Sogar Kinder können Pate werden

Nach meinem letzten Beitrag über ein trauriges Ereignis im Nürnberger Tiergarten nun wieder eine erfreuliche Nachricht von dort: Vor 25 Jahren begann für den Zoo am Schmausenbuck die Geschichte der Tierpatenschaften; die hießen damals noch „Futterpatenschaften“. Der Aufruf in verschiedenen Medien – auch in der Nürnberger Zeitung – löste schnell eine große Resonanz bei Zootierfreunden aus. Und die Zahl der Menschen, die ihre Lieblinge auf diesem Weg unterstützen, steigt seit einem Vierteljahrhundert stetig (Foto: Manuel Mederer).

Inzwischen sind es mehr als 770 Paten, die sich auf diese Art und Weise engagieren. Sie haben dafür gesorgt, dass bisher über 1,7 Millionen Euro zusammenkamen. Mit dem Geld, das dadurch für Tierfutter eingespart wurde, konnten zum Beispiel das Mediterraneum sowie die Anlagen für Buntmarder, Erdmännchen und Fischkatzen teilfinanziert werden. Tierpatenschaften werden übrigens gern verschenkt, und zwar zu allen möglichen Anlässen wie etwa Geburtstag, Weihnachten, Taufe, Schulanfang oder Hochzeit. Rund um das Thema Tierpatenschaften kann man sich bei Zoo-Mitarbeiterin Monika Prell informieren, die diesen Bereich betreut. Entweder telefonisch unter 09 11/5 45 48 38, per Mail unter monika.prell@stadt.nuernberg.de oder man klickt einfach hier. weiter lesen

Und hier ist Tiergartenzeitung Nummer 14!

Sie ist da, die neue – mittlerweile 14. Nummer der – Tiergartenzeitung. Zweimal im Jahr erscheint sie und wird vom Tiergarten Nürnberg zusammen mit Nürnberger Journalisten erstellt (auch ich bin Mitglied der Redaktion). Klar, dass es bei der neusten Ausgabe der kleine Panzernashorn-Junge Sanjai mit seiner Mutter Sofie auf die Titelseite geschafft hat. Auf einer Doppelseite in der Mitte wird übersichtlich dargestellt, wie der Tiergarten Nürnberg weltweit vernetzt ist, in welche Zoos Tiere von Nürnberg abgegeben werden, woher Tiere nach Nürnberg kommen, wie Forschung im Tiergarten mit internationalen Partnern funktioniert usw.

Um Vernetzung geht es auch, wenn ein Tierarzt aus Kasachstan in Nürnberg den Umgang mit Kulanen trainiert, die wieder in der zentralkasachischen Steppe heimisch werden sollen. Wie im Tiergarten Grundlagenforschung betrieben wird, zeigt ein Beispiel mit Berberaffen, die lernen, die richtigen Wege zum Futter zu finden. Natürlich kommen auch Geschichten über Tiere nicht zu kurz, im Porträt wird diesmal der Riesenseeadler vorgestellt. Viele Zoobesucher fragen immer wieder, wie Zootiere zu ihrem Namen kommen – in der Tiergartenzeitung gibt es die Antwort darauf. Das 12 Seiten starke Blatt schließt mit einem Artikel über ein Inklusionsangebot im Tiergarten: Von Künstlern gestaltete Tierfiguren vermitteln Blinden und sehbehinderten Besuchern Erkenntnisse über Zootiere.

Im Verbreitungsgebiet der „Nürnberger Zeitung“ und der „Nürnberger Nachrichten“ lag die Tiergartenzeitung heute der Tageszeitung bei. Für alle Leser meines Blogs, die weiter weg wohnen: Hier findet man sie im Internet.

Viel Spaß bei der Lektüre!

