Jetzt hat es auch noch Lilli erwischt

Das Jahr nähert sich so langsam seinem Ende. Für den Tiergarten Nürnberg wird 2018 als ein eher trauriges Jahr in die Geschichte eingehen: Zoomitarbeiter und -besucher mussten sich heuer schon von mehreren „Senioren“ am Schmausenbuck verabschieden. Heute nun der neueste Todesfall: Die 19 Jahre alte Giraffendame Lilli wurde eingeschläfert. Diese Netzgiraffe war wohl den meisten Zoobesuchern bekannt, weil sie wegen einer Fehlstellung des rechten Hinterbeins leicht hinkte und dadurch besonders auffiel. Mit dieser Einschränkung lebte Lilli (Foto: News5/Grundmann), seit sie ein Giraffenbaby war.

Im August 1999 hatte sie im Tiergarten das Licht der Welt erblickt. Die Giraffendame hat in Nürnberg drei Jungtiere geboren und aufgezogen, die wiederum für sieben Enkel sorgten. Haltung und Zucht von Netzgiraffen werden durch das Europäische Erhaltungszuchtprogramm EEP koordiniert. Eigentlich kam Lilli mit ihrer Einschränkung überraschend gut zurecht. Die Fehlstellung konnte zumindest teilweise korrigiert werden: durch tiermedizinisches Training und regelmäßige Klauenpflege. Doch in den vergangenen Monaten verschlimmerte sich Lillis Behinderung zusehends – so sehr, dass die alte Giraffendame kaum mehr auftreten konnte. Auch eine Schmerztherapie hat nicht mehr angeschlagen.

Deshalb hat der Tiergarten heute die Entscheidung getroffen, Lilli von ihren Schmerzen zu erlösen und einzuschläfern. Mit 19 Jahren erreichte das Tier immerhin ein erstaunlich hohes Alter. Unter den 99 weiblichen Netzgiraffen, die in europäischen Zoos gehalten werden, war Lilli die drittälteste.

Mit Lilli ist – nach dem Silberrücken Fritz, dem Gorillaweibchen Bianca, dem Löwenpaar Thar und Keera und dem Delfinbullen Moby – also jetzt ein weiterer hochbetagter Zoobewohner tot. – Und ich höre sie schon wieder aufschreien, die Zoogegner und Tierrechtler von Peta & Co., die nun wahrscheinlich wieder mit ihren altbekannten Vorwürfen gegen den Tiergarten kommen und behaupten, die Tiere seien in diesem Jahr nur gestorben, weil sie in einem Zoo „gefangengehalten“ wurden, der ihnen nicht die Lebensbedingungen wie in der Natur bieten kann. Nur: Durch ständige Wiederholung wird diese Behauptung auch nicht wahrer!

Culinartheater: „Ganz nach Wolfs Gusto“

Der Nürnberger Tiergarten ist nicht nur einer der schönsten Landschaftszoos, er gehört auch zu den Zoologischen Gärten mit einer richtig guten Gaststätte. Die „Waldschänke“ oben auf dem Schmausenbuck bietet qualitätvolle, teils fränkische, teils mediterran angehauchte Küche – weit mehr als übliche Zoo-Restaurant-Kost und natürlich alles „Bio“. Peter Noventa und seine Frau betreiben das urgemütliche, fränkische Fachwerk-Wirtshaus seit vielen Jahren. Peter Noventa ist aber mehr als ein hervorragender Gastronom, Wein- und Bierkenner. Der Nürnberger mit italienischen Wurzeln kennt sich außerdem bestens in der Kulturszene aus. Und er hat eine geniale Möglichkeit gefunden, Ess- und Trinkgenuss mit Kultur zu verbinden: Seit mittlerweile 22 Jahren macht er – immer an Freitag- oder Samstagabenden – sozusagen Theater ums Essen. Das nennt sich dann „Culinartheater“ (Foto: KH), bei dem Peter Noventa zeigt, dass er als Koch noch wesentlich mehr drauf hat als das, was er während des normalen Tiergartenbetriebs auf den Tisch bringt.

