Schneeleoparden – bald nur noch in Zoos?

Im Nürnberger Tiergarten kann man sie sehen, auch in anderen deutschen Zoos wie Dresden, Berlin (Tierpark Friedrichsfelde), Karlsruhe, Köln, Krefeld, Leipzig, Magdeburg, München, Neunkirchen, Rostock, Stuttgart und Wuppertal. Doch frei lebende Schneeleoparden sind stark bedroht. Was man für die Erhaltung dieser Tierart noch tun kann, wird in dieser Woche in Kathmandu bei einer Konferenz beraten, die sich um die Rettung der ebenso spektakulären wie scheuen Raubkatze dreht. Das Treffen ist Teil des Globalen Programms zum
Schutz des Schneeleoparden und seines Lebensraums. Wie dringend nötig solche Maßnahmen sind, zeigen diese Zahlen: Nach offizieller Schätzung gibt es nur noch 3500 bis 7000 ausgewachsene Exemplare dieser herrlichen Raubkatze, die vor allem in Zentralasien vorkommt. Am Konferenztisch sitzen Regierungsvertreter aus zwölf Ländern: Afghanistan, Bhutan, China, Indien, Kasachstan, Kirgistan, die Mongolei, Nepal, Pakistan, Russland, Tadschikistan und Usbekistan.

Schneeleoparden leben in Bergregionen in über 3000 Metern Höhe, meist als Einzelgänger. Das ist wohl auch ein Grund dafür, dass immer noch sehr wenig Genaues über das Verhalten von Schneeleoparden bekannt ist. Moderne Technik kannl da weiterhelfen, zum Beispiel Halsbänder mit einem GPS-Sender. Der Lebensraum dieser Tiere ist durch den Klimawandel bedroht. Das wunderschöne Fell der Schneeleoparden macht sie außerdem zu einem begehrten Ziel für Wilderer. Und: Es wird für die Raubkatzen immer schwieriger, in den extrem hoch gelegenen Verbreitungsgebieten genügend Beute zu finden. Ein Schneeleopard, so schätzt man, muss auf einem Areal von bis zu 25 Quadratkilometern jagen, um sich zu ernähren. Das kostet Kraft und verbraucht gleich wieder einen großen Teil der Kalorien, die das Futter ihm liefert.

23 Regionen sollen bis zum Jahr 2020 Schutzräume für Schneeleoparden werden, so der bisherige Stand der Dinge. Auf der Konferenz wollen die Teilnehmerländer nicht darüber berichten, wie dieses Projekt vorankommt. Außerdem sollen Möglichkeiten gefunden werden, Menschen, die ihren Lebensraum mit den Schneeleoparden teilen, in Schutzmaßnahmen für diese Tiere einzubeziehen. Das bedeutet auch, dass die Lebensbedingungen für die Menschen dort verbessert werden müssen.

Zoos leisten bereits seit 1987 durch das Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP) ihren Beitrag zum Schutz der attraktiven Raubkatzen. Doch wenn nicht schnell etwas für die in der Natur lebenden Tiere getan wird, könnte diese Art bald nur noch in Zoologischen Gärten vorkommen. Das darf auf keinen Fall passieren!

PETA hat wieder mal zugeschlagen!

Zwei Wochen war ich im Urlaub, beim Langlaufen in Ramsau am Dachstein. Der eine oder andere wird sich schon gewundert haben, warum nicht so häufig wie sonst neue Beiträge in meinem Blog erschienen sind.

Im Urlaub hat mich eine Überschrift der online-Ausgabe unserer Zeitung kurz aufgeschreckt: „Im Tiergarten Nürnberg mussten 60 Tiere getötet werden“. Oh Gott, dachte ich, was ist denn da passiert, gerade jetzt, wo ich nicht da bin? Der folgende Text erwies sich allerdings als wesentlich harmloser. Es handelte sich lediglich um einen Vortrag, den Zoodirektor Dag Encke gehalten hatte. Darin ging es um den Artenschutz, der manchmal nur durch die Tötung von Tieren zu gewährleisten sei. Das Populationsmanagement könne sich für einen Zoo manchmal als problematisch erweisen. PavianjungesIn Nürnberg gibt es zum Beispiel derzeit elf überzählige Paviane, die im zoo-eigenen Gut Mittelbüg untergebracht sind. Man hofft, sie an einen chinesischen Zoo vermitteln zu können, der die europäischen Anforderungen an die Haltung erfüllt. Der erste Vermittlungsversuch schlug allerdings fehl.