Titel
Sie ist heute erschienen, die Nummer 12 der „Tiergartenzeitung“, gemacht von Journalisten der „Nürnberger Zeitung“ und „Nürnberger Nachrichten“ zusammen mit dem Tiergarten Nürnberg. Zweimal im Jahr erscheint das 12 Seiten umfassende Blatt – im Frühjahr und im Spätherbst. Im Verbreitungsgebiet der genannten Zeitungen liegt es kostenlos der heutigen Tageszeitung bei. Für alle, die keine Tageszeitung lesen oder nicht im Verbreitungsgebiet wohnen: Man die Tiergartenzeitung auch hier im Internet lesen.

In dieser Nummer dreht sich auf den beiden mittleren Seiten alles um das Hauptthema „Invasive Arten“ und die Frage, wie unsere Gesellschaft mit dem Problem umgeht und die ökologischen Folgen in den Griff bekommt. Ein weiteres Thema ist der Artenschutz am Beispiel von Projekten, die im Tiergarten angesiedelt sind, zum Teil aber Tieren auf der anderen Seite des Globus zugutekommen. Der Aspekt Auswilderung von Zootieren wird am Beispiel der Uralkäuze behandelt.

Daneben gibt es jede Menge unterhaltsamer Lesegeschichten, etwa über Eisbär Felix auf Freiersfüßen: Der „Womanizer“ ist in halb Europa unterwegs, um die Zucht dieser wunderbaren, leider bedrohten Tiere zu sichern. Oder über die Griechischen Landschildkröten, die zu Unrecht ein wenig im Schatten anderer großer Zootiere stehen. Oder über die Mähnenwölfe, die unverwechselbare Duftmarken im Tiergarten setzen. Zum ersten Mal gibt es außerdem einen sati(e)rischen Beitrag aus der Feder des Wortakrobaten Oliver Tissot, der als Gastautor gewonnen werden konnte. – Na dann: Viel Spaß bei der Lektüre!

 

Kein Zoff um Delfine!

Delfinarium2Auch wenn es eine andere Nürnberger Tageszeitung heute auf ihrer Seite eins meldet: Es gibt nicht schon „wieder Zoff um Delfine“ im Nürnberger Tiergarten! Es gab gestern lediglich eine Sitzung des Bauausschusses des Stadtrats. Dort wurde beschlossen, für 1,2 Millionen Euro das ehemalige Delfinarium II so weit instand zu setzen, dass es während der Ausbesserungsarbeiten an der Lagune als Ausweichquartier dienen kann. Diese Pläne sind seit Sommer bekannt.

Das war Ende der 1980er Jahre schon einmal der Fall. Damals diente die ungefähr 20 mal 30 Meter große Holzhalle mit zwei Rundbecken (siehe Foto), die sich über zwei Schleusen verbinden oder trennen lassen, als vorübergehende Behausung für Meeressäuger wähernd der Renovierung des alten, 1971 eröffneten Delfinariums. Später fanden dort Geburten von Delfinbabys und deren Aufzucht statt, außerdem konnte man einzelne Tiere bei Krankheit oder Streit kurzzeitig unterbringen, wenn es im alten Delfinarium zu eng wurde. Spätestens seit Eröffnung der Lagune war die Halle überflüssig.

Wenn sie während der Ausbesserung der Lagune wieder benutzt werden soll, benötigt sie ein neues Dach mit Wämedämmung. Große Tümmler könnten vorübergehend dort beherbergt werden, falls der Baulärm in der Lagune zu groß wird. Damit die Stadt die 1,2 Millionen nicht nur für diesen Notfall ausgeben muss, soll die Halle künftig auch anderweitig genutzt werden: zum Beispiel für  Kalifornische Seelöwen oder Pelikane während der Wintersaison.

Ich bin dann mal in Bolsena!

Ich bin dann mal in Italien: In meiner Arbeit bei der „Nürnberger Zeitung“ lege ich für ein Jahr eine Pause ein und verbringe Frühjahr, Sommer und Herbst in Bolsena. Und so sieht meine Wahlheimat aus: die kleine Stadt Bolsena, 110 Kilometer nördlich von Rom am wunderschönen Lago di Bolsena gelegen. Der mittelalterliche Ort hat ungefähr 4000 Einwohner, eine Burg, mehrere Kirchen – und immerhin 60 Bars, Cafés und Restaurants. Das ist selbst für jemanden wie mich, der sonst in Fürth lebt und an die Vorzüge der dortigen legendären Kneipendichte gewöhnt ist, ziemlich beeindruckend!

