Delfinariumsgegner auf Europatour

DelfinlaguneDiesmal haben sie in ihrer Mission, die Schließung aller Delfinarien in Europa zu erreichen, eine Tour durch sieben Länder geplant und wollen vor 19 Delfinarien demonstrieren: Vertreter der Organisationen ProWal und das Wal- und Delfinschutz-Forum (WDSF). Der Start der vierwöchigen Tour ist am kommenden Samstag, 7. Mai, vor dem Eingang des Nürnberger Tiergartens.  Dann stehen Italien, Frankreich, Spanien, Portugal, Holland und Belgien auf dem Programm. Der Zoo Duisburg – innerhalb Deutschlands außer Nürnberg der einzige weitere Zoo mit Delfinhaltung – kommt am 1. Juni an die Reihe. Am 4. Juni ist eine Abschluss-Kundgebung vor dem Europäischen Parlament in Brüssel geplant. Außerdem finden Gespräche mit Europa-Parlamentariern statt.

Es sind die altbekannten Vorwürfe, die von den Tierschutzaktivisten bemängelt werden, zum Beispiel, dass die Meeressäuger in den Delfinarien zu wenig Platz hätten, dass sie dort ihre natürlichen Bedürfnisse nicht ausleben könnten oder „in  einer Chemiebrühe“ leben müssten und dass sie ständig mit Medikamenten versorgt würden. Das WDSF greift vor allem den Tiergarten Nürnberg an, der bekanntlich seine Delfinlagune wegen Baumängeln sanieren lassen muss.

Die Aktionen, die immer wieder von Delfinariengegnern vor dem Tiergarten Nürnberg organisiert werden, locken inzwischen kaum noch jemanden hinterm Ofen hervor. Im Netz kursieren allerdings Gerüchte, dass diesmal zusätzliche Überraschungscoups gelandet werden sollen, auf die sich die betroffenen Einrichtungen nur schwer einstellen könnten. Ob die Delfinariengegner damit erfolgreicher sein werden als bisher, wage ich zu bezweifeln.

Duisburger Delfinbaby tot

Delfinbaby_DuisburgDas wird die Delfinariumsgegner in der Republik wieder zur Höchstform auflaufen lassen: Am Sonntag starb das eine Woche alte Delfinbaby im Duisburger Zoo. Die Tochter von Delfinmutter Pepina hörte plötzlich auf zu atmen und war binnen Sekunden tot.  Nach fünf erfolgreichen Delfinaufzuchten in den letzten Jahren ist dieser Todesfall ein trauriges Ereignis im Delfinarium des Zoos. „Absolut nichts deutete auf eine Erkrankung hin“, heißt es auf der Website des Zoos, und weiter: „Im Gegenteil, das kleine Mädchen, welches bei seiner Geburt 18,2 kg wog, hatte innerhalb einer Woche bereits 3,2 kg zugenommen.“

Die 34 Jahre alte Pepina ist eine sehr erfahrene Delfinmutter, die sich vorbildlich um ihr Kleines kümmerte. Sowohl das Atemverhalten des Jungtiers als auch das Säugeverhalten seien ganz normal gewesen, ließ der Zoo wissen. Täglich habe man das Kleine untersucht und Blut entnommen – auch dabei seien keine Unauffälligkeiten festgestellt worden. Ganz im Gegenteil: Der Antikörperspiegel sei sehr hoch gewesen, was auf eine ausreichende Aufnahme der wertvollen ersten Muttermilch in den ersten Lebensstunden hinweise. Das Delfinkalb habe, seinem Cortisolspiegel nach, außerdem nicht unter Stress gestanden, sondern sei völlig entspannt gewesen.

