischen Union streng geschützt ist, werden immer wieder Tiere illegal abgeschossen. Dabei kann der Abschuss eines Wolfs mit hohen Geldstrafen und sogar mit Gefängnis geahndet werden. Das scheint die „Wolfsjäger“ aber nicht abzuschrecken. So ermittelt zum Beispiel das Landeskriminalamt Sachsen derzeit gegen einen unbekannten Schützen, der im Frühjahr 2014 in der sächsischen Lausitz einen Wolf erlegte. Da es sich um den Vater eines Wolfsrudels handelte, war der Verlust besonders groß: Die Wolfsmutter konnte ihre Jungen nicht allein versorgen. So verendeten die Welpen über den Sommer schließlich. Vermutlich waren sie verhungert – eine Tragödie, die zeigt, wie durch einen einzigen Schuss eine ganze Tierfamilie ausgelöscht werden kann.

Ich glaube, die Sendung könnte spannend werden – und da es zumindest bei uns in Bayern am Wochenende einen Wettersturz geben soll, verpasst man draußen wohl auch nicht sehr viel.

Den Wintervögeln schlägt wieder die Stunde

Das Jahr 2015 ist eine Woche alt, und ich bin wieder aus südlichen Gefilden zurück. Winter in Mittelitalien – der ist in der Regel nicht wirklich prickelnd: Für unsere Begriffe weder richtig kalt, noch viel wärmer als zu Hause in Mittelfranken. Und da ich mich bei Schnee und Eiseskälte im Gegensatz zu den meisten anderen Leuten „pudelwohl“ (besser gesagt vielleicht: „als Wolf in meinem eigentlichen Element“) fühle, habe ich mir die Wintermonate in „Bella Italia“ erspart.

WintermeiseDeutscher Winter – das bedeutet für mich als Tierliebhaberin auch so wunderbare Anblicke wie der auf nebenstehendem Foto, das in Heroldsberg (bei Nürnberg) aufgenommen wurde. Wintervögel aus nächster Nähe zu beobachten, das hat mir schon als kleines Mädchen riesigen Spaß gemacht. – Deshalb möchte ich an dieser Stelle auch auf die neueste – inzwischen ist es schon die zehnte – Ausgabe der Aktion „Die Stunde der Wintervögel“ hinweisen, die der Landesbund für Vogelschutz in diesem Jahr von Freitag, 9. Januar, bis einschließlich Sonntag, 11. Januar, veranstaltet. Es geht also schon übermorgen los – bitte möglichst zahlreich bei der größten Vogelzähl-Aktion Bayerns mitmachen – und nicht doppelt zählen!!

Mir san mir!

Es ist wieder mal typisch. Ein Tier, das in Deutschland lange Zeit ausgestorben war, kehrt zurück: der Wolf. Mittlerweile leben hierzulande wieder über 200 Wölfe, die meisten im Osten Deutschlands. Es gibt sogar Wolfsrudel in der Nähe von Naherholungsgebieten von Berlin oder in der Lüneburger Heide. Das klappt ohne Probleme, Mensch und Wolf gehen sich aus dem Weg. Es wird höchstens mal ein Exemplar auf der Autobahn überfahren; das ist traurig, aber andere Wildtiere bleiben davon auch nicht verschont.

Und dann taucht in Oberbayern ein einzelner Wolf auf – es ist der vierte seit 2006 -, und pure Hysterie bricht aus: Das Monster muss weg, sonst sind unsere Kühe, Schafe etc. nicht mehr sicher! Das erinnert mich fast ein wenig an die Angst, die früher umging, als es in ländlichen Gebieten hieß: Wäsche von der Leine – die Zigeuner kommen!

Gut, es stimmt, die kürzlich tot aufgefundene Hirschkuh wurde tatsächlich von einem Wolf gerissen, das haben DNA-Untersuchungen nun zweifelsfrei ergeben. Aber muss dieser Fall deshalb gleich zum politischen Streitthema hochstilisiert werden? Auch wenn ich mit dem vom Bund Naturschutz geprägten Begriff „Wolfserwartungsland“ nicht viel anfangen kann, gebe ich den BN-Vertretern in der Sache völlig recht: Wir haben in Bayern genug Platz für diese Tiere, denn wir haben abgelegene Gegenden, in die sich die Wölfe vorzugsweise zurückziehen. Reißt ein Wolf dann doch einmal ein Tier aus dem Bestand eines Bauern oder Hirten, bekommt der Besitzer eine entsprechende Entschädigung. Es existieren außerdem verschiedene Schutzmöglichkeiten, über die sich Viehzüchter beraten lassen können.

Aber natürlich muss sich gleich der Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger, der ja zu allem was zu sagen hat, an die Sache dranhängen und behaupten, Wölfe würden einfach nicht nach Bayern passen. Dafür ist unser Bundesland angeblich zu „hoch kultiviert“ und dicht besiedelt. Und Herr Aiwanger weiß natürlich auch jetzt schon, dass das staatliche Management bei „großen Beutegreifern“, wie der Fachterminus heißt, nicht funktionieren wird. Was Aiwanger eigentlich will, ist klar: die Erlaubnis zum Abschuss des Tiers – und damit basta! Und wenn man die Erlaubnis nicht bekommt, löst man das Problem halt auf „bayerische Art“, so wie zuletzt im Jahr 2011, als ein streunender Wolf im Mangfallgebirge plötzlich wie vom Erdboden verschluckt war. Mir san halt mir!

