Zirkus ohne Tiere – nein danke!

Ich habe ja in meinem Blog schon öfter über Zirkustiere geschrieben bzw. über Wildtiere im Zirkus. Tierschutzaktivisten fordern seit langem ihr Verbot, während Zirkusvertreter versichern, dass ihre Tierhaltung den Vorschriften entspricht, artgerecht ist und von Tierärzten  regelmäßig kontrolliert wird. Ein schwieriges Thema, bei dem oft Emotionen über Argumente gestellt werden.

Es gibt linzwischen einige Kommunen, die einem Zirkus Aufführungen verbieten wollen, wenn er Wildtiere zeigt. Vor kurzem hat allerdings dabei eine Stadt den kürzeren gezogen, und zwar Hameln. Das Verwaltungsgericht Hannover hat in diesem Fall entschieden, dass so ein Verbot nicht zulässig ist und damit dem Eilantrag eines Zirkusunternehmens gegen die Stadt Hameln stattgegeben. Der Stadtrat von Hameln hatte beschlossen, kommunale Flächen nur noch Zirkusbetrieben zur Verfügung zu stellen, die keine wildlebenden Tiere wie zum Beispiel Bären, Elefanten oder Raubkatzen präsentieren. Das Verwaltungsgericht urteilte, dieses Vorgehen sei rechtswidrig (Az. 1 B 7215/16). Ein Verbot wildlebender  Tiere in Zirkussen müsse der Bund beschließen. Doch der hat im Tierschutzgesetz nur festgelegt, dass für das gewerbliche Vorführen von Tieren in einem  Zirkus eine behördliche Erlaubnis nötig ist. Der Zirkus in Hameln besaß so eine Erlaubnis.

Es kann aber auch anders kommen, wie der berühmte amerikanische Zirkus Ringling erfahren musste:  Er wird nach fast 150 Jahren schließen. Das schreiben sich natürlich die Aktivisten von Peta als Riesenerfolg auf ihre Fahnen, dass sie der „Greatest Show on Earth“ riesige Probleme gemacht und sie zum Aufgeben gebracht haben. Ausschlaggebend dafür waren ausgerechnet die Elefanten, die immer das Aushängeschild des Zirkus Ringling waren. Die Dickhäuter galten früher als größte Besucherattraktion von „Ringling Bros. and Barnum & Bailey Circus“, wie der Zirkus vollständig heißt – bis vor 36 Jahren Peta-Leute gegen die Elefantenhaltung bei Ringling und anderen Unternehmen zu kämpfen begannen. Sie wiesen immer wieder auf angebliche Mängel in der Tierhaltung hin, bis Ringling nachgab und nahm im Mai vergangenen Jahres die Elefanten aus dem Programm nahm. Das führte letztlich zum Endes des legendären Zirkus wegen ausbleibender Besucher. Den Rest haben dem Unternehmen die steigenden Kosten wie etwa teure Mieten für Hallen gegeben.

In Deutschland befürchten die Zirkusse ebenfalls einen drastischen Besucherrückgang, wenn keine Wildtiere mehr gezeigt werden dürfen. Traditionsunternehmen wie der Münchner Zirkus Krone, der wie Ringling auch Elefanten als Wappentiere hat, wollen deshalb nicht darauf verzichten. Mit Aufklärung der Besucher bemüht sich zum Beispiel Krone, die Argumente von Tierschützern zu entkräften. Es werden auch Unterschriften gegen das Wildtierverbot in Zirkussen gesammelt.

Ich schließe mich solchen Unternehmen mit moderner Tierhaltung an: Für mich ist ein Zirkus ohne Tiere kein richtiger Zirkus.

Elsbeth – unsterblich, aber verschwunden

Mit der Kommunikation ist es so eine Sache – gerade in unserer sogenannten Kommunikationsgesellschaft. Sie klappt halt oft einfach nicht. Funktioniert umso weniger, je kürzer die Wege sind. Zum Beispiel der zwischen Nürnberg und Fürth. Für alle Auswärtigen: Die beiden mittelfränkischen Städte liegen nicht nur nebeneinander, sondern sind zumindest baulich längst zusammengewachsen. Trotzdem – oder gerade deshalb –  sind sie sich aus Tradition nicht grün.

Diese Woche haben die Fürther erfahren, dass eine ihrer Prominenten die Stadt verlassen hat. Dabei ging es um die berühmte Zwergflusspferddame Elsbeth. Dieses Tier hatte vor Jahrzehnten mit einem Zirkus in Fürth gastiert, war aber ausgebüxt und in den vorbeifließenden Fluss namens Pegnitz geflüchtet, wo sie erst nach tagelanger Suche aufgespürt und zum Zirkus zurückgebracht wurde. Der zog nach seinem Gastspiel weiter.