Der Ort ist von sanften Hügeln umgeben, Olivenhaine und dichte Eichenwälder prägen das Landschaftsbild. Ich hoffe, dass ich in den nächsten Wochen, bevor es zu warm wird, viele Wanderungen in dieser Gegend unternehmen kann. Der See selbst ist fast um ein Drittel größer als der Chiemsee, nur wesentlich tiefer. Er ist vulkanischen Ursprungs und gilt als der sauberste Binnensee Europas. Deshalb schwimmen jede Menge Fische darin herum, die in den Restaurants auf die köstlichste Art und Weise zubereitet werden, zum Beispiel der „Coregone“.

Natürlich gibt es in diesem „Dreiländereck“  – Toskana, Umbrien und Latium treffen am Lago di Bolsena aufeinander – auch herrliche Weine wie Merlot, den weißen „Est! Est! Est!“ und den süßen Dessertwein „Aleatico di Gradoli“. Manche Einwohner von Bolsena, die ich bei meinen früheren Besuchen dort kennengelernt habe, stellen, obwohl sie keine Weinbauern sind, auch ihren eigenen Wein her, füllen ihn in Mineralwasserflaschen ab und verschließen sie dann mit Kronkorken. Ich habe schon das eine oder andere Glas „aqua rossa“ genießen dürfen.

So – genug geschwärmt für den Anfang! Jetzt muss ich mich erst mal in den nächsten Tagen in der gleich unterhalb der Burg gelegenen Ferienwohnung einrichten, die ich bis in den Herbst hinein gemietet habe. Ich hoffe, dass ich im Laufe der kommenden Monate am Leben der Einwohner von Bolsena teilhaben kann, weniger als Touristin, sondern als eine von ihnen, an ihrem Alltag und ihren Festen – und davon gibt es hier am See jede Menge, so viel kann ich schon mal verraten!

In Nürnberg leben keine Delfine aus Taiji

Ich habe es befürchtet und deshalb letzte Woche keinen Blog-Beitrag über Taiji geschrieben, wo wieder das alljährliche grausame Delfin-Abschlachten stattfand. In der Online-Ausgabe der NZ wurden in Kommentaren zum dort veröffentlichen Artikel über Taji die irrwitzigsten Beziehungen zu den Delfinen im Nürnberger Tiergarten hergestellt. Das ist  eine der großen Gefahren des Internets: Jeder kann jeden Mist veröffentlichen.

Einer der Kommentatoren (@Redaktion), der nicht diesen unsäglichen Schreibern zuzuordnen ist, hat angeregt, dass Journalisten der Frage nachgehen sollten, woher die Delfine in Nürnberg stammen. Ich habe zwar immer wieder in Artikeln in der Printausgabe der NZ und auch hier im Blog geschrieben, woher die Tiergarten-Delfine kommen. Daraus müsste man eigentlich schließen können, dass der Nürnberger Tiergarten und Taiji nichts, aber auch gar nichts, miteinander zu tun haben. Es stimmt: Die schönsten der in Taiji gefangenen Tümmler werden an Delfinarien verkauft, jedoch ausschließlich in Japan, China und vereinzelt an die Türkei. In keinem einzigen europäischen Zoo, der mit Großen Tümmlern am Erhaltungszuchtprogramm EEP beteiligt ist, werden Tiere aus Taiji gekauft, und kein Zoo der Welt wird in den Zoo-Weltverband aufgenommen, wenn er ein Tier von dort halten würde.