Heute, an meinem ersten Arbeitstag nach dem Urlaub, hat sich die Tierrechtsorganisation PETA zu dem Thema gemeldet und – wer PETA kennt, wird sich darüber kaum noch wundern – wieder mal eine Anzeige gegen den Tiergartendirektor erstattet. Grund: Das Töten gesunder „Überschusstiere“ im Rahmen des Populationsmanagements eines Zoos stelle „keinen vernünftigen Grund nach § 17 des Tierschutzgesetzes“ dar. Schon im Mai 2015 hatte PETA gegen Encke Anzeige erstattet, ebenfalls „wegen der Tötung eines gesunden Pavians ohne vernünftigen Grund“. Jetzt geht die Organsisation noch weiter und fordert, dass der Zoochef sofort entlassen wird, weil er „offenbar unbesonnen weiter strafrechtlich relevant Tiere tötet“, so PETA.

PETA hat den Tiergarten Nürnberg seit Jahren auf dem Kieker, hauptsächlich wegen der Eisbären- und Delfinhaltung und des vermeintlichen „Bauskandals um die Delfinlagune“. Die bisherigen Anzeigen der Tierschutzaktivisten gegen die Tiergartenleitung hatten keinen Erfolg – haben aber den Verantwortlichen im Zoo schon unendlich viel Zeit gestohlen, die sie für wichtigere Arbeit hätten verwenden können.

Auf zum Eiersammeln!

In diesen Tagen bekommen Biologen auf den Galápagos-Inseln wieder jede Menge Arbeit: Sie sammeln die Eier der berühmten Riesenschildkröten ein und bringen sie in Brutkästen. Diese Maßnahme dient dazu, die Schildkröten vor dem Aussterben zu bewahren. Denn Ratten, verwilderte Hunde, Schweine und andere Tiere, die einst zusammen mit menschlichen Siedlern auf die Inseln kamen, gefährden die Riesenschildkröten in ihrem natürlichen Lebensraum. Sie fressen mit Vorliebe Eier und Jungtiere aller Art.

Die Wissenschaftler hoffen, im Galápagos-Nationalpark, der mehrere Inseln umfasst, ungefähr 300 Schildkröteneier einsammeln zu können. Seit 1965 sind immerhin mehr als 5000 Riesenschildkröten geschlüpft. Dies stuft das Umweltministerium in Ecuador als Erfolg für das Brutprogramm auf der Insel Santa Cruz ein.

Bis die Schildkröten schlüpfen, dauert es etwa 60 Tage. In freier Wildbahn graben die Tiere eine Grube, die bis zu 40 Zentimeter tief sein kann, um dort ihre Eier abzulegen. Dann schützen die Schildkröten die Eier mit einer Paste aus Urin und Exkrementen. Mittlerweile haben Studien ergeben, dass die Temperatur im Nest das Geschlecht bestimmt: Bei 29,5 Grad schlüpfen Weibchen, bei 28 Grad Männchen.

Zum 19. Mal: Europäische Fledermausnacht

Fledermaus
In der Nacht von Samstag auf Sonntag findet zum 19. Mal die Europäische Fledermausnacht statt. Für diesen Termin haben Tierschützer an vielen Orten Veranstaltungen rund um die Fledermäuse geplant, beispielsweise Nachtwanderungen, bei denen man Gelegenheit hat, diese Tiere zu beobachten.

In Bayern leben 25 verschiedene Fledermausarten. In der Mitte des letzten Jahrhunderts gab es bei uns noch wesentlich mehr von diesen Tieren als heute. Der Rückgang der Tiere hat verschiedene Ursachen, unter anderem die intensive Landwirtschaft mit Pestiziden, die den Fledermäusen die Nahrungsgrundlage entzogen hat. Fledermäuse finden außerdem immer weniger geeigneten Lebensraum. So ist die Bestandszahl seit den 1950er Jahren um rund 90 Prozent zurückgegangen. In 80er Jahren begannen die Bestände sich langsam wieder zu erholen. Wie viele Tiere gegenwärtig in Bayern leben, ist unbekannt. Die einzige Art, bei die Experten eine Schätzung wagen, ist das Große Mausohr. Bei dem geht man von rund 135 000 Tieren im Freistaat aus. Möglicherweise gibt es von der Zwergfledermaus noch mehr Exemplare.

