Fisch – mit gutem Gewissen

Der Nürnberger Tiergarten möchte mit gutem Beispiel vorangehen, wenn es um nachhaltig gefangenen Fisch geht. Deshalb kriegen Delfine, Robben und Pinguine MSC-zertifizierten Fisch zu fressen. Das können die Besucher bei öffentlichen Fütterungen zum Beispiel in der Lagune beobachten. Dort sind seit ein paar Wochen alle acht Delfine des Zoos am Schmausenbuck zusammen. Moby, der über 50-jährige Senior der Gruppe, hat nach wie vor die Rolle des „Chefs“ inne – und das, obwohl die beiden „jungen Wilden“ Rocco und Kai aus Harderwijk neu zur Gruppe hinzugekommen sind. Die beiden scheinen den alten Herren zu respektieren -zumindest bisher klappt die Zusammenführung gut.

MSC – die Abkürzung steht für Marine Stewardship Council. Der vergibt sein Zertifikat für Fisch und Meeresfrüchte nach bestimmten Kriterien: Der Bestand muss gesund sein; die Auswirkungen auf das Ökosystem werden kontrolliert; das Fischereimanagement muss flexibel reagieren, wenn sich die Bedingungen beim Fang kurzfristig ändern. (Auf nebenstehendem Foto nehmen der Nürnberger Tiergartendirektor Dag Encke und Peter Noventa vom Zoo-Restaurant „Waldschänke“ im „Blauen Salon“ der Lagune das Zertifikat von einer MSC-Vertreterin entgegen.)

Als im Jahr 2006 in der Zeitschrift „Science“ ein Artikel über die weltweite Fischerei erschien, in dem Daten der vorausgegangenen 50 Jahre ausgewertet wurden, zeichnete sich für die Zukunft ein düsteres Bild ab: 2048 würde der letzte kommerziell gefangene Fisch aus dem Wasser gezogen.

Schon damals hat der Tiergarten über die Situation informiert und gezeigt, was jeder Einzelne tun kann, um diese Entwicklung aufzuhalten. Wusste damals noch kaum jemand mit dem Kürzel MSC etwas anzufangen, so hat sich das mittlerweile geändert. Im Tiergarten werden pro Jahr etwa 70 Tonnen Fisch an Moby & Co. verfüttert, rund die Hälfte davon sind Heringe. Für die ist das Nachhaltigkeits-Zertifikat garantiert, für die anderen Fischarten existiert (noch) kein MSC-Siegel.

Für die Zoobesucher kommen im Tiergarten-Restaurant „Waldschänke“ übrigens ebenfalls nur Fische und Meeresfrüchte auf den Tisch, die sie guten Gewissens verzehren können: entweder MSC-zertifiziert oder – falls es bestimmt Fische nicht mit diesem Siegel gibt – in Bio-Qualität.

Willkommen, Xenagama wilmsi!

Wenn man häufig über bedrohte Tierarten schreibt, freut man sich umso mehr über eine Meldung wie diese: In Somalia wurde eine neue Echsenart entdeckt (Foto: Tomas Mazuch). Die Tiere besitzen einen platten Schwanz – ähnlich wie Biber. Offenbar hängt das damit zusammen, dass sie in Gängen leben, die sie sich selbst graben und die sie mit diesem platten Schwanz gut verschließen können.

Die neu entdeckte Echse gehört zur Familie der Agamen in Somalia. Sie hat den wissenschaftlichen Namen Xenagama wilmsi bekommen und ist damit nach Thomas Wilms benannt, den Kurator des Frankfurter Zoos. Er beschäftigt sich seit langem intensiv mit der Erforschung der Artenvielfalt in Nordafrika und auf der arabischen Halbinsel.

Entdeckt hat das Tier der Reptilien-Spezialist Philipp Wagner vom Zoologischen Forschungsmuseum Alexander Koenig in Bonn zusammen mit Wissenschaftlern der Villanova Universität in den USA und aus der Tschechischen Republik. Am Horn von Afrika, in den Wüsten von Nordsomalia und Äthiopien, leben besonders viele Biberschwanzagamen. Das Gebiet ist unter Forschern für seine große Artenvielfalt bekannt und dürfte uns in Zukunft noch mehr Tierarten bescheren, von deren Existenz wir bisher nichts geahnt haben.

Alarmstufe Rot für viele Affen

Es ist traurig, aber leider nicht zu vermeiden: Immer wieder muss sich hier in meinem Blog über Tierarten schreiben, die vom Aussterben bedroht sind. Das Thema wird bedauerlicherweise immer brisanter. Derzeit berät die Weltgemeinschaft UNO in Hyderabad (Indien) über den Erhalt der biologischen Vielfalt, und deshalb gibt es wieder einen aktuellen Anlass, auf das Thema einzugehen.

Die Weltnaturschutzunion IUCN gab auf der Konferenz bekannt, dass von 420 Affenarten auf der Welt 206 vom Aussterben bedroht sind. Also steht fast die Hälfte der Tiere, die als engste Verwandte des Menschen gelten, auf der Roten Liste. Gründe für die Bedrohung der Primaten sind die Zerstörung ihres Lebensraums, der illegale Handel mit den Tieren und die Jagd: Affenfleisch ist äußerst begehrt. Bei einigen Arten existiert nur noch eine sehr geringe Anzahl von Tieren. Dazu gehören auch die Goldkopflanguren aus Vietnam (siehe Foto), die Roloway-Meerkatzen aus Westafrika und die Roten Varis aus Madagaskar.

Apropos Madagaskar: Auf der vor Afrika liegenden Insel haben die Affen besonders schlechte Karten. Denn wegen der politischen Krise dort werden noch mehr Affen als bisher wegen ihres Fleisches bejagt, außerdem wird dort immer mehr tropischer Regenwald vernichtet. So wundert es einen nicht, wenn 25 der am stärksten bedrohten Affenarten auf Madagaskar leben. Aber auch in Vietnam, Indonesien und Brasilien sieht es für viele Primaten sehr schlecht aus.

Die IUCN mahnt in Hyderabad einen besseren Schutz der Affen an. Auch mit dem Hinweis auf menschliche Interessen: So spielen Affen etwa eine immer bedeutendere Rolle für den Tourismus der Länder, in denen sie vorkommen. Und sie sind unverzichtbar, wenn es um den Erhalt des Regenwaldes geht, weil sie Samen in den Wäldern verteilen und so ihren Beitrag zur Vielfalt des Regenwaldes leisten. Wenn Affen aussterben, zieht das also weitreichende Folgen nach sich, die sich auf den Menschen äußerst negativ auswirken werden. Das sollte niemand vergessen.