Die neueste Inszenierung, „Charme der Tiere“, ist ein äußerst amüsantes, schwungvolles Stück mit Musical-Charakter, das vor Kurzem Premiere feierte. Ich wollte mir die Gelegenheit nicht entgehen lassen, diese Musikkomödie mitzuerleben (Foto: KH). Erstmals war auch Noventas Tochter – gelernte Kostümbildnerin – in eine Culinartheater-Aufführung involviert: Originell und ungewöhnlich, was sie da aus dem Hut gezaubert hat. Und während im Stück ein Gag den nächsten jagte, folgte im Menue ein umwerfendes Gericht dem anderen. Einer der beiden Hauptgänge scheint direkt für mich kreiert worden zu sein: „Ganz nach Wolfs Gusto“ entpuppte sich als ein Rippenstück vom Biorind; dazu kam unter anderem „Polenta al Tartufo“ auf den Teller. Mehr möchte ich über die raffinierte Speisenfolge nicht nicht verraten. Schließlich soll es für alle, die demnächst das Culinartheater besuchen wollen, noch die eine oder andere Überraschung geben (ich sage nur: Dessert-Buffet!).

Das irrwitzige Stück um ein verwöhntes Bioschwein, eine übereifrige Legehenne, einen obskuren Tierflüsterer und eine allzu menschliche Honigbiene – hinter oder besser: in der übrigens ein urkomischer Abschluss-Knüller steckt, –  wird am kommenden Samstag wieder aufgeführt, danach am 30. November, 7. und 15. Dezember. Genauere Informationen, auch über andere Stücke im Spielplan des Culinartheaters, gibt es hier.

Freud´ und Leid bei Nürnberger Affen

Da habe ich gerade erst vor zwei Tagen noch geschrieben, derzeit komme eine gute Nachricht nach der anderen aus dem Tiergarten Nürnberg. Und jetzt das: Heute musste das 46-jährige Gorillaweibchen Bianca (Foto: Tiergarten Nünberg), die viertälteste von insgesamt 240 in Europa lebenden Gorilladamen, eingeschläfert werden. Und das wiederum wenige Tage, nachdem die Damengruppe am Schmausenbuck mit dem Silberrücken Thomas einen neuen Chef bekommen hat – was ja auch eine gute Nachricht war. Heute zeigte sich aber, wie nah beieinander Trauer und Freude in einem Zoo liegen können. Denn kurz bevor die Meldung über Biancas Tod die Runde machte, hatte es frohe Kunde aus diesem Zoologischen Garten gegeben: Bei den Weißgesichtssakis erblickte Anfang der Woche ein Junges das Licht der Welt.

Fangen wir ausnahmsweise mit der traurigen Nachricht an – schon um der verstorbenen Gorilladame die ihr gebührende Ehre zu erweisen. Ihr Zustand hatte sich in den vergangenen Tagen zusehends verschlechtert. Bianca war seit einigen Jahren immer wieder in tierärztlicher Behandlung, seit fast zwei Jahren bekam sie Schmerztherapien wegen der altersbedingten Veränderungen ihres Bewegungsapparats. Vor einem halben Jahr  musste sie sich wegen Zahnproblemen einer Röntgenuntersuchung unterziehen, danach war eine Behandlung mit Antibiotika notwendig. Zwei Tage vor der Ankunft des neuen Gorillamanns Thomas diagnostizierten die Tierärzte bei Bianca eine deutliche Verschlechterung. Sie weigerte sich außerdem, Nahrung und Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Deshalb wurde sie zunächst von der Gruppe getrennt, in Narkose gelegt und mit Ultraschall untersucht. Das gab allerdings auch keinen Aufschluss über weitere Erkrankungen.