Die Geschichte erfreut die Menschen heute immer noch. Über Elsbeth gibt es bereits Kinderbücher und sogar eine von Gudrun Kunstmann geschaffene Skulptur in Bronze. Die befand sich bis vor kurzem in einem Fürther Einkaufszentrum (das allerdings inzwischen fast leer steht). Das Foto oben zeigt Elsbeth, geschmückt mit Faschingsgirlanden in besagtem Einkaufszentrum. Voriges Jahr hat ein Immobilienunternehmen das Ding gekauft und will wieder Leben in die Bude bringen. Die Sprecherin des Unternehmens ließ die staunende Bevölkerung nun wissen, Elsbeth – respektive ihrer Skulptur – gehe es bestens. Sie sei vom Einkaufszentrum in den Nürnberger Tiergarten zurückgekehrt, dorthin, wo sie als Leihgabe einst herkam. Nun müsse die Plastik ihr Dasein nicht mehr im tristen Fürther Kellergeschoss fristen. Vielmehr komme sie im zooeigenen Flusspferdgehege zu neuen Ehren. Das Dumme ist nur: Es gibt dort gar kein Flusspferdgehege, auch kein Flusspferdhaus. Das frühere „Nilpferdhaus“ aus dem Jahr 1939, in dem aber niemals Zwergflusspferde gehalten wurden, soll ein „Wüstenhaus“ werden. Zwergflusspferde gab es einige Jahre lang im Tropenhaus des Tiergartens.

Elsbeth ist jetzt erst einmal hinter den Zookulissen verschwunden. Möglicherweise wird sie im Frühjahr von dort hervorgeholt. Denn im Rahmen eines Inklusionsprojekts will man Besuchern mit Sehbehinderung mehr Angebote zum Ertasten und Anfassen machen und zu diesem Zweck auch einige der eingelagerten Plastiken auf dem Zoogelände verteilen. Vorerst aber hat Elsbeth keinen guten Tausch gemacht, und schon gar nicht kam sie zu neuen Ehren.

Rückt ein Verbot für Tiere im Zirkus näher?

ZirkustiereIch habe hier im Blog ja schon öfter über das von verschiedenen Seiten geforderte Verbot von Wildtieren im Zirkus geschrieben. Jetzt startet wieder ein neuer Anlauf: Das Bundesland Hessen bringt morgen (Freitag, 26. Februar) eine Initiative in den Bundesrat ein, die sich auch auf Affen, Giraffen, Nashörner und Flusspferde bezieht. Zur Begründung wird argumentiert, eine art- und verhaltensgerechte Unterbringung sei unter den Bedingungen reisender Zirkusunternehmen unmöglich. Zirkustiere seien bis zu 20 Stunden lang in engen Transportfahrzeugen eingequetscht.

Schon mehrmals gab es ähnliche Vorstöße des Bundesrates. Der jetzige Antrag soll erst mal zur Beratung die Ausschüsse des Bundesrates durchlaufen – mit dem Ziel, dass die Bundesregierung über eine Entschließung zu einem Verbot aufgefordert wird.

Bisher sieht es so aus, dass das für diese Frage zuständige Bundeslandwirtschaftsministerium da noch nicht recht mitzieht. Dort will man  zunächst die Situation von Wildtieren im Zirkus weiter beobachten und erst dann aktiv werden, wenn man neue Erkenntnissen gewonnen hat. Seit einer Änderung des Tierschutzgesetzes im Jahr 2013 kann dieses Ministerium unter bestimmten Voraussetzungen Verbote oder Beschränkungen verordnen – allerdings sind die Hürden wegen möglicher Eingriffe in Grundrechte doch ziemlich hoch gelegt. Im Fall des Verbots von Zirkustieren ist hauptsächlich die Berufsfreiheit der Zirkusbetreiber ein Hindernis bei jeder Änderung.

Ich selbst bin mir nach wie vor nicht sicher, wie ich in dieser Frage entscheiden würde. Es gibt meiner Meinung nach sehr gute Tierhaltung in Zirkusssen – vor allem in den großen Unternehmen. Ob kleinere da (schon aus finanziellen Gründen) mithalten können – ich weiß es nicht. Was ich aber weiß, ist: Ich mag Zirkus.

Soll Robby den Zirkus verlassen?