Mir liegt die Liste aller Großen Tümmler vor, die in der Delfinlagune des Nürnberger Tiergartens leben und lebten. Für jedes einzelne Tier ist die Herkunft genau nachgewiesen (das ist auch in jedem anderen Zoo so). Die Großen Tümmler, die direkt nach der Eröffnung des alten Delfinariums im Tiergarten und in den folgenden 1970er Jahren hier gehalten wurden, waren noch Wildfänge. Das hat auch noch nie jemand abzustreiten versucht. Diese Tiere stammten aber nie aus Taji, sondern aus den Küstengewässern Floridas und kamen über andere Delfinarien (vor allem Duisburg und Nerja/Spanien) hierher. Darunter waren auch Tiere, die krank gefangen und im Dinnes Memorial Tier-Hospital (Texas) wieder aufgepäppelt worden waren. Und – ganz wichtig: Auch Moby, der Senior der Nürnberger Delfine, ein Wildfang aus Florida, der mittlerweile über 50 Jahre alt ist, lebt seit 1971 in Nürnberg und ist nach wie vor putzmunter.

Bereits in den 80er Jahren gab es Nachzuchten der ehemaligen Wildfänge (darunter Moby), die im Tiergarten geboren wurden. Einige davon starben innerhalb weniger Wochen, andere leben noch heute. Bei Anke und Nynke handelt es sich um Wildfänge aus dem Jahr 1985, die später vom Zoo Münster nach Nürnberg abgegeben wurden. Noah ist 1993 in Nürnberg als Sohn von Eva (Wildfang) und Moby (Wildfang) geboren und lebt noch hier. Naomi (geb. 1998), eine Schwester von Noah, lebt in Harderwijk. Die aus dem Heidepark Soltau stammenden und nach Nürnberg abgegebenen Delfine Sunny, Joker und Arni waren bereits Delfinariums-Geburten und leben teils hier, teils in der Meeres-Delfinlagune Harderwijk. Rocco und Kai sind beide in Harderwijk geboren.

Es gab in Nürnberg – wie in anderen Delfinarien auch – Tot- und Fehlgeburten sowie Jungtiere, die kurze Zeit nach der Geburt gestorben sind. Das passiert aber auch bei anderen Zootieren und wurde nie verheimlicht, sondern immer in der örtlichen Presse veröffentlicht. Es wäre schön, wenn die unsägliche Legendenbildung um die Delfine endlich mal abgeschlossen würde – aber ich fürchte, das werde ich nicht mehr erleben.

 

Zahn um Zahn

Und nochmal geht es um Zähne. „Auge um Auge, Zahn um Zahn“: Diese Redensart verwenden wir gerne, wenn es um grausige Rachegelüste geht. Ein solches hat jetzt einen Bauern in Nepal gepackt – und wie!

Der Mann arbeitete friedlich und nichts Böses ahnend auf einem Reisfeld, das sich etwa 200 Kilometer südlich von Kathmandu befindet. Plötzlich wird er von einer giftigen Kobra gebissen. Und was macht der Reisbauer da? Er gerät dermaßen in Rage, dass er das gemeine Vieh einfängt und sich bitterlich an ihm rächt: Er beißt seinerseits zu, und zwar so, dass die Giftschlange tot ist.

Der Mann hat den Biss degegen nach einer Behandlung im Krankenhaus gut überstanden. Gegenüber Zeitungsjournalisten gab er an, er sei nach dem Schlangenbiss blind vor Wut gewesen und habe Rache gewollt. Deshalb habe er die Kobra nicht etwa mit einem Stock erschlagen, sondern mit seinen Zähnen töten müssen.

Verglichen mit dieser Geschichte ist die Meldung „Mann beißt Hund“, die hierzulande in Journalistenkreisen als etwas ganz Besonderes gilt, nicht mehr als eine lahme Ente.

 

 

 

Giraffe auf der Speisekarte – na und?

Also, manchmal muss ich mich schon wundern, wie Agenturmeldungen kritiklos von den Medien übernommen werden.  „Giraffenbaby an Löwe verfüttert – Kinder entsetzt“, lautete eine solche Meldung vor ein paar Tagen.

