Heute ist Welt-Pinguintag

Fast hätte ich es übersehen: Heute ist Welt-Pinguintag! Dieses Datum wurde dafür auserkoren, weil an diesem Tag die Adéliepinguine nach vielen Monaten auf See in ihre Brutkolonie an Land zurückkehren. Pinguine sind nicht nur ungemein beliebt und gehören in Zoologischen Gärten zu den absoluten Lieblingstieren (Foto: dpa). Nein, sie sind angesichts von Erderwärmung und Klimawandel auch wichtige Indikatoren für funktionierende oder nicht funktionierende Ökosysteme. „Wenn es einem Pinguin gut geht in seiner Umgebung, ist das Ökosystem weitestgehend in Ordnung“, so hat es der Pinguinforscher Klemens Pütz anlässlich des Welt-Pinguintages in einem Radio-Interview auf den Punkt gebracht.

Immer schwieriger wird es für Pinguine, die weit im Süden leben. An der antarktischen Halbinsel etwa ist die Temperatur innerhalb eines halben Jahrhunderts um fünf Grad angestiegen, mit der Folge, dass es dort nun öfter regnet und im Sommer nicht mehr schneit. Das wirkt sich wiederum auf die Meeresströmung aus und auf die Tierwelt im Meer, in der sich die Pinguine ihre Nahrung erjagen. Und so zieht Pütz zum Welt-Pinguintag eine aus meiner Sicht äußerst bedenkliche Bilanz: Man gehe davon aus, dass heute elf der 18 Pinguinarten weltweit unterschiedlich stark bedroht sind.

Es lebe der Kaiserpinguin!

Selten kann ich an dieser Stelle über richtig gute Nachrichten aus der Tierwelt schreiben. Heute aber gibt es endlich mal wieder einen Anlass: Ein Team aus englischen Polarforschern und Geografen hat jetzt herausgefunden, dass die Zahl der in der Antarktis lebenden Kaiserpinguine doppelt so hoch ist als man bisher glaubte. Die Wissenschaftler haben dafür hochaufgelöste Satellitenbilder ausgewertet. Dabei gingen sie so vor, dass sie von der Zahl der Brutpaare auf dem Eis auf den Gesamtbestand hochrechneten. Auf diese Weise kamen sie immerhin auf rund 595 000 Exemplare dieser größten Pinguinart. Die Vögel können bis zu einem Meter groß werden und bringen dann etwa 30 Kilogramm auf die Waage.

Bei dieser umfassenden ersten Zählung anhand von Satellitenbildern stieß das Forscherteam auf insgesamt 44 Kaiserpinguin-Kolonien; sieben davon waren vorher nicht bekannt gewesen. Die Forscher haben sich bei der Zählung nicht ausschließlich auf die Satellitenbilder verlassen. Die Ergebnisse wurden vielmehr mit Zählungen am Boden abgeglichen. Aber weil mit den Satellitenbildern auch weit abgelegene Gebiete erfasst werden können, die wegen extrem niedriger Temperaturen von unter minus 50 Grad sonst kaum erreichbar sind, hat man nun eine größere Sicherheit bei den Zählungen erreicht. Und noch einen Vorteil hat diese Methode: Sie ist schonend für die Umwelt.

 

Sauber ist beautiful

Wenden wir uns nach den süßen kleinen Quolls wieder größeren Tieren zu: den größten überhaupt, den Walen. Auch sie wollen schön sein. Das hat jetzt ein Wissenschaftler-Team der amerikanischen Ozean- und Klimabehörde herausgefunden. Die Forscher beobachteten über zwei Jahre hinweg Schwertwale in der Antarktis. Und nicht nur dort: Sie statteten die Orcas mit Sendern an der Rückenflosse aus, um ihre weiten Meereswanderungen verfolgen zu können. Dabei legen die Riesen der Ozeane unglaubliche Entfernungen zurück und schwimmen bis vor die Küsten von Uruguay und Brasilien.

Und warum tun sie das? Nicht etwa, um sich fortzupflanzen oder zu jagen. Nein, die tausende Kilometer weiten Reisen treten sie ausschließlich der Körperpflege wegen an. Nur sauber ist beautiful, finden diese Tiere anscheinend. Bei den Touren in wärmere Gewässer mit Temperaturen bis zu 24 Grad lösen sich nämlich die eklig-gelblichen Beläge aus Kieselalgen auf der Haut der Wale, und sie können obere Hautschichten abstoßen. Die Haut bildet sich dann nach, und der Wal sieht aus wie neu, so schön wie auf dem Foto.

Mit dieser Art von Schönheitspflege tun die Tiere gleichzeitig etwas für ihre Fitness und damit für ihre Gesundheit. Direkt vorbildlich ist das, uind man sieht mal wieder: Oft können wir Menschen von den Tieren etwas lernen. Mehr jedenfalls, als umgekehrt.