BellyWieder einmal macht ein Zirkustier Furore: Diesmal ist es Schimpanse Robby, der letzte Menschenaffe in einem deutschen Zirkus. Seit fast 40 Jahren gehört er nun schon zum „Circus Belly“ und ist fast so etwas wie ein Familienmitglied der Truppe. Das soll sich jedoch bald ändern, denn der Amtstierarzt hat dem Zirkus die Genehmigung zur Haltung des Menschenaffen jetzt nicht mehr verlängert. Robby soll in eine Spezialeinrichtung zur Resozialisierung von Schimpansen, damit er künftig unter Artgenossen leben kann. Die jetztige Haltung im Zirkus sei nicht artgerecht.

Robby kam zum Circus Belly, als er drei Jahre alt war und wurde dort fast wie ein Menschenkind behandelt. Kein Wunder, dass der Zirkusdirektor nun auf die Barrikaden geht. Er will es nicht zulassen, dass Robby woanders eingesperrt wird und meint, das sei das sichere Ende des Schimpansen. Er verweist auch darauf, dass vor gar nicht langer Zeit Amtsveterinäre dem Zirkus bescheinigt hätten, dass es Robby gut gehe. Und laut einem Gutachten soll der Affe auch zu alt für eine Resozialisierung sein. Zu dem jetzt ausgesprochenen Verbot ist es nach Ansicht des Zirkusdirektors nur gekommen, weil sich der Tierarzt nicht länger mit den Tierrechtsaktivisten von Peta habe herumärgern wollen, die schon seit langem für die Freilassung von Robby eintreten.

Die niederländische Stiftung „Aap“ hat zugesagt, dass sie Robby zur Sozialisierung aufnehmen will. Dort soll er Schritt für Schritt lernen, in einer Gruppe Schimpansen zu leben. Nach Erfahrung der Einrichtung kann eine solche Wiedereingliederung unterschiedlich lang dauern.

Ich bezweifle eher, dass dieser Weg dazu führt, dass Robby glücklicher wird. Dass Schimpansen mittlerweile nicht mehr als Zirkustiere gehalten und präsentiert werden dürfen, finde ich zwar richtig. Aber in diesem Einzelfall, wo das Tier seit fast vier Jahrzehnten an seine Umgebung und „seine“ Menschen gewöhnt ist und auch schon ein beträchtliches Alter erreicht hat, halte ich es für falsch, es aus seinem vertrauten Leben herauszureißen. Soll Robby doch sein Leben als letzter Zirkusaffe Deutschlands beenden dürfen!

Soll Elefantenhaltung im Zirkus verboten werden?

ZirkuselefantEs war vorherzusehen: Nachdem am Samstag in Buchen (Odenwald) eine aus dem Zirkus Francordia ausgebüxte Elefantdendame einen Mann erdrückt hat, geht nun wieder die Diskussion darüber los, ob Wildtiere im Zirkus gehalten werden dürfen oder nicht. Tierschutzaktivisten – zum Beispiel Peta – behaupten, das Unglück hätte man voraussehen können. Peta will nun Strafanzeige wegen fahrlässiger Tötung stellen; allerdings hat die Organisation schon viele Anzeigen gegen alle mögliche erstattet, die zu nichts geführt haben. Das Aktionsbündnis „Tiere gehören zum Circus“ dagegen plädiert erst einmal für eine vollständige Aufklärung des Vorfalls und wendet sich gegen voreilige Schlussfolgerungen von Tierrechtlern, es habe sich nun erneut gezeigt, dass solche Tiere nicht im Zirkus gehalten werden dürften.

Die Polizei glaubt indessen nicht, dass Elefant „Baby“ die aufwändigen Sicherheitsvorkehrungen des Zirkusunternehmens aus eigener Kraft überwinden konnte. Wenn niemand das Tier freigelassen habe, dann müsse zumindest ein Fehler beim Schließen gemacht worden sein. Der Zirkusdirektor hat auch postwendend Tierrechtler beschuldigt, beim „Ausbruch“ der Eelefantendame nachgeholfen zu haben.

Nun stellt sich die Frage, ob Baby als besonders aggressives Tier bekannt war. Auch da gehen die Meinungen auseinander. Laut der Organisation Elefanten-Schutz Europa kam das Tier 1997 in den Zirkus. Seitdem habe es zehn Vorfälle, Angriffe und Ausbrüche gegeben. Ein Gutachter, der Baby als verhaltensgestört einstufte, habe deshalb den Behörden empfohlen, den Elefanten nicht länger im Zirkus zu lassen. Doch das Bündnis „Tiere gehören zum Circus“ führt ein aktuelles Gutachten ins Feld, nach dem die Elefantendame völlig normal sei. – Welchem Gutachten soll man da glauben?