Keiner kann sich den plötzlichen Tod des Tieres erklären. Sein Kadaver wurde zur pathologischen Untersuchung an eine veterinärmedizinische Hochschule gebracht. Zwar ist bekannt, dass auch im Freiland die Sterblichkeitsrate bei neugeborenen Delfinen wegen deren noch nicht gegebenen Immunitätsstatus sehr hoch ist. Doch das  kann weder die Tierpfleger noch die Zooleitung in Duisburg trösten. Sie fürchten nun auch, dass sie wieder einmal mit einer Flut haltloser Anschuldigungen von selbsternannten Delfinschützern konfrontiert werden.

Zwei neue Delfine für Nürnberg

Das wird wieder für viel Diskussionsstoff sorgen: Der Tiergarten Nürnberg hat zwei neue Delfine, die sechsjährigen Weibchen Dolly (im Bild) und Donna aus dem Zoo Duisburg. Sie wurden in Spezialcontainern nach Nürnberg gefahren, wobei Tierärzte und Tierpfleger den Transport ständig überwacht haben. Die beiden Delfine sind im August und September in Duisburg zur Welt gekommen und in der dortigen Gruppe der Großen Tümmler aufgewachsen; in Duisburg wurden im Jahr 2011  drei weitere Delfinbabys geboren. In Zusammenarbeit mit dem Koordinator des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms (EEP) für Große Tümmler sind Dolly und Donna in die Delfinlagune des Nürnberger Tiergartens umgezogen. Damit leben dort jetzt zehn Delfine. Das Zuchtmanagement des EEP beabsichtigt, eine genetisch gesunde Delfinpopulation in Menschenobhut fortzuführen. Bleibt zu hoffen, dass das in Nürnberg in Zukunft gelingt, nachdem der Tiergarten in den letzten Jahren mehrere Rückschläge durch den Tod von Delfinbabys erlitten hat.

Nürnberger Tierpfleger haben sich in den vergangenen Wochen in Duisburg aufgehalten, um Donna und Dolly kennenzulernen. Tierpfleger aus Duisburg haben den Transport an den Schmausenbuck begleitet; sie bleiben noch eine Zeitlang in Nürnberg, um den beiden Delfindamen bei der Eingewöhnung zu helfen. Die Eingliederung in die Nürnberger Gruppe soll schrittweise erfolgen, deshalb sind Dolly und Donna am Anfang noch nicht für die Tiergartenbesucher zu sehen.

Frei nach Marx: Opium für Delfine

YouTube Preview ImageDiese Meldung und das dazugehörige Video haben in dieser Woche Furore gemacht: Delfine, die „high“ sind, nachdem sie vorsichtig auf Kugelfischen herumgekaut haben und diese dann in der Gruppe herumgehen lassen wie ein Haschischpfeifchen. Der kleine Film dient als Werbung für eine neue Doku der BBC über die Meeressäuger und wurde prompt von Bloggern, Radio- und Fernsehsendern und in sozialen Netzwerken aufgegriffen. Die „kiffenden Delfine“ sorgten fast für so viel Aufsehen wie das Kokain, das bei Aldi zwischen Bananen gefunden wurde. Und dabei sind wir noch ein ganzes Stück vom 1. April entfernt, an dem so etwas normalerweise als Scherz die Runde macht.

Zurück zu den Großen Tümmlern. Wissenschaftler haben folgendes herausgefunden: Die Meeressäuger nutzen es aus, dass die Kugelfische ein Nervengift absondern, sobald sie angegriffen werden. Dieses Gift – in kleinen Dosen genossen – sorgt für einen Rauschzustand bei den Delfinen, den Fernsehkameras eindrucksvoll eingefangen haben. Die Tümmler ließen sich im Wasser herum- und, die Nase nach oben, an die Oberfläche hochtreiben und schienen dort von ihrem eigenen Spiegelbild fasziniert zu sein, beschrieb der britische Zoologe Rob Pilley diesen Zustand; Pilley ist einer der Produzenten der Doku-Serie.