Die 1972 geborene Bianca kam 1973 als Einjährige aus Afrika zur Handaufzucht in den Tierpark Berlin. Nach Zwischenstationen in Rotterdam und Amsterdam, wo die Zucht nicht funktionierte, wurde Bianca im November 1992 in den Loro Parque auf Teneriffa abgegeben. Eine Vergesellschaftung mit dem damals neunjährigen Yaounde klappte weder dort noch – nach dem Umzug der beiden im Jahr 1997 – in der neu gestalteten Gorillaanlage des Nürnberger Tiergartens. Während Yaounde ein Jahr später nach Romagne (Frankreich) abgegeben wurde  – dort wurde er übrigens mehrfach Vater -, wurde aus Bianca, ihrer Artgenossin Lena, dem Silberrücken Fritz und dessen damaliger Partnerin Delphi eine neue Gruppe zusammengestellt. Im Lauf der Zeit integrierten sich zwei jüngere Weibchen – Louna und Habibu – erfolgreich, Hakuna Matata dagegen musste den Harem um Fritz wieder verlassen, weil es ständig zu Auseinandersetzungen mit ihr kam.

Nun zum Nachwuchs der Weißgesichtssakis im Naturkundehaus des Tiergartens: Das Kleine kam am Montag zur Welt. Seine Mutter ist die fünfjährige Marilia, die sich vorbildlich um ihr Baby kümmert (Foto: Tiergarten Nürnberg). Sie hat darin Erfahrung, weil sie mit ihrem Partner Kwinti schon in Chester ein Jungtier hatte und es auch aufzog. Mit diesem Kleinen kam das Paar im März dieses Jahres nach Nürnberg. Der zehnjährige Kwinti wurde im Park „La Vallée des Singes“ in  Romagne geboren und zog 2012 nach Chester um.

Babyboom bei den Flamingos

Und noch eine gute Nachricht aus dem Nürnberger Tiergarten: In diesem Jahr hat es wieder einmal mit der Nachzucht von Flamingos geklappt. Am Schmausenbuck werden zwei Arten gehalten: Chilenische und Rote Flamingos. Insgesamt sind in diesem Sommer neun Jungvögel geschlüpft – acht bei den Chilenischen Flamingos, einer bei den Roten Flamingos. Auf dem Foto sieht man sehr gut, wie sich der Nachwuchs von den ausgewachsenen Flamingos unterscheidet: Das Federkleid ist bei den Jungen noch grau gefärbt (Foto: Eduard Weigert). Das charakteristische Flamingo-Rosa entwickelt sich erst mit der Zeit durch entsprechende Nahrung, die dafür vor allem karotinhaltig sein muss. Derzeit leben am Stelzvogelweiher des Tiergartens zehn männliche und 16 weibliche erwachsene Rote Flamingos, außerdem 15 männliche und 19 weibliche Chilenische.

Die Flamingohaltung hat in Nürnberg eine lange Tradition, denn schon im Alten Tiergarten im Luitpoldhain gab es seit 1929 Rote Flamingos. Nach dem Umzug des Zoos an den Schmausenbuck im Jahr 1939 kamen Chilenische Flamingos hinzu. Seit fast 80 Jahren haben die Stelzvögel ihr angestammtes Revier am Vorderen Weiher des Tiergartens. Aber erst 1978 funktionierte dort die Aufzucht des ersten Roten Flamingos, ein Jahr später folgte der erste Chilenische. Bei Flamingos schlüpfen in Nürnberg längst nicht jedes Jahr Küken. Warum das so ist, kann niemand genau sagen. Offenbar hat aber der lange, heiße Sommer heuer die Fortpflanzung dieser Vögel begünstigt. Und weil das Wetter jetzt ja immer noch außerordentlich mild ist, sollte jeder, der es möglich machen kann, dem Tiergarten einen Besuch abstatten und das strahlende Rosa der Flamingos in der Herbstsonne bewundern.

Aarany und Subali sollen zum Artenschutz beitragen

Der neue Gorillamann Thomas im Nürnberger Tiergarten hat in den vergangenen Tagen zwei anderen Tieren die Show gestohlen, die ebenfalls in diesem Jahr als Neulinge in den Zoo am Schmausenbuck gekommen sind: die beiden Löwen, nämlich die Katze Aarany und der Kater Subali (Foto: Tiergarten Nürnberg). Aarany lebt seit Mai dieses Jahres in Nürnberg, Subali kam im August. In den ersten Monaten wurden sie voneinander getrennt gehalten, kürzlich durften sie sich in der Außenanlage beim Raubtierhaus zum ersten Mal beschnuppern. Und fanden offenbar Gefallen aneinander: Bis auf kleine Rangeleien, die dazu dienen, die Rangordnung zu klären, gab es keine Probleme. Nun bleibt abzuwarten, ob aus den beiden ein Zuchtpaar wird.