Statt so etwas in den (virtuellen) Papierkorb zu werfen oder zu ignorieren, hat es leider auch die NZ gebracht – immerhin aber grammatikalisch richtig („an Löwen verfüttert“, hieß es dort). Doch inhaltlich wurde das Ganze dadurch auch nicht besser.

Um was ging es genau? Zoowärter in Kaliningrad haben ein bereits totes Giraffenbaby mit Haut und Haaren einem Löwen zum Fraß vorgeworfen. –  Ja und? Was soll schlimm daran sein? Etwa, dass zufällig gerade Kinder vor dem Gehege standen und zuschauten, wie sich der Löwe das Giraffenkind einverleibte? Dem Löwen hat diese Mahlzeit sicher besser geschmeckt als die faden Fleischbrocken, die er sonst serviert bekommt. Erwiesenermaßen stecken gerade im Fell und in den Knochen lebenswichtige Nährstoffe, die in Zoos sonst durch Futterzusatz verabreicht werden müssen. Und dass die Giraffe vorher nicht zerteilt wurde, dürfte ein guter Test für die Qualität des Löwen-Gebisses gewesen sein.

Aus diesen Gründen werden auch im Nürnberger Tiergarten immer wieder mal tote Zootiere an die Raubkatzen verfüttert (siehe Foto). Meist handelt es sich um Rinder, Hirsche oder Antilopen – ein totes Giraffenbaby kommt hierzulande nicht so häufig vor. Im Tiergarten bemüht man sich auch, die Besucher über den Sinn und Zweck der Ganzkörperverfütterung aufzuklären – und stößt dabei auf erstaunlich viel Verständnis. Raubkatzen sind nun mal keine Schmusetiere – davon müssten selbst Kinder schon einmal etwas gehört haben. Dass Fleisch aus ganzen Tieren herausgeschnitten wird – auch zur Verwendung durch den Menschen – wissen heute zwar viele Kinder nicht mehr; umso besser, dass sie es jetzt in dem Zoo einmal mitbekommen haben.

Dass die jungen Zoobesucher in Kaliningrad nun gar „traumatisiert“ sein sollen, halte ich für eine starke Übertreibung russischer Medien. Schließlich hat der Löwe die Giraffe ja nicht vor ihren Augen gerissen. Und was schauen sich die lieben Kleinen denn tagtäglich im Internet an? Da dürfte durchaus stärkerer Tobak dabei sein! Ganz abgesehen von dem, was russische Kinder immer wieder in ihrem Lebensumfeld mitbekommen und mit dem sie fertig werden müssen. Da gibt es eindeutig Schlimmeres als ein totes Giraffenbaby!

Falsche Behauptungen über die Lagune

Ich habe in meinem Blog schon mehrfach über Kritik an der Delfinlagune im Nürnberger Tiergarten geschrieben – was wiederum die eine oder andere Kritik provoziert hat. In der „Nürnberger Zeitung“ erscheint am Mittwoch wieder ein Artikel von mir zum Thema Lagune und Delfinhaltung. Ich zeige an mehreren Beispielen, wie das Wal- und Delfinschutzforum (WDSF) und das Projekt Walschutzaktionen (ProWal) die Medien mit Pressemitteilungen zu manipulieren versuchen, die unrichtige Behauptungen enthalten. Und manchmal schaffen solche Tierschutzaktivisten das auch! Die Lagune ist – für alle, die es bisher nicht wussten – das einzige Freiluft-Delfinarium Deutschlands. Jürgen Ortmüller, Geschäftsführer des WDSF,  bezeichnet sie gern als „Steinbruch-Delfingefängnis“.
Im Folgenden übernehme ich den Hauptteil meines  NZ-Artikels ausnahmsweise für mein Blog – auch wenn der Text sehr lang ist. Aber nur so lässt sich nachweisen, wie viele Unwahrheiten von den beiden Organisationen verbreitet werden, die widerlegbar sind. Übrigens: Meine Blog-Leser bekommen den Beitrag jetzt schon vor dem Erscheinen in der Zeitung – als kleines Dankeschön für ihre Treue!