Bei zehn der bei uns vorkommenden 25 Arten gibt es laut der nordbayerischen Koordinationsstelle für den Fledermausschutz eine positive Tendenz. Vom Aussterben bedroht sind aber nach wie vor die Kleine und die Große Hufeisennase. In Bayern gibt es von der Kleinen Hufeisennase nur noch etwa 300 Exemplare. Bei der Großen Hufeisennase sind es um die 150; sie leben in Hohenburg in der Oberpfalz, und es sind die letzten ihrer Art in Deutschland.

Es gibt aber auch gute Nachrichten in Sachen Fledermäuse: Vor drei Jahren wurde die Nymphenfledermaus in Bayern entdeckt. Diese Art ist besonders anspruchsvoll, was ihren Lebensraum anbelangt. Sie braucht alte feuchte Eichenwälder zum Überleben. Weil Fledermäuse haben es gern warm haben, kommen in Südbayern mehr verschiedene Arten vor als im Norden des Freistaats: 25 sind es in Südbayern, 21 in Nordbayern.

Fernsehtipp: „Wölfe im Visier“

planet e.: Wölfe im VisierAlles rund um das Thema Wolf bzw. Wölfe interessiert mich natürlich wegen meines Namens immer ganz besonders. Deshalb werde ich mir am kommenden Sonntag eine Sendung im ZDF anschauen, die sich mit dem Thema beschäftigt, und gleichzeitig wieder einmal einen Fernsehtipp an meine Leser weitergeben: Am Sonntag, 16. August, ist im ZDF um 14.45 Uhr die Dokumentation „Wölfe im Visier“ zu sehen. Darin folgt der  „planet e.“-Autor und Zoologe Axel Gomille Wölfen und Wolfsforschern, Kriminalbeamten und Pferdezüchtern, um eine Antwort auf die Frage zu finden, wie wir Menschen uns mit den Wölfen arrangieren können.

In Deutschland leben heute wieder rund 25 Wolfsrudel, Tendenz steigend. Sie kommen sogar bis vor die Tore von Großstädten wie Berlin oder Hamburg. Was Artenschützer freut, empfinden andere als große Gefahr. Und obwohl der Wolf als eine der seltensten Tierarten in der Europäischen Union streng geschützt ist, werden immer wieder Tiere illegal abgeschossen. Dabei kann der Abschuss eines Wolfs mit hohen Geldstrafen und sogar mit Gefängnis geahndet werden. Das scheint die „Wolfsjäger“ aber nicht abzuschrecken. So ermittelt zum Beispiel das Landeskriminalamt Sachsen derzeit gegen einen unbekannten Schützen, der im Frühjahr 2014 in der sächsischen Lausitz einen Wolf erlegte. Da es sich um den Vater eines Wolfsrudels handelte, war der Verlust besonders groß: Die Wolfsmutter konnte ihre Jungen nicht allein versorgen. So verendeten die Welpen über den Sommer schließlich. Vermutlich waren sie verhungert – eine Tragödie, die zeigt, wie durch einen einzigen Schuss eine ganze Tierfamilie ausgelöscht werden kann.

Ich glaube, die Sendung könnte spannend werden – und da es zumindest bei uns in Bayern am Wochenende einen Wettersturz geben soll, verpasst man draußen wohl auch nicht sehr viel.

Hat diese Art bei uns eine Zukunft?

AufSie galt eigentlich schon als ausgestorben, doch nun gibt es einen Hoffnungsschimmer: Die Europäische Sumpfschildkröte, die von der Deutschen Gesellschaft für Hepterologie und Terrarienkunde zum „Reptil des Jahres 2015“ erklärt wurde, scheint gerettet. Forscher sehen für sie eine Zukunft, wenn ihre Gelegeplätze und ihr Gewässerumfeld gezielt geschützt werden – sie braucht also miteinander verbundene Biotope in großräumigen Landschaften ohne Verkehr. Die schwarzgrünen Tiere mit ihren gelben Sprenkeln und Strichen werden meist um 20 Zentimeter groß (Panzerlänge). Sie bevorzugen flache, stehende Gewässer mit vielen Pflanzen im Wasser und im Uferbereich. Diese Schildkröten benötigen frostfreie Quartiere zum Überwintern und Ablegen ihrer Eier. Die Jungtiere müssen in ihrem Bereich vor Feinden wie Füchsen, Wildschweinen oder Waschbären geschützt sein. Europäischen Sumpfschildkröten fressen Wasserinsekten, Würmer, Fische, Kaulquappen und Aas.