Irre Geschichte, finde ich. Aber statt nur darüber zu schmunzeln und Witze zu reißen, sollte man vielleicht lieber mal überlegen, ob man dieses Phänomen nicht für die Zoohaltung von Delfinen nutzen könnte. Wenn die Großen Tümmler in Delfinarien – zum Beispiel im Zoo Duisburg oder im Tiergarten Nürnberg – so leiden, wie es Delfinariums-Gegner wie Peta, WDSF, die Grünen oder neuerdings auch die Piraten behaupten, dann könnte man den Tieren ab und zu doch ein paar Kugelfische spendieren – und schon würden sie ihr hartes Los nicht mehr – oder nur noch eingeschränkt – mitbekommen. Das wäre, analog zum „Opium des Volkes“, wie Karl Marx die Religion umschrieb, „Opium für Delfine“ –  und auf jeden Fall realistischer als Auswilderung.

Tiergarten darf weiter Delfine halten

Der Tiergarten Nürnberg darf weiterhin Delfine halten. Die Mehrheit im Agrarausschuss des Bundestages hat in nicht-öffentlicher Sitzung den Antrag der Grünen, die ein Ende der Haltung von Delfinen gefordert hatten, abgelehnt. Die SPD enthielt sich, CDU/CSU und FDP sind für die Weiterführung der Haltung von Großen Tümmlern in den bestehenden Einrichtungen deutscher Zoos, nur die Linke stimmte außer den Grünen für das Verbot. Außer in der Lagune im Tiergarten Nürnberg werden derzeit nur noch im Delfinarium des Zoos Duisburg Delfine gehalten.

In ihrem Antrag hatten die Grünen im Bundestag am 11. März das Landwirtschaftsministerium aufgefordert, die Haltung von Delfinen zu untersagen sowie deren Einfuhr zu verbieten und die Zulassung neuer Haltungen an den Nachweis artgerechter baulicher Anlagen zu binden. Eine artgerechte Haltung sei nicht möglich. Die deutschen Delfinarien würden gegen das Tierschutzgesetz verstoßen, das vermeidbare Schmerzen, Leiden und Schäden von Tieren verbietet. Bei einer Anhörung am 15. Mai trugen Sachverständige  – Zoodirektoren (darunter auch Tiergartendirektor Dag Encke) und Tierschützer –  den Parlamentariern ihre Argumente vor.

Für den Tiergarten ist das Votum im Agrarausschuss eine große Erleichterung, hatte er doch erst vor zwei Jahren die Delfinlagune fertiggstellt und in das Projekt – inklusive Manatihaus – 30 Millionen Euro gesteckt. Der Streit zwischen Zoos und Tierschützern wird durch die Entscheidung in Berlin aber sicher nicht beendet sein – zu unterschiedlich sind die Positionen von Befürwortern und Gegnern der Delfinhaltung.

Delfinbabys machen wieder Schlagzeilen

Der Zoo Duisburg konnte kürzlich mit einer Weltsensation aufwarten, die in den überregionalen Medien allerdings kaum Beachtung fand: Im August und September kamen dort drei Delfinbabys zur Welt. Drei Jungtiere von drei verschiedenen Müttern innerhalb nur weniger Wochen – so etwas hat es vorher noch nie gegeben. Ich habe damals hier darüber geschrieben.
Den Kleinen geht es nach wie vor gut gut, sie wachsen in Obhut ihrer Mütter auf  und haben die kritische Phase gut überstanden. Weil sich das Immunsystem von Delfinbabys nach der Geburt erst langsam entwickelt, wurden die Tiere zunächst in Quarantäne gehalten. Inzwischen ist die Tümmlerdame Delphi mit ihrer Tochter Dörte für die Besucher des RWE-Delfinariums zu sehen. Die anderen zwei Mütter und ihre Babys sollen demnächst zusammengeführt werden und dann auch der Öffentlichkeit präsentiert werden.
Die gute Nachricht aus dem nordrhein-westfälischen Zoo machte weit weniger Schlagzeilen, als es beim Tod von Delfinen regelmäßig der Fall ist. Auch von Tierschutzaktivisten wurde sie tunlichst verschwiegen. Sonst führen diese Gruppen über jedes einzelne gestorbene Delfinbaby Buch und versuchen, mit Kampagnen Front gegen die Delfinhaltung zu machen. Gleichzeitig werfen sie den Zoos vor, den Tod von Delfinen zu verheimlichen – wie auch jetzt wieder bei dem Nürnberger Delfinweibchen Anke, das am 15. Oktober in Harderwijk eine Totgeburt hatte. Dass Nynke, ein weiteres Tümmlerweibchen aus Nürnberg, das derzeit ebenfalls in Harderwijk lebt, vor 14 Monaten dort einen gesunden Sohn zur Welt gebracht hat, der sich zum kräftigen Bullen entwickelt, haben die selbsternannten Delfinschützer dagegen nicht in die Öffentlichkeit hinausposaunt. Wollten sie es etwa auch verheimlichen?