 

 

Festmahl für die Buckelwale

Der Einfluss der Klimaerwärmung auf die Natur: Dieses Thema beschäftigt zunehmend die Forschung. Dabei zeichnen sich immer weitere Kreise ziehende Folgen für die Tierwelt ab. Gerade erst habe ich darüber geschrieben, wie sich das wärmere Klima auf die Kuckucke auswirkt. Jetzt folgt ein Beitrag über die Buckelwale.

Wissenschaftler der Universität Durham (USA) haben in der Wilhelmina Bay nahe der Antarktis bei Expeditionen in den beiden zurückliegenden Jahren Riesenansammlungen von Buckelwalen beobachtet. Es waren über 300 Tiere, so viele waren nie zuvor an einem Ort gesichtet worden. Die Forscher bekamen auch heraus, woran das lag: Die Wale fanden in der Bucht außergewöhnlich viel Nahrung. Die Konzentration von Krill – kleinen Krebstieren – im Meerwasser war so hoch wie in den vergangenen 20 Jahren nicht.

Dass es dort ein so gutes Futterangebot für die Wale gibt, mag zunächst positiv klingen. Aber die Ursache dafür ist – wiederum die Klimaerwärmung. Normalerweise ist das Meer auf der Südhalbkugel der Erde im Herbst, als die US-Wissenschaftler ihre Untersuchungen jeweils vorgenommen haben, zum größten Teil zugefroren. Der Krill zieht sich dann unter die Eisdecke zurück, um unter ihrem Schutz zu überwintern. In den letzten beiden Jahren aber waren zu diesem Zeitpunkt nur zehn Prozent der Bucht von Eis bedeckt.

So war es zwar sehr schön für die Buckelwale, dass sie sich so richtig sattfressen konnten. Doch die Forscher gehen davon aus, dass der Rückgang der Eisfläche auch zum Rückgang des Krills führt. Und von dem ernähren sich schließlich nicht nur die Wale, sondern auch andere Tiere. Die kleinen Krebstiere gelten als äußerst wichtiges Glied in der Nahrungskette der Tiere in der Antarktis. Und wenn dieses Gleichgewicht gestört wird, kann das für manche Arten schlimme Folgen haben. Nicht zuletzt auch für den Menschen.

Klimaforschung – eine Gefahr für Pinguine?

Unter Tierforschern dürfte nun ein alter Streit wieder aufflammen: Machen Markierungsbänder, die an den Flossen von frei lebenden Pinguinen zum Zweck wissenschaftlicher Beobachtung angebracht werden, Sinn oder nicht? Schon seit längerem sind einige Wissenschaftler der Meinung, die Clips könnten die Tiere verletzen oder zumindest beim Schwimmen behindern.

urn:newsml:dpa.com:20090101:110111-99-08739Pinguine werden besonders gern als Studienobjekte herangezogen, wenn es darum geht, die Auswirkungen des Klimawandels auf das ökologische Gleichgewicht der Meere auf der Südhalbkugel der Erde zu untersuchen. Man geht davon aus, dass diese Ozeane von der Erderwärmung besonders stark betroffen sind und dass Pinguine, die sich vom Fischfang ernähren, darunter leiden, wenn sich das Ökosystem verändert. Um einzelne Tiere aus der Ferne unterscheiden und ihr Verhalten und ihren Aufenthaltsort genau registrieren zu können, versehen Biologen die Flossen von Pinguinen mit Metall- oder Kunststoffbändern.

Nun hat ein Team von französischen Forschern über einen Zeitraum von zehn Jahren frei lebende Königspinguine im südlichen Indischen Ozean beobachtet und herausgefunden, dass die Markierungen die Überlebenschancen dieser Tiere gefährden. Die Pinguine, die ein Markierungsband trugen, hatten weniger Nachwuchs und benötigten mehr Zeit, um in der Brutzeit Futter zu finden, als Tiere ohne Markierungsclips. Die Pinguine mit Clip hatten eine 16 Prozent niedrigere Überlebenschance und produzierten fast 40 Prozent weniger Küken. Das lag daran, dass sie später an den Brutplätzen ankamen als Tiere ohne Markierungsband und dass sie länger für die Nahrungssuche brauchten, weil die Markierung sie beim Fischfang behinderte: Die Bänder sorgen nämlich für einen höheren Widerstand im Wasser und führen dazu, dass die Pinguine mehr Energie beim Schwimmen verbrauchen.

Weil die Markierungsbänder derart drastische Auswirkungen auf das Verhalten der Pinguine hatten, ziehen die französischen Wissenschaftler nun die Aussagekraft der Daten in Zweifel, die in den letzten Jahren mit Hilfe der Chips von Klimaforschern gesammelt wurden.

Tja, da stellt sich wieder einmal die Frage für uns Laien: Welchen Forschungsergebnissen kann man überhaupt noch vertrauen?