Es gibt sechs regionalspezifische Unterarten; ob die an ihren originalen Verbreitungsgebieten noch gerettet werden können, hängt auch vom Verantwortungsbewusstsein von Reptilienhaltern ab. Wenn sie ihre Tiere nämlich eigenmächtig einfach auswildern, kommt es zu einer genetischen Vermischung, zum Beispiel der mitteleuropäischen mit einer süd- oder westeuropäischen Unterart. Solche Aktionen sind nur im Zuge wissenschaftlich kontrollierter Projekte zulässig, wie sie etwa der Frankfurter Zoo durchführt: Dort wachsen junge Schildkröten ungefährdet ein paar Jahre heran und werden dann in den Rheinauen frei gelassen.

Diese Tierart hatte es schon seit dem Mittelalter nicht leicht, denn da kam sie während der Fastenzeit häufig auf den Tisch. Mit der traurigen Folge, dass sie schon im 18. und 19. Jahrhundert deutlich dezimiert war. Und dann ging´s weiter bergab mit ihren Beständen. Zuletzt war die Europäische Sumpfschildkröte nur noch in Brandenburg vertreten. Danach wurden auch im Westen und Südwesten Deutschlands wieder vereinzelt Exemplare gesichtet. Allerdings lässt sich nicht immer hundertprozentig sagen, ob es sich um Originale oder ausgewilderte Haustiere handelt. Sicher ist man bei Schildkröten, die in den hessischen Rheinauen und im Raum Germersheim entdeckt wurden, weil bei ihnen der genetische Nachweis erbracht werden konnte.

Abenteuer für Freiwillige

EichhornbabyZootierpfleger: Dieser Beruf steht ganz weit oben auf der Wunschliste von jungen Leuten. Die vielen Zoo-Soaps im Fernsehen dürften ihren Teil dazu beigetragen haben. Dort sieht der Zuschauer die Pfleger im engen Kontakt mit netten Tieren, die zahm und folgsam sind oder zum Streicheln und Spielen einladen. Außerdem kommen Tierpfleger im TV häufig groß raus: Sie dürfen Interviews geben und sind als Experten gefragt. Die weniger rosigen Seiten des Berufs kriegt man allerdings nicht so häufig zu sehen: Stall ausmisten, verdreckte Becken und Käfige putzen, Obst und Gemüse schnippeln, an Wochenenden Dienst schieben usw.

Wer einmal ausprobieren möchte, ob ihm all das wirklich Spaß macht, kann sich bei VoluNation informieren, dem Expertenportal für weltweite Freiwilligenarbeit.

Andere Einsatzmöglichkeiten für Freiwillige in Zoos bestehen zum Beispiel darin, Informationsstände zu Tier- und Artenschutzthemen zu betreuen und älteren Zoobesuchern oder Gästen mit Handicap beim Rundgang zu helfen. Ähnliche Aufgaben bieten Wildparks mit ihren Pflegestationen. Sie brauchen Freiwillige zum Füttern und Pflegen verlassener Jungtiere, vor allem jetzt im Frühjahr, wenn zum Beispiel junge Vögel und Küken aus dem Nest gefallen sind und von Hand aufgezogen werden müssen.

Ehrenamtliches Engagement in Zoos und Tierparks ist in Deutschland noch nicht so populär wie anderswo, aber auch bei uns wächst das Interesse. Es gibt bei VoluNation auch exotische Tierprojekte im Ausland, für die Teilnehmer gesucht werden, unter anderem ein Pinguin-Projekt oder eines in Südafrika, wo man sich auf einer Geparden-Farm engagieren kann. Darüber findet man hier weitere Informationen.