Behauptung: „Der angeblich über 50 Jahre alte Delfin Moby … musste vor den Augen der Besucher mit Flüssigkeit zwangsernährt werden, indem der Trainer ihn einen Gartenschlauch schlucken ließ, weil er nach Angaben der Delfintrainer einen schweren Nierenschaden hat.“
Tatsache: Alle Großen Tümmler, die je im Tiergarten gelebt haben, sind genau dokumentiert. Der aus dem Küstengewässer vor Florida stammende Moby kam im August 1971 vom Duisburger Zoo zur Eröffnung des Delfinariums in den Tiergarten. Da er wie alle Tiere in der Anfangszeit der deutschen Delfinarien ein Wildfang ist, lässt sich sein Geburtsjahr nicht genau bestimmen; Fachleute haben Moby damals auf zehn Jahre geschätzt. Moby hat trotz seines hohen Alters keinen Nierenschaden. Seine Nieren funktionieren aber – ähnlich wie bei alten Menschen – nicht mehr so gut. Deshalb bekommt der Delfin-Senior über Gelatine und Eiswürfel zusätzlich Flüssigkeit. Moby hat außerdem im Training gelernt, freiwillig einen Schlauch zu schlucken. Über den werden täglich mehrere Liter Wasser eingefüllt, damit Mobys Nieren weiter gut arbeiten.

Behauptung: „Moby musste mit den anderen drei Delfinen im Außengehege des Delfinariums an der Show teilnehmen und hohe Sprünge über einen Wasserstrahl absolvieren, um überhaupt seine zusätzlichen Futterrationen zu bekommen.“
Tatsache: Kein einziger Tümmler wird in Nürnberg gezwungen, Kunststücke vorzuführen. Hat ein Delfin keine Lust mitzumachen, kann er in ein anderes Becken schwimmen. Dort kümmert sich ein Mitarbeiter der Lagune um ihn, während die übrigen Tiere ihr Beschäftigungsprogramm absolvieren. Das alles können die Besucher mit eigenen Augen verfolgen. Das Training funktioniert ausschließlich über das Belohnungsprinzip: Ein Delfin, der eine Übung richtig gemacht hat, kriegt einen oder mehrere Fische zugeworfen. Der Trainer lobt ihn auch mit Worten und gibt dem Tier ein akustisches Signal zur Bestätigung. Beteiligt sich ein Tümmler nicht am Programm, erhält er trotzdem seine notwendige Futtermenge.

Behauptung: Delfinschützer ermittelten am 25. August dieses Jahres in der Lagune „Hitzetemperaturen von knapp 30 Grad Celsius während der Delfin-Show direkt an der Wasseroberfläche“. Erlaubt seien für die Delfine nach den Rechtsgrundlagen aber nur 24 Grad, so die Tierschützer.
Tatsache: Das vom Bundesministerium für Verbraucherschutz, Landwirtschaft und Ernährung herausgegebene „Gutachten über Mindestanforderungen an die Haltung von Säugetieren“ lässt einen Toleranzbereich der Wassertemperatur von zehn bis 28 Grad zu. Und weiter heißt es dort: „Die Luft über der Wasseroberfläche muss staubarm sein, eine relative Luftfeuchte von mindestens 60 Prozent und eine Temperatur von 10 bis 24 Grad Celsius aufweisen.“ In der Lagune wird die Wassertemperatur regelmäßig kontrolliert – das Messen der Luft über dem Wasser ist praktisch jedoch kaum durchzuführen. Das Gutachten stammt aus dem Jahr 1996 und wird derzeit überarbeitet.