Für die insgesamt 50 Zirkus-Elefanten in Deutschland gelten – wie für die anderen dort lebenden Wildtiere auch – die „Leitlinien für die Haltung, Ausbildung und Nutzung von Tieren in Zirkusbetrieben oder ähnlichen Einrichtungen“, herausgegeben vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft. Elefanten dürfen dabei nicht einzeln gehalten werden – das war aber bei Baby der Fall. In 18 anderen Ländern der EU dürfen Zirkusse überhaupt keine Elefanten halten. Während Organisationen wie Peta fordern, dass in Deutschland endlich auch so ein Verbot gilt, steht das Aktionsbündnis „Tiere gehören zum Circus“ auf dem Standpunkt, eine tiergerechte Haltung von Elefanten im Zirkus sei möglich, wenn die Leitlinieneingehalten und dies entsprechend kontrolliert würde.

Ich finde es schwierig, zu entscheiden, welche der beiden Seiten hier mehr im Recht ist und bin im speziellen Fall von Elefanten unentschlossen.

„Manege frei“ für Zirkustiere?

Das Thema Wildtiere im Zirkus spaltet die Menschheit ähnlich wie das Thema Delfine in Delfinarien. Befürworter und Gegner haben ihre feste Meinung, von der sie sich kaum abbringen lassen. Argumenten, und mögen sie noch so einleuchtend sein, sind beide Seiten nur in Ausnahmefällen zugänglich. Spätestens seit in einigen Ländern wie Österreich, Belgien und Finnland ein Verbot von Wildtieren im Zirkus eingeführt wurde, fordern Tierschutzaktivisten bei uns das auch. Weniger rigoros zeigt sich der Deutsche Tierschutzbund, der die Tierhaltung in Zirkussen nur dann ablehnt, wenn sie nicht bestimmten Vorgaben entspricht. Das Aktionsbündnis „Tiere gehören zum Circus“ wiederum setzt sich ausdrücklich für die Zirkustierhaltung ein.
In der Wissenschaft beschäftigt sich bei uns in Deutschland vor allem der Verhaltensforscher Immanuel Birmelin, Gründer des Vereins „Verhaltensforschung bei Tieren“, mit dem Thema Zirkustiere. Er vertritt im Großen und Ganzen die These, dass  den Tieren das Leben im Zirkus nicht  schadet – vorausgesetzt, ihnen wird  gute und ausreichend Beschäftigung geboten, und die Unterbringung der Tiere erfüllt bestimmte Mindeststandards. Birmelin geht sogar so weit zu sagen, die Größe eines Käfigs oder eines Zeltes sei weniger wichtig, wenn sich die Zirkusleute intensiv um ihre tierischen Kollegen kümmern und ihnen ein geeignetes Programm gegen die Langeweile bieten. Im Proinzip also eine ähnliche Argumentation wie die von Zoo-Befürwortern.
Nun beschäftigt sich auch das deutsche Fernsehen mit der Problematik. Im WDR sind ab Pfingstmontag die beiden ersten Folgen der fünfteiligen Dokumentation „Manege frei“ zu sehen, die sich um das Verhalten von Zirkustieren drehen. Immanuel Birmelin wirkt bei der Reihe mit. Er führt verschiedene Experimente durch, die zeigen, wie Tiere selbst auf Problemlösungen kommen und wie dies dann in Zirkusnummern eingebaut wird. Auch auf die enge Beziehung zwischen Zirkustieren und ihren Dompteuren – ich bevorzuge dieses Wort, auch wenn heute meist von „Tierlehrern“ gesprochen wird – geht die Doku ein. Birmelin will anhand von Messungen des Stresshormons Cortisol außerdem beweisen, dass Zirkustiere bei guter Haltung, regelmäßiger medizinischer Kontrolle und nicht zu weiten Transporten nicht unter Stress stehen. Auch hier sind die Parallelen zu Zoos unübersehbar. Der Tiergarten Nürnberg beispielsweise hat ebenfalls immer wieder Cortisolmessungen bei den Großen Tümmlern vorgenommen und keine erhöhten Werte festgestellt.
Die ersten Folgen von „Manege frei“ drehen sich um Zirkuslöwen und -elefanten. Ich gehe davon aus, dass Immanuel Birmelin nach der Ausstrahlung von Tierrechtlern massiv angefeindet wird, denn er kommt zu einem für die Zirkusse mit kontrolliert guter Tierhaltung postitiven Ergebnis. Tierschutzaktivisten, etwa die Organisation Peta, behaupten das Gegenteil. Und werden diesen Standpunkt mit Sicherheit nicht aufgeben.
Die Sendetermine im WDR:
Pfingstmontag 25. Mai, 16.35 bis 17.20 Uhr: Folge 1: „Schule der Löwen“ (Wiederholung Dienstag, 26. Mai, 6.15 bis 7 Uhr)
Sonntag, 31. Mai, 15 bis 15.45 Uhr: Folge 2: „Elefanten im Spiegel“ (Wiederholung Freitag, 5. Juni, 5.30 bis 6.10 Uhr)