Wolf unter Verdacht

Wenn man Wolf heißt, ist man wohl bei jeder Meldung alarmiert, die man über diese Tierart aufschnappt. So geht es mir zumindest, und so ist es auch wieder bei diesem Vorfall: Im Inntal, südlich von Rosenheim, wurde eine Hirschkuh gerissen – und ein Wolf steht unter Verdacht, dafür verantwortlich zu sein. Der Nachweis dafür wurde bisher noch nicht erbracht, die DNA-Analyse soll erst in etwa zwei Wochen vorliegen. Am Kadaver deutet einiges darauf hin, dass es ein Wolf war; die Behörden können derzeit aber auch nicht ausschließen, dass ein streunender Hund der Bösewicht war. Die Hirschkuh war tot auf einer Wiese am Waldrand gefunden worden.

Die Bauern im Inntal fürchten, dass ein Wolf aus den Südwestalpen eingewandert ist und ihr Vieh bedroht. Ich halte das Ganze allerdings für Panikmache – denn selbst wenn sich wirklich ein Wolf länger in dem Gebiet aufhalten sollte, was wäre daran so schlimm? Ein einzelner Wolf ist kein Monster, und auch sein Appetit ist begrenzt. Und wenn er ein Tier reißt, dann greift das Wildtiermanagement, das für Verluste finanziell aufkommt, wenn Tierhalter trotz Vorsorgemaßnahmen (wie z.B. Elektrozäunen) Verluste erleiden. Dieses Managment tritt bei allen sogenannten großen Beutegreifern in Kraft; dazu zählen Bären, Wölfe und Luchse. Elektrozäune können die Bauern außerdem kostenlos ausleihen.

Es gibt einen Entschädigungsfonds, der hauptsächlich vom Freistaat Bayern finanziert wird. Darin sind die jeweiligen Summen für Nutztierverluste genau festgelegt, für ein getötetes Pferd etwa gibt es höchstens 5000 Euro. Die Behörden finanzieren auch Pilotprojekte wie die Anschaffung von Herdenschutzhunden. Für Almen bestehen eigene Schutzmöglichkeiten, beispielsweise die Behirtung, oder die Herden werden nachts eingepfercht. Der Almwirtschaftliche Verein Oberbayern beschäftigt eine eigene Wolfsbeauftragte, bei der sich die Bauern Informationen zum Wildtiermanagement holen können und die sie auch beim Kontakt mit den Behörden unterstützt.

Kein Grund zur Panik also. Bleibt nur zu hoffen, dass es nicht wieder zu solchen Aufgeregtheiten kommt wie vor drei Jahren, als ein Wolf durch das Mangfallgebirge streunte. Dieses Tier hatte einiges Rotwild, ein paar Rehe und Schafe gerissen, bevor plötzlich Schluss damit war. Ob der Wolf an der Staupe verendete oder einem Wilderer zum Opfer fiel, konnte nicht geglärt werden. Auf jeden Fall fallen Wölfe in Bayern unter den strengen Artenschutz – das ist hoffentlich auch den Bauern und Almwirten im Inntal klar!

Von wegen "Wolfserwartungsland"!

Es ist schon ein Trauerspiel. Da gilt eine Tierart – in diesem Fall der Wolf – ein Jahrhundert lang als bei uns ausgestorben, und wir haben das Glück, dass sie wiederkehrt. Und was machen wir daraus?  Wir fahren die wertvollen Tiere, über die wir uns freuen müssten, tot. 30 (!) von ihnen sind schon im Verkehr auf deutschen Straßen umgekommen, hat der Naturschutzbund NABU gezählt. Innerhalb nur einer Woche mussten jetzt drei Wölfe dran glauben: Einer wurde auf einer Bundesstraße im nördlichen Sachsen-Anhalt von einem Auto überfahren, einer auf dem Berliner Ring, und ein paar Tage vorher hat man einen in der Lausitz abgeschossen – unerlaubterweise. (Das Thema Wölfe hat ja auch der „Polizeiruf 110“ in der ARD am vergangenen Sonntag aufgegriffen – wie ich finde, ganz gut, auch wenn die gesamte Geschichte jetzt nicht so stringent war.) Dabei hatte es vor kurzem in Bayern noch geheißen, wir seien „Wolfserwartungsland“.

Ich weiß nicht – vielleicht liegt es ja an meinem Namen, dass mich das Schicksal von Wölfen besonders berührt. Aber selbst wenn man die Sache nüchterner betrachtet, muss man sich doch fragen: Wie intolerant und unachtsam sind wir Geschöpfen gegenüber geworden, die nicht in unser Schema vom braven oder süßen Haustier und vom scheuen Wild passen? Mag sein, dass der Wolf gefährlicher werden kann als andere Tiere, die bei uns in freier Wildbahn leben. Aber Jagd auf ihn zu machen, nur weil man argwöhnt, er könnte irgendwo ein Lamm reißen (für das es ja in der Regel eine Entschädigung gäbe)? Haben wir denn jeden Respekt vor einer seltenen Tierart verloren, bei der wir sozusagen noch einmal eine zweite Chance bekommen?

Vonseiten des NABU ist nach den Vorfällen der letzten Tage jedenfalls der Ruf nach einem „nationalen Wolf-Kompetenzzentrum“ laut geworden. Dort sollten deutschlandweit Daten zur Population der Wölfe bei uns erfasst und gesammelt sowie der Schutz der Tiere organisiert werden, fordern die Tierschützer. – Ich reagiere ja sonst auf das Wort „Kompetenz“ eher allergisch. Doch in diesem Fall ist es mir schnurzegal, wie das Ding heißt – Hauptsache, es bringt etwas!