Locken Fischkatzen Zoobesucher hinterm Ofen vor?

fischkatzeLange haben die Tiergarten-Besucher darauf warten müssen und in ein leeres Gehege geschaut, in dem früher einmal die Brillenbären gelebt haben. Nun ist es endlich gelungen, die angekündigten Fischkatzen dort unterzubringen – beziehungsweise einen „Fischkater“. Das Tier stammt aus dem Tierpark Berlin und wird am 19. Mai vier Jahre alt. In Berlin werden jetzt keine Fischkatzen mehr gehalten. Die aus Südostasien stammende Katzenart ist damit in Deutschland nur noch in den Zoos von Nürnberg, München, Duisburg und Leipzig zu sehen. Im Tiergarten Nürnberg sollen sich Fischkatzen, die in der Nähe von Gewässern leben und Fische jagen, künftig im Rahmen des Europäischen Erhaltungszucht-Programms EEP vermehren. Auf die Katze, die dazu nötig ist, wartet man am Schmausenbuck aber noch.

In freier Wildbahn ist der Lebensraum der Fischkatzen inzwischen sehr zersplittert und größtenteils zerstört, die kleinen Raubkatzen stehen deshalb seit 2008 als „stark gefährdet“ auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN. Nur noch 10.000 erwachsene Tiere sollen in der Natur vorkommen. So ist es durchaus sinnvoll, sie in Zoos zu halten und zu züchten. Und die ehemalige Brillenbären-Anlage am Schmausenbuck eignet sich für diese Art, die ihre Beute zum Teil schwimmend und tauchend fängt, bestimmt sehr gut. Nach dem Umbau gibt es dort für die Zoobesucher auch einen einsehbaren Stall; der Verein der Tiergartenfreunde hat mit über 50.000 Euro die Neugestaltung des Geheges finanziert.

Trotzdem: Mit rund 75 Zentimetern, die erwachsene Fischkatzen „vom Scheitel bis zur Sohle“ messen, werden sie nur ungefähr doppelt so groß wie Hauskatzen. Ist das ein echter Ersatz für die Brillenbären? Sind Fischkatzen Tiere, die für einen Zoo wie den Nürnberger attraktiv genug sind, um möglichst hohe Besucherzahlen zu erreichen? Noch dazu gibt es am Schmausenbuck ja keine Braunbären mehr. Und die Luchse, die den Wölfen nachfolgten, sieht man auch nur mit viel Glück und Geduld in ihrem weitläufigen Gehege. Natürlich haben sich die Haltungsbedingungen für die Zoos verändert, aber die einzige Bärenart, die man in Nürnberg noch beobachten kann, sind jetzt Eisbären. Reicht das wirklich aus, wenn man den erklärten Bildungs-Anspruch erfüllen will? – Ich bin da sehr unschlüssig und würde gerne von meinen Lesern erfahren, was sie darüber denken.

Freude oder Ärger über diese „neue Art“?

NandusWaschbären sind in meinem Blog schon ein Dauerthema. Kein Wunder, sie nehmen hierzulande einfach überhand. Nun kündigt sich der nächste Fall von Neozoen an – also von Tieren, die bei uns ursprünglich nicht vorkamen, aber mit Hilfe des Menschen auf verschiedenen Wegen hierher gelangt sind. Es handelt sich um wildlebende Nandus. Eigentlich in der südamerikanischen Pampa beheimatet und dort vom Aussterben bedroht, lassen sie sich immer öfter in Norddeutschland nieder und vermehren sich eifrig. Man trifft sie häufig auf Weiden an, wo Rinderherden grasen. Auch den Nandus schmeckt das frische Grün offensichtlich hervorragend. Das Umweltministerium von Mecklenburg-Vorpommern lässt die Laufvögel zahlenmäßig erfassen.

Nandus kann man recht leicht zähmen, sie werden deshalb auch von Vogelliebhabern privat gehalten. Wahrscheinlich ist die wilde Population dieser großen Vögel in Norddeutschland auf einige Einzelexemplare zurückzuführen, die einst aus einer Zucht bei Lübeck ausgebüxt sind. Momentan breiten sie sich weiter in Richtung Osten aus. Nach Schleswig-Holstein haben sie es jedoch auch geschafft, und dort wurde das Umweltministerium ebenfalls auf sie aufmerksam.

Da er eigentlich gar nicht in Deutschland lebt, hat der Nandu hier auch keine natürlichen Feinde – wie andere Neozoen auch. Höchstens die Nandu-Küken fallen manchmal Jägern wie dem Fuchs oder dem Adler zum Opfer. Oder – allerdings ganz selten – dem Menschen, beziehungsweise einer Waffe, die jeder besitzen darf: dem Auto.

