Der Zoo – nichts als ein Knast für Tiere?

Zwischenablage01Frank Albrecht, Vorsitzender von „EndZoo Deutschland“, hat auf Einladung des Vereins „Menschen für Tierrechte Nürnberg“ einen Vortrag gehalten: „Zoo – Luxuspension oder Knast?“ Der Verein EndZOO wurde 2012 gegründet und hat in Deutschland acht Mitglieder; sieben sind es in unserem Nachbarland bei „EndZOO Österreich“.

In seinem Vortrag im Nachbarschaftshaus Gostenhof warf Albrecht den herkömmlichen Medien vor, sie würden zu wenig über Zoos – für ihn nichts als „Unrechts-Institutionen“ – berichten. Das Internet tröstet Albrecht über den sonstigen Mangel an publizistischer Aufmerksamkeit allerdings hinweg. Denn im Netz lassen sich angebliche Missstände in Zoos und Tiergärten viel einfacher verbreiten – und das sogar unabhängig davon, ob sie der Wahrheit entsprechen oder nicht. Übrigens: Das Internet bezeichnet der Tierrechtler nicht als Medium, was mich denn doch irgendwie erstaunt. Was soll das Internet sonst sein?
EndZOO versteht sich selbst als Tierrechts-Organisation mit klar gesetztem Ziel: dem möglichst schnellen „Auslaufen aller Zoo-Gefangenschaften“. Das soll nicht durch Freilassen von Zootieren geschehen, wie dem Verein manchmal unterstellt wird. Die Mitglieder wollen vielmehr Zoos und Tiergärten abschaffen. Dahin möchte schrittweise kommen: Durch Zuchtstopp, Auswilderung von Tieren, bei denen das noch möglich ist, natürlichen Tod von Zootieren (die dann nicht mehr durch neue ersetzt werden), oder Einschläfern von kranken und altersschwachen Tieren, die so von ihren Leiden erlöst werden.
EndZOO will auch „die ständigen Unwahrheiten, Missstände oder Verstöße, die eine Gefangenschaft in Zoos, Wild-, Tier- oder Safariparks unweigerlich mit sich bringt, öffentlich machen“. Zootierhaltung könne nie art- oder tierschutzgerecht sein, eher müsse man von „tiergerechter Inhaftierung“ sprechen. Mit Zoodirektoren geht EndZOO besonders hart ins Gericht: Sie seien „nicht nur penetrante Ignoranten bestehender Tierrechte, sondern auch geschickte Vertuscher und Verklärer ihres eigenen Tun und Handelns“ und würden der Öffentlichkeit „unbeirrt eine andauernde Gehirnwäsche verpassen“.
Mit der „Inhaftierung und Zurschaustellung“ von Lebewesen habe man sich in Tiergärten „fünf Zoo-Märchen“ ausgedacht, die folgendermaßen heißen: „Naturschutz“, „Bildung“, „Tierschutz“, „Artgerechte Zoohaltung“ und „Artenschutz“. Diese Märchen will EndZOO durch die Gegenüberstellung mit der bitteren Realität entzaubern. Die Zeit der reinen Zurschaustellung von Tieren in Zoos sei, so behauptet EndZoo, längst nicht vorbei. Tierparks würden sich gern als „moderne Arche Noah“ präsentieren, doch das sei erstunken und erlogen. Selbst Gehege ohne Gitterstäbe, Zäune und Betongraben würden die Besucher nur über die Gefangenhaltung hinwegtäuschen.

Was halten Sie von diesem Verein? Sind Sie der Meinung, ein kleines Häuflein überengagierter Tierrechtler soll es in der Hand haben dürfen, Zoos und Tiergärten dichtzumachen? Der teils äußerst verquasten Argumentation der Vereinsmitglieder stehen schließlich Millionen von Zoobesuchern gegenüber, die sich am unmittelbaren Kontakt mit den Tieren erfreuen. Fernsehen, Internet und andere Medien können das nicht ersetzen. Und auch heute kann sich längst nicht jeder eine Reise dorthin leisten, wo die in Zoos gezeigten Tiere in freier Wildbahn leben – mal ganz abgesehen davon, ob das aus Umwelt- und Naturschutzgründen überhaupt wünschenswert wäre!

Der kleine Albrecht ist Papa geworden

AlbrechtbabyNürnberger Tierfreunde erinnern sich bestimmt an die Zeit, als er selbst noch ein Baby war: Albrecht, im Oktober 1999 im Tiergarten geboren, war das erste Panzernashorn, das in einem bayerischen Zoo das Licht der Welt erblickte.
Zu Ehren von Albrecht Dürer und seinem berühmten Holzschnitt taufte man es auf den Namen Albrecht. Nun ist Albrecht selbst Vater geworden: Im Zoologischen Garten von Lisieux in Frankreich. Dorthin war Albrecht im Herbst 2001 umgezogen. Er lebte sich schnell ein. Kein Wunder – traf er im Land der Liebe doch seine Traumfrau Winona, die allerdings keine Französin ist, sondern aus einer Dépendance des Zoos von Antwerpen stammt.

Aber bei Dickhäutern dieses Kalibers kommt es wohl nicht auf so feine Unterschiede an. Mit Winona versteht sich Albrecht jedenfalls so gut, dass die beiden nun ihr erstes Baby bekommen haben: Am Morgen des 1. Februar wurde der bislang noch namenlose Nachwuchs geboren. „Ein starkes Baby“, teilte die Zooleitung von Lisieux dem Tiergarten Nürnberg gleich freudig mit.
Zum Schluss noch etwas für Zahlen-Fetischisten: In ganz Europa leben nur rund 50 Panzernashörner in 20 Zoos, weltweit sind es 160 Tiere in 60 Zoos.