Ihre Vorgänger in Nürnberg waren Thar und Keera. Dieses Duo konnte aus Altersgründen längst nicht mehr für Nachwuchs sorgen. (Für mich ist es gefühlt eine Ewigkeit her, seit die letzten Löwenbabys in Nürnberg zur Welt kamen.) Die Zooleitung hatte sich dafür entschieden, dass Thar und Keera im Tiergarten ihr Gnadenbrot erhalten und bis zu ihrem Tod im Innen- und Außengehege für Löwen bleiben dürfen. Im Februar dieses Jahres starb erst Thar, seine Partnerin dann im Juli.

Im Nürnberger Tiergarten werden seit Jahrzehnten Asiatische Löwen gehalten. Diese Unterart war infolge starker Bejagung Anfang des 20. Jahrhunderts schon fast ausgerottet. Nachdem sie unter Schutz gestellt wurden, ein Jagdverbot in Kraft trat und in den 1960er Jahren ein Nationalpark eingerichtet wurde, konnte die Art gerade noch gerettet werden. Aber aufgrund des geringen Bestands ging die genetische Vielfalt verloren, es kam auch zu Inzuchten. Die heute in Zoologischen Gärten lebenden Asiatischen Löwen gehen auf zwei Paare zurück, mit denen ein Europäisches Erhaltungszuchtprogramm aufgebaut wurde. Der Fortbestand der Asiatischen Löwen ist nach wie vor gefährdet, sie stehen auf der Roten Liste vom Aussterben bedrohter Tierarten.

Umso wichtiger wäre Nachwuchs im Tiergarten Nürnberg. Natürlich sind Löwenbabys auch ein Publikumsmagnet, aber der Artenschutz dieser Tiere ist für den Zoo noch wichtiger. Hoffen wir also, dass Aarany und Subali ihren Teil dazu beitragen!

Kürbissafari im Tiergarten

Heute mal wieder ein Veranstaltungstipp von mir. Der 31. Oktober und damit Halloween naht unaufhaltsam. Aus diesem Anlass bieten ja auch immer mehr Zoos spezielle Veranstaltungen an. Im Nürnberger Tiergarten gibt es aber keine Grusel-Party, sondern eine Kürbissafari. Sie steht unter dem Motto: „Such und schätz!“ Und das funktioniert so: Erst muss man im Tiergarten eine Kürbis-Pyramide finden, dann die Zahl der aufgetürmten Kürbisse schätzen.

Wer richtig liegt, nimmt an einer Verlosung teil. Es gibt Preise wie zum Beispiel Eintrittskarten in den Tiergarten zu gewinnen, auch Lebkuchendosen in Form einer Litfaßsäule und Lupenkarten werden verlost. – Das Foto entstand im Herbst vergangenen Jahres: Panzernashorndame Sofie lässt sich Kürbisse schmecken, die nach dem letztjährigen Kürbisfest an die Zootiere verfüttert wurden (Foto: Tiergarten Nürnberg).

Der Nachfolger von Fritz heißt Thomas

Die Gorilladamen im Tiergarten Nürnberg haben wieder einen männlichen Anführer: Als Nachfolger für den im Sommer verstorbenen, hochbetagten Fritz ist Gorillamann Thomas am Schmausenbuck eingetroffen (Foto: Tiergarten Nürnberg). Der männliche Flachlandgorilla erblickte am 29. Dezember 2002 im Zoo von Rotterdam das Licht der Welt und ist dort in einer großen Gorillagruppe aufgewachsen. Im Alter von sechs Jahren übersiedelte er in eine Gorilla-Junggesellengruppe in den spanischen „Bioparc Valencia“.

