Nicht Fisch, nicht Frosch, nicht Molch

Schwimmwuehle2Ich muss es leider zugeben: Bis vor wenigen Stunden wusste ich nicht, was das überhaupt ist: Schwimmwühlen. Klang aber interessant, und so habe ich mir diese im Nürnberger Tiergarten neue Art heute angeschaut. Sehen aus wie Wasserschlangen. Sind sie aber nicht. Vielmehr handelt es sich um Amphibien.  Typhlonectes natans ist ihr wissenschaftlicher Name, und sie sind erst vor Kurzem in ein Aquarium im Menschenaffenhaus  eingezogen. Sie stammen aus der Nachzucht des Aquazoo Düsseldorf. Sprachlich heißt es korrekt: eine Schwimmwühle, mehrere Schwimmwühlen.

Bei den Amphibien – das habe ich heute gelernt – gibt es drei Ordnungen: Frösche, Molche und die ausschließlich im Wasser lebenden Blindwühlen. Der Name kommt daher, dass ihre Augen stark zurückgebildet sind und sie gern im Grund herumwühlen. Sie haben außerdem keine Beine und keinen Schwanz. Bei den acht neuen Tiergartenbewohnern handelt es sich um Cauca-Schwimmwühlen, deren angestammte Heimat Kolumbien und Venezuela ist. Diese Exemplare besitzen noch kleine Augen, außerdem kurze, ausstülpbare Tentakeln. Die setzen sie ein, um zu riechen – was sie im übrigen sehr gut können.

Sie bringen lebendige Junge zur Welt: Ihre Larven entwickeln sich im umgebildeten Eileiter, wo sie von einem milchigen Sekret ernährt werden. Dabei dauert die Entwicklung sieben (!) Monate, erst dann werden die bereits selbstständigen Jungtiere geboren. Die großen Lappenkiemen verlieren sie schon in den ersten Stunden. Weil sie reduzierte Lungen besitzen, decken sie ihren Sauerstoffbedarf zu 80 Prozent durch Hautatmung ab. In den ersten Wochen nach der Geburt fressen die Jungen auch manchmal noch Hautreste und Hautschleim vom Muttertier ab. So etwas kennt man sonst ja vor allem von jungen Diskusfischen.

Na – zu viel versprochen? Ich glaube nicht. Es sind tatsächlich hochinteressante Tiere, die da im Aquarium herumschwimmen. Manchmal übrigens auch senkrecht, das sieht wirklich toll aus: Wie sich kräuselnde Bänder bewegen sie sich dann im Wasser.

Ein Frosch, der abfärbt

Forscher haben wieder einmal eine neue Tierart entdeckt. Im dichten Regenwald von Panama sind sie auf den Gelbfärber-Regenfrosch (Diasporus citrinobapheus) gestoßen. Das Tierchen ist gerade mal zwei Zentimeter groß, aber es zeichnet sich durch zwei Besonderheiten aus: Zum einen stoßen die Männchen äußerst ungewöhnliche Paarungsrufe aus, die sich offenbar ganz anders anhören als die anderer Froscharten. Diese Rufe brachten die deutsch-panamische Expeditionsgruppe überhaupt erst darauf, nach dem Frosch zu suchen. Zum anderen fällt das Tier durch sein leuchtendes Gelb auf – und der Frosch färbt auch noch ab, sobald man ihn berührt. Bisher können sich die Wissenschaftler allerdings nicht erklären, warum er die Farbe abgibt. Sie schließen nur aus, dass der Gelbfärber-Regenfrosch auf diese Weise Feinde abwehren will, denn die gelbe Farbe enthält keinerlei Giftstoffe.

Die Expedition hat außer der Neuentdeckung noch eine andere positive Erkenntnis gebracht: In der unzugänglichen Bergwelt Panamas haben mehr Amphibien einer Pilzerkrankung trotzen können als gedacht. Ursprünglich befürchtete man, dass die Ende des 20. Jahrhunderts in Mittelamerika wütende Krankheit, an der viele Tiere gestorben sind, ganze Arten auslöschen könnte. Das Forschungsteam stieß bei der letzten Expedition zum ersten Mal wieder auf eine Salamanderart, die seit ihrer Entdeckung vor 34 Jahren nicht mehr nachgewiesen werden konnte und auf einen Frosch, von dem seit 27 Jahren jede Spur fehlte. Mittlerweile sind die Amphibien in Panama nach Ansicht der Wissenschaftler stärker durch mangelnden Lebensraum bedroht als durch die Pilzerkrankung. Die Forscher fordern deshalb, auf den geplanten Kupferabbau in dem entlegenen Gebiet zu verzichten und aus dem Areal ein Schutzgebiet zu machen. Ob sie sich mit diesem Vorschlag gegen wirtschaftliche Interessen durchsetzen können, bleibt allerdings abzuwarten.

Lieber ein paar Kröten plattfahren lassen?

Jeder plattgefahrene Frosch ist ein toter Frosch zu viel, sagen Tierschützer. Alle Jahre wieder im Frühling bringen sie deshalb Amphibien in Sicherheit, die den Weg zu ihren Laichplätzen sonst mit dem Leben bezahlen müssten.

Lieber ein paar Kröten überfahren lassen, das kann dem Fortbestand einer Art unter Umständen mehr nützen als gut gemeinte, aber schlecht ausgeführte Rettungsaktionen, sagen Vertreter des Artenschutzes.  

Leider unterlaufen den Tierschützern manchmal Fehler: Sie pflegen z.B. die Kunststoffzäune, die sie an Straßenrändern aufbauen, nicht genügend. So entstehen darin oft Löcher, durch die dann doch Tiere hindurchkommen und letztlich überfahren werden. Oder sie leeren die Eimer, die an den Zäunen in den Boden eingelassen sind und in die Frösche und Kröten hineinrutschen, nicht oft genug – mit der Folge, dass Tiere darin verenden oder sich gegenseitig mit Krankheiten anstecken. Manchmal geraten auch andere Tiere wie Mäuse in die Behälter und sind darin gefangen.

Immer wieder sind außerdem die Abstände zwischen den Eimern oder zwischen Amphibien-Tunneln unter Straßen zu weit voneinander entfernt. Dann haben die Tiere keine Lust mehr und kehren um, nach dem Motto: Diese Menschen können mich mal! Dann wird nichts aus der Fortpflanzung im Laichgewässer – und ganze Generationen bestimmter Arten fallen flach. Das wiederum kann sich zum Problemfür den Gesamtbestand entwickeln.

Tierschützer leisten tolle Arbeit, sie engagieren sich und opfern viel Freizeit. Trotzdem verlieren sie den Artenschutz dabei manchmal aus den Augen.  – Was meint Ihr/sagen Sie dazu? – Ausführlichere Informationen zum Thema im heutigen Lokalteil der „Nürnberger Zeitung“ hier.