Zurück nach Duisburg: Nachdem die Tierrechtler nun mit ihrem Argument nicht mehr punkten können, „in Gefangenschaft“ sei die Delfinzucht nicht möglich, werfen sie dem Zoo  vor, er züchte auf Teufel komm’ raus und habe die Tiere künstlich befruchtet. Bei der Duisburger Zooleitung lacht man über diese Unterstellung nur. Die Verantwortlichen haben mit Freude beobachtet, wie sich der 32 Jahre alte Delfinmann Ivo bei seinen Damen mal so richtig austoben konnte.

Quoll-Babys, ach wie süß!

Eine Woche ist vergangen seit dem Pressetermin im Duisburger Zoo, wo vor einigen Wochen drei Delfinbabys das Licht der Welt erblickt haben, wie hier ausführlich berichtet. Und – was haben die Journalisten draus gemacht? Wenig, würde ich mal sagen. Zumindest was die großen Presseagenturen betrifft, die sonst das Thema Delfine ausschlachten wie kaum ein anderes. Außer Fotos kam nichts – nur ein ganz kurzer Text über dpa, verschwindend wenig im Vergleich zu den seitenweisen Meldungen über den Tod von Delfinen in den verschiedenen Delfinarien. So viel zur Berichterstatung von Nachrichtenagenturen, die eigentlich zu einer objektiven Berichterstattung verpflichtet wären.

Dieselben Agenturen reißen sich dagegen geradezu ein Bein aus, wenn sie Neuigkeiten über den Leipziger Zoo absetzen. Egal, was in dem – zugegeben: tollen – Zoo passiert: Die Medien überschlagen sich regelrecht, allen voran der MDR, der sich zum Haus-Fernsehsender des Zoos entwickelt hat.

Während also die Weltsensation der drei Delfinbabys in Duisburg schön klein gehalten wurde, berichtet dpa über den neuesten Nachwuchs in Leipzig doch recht ausführlich: Dort gibt es sechs junge Tüpfelbeutelmarder. Es sind die ersten Tierbabys, die in der neuen Tropenhalle „Gondwanaland“ zur Welt gekommen sind. Tüpfelbeutelmarder – der Name verrät es Tierfreunden schon – stammen aus Australien, genauer gesagt von der Insel Tasmanien; nur dort kommen sie heute noch in freier Natur vor. Man kennt diese Art auch unter dem Namen Quoll, und ich muss sagen, die Tierchen sehen wirklich süß aus.

Der Zoo Leipzig kann sich damit rühmen, die einzigen Quolls außerhalb Australiens zu halten und bei der nicht einfachen Zucht dieser Tierart erfolgreich zu sein. Allerdings bleiben die Kleinen für die Besucher vorerst noch unsichtbar: Die ersten 100 Tage haben sie den Beutel der Mutter nicht verlassen, und um ihnen Stress zu ersparen, hält man die Babys weiterhin unter Verschluss.

Aber ich bin sicher: Sobald die Mini-Quolls dem Publikum präsentiert werden, erfahren wir es alle rechtzeitig – dank Journalisten, die dem Leipziger Zoo mehr als nur gewogen sind.