Die Tierrechtsaktivisten von Peta werden sicher gleich wieder ihren Protest in Form einer Massenmail an die Medien kundtun. Sie hatten ja vor ein paar Wochen schon den Nürnberger Tiergarten dazu aufgefordert, seine Gorillahaltung einzustellen. Jetzt werden sie wohl auch den langen, anstrengenden Transport von der Iberischen Halbinsel nach Nürnberg anprangern, den der Silberrücken offenbar gut bewältigt hat: Thomas hielt nach seiner Ankunft erst einmal ein Schläfchen. Wenige Stunden später erkundete er dann die Innenbereiche und Außenkäfige der Gorilla-Anlage im Tiergarten.

Bald nahm er durch die Scheiben einen ersten Kontakt zu den vier Nürnberger Weibchen auf  – auf dem Bild begutachtet Habibu (hinter der Trennscheibe) ihren neuen „Chef“ (Foto: Tiergarten Nürnberg). Die Chemie zwischen ihm und seinen künftigen Partnerinnen scheint zu stimmen, so dass die Tierpflleger bald die Schieber öffneten, um die Tiere zusammenzulassen. Der stellvertretende Direktor des Tiergartens, Helmut Mägdefrau, beschreibt diesen Augenblick so: „Souverän stellte Thomas seine imposante Erscheinung zur Schau und ließ sich von den Weibchen nicht provozieren.“ Thomas werde sicher ein würdiger Nachfolger für Fritz sein. – Mal sehen, ob es auch mit der Zucht klappt. Thomas ist ja sozusagen im besten Mannesalter.

Zoobesucher können Thomas allerdings vorerst noch nicht bewundern. Denn das Affenhaus bleibt vorübergehend geschlossen, um den Gorillas die zur Ein- und Umgewöhnung notwendige Ruhe zu gönnen. Der Tiergarten wird auf seiner Homepage über Neuigkeiten und Öffnung des Affenhauses informieren.

Warum die Jagd auf Wölfe gar nicht geht

Nicht nur, weil ich Wolf heiße, ist mir die Rückkehr der Wölfe nach Deutschland ein wichtiges Anliegen, wie ich schon einige Male in meinem Blog deutlich gemacht habe. Umso weniger kann ich nachvollziehen, wie sich mehrere deutsche Bundesländer gegen die Wiederansiedlung dieser wunderbaren Tiere stemmen (Foto: dpa). In Bayern reagieren zum Beispiel einige Weideviehhalter, die ihre Tiere im Sommer auf die Alm lassen, regelrecht panisch aus Angst, Kühe oder Kälber könnten vom bösen Wolf gerissen werden. Und erst vor ein paar Tagen haben Sachsen, Niedersachsen und Brandenburg einen Antrag im Bundesrat eingereicht, mit dem Ziel, Wolfsabschüsse künftig zu erleichtern. Dazu müsste sogar das Bundesnaturschutzgesetz geändert werden.

Und selbst das wäre nicht genug, denn die Dezimierung von Wölfen in Deutschland, die von der Großen Koalition in Berlin beabsichtigt wird, verstößt gegen EU-Recht. Laut für die ganze EU geltenden Verträgen soll der Wolf wieder in seine angestammte Heimat zuückkehren und wurde deshalb EU-weit unter den höchsten Schutzstatus gestellt. Bei Verstößen gegen dieses Recht riskiert Deutschland ein Strafverfahren. Und wer bezahlt am Ende die Zeche? Ganz klar: die deutschen Steuerzahler – also wir alle.

Schweden beispielsweise hat schon Verfahren am Hals, weil dort trotz Verbot Wölfe gejagt wurden und werden. In Schweden gibt es  bekanntlich eine starke Lobby von Jägern, Viehzüchtern und Bauern, die auf Wölfe Jagd machen (wollen). Überhaupt sind die Schweden mit dem Abschuss von Wildtieren schnell bei der Hand. Dabei haben – mal abgesehen von der EU – verschiedene schwedische Verwaltungsgerichte in mehreren Regionen des Landes schon vor ein paar Jahren ein Wolfsjagd-Verbot verhängt.