Behauptung: WDSF- und ProWal-Vertreter „deckten jetzt auf, dass seit fast drei Jahren zwei Große Tümmler aus dem geschlossenen Vergnügungspark-Delfinarium des Heideparks Soltau in einem Nebenbecken der alten Delfinhalle des Tiergartens gehalten werden“.
Tatsache: Als Arni und Joker im November 2008 aus Soltau nach Nürnberg kamen, hat der Tiergarten das in einer Pressekonferenz bekanntgegeben. Die beiden Delfinmännchen sollten nur vorübergehend im Tiergarten bleiben, weil nach der Schließung des Delfinariums im Heidepark kein anderes Ausweichquartier zur Verfügung stand. Dass beide im nicht öffentlichen Delfinarium II untergebracht sind, ist kein Geheimnis. Es gibt einen ganz einfachen Grund dafür: Der große und starke Joker würde den alten Moby als Anführer der Nürnberger Delfingruppe entmachten. „Das wäre das Todesurteil für ihn“, sagt Tiergartendirektor Dag Encke. Auch zwischen Joker und dem elfjährigen Arni komme es immer wieder zu Rangeleien. Nun soll Joker Zuchtbulle in einem anderen Delfinarium werden; der Transfer wird laut Encke derzeit vorbereitet. Danach will man Arni in die übrige Truppe integrieren.

Behauptung: Joker und Arni würden „ohne Tageslichtdach“ gehalten. Angeblich hat eine – namentlich nicht genannte – ehemalige Tiergarten-Mitarbeiterin Fotos zur Verfügung gestellt, die belegen sollen, dass Joker und Arni „in einem dunklen Mini-Pool seit drei Jahren vor sich hinvegetieren“.
Tatsache: Laut dem Gutachten des Bundesverbraucherschutzministeriums ist nur „für ausreichendes Naturlicht“ zu sorgen. „Bei zusätzlicher künstlicher Beleuchtung ist diese einem dem natürlichen Licht entsprechenden Spektrum anzupassen.“ Von einem Tageslichtdach ist nirgends die Rede. Das Becken im Delfinarium II entspricht von der Größe her den Vorschriften.

 

Wenn Beutelratten alt werden

Gerade erst war sie in der neu eröffneten Tropenhalle “Gondwanaland” des Leipziger Zoos nach mehrmonatiger Abstinenz ans Licht der Öffentlichkeit zurückgekehrt, schon macht sie die ersten Negativ-Schlagzeilen:  Das schielende Opossum Heidi zeigt angeblich erste Alterserscheinungen. Hat jedenfalls die „Bild“-Zeitung behauptet, und wenn die irgendeinen tierischen Laut von sich gibt, müssen sich Zoo-Verantwortliche hinterher leider von den Nachrichtenagenturen dazu befragen lassen. Anscheinend muss bei denen auch ein riesengroßes Sommerloch gefüllt werden.

Nun könnte man natürlich fragen, warum ich dann auch noch auf das Thema aufspringe. Aber es ist leider immer so eine Sache: Tut man es nicht, heißt es, man ist nicht auf dem neuesten Stand der Dinge. Tut man es, macht man sich derselben Sensationsgeilheit verdächtig, die das Springer-Blatt kennzeichnet.

Also: Heidi soll unter Rückenschmerzen leiden. Das liegt wohl auch einfach daran, dass die Beutelratte bereits dreieinhalb Jahre auf dem Buckel (!) hat, und mit dem Alter kommen bekanntlich die Wehwehchen. Heidis Artgenossen in freier Wildbahn werden nur ganz selten so alt – und vor allem auch nicht so fett, wie Heidi es war, bevor sie von Dänemark nach Leipzig umzog. Dort musste sie bekanntlich erst mal abspecken. Aber ihr einstiges Übergewicht rächt sich jetzt eben.
Sollte der sächsische Zoo für die Zukunft mit süßen Babys von Heidi geliebäugelt haben, die schließlich noch mehr Publikum ins anscheinend permanent überfüllte  „Gondwanaland“ gelockt hätten, so musste er diese Hoffnung mittlerweile fahren lassen. Für Nachwuchs ist Heidi schlichtweg zu alt. Sie lebt jetzt auch nicht mehr mit ihrem Partner Teddy zusammen, nur noch mit ihrer gleichaltrigen Schwester Naira. Das ist auf jeden Fall stressfreier für sie.