Natürlich schimpfen – wie in solchen Fällen üblich – die Bauern besonders laut über die unerwünschten Eindringlinge: Sie fressen offenbar besonders gerne Rapsblüten oder zertrampeln sie, so dass die Pflanzen dann keine Früchte hervorbringen können. Bisher sind Nandus geschützt, weil sie auf der Artenschutzliste stehen. Die Landwirte dürfen sie nicht jagen – ja noch nicht einmal verscheuchen. Sie wollen, dass die Vorschriften geändert werden und fordern Ersatzzahlungen bei Schäden, die durch die Laufvögel verursacht werden. Forscher hingegen halten die durch Nadus entstehenden Verluste eher für gering. Die Bauern seien auch selber mit schuld an der Ausbreitung der Tiere: Weil sie auf riesigen Flächen Raps anbauen und so ideale Voraussetzungen für die Nandus schaffen, würden sie die Verbreitung der Vögel sogar unterstützen.

Und – zu welcher Meinung tendieren Sie/tendiert Ihr? Das würde mich interessieren, weil hier im Blog viele Leute Kommentare schreiben, die sich mit tierischen Themen bestens auskennen.

Eisbär Felix macht Platz für Charlotte und Vera

Als Greuther-Weib sehe ich da durchaus Parallelen zum Fußball: So, wie sich jedes Jahr zu einem bestimmten Zeitpunkt das Spieler-Karussell in der Bundesliga zu drehen beginnt, so setzt ziemlich regelmäßig auch der Austausch von Eisbären unter europäischen Zoos ein. Dabei sind allerdings nicht zig Millionen im Spiel, und es dreht sich nicht alles ums Toreschießen oder die Champions League. Vielmehr geht es nur um das Eine: Die Polarbären sollen sich im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms EEP fortpflanzen, ihr Bestand in den Zoologischen- und Tiergärten soll nicht schrumpfen wie in freier Wildbahn, sondern im Gegenteil größer werden.
Kistentraining_Felix_2015Eisbär Felix hat gestern den Tiergarten Nürnberg in einer Transportkiste verlassen, und zwar in Richtung Stuttgart bzw. Wilhelma. Dort soll er für die Eisbärendame Corinna nicht nur während der Frühlings- und Sommerzeit als Gefährte fungieren, sondern könnte sie auch decken. Felix steht mit seinen 13 Jahren voll im Saft, Corinna ist mit 25 allerdings nicht mehr die Jüngste und möglicherweise nicht mehr empfängnisbereit, vielleicht auch gar nicht mehr an Nachwuchs interessiert. Einem Partner wie Felix kann sie unter Umständen trotzdem nicht widerstehen, denn der gilt als echter Frauenversteher. Obendrein ist der in Wien geborene Bär schon weitgereist. Die Fahrten zu verschiedenen Zoos in Europa nimmt er immer gelassen hin und verschwindet jedesmal routiniert und ohne großes Tamtam in seiner Transportkiste, an die er sich längst gewöhnt hat.
Felix lebt seit 2004 am Schmausenbuck – jedoch mit Unterbrechungen: Zwischendurch besuchte er Eisbärinnen in Gelsenkirchen und Aalborg, um sich mit ihnen zu paaren – in dem dänischen Zoo auch mit Erfolg. Er ist außerdem der Papa von Flocke, die im Dezember 2007 geboren wurde und inzwischen selbst Mutter ist, von den Eisbärenzwillingen Gregor und Aleut (geboren 2010) und vom neuesten Jungtier Charlotte: Sie kam im November vergangenen Jahres zur Welt.
Ungefähr sechs Monate soll Felix, der bärige Charmeur, in Stuttgart bleiben. Wenn Vera  jetzt mit ihrer jüngsten Tochter Charlotte aus der Geburtshöhle auf die Freianlage herauskommt, haben die Beiden mehr Platz zum Kuscheln, Schwimmen, Spielen und Verstecken, denn sie können den von Felix vorübergehend nicht bewohnten Teil des Geheges mit nutzen. Bestimmt wird Charlotte genau so wie Flocke, ihre große, in Südfrankreich lebende Schwester, ein richtiger Besucherliebling!