Wölfe abzuschießen, verbietet sich in Europa auch deshalb, weil sich laut Bundesministerium für Naturschutz noch längst nicht genügend Tiere wieder hier angesiedelt haben, um ihren Bestand für die Zukunft zu sichern. Sollen Wölfe etwa ein zweites Mal ausgerottet werden und dann womöglich endgültig aussterben?

Neue Bewohner im Luchsgehege

Um zwei neue Bewohner des Nürnberger Tiergartens beobachten zu können, muss man schon ein bisschen Geduld mitbringen – und ein gutes Auge. Am besten beides. Denn das Luchs-Zwillingspaar – Kater Dayon und seine Schwester Desari (sie ist auf dem Bild zu sehen, Foto: Tiergarten Nürnberg) ist noch etwas scheu. Die beiden ziehen sich noch häufig in versteckte Winkel des Freigeheges am Schmausenbuck zurück. Es lohnt sich aber, genug Zeit mitzubringen oder ein paarmal am Gehege vorbeizushauen, wenn es auf Anhieb nicht geklappt hat, sie zu entdecken. Ein Tipp: Vom Aussichtspunkt oberhalb der Anlage aus hat man die besten Chancen.

Dayon und Desari stammen aus dem Zoo Liberec (Tschechien), wo sie im Mai 2017 geboren wurden. Sie sind im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms (EEP) in den Tiergarten Nürnberg gekommen. Mancher Stammbesucher fragt sich wahrscheinlich, was mit den drei Luchs-Weibchen passiert ist, die bislang im Luchsgehege lebten. Hier ist die Antwort: Sie wurden an das „Centro Fauna Selvatica Il Pettirosso“ abgegeben, das ist ein Naturschutz- und Bildungszentrum bei Modena (Italien).

Wer von den Zweillingen Dayon und Desari dauerhaft in Nürnberg bleibt, steht noch nicht fest. Für einen der beiden Luchse ist der Tiergarten nur eine Zwischenstation. Die EEP-Pläne sehen so aus, dass ein Paar zusammengestellt wird, das genetisch zueinander passt. Die Leitung des Nürnberger Tiergartens betont, dass man Luchse vor allem im Sinne  des Artenschutzes hält. Sie sollen eine Werbung für die heimischen Luchse sein, die durch Wilderei in einigen Gebieten Deutschlands im Bestand bedroht sind.

Schäfer-Idylle mitten in der Hauptstadt

Ländliche Idylle auf den Grasflächen des einstigen Flughafengeländes Berlin-Tempehof: Dort weiden in dieser Woche 100 Schafe (Foto: epd) und kümmern sich um die Landschaftspflege. Schäfer Knut Kucznik hütet die Tiere zusammen mit drei Hirtenhunden. Ich finde, das ist eine originelle Idee, die beweist, wie Naturschutz mitten in der Großstadt funktionieren kann und dass er notwendig ist. Schäfer Knut Kucznik will mit dieser Aktion aber auch die Öffentlichkeit über das Schäferwesen informieren und veranstaltet zu diesem Zweck am 21. Oktober ein großes Schäferfest auf dem Tempelhofer Feld, zu dem mehrere Dutzend Schäfer aus dem gesamten Bundesgebiet anreisen.

Sie wollen damit auf ihre schlechte wirtschaftliche Situation aufmerksam machen: Ihr Einkommen liegt mit durchschnittlich rund 26.000 Euro im Jahr unter dem Mindestlohnniveau. Auch deshalb ist die Zahl der Schäfereien ist in Deutschland rückläufig; ihre Zahl ist jetzt zum ersten Mal unter 1000 gesunken. Die Schäfer fordern deshalb von der Bundesregierung eine Weidetierprämie – im Gegensatz zu Deutschland gibt es die in 22 anderen europäischen Ländern bereits. Meiner Meinung nach eine berechtigte Forderung, denn Schäfer tragen mit ihren Herden zum Natur- und Artenschutz wie auch zur Vernetzung von Biotopen bei. In Zeiten des großen Insektensterbens ist dieser Beitrag gar nicht hoch genug einzuschätzen.