So, nun bleibt mir nur noch, meinen Lesern schöne Pfingsten – vielleicht mit dem einen oder anderen Tiererlebnis – zu wünschen!

Tiere im Zirkus – ja oder nein?

Wilde Tiere im Zirkus – das soll endlich der Vergangenheit angehören. Tierschützer und -rechtler fordern seit langem, Affen, Raubkatzen, Elefanten, Bären, Giraffen, Nashörner und Flusspferde aus der Manege zu verbannen. Heute befasst sich der Bundesrat mit dem Thema und will über ein Verbot von exotischen Tieren im Zirkus abstimmen. Egal, wie das ausgeht – die Bundesregierung wird sich kaum so schnell zu einem Verbot durchringen können. Im Vorfeld hat schon mal Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner Bedenken verlauten lassen.
Ich muss gestehen, dass ich in dieser Frage auch hin- und hergerissen bin. Klar, die Vorwürfe der Tierschützer sind nachvollziehbar. Die meisten Zirkusunternehmen können solchen Tieren keine artgerechte Haltung bieten. Schon allein die Tatsache, dass ein Zirkus ständig von Ort zu Ort zieht und die Tiere dafür transportieren muss, spricht gegen die Wildtierhaltung. Im Gegensatz zu Zoologischen Gärten sind beim Zirkus auch keine weiträumigen Außengehege möglich. Mancher Zirkus springt außerdem nicht besonders freundlich mit seinen Schützlingen um.

Aber ich kann auch Zirkus-Mitarbeiter verstehen, die den Standpunkt vertreten, das deutsche Tierschutzgesetz reiche aus, um eine gute Tierhandlung auch im Zirkus zu gewährleisten; die Einhaltung des Gesetzes müsse eben nur konsequenter kontrolliert und Verstöße härter bestraft werden. Große Zirkusse wie zum Beispiel Circus Krone verweisen auf ihre angemessene Tierhaltung und -pflege. Außerdem berufen sich die Mitarbeiter auf das Grundrecht der Berufs- und Eigentumsfreiheit von Dompteuren. Ein Berufsverbot für Dompteure hält Ilse Aigner für verfassungswidrig.

Juristen haben ebenfalls Bedenken, dass ein Verbot an dieser Hürde scheitern könnte. Sie schlagen vor, erst einmal abzuwarten, was Kontrollergebnisse seit 2008 erbracht haben: Seitdem werden die 250 Zirkusbetriebe in Deutschland stärker auf Verstöße gegen Tierschutzvorschriften überwacht und ein Register darüber geführt. Man will nun überprüfen, ob dieses Register nicht genügend (abschreckende) Wirkung zeigt, so dass ein generelles Verbot von Wildtieren im Zirkus nicht mehr notwendig wäre.

Tierschutz-Organisationen lehnen die Tierhaltung im Zirkus rundweg ab, weil sie Verhaltensstörungen, Krankheiten der Tiere und Todesfälle zur Folge hätten. Dagegen gibt es jedoch Verhaltensforscher, die keinen Grund für ein Verbot sehen: Untersuchungen auf das Stresshormon Cortisol haben bei Zirkuslöwen keinen höhere Stress-Belastung ergeben als bei Löwen in freier Wildbahn.

Mal sehen, was der Bundesrat heute macht. Es wird erwartet, dass sich die Bundesländer der von Hamburg ausgehenden Initiative für ein Verbot anschließen. Auch die Tatsache, dass in 13 europäischen Ländern bereits ein Wildtierverbot für Zirkusse gilt, könnte ihnen bei der Entscheidung helfen.

P.S. Soeben kommt die Agenturmeldung, dass der Bundesrat die Bundesregierung aufgefordert hat, eine Verordnung für das Wildtierverbot im Zirkus zu erarbeiten. Tierschützer wollen sich nun dahinterklemmen, dass Